Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gemeindemitglieder!
In der Sitzung des Kultusvorstands vom 13. Jänner 2026 wurden folgende Themen behandelt:
- Präsentation der IRG-Befragung
- Vorstellung der Abteilung Buchhaltung und Finanzen
- Bericht des Präsidenten
- Allfälliges – KV-Zusammensetzung bleibt, Zugehörigkeit geändert
Ergebnisse der IRG-Befragung
Bereits zum zweiten Mal führte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH im Auftrag der Israelitischen Religionsgesellschaft Österreich (IRG) eine Online-Umfrage unter Mitgliedern von Kultusgemeinden in ganz Österreich, aber auch nichtjüdischen Personen durch, die Interesse an den jüdischen Gemeinden haben sowie Juden und Jüdinnen, die nicht Mitglieder in einer IKG sind. Die Befragung fand im Winter 2025 statt, es beteiligten sich 1.164 Menschen, 698 von ihnen gaben an, IKG-Mitglied zu sein, 423 waren nicht Mitglied einer jüdischen Gemeinde.
Die wichtigsten Ergebnisse, die dem Kultusvorstand Dienstagabend von Dr. Peter Hajek präsentiert wurden: Sicherheit, religiöse Grundversorgung, Interessensvertretung von Jüdinnen und Juden sowie Solidarität mit dem Staat Israel werden als die wichtigsten Aufgaben der jüdischen Gemeinde gesehen. Die Zufriedenheit mit den Serviceangeboten der jüdischen Gemeinde ist hoch – insgesamt 65 Prozent sind sehr bzw. eher zufrieden, nur jeder Zehnte zeigte sich unzufrieden. Kulturveranstaltungen werden von 18 Prozent der Befragten häufig, von weiteren 39 Prozent immer wieder besucht und das Angebot wird von 70 Prozent mit der Note 1 oder 2 beurteilt.

Die größte Veränderung gegenüber den Befragungsergebnissen aus dem Frühjahr 2023, also vor dem 7. Oktober, habe sich erwartungsgemäß beim Thema Sicherheit gezeigt, so Hajek. Das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum habe abgenommen. Lag der Mittelwert hier 2023 einerseits bei Juden und Jüdinnen in ganz Österreich, andererseits bei den Mitgliedern der IKG Wien noch bei jeweils 2,1 (1: „sehr sicher“ bis hin zu 5: „gar nicht sicher“), beträgt dieser nun 2,5.

Sehe man sich das Sicherheitsgefühl in bestimmten Situationen an, zeige sich: Dort, wo für Bewachung gesorgt werde, sei der Mittelwert weiter hoch, wie etwa beim Stadttempel (2023: 1,6, 2025: 1,7), in Synagogen allgemein (2023: 1,7, 2025: 1,8) oder im Maimonides-Zentrum (2023: 1,5, 2025: 1,7). Beim Besuch von jüdischen Kulturveranstaltungen nahm das Sicherheitsgefühl jedoch deutlich ab (2023: 1,8, 2025: 2,1). Ähnliches gilt für den Bereich Schule (keine konkrete; 2023: 1,6, 2025: 1,9), für Kindergärten (2023: 1,7, 2025: 2,2), den Weg zur Schule (2023: 2,0, 2025: 2,5) sowie für Universitäten und Fachhochschulen (2023: 1,9, 2025: 2,6).
Hier sei die Botschaft der jüdischen Befragten klar: in und bei jüdischen Einrichtungen fühlen sich die Mitglieder sicher. Im öffentlichen Raum sehe das anders aus – hier gelte es, Bewusstsein bei der Allgemeinheit, den Sicherheitskräften, der Gesellschaft, der Politik zu schaffen, so Hajek.
Vorstellung der Abteilung Buchhaltung und Finanzen
Harald Sasse, stellvertretender Generalsekretär der IKG Wien sowie Leiter des Finanzbereichs der IKG präsentierte die Abteilung Buchhaltung und Finanzen. Diese zeichnet verantwortlich für die Budgets, die Jahresabschlüsse, Steuererklärungen, Förderungen sowie die Finanzierungen und die Liquidität der IKG Wien. Außerdem führt sie die Buchhaltung für nahezu alle IKG-Institutionen durch. Intern teilt sich die Abteilung in den Bereich Controlling & Fördermanagement (Leitung: Mag.a Katja Pavlovsky) sowie den Bereich Buchhaltung (Leitung: Susanne Feistritzer, BSc).
Aufwändig gestalten sich inzwischen aufgrund der immer höheren Auflagen die Abrechnungen mit den rund 20 Fördergebern, erläuterte Sasse. Unter diesen Fördergebern seien das Bundeskanzleramt, die Stadt Wien, diverse Ministerien, der Fonds Soziales Wien, aber auch ausländische Einrichtungen wie die EU, der Joint, die Claims Conference oder Botschaften. Bei der Buchhaltung sei der Workflow inzwischen nur mehr elektronisch, Rechnungen würden zum Beispiel nur mehr digital abgewickelt, es gelte je nach Rechnungshöhe das Vier-, Sechs- oder Acht-Augenprinzip. Im Jahr fallen hier inklusive Immobilienbereich an die 16.000 Rechnungen an.
Bericht des Präsidenten
IKG-Präsident Oskar Deutsch ersuchte die Mitglieder des Kultusvorstands, bis Freitag, den 16. Jänner, dem Generalsekretariat ihre Vorschläge für mögliche Preisträger für die diesjährige Bundesverbands- sowie Torberg-Medaille bekannt zu geben. In der Folge werde die Kommission die Vorschläge behandeln und dem Kultusvorstand Empfehlungen aussprechen.
Der Präsident berichtete zudem über ein Zusammentreffen mit Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ). Wenige Tage zuvor sei im SPÖ-Vorstand beschlossen worden, Palästina als Staat anerkennen zu wollen, sobald die Hamas entwaffnet und entmachtet sei. Diesen Beschluss habe man kritisiert und ausgeführt, dass dies an der Situation im Nahen Osten nichts ändere, aber sich jene, die Israel und dem Judentum feindselig gegenüber stehen, bestärkt fühlen. Eigentlicher Zweck des Treffens war allerdings ein erstes Kennenlernen und der Austausch über Frauenpolitik und die Situation an den Universitäten.
Gespräche gab es zudem auch mit Klaus Holetschek, dem Fraktionsführer der CSU im Bayerischen Landtag, sowie Harald Stauder, Fraktionsvorsitzender der Südtiroler Volkspartei (SVP) im Südtiroler Landtag und dem Landtagsabgeordneten Alex Dorow. Thema war der steigende Antisemtismus in Europa und der Welt. Weitere Treffen fanden mit Erzbischof Franz Lackner, er ist Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, sowie mit Cherrie Daniels, Senior Advisor im Büro des Sondergesandten der Vereinigten Staaten zur Beobachtung und Bekämpfung von Antisemitismus.
Im Rahmen eines Runden Tisches im Bundeskanzleramt kam es zu einem Gespräch mit Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS), Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) sowie Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ). Hier wollte man von Regierungsseite wissen, wo aus Sicht der jüdischen Gemeinde der Schuh drücke.
Groß war heuer auch gegen Jahresende der Reigen an Chanukka-Empfängen. Deutsch berichtete über den großen Empfang von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Rathaus, dabei trat der gemischte ZPC-Kinderchor mit Oberkantor Shmuel Barzilai auf. Im Anschluss lud an diesem Tag einerseits die Israelische Botschaft zu einer Feier ins Arik Brauer-Haus, zum anderen das Jüdische Institut für Erwachsenenbildung (JIFE) zum Kerzenzünden in seine Räume am Praterstern. Zu einem Chanukka-Empfang bat auch der Bezirksvorsteher des Ersten Bezirks, Markus Figl, er ist nun auch Vorsitzender der ÖVP Wien. Erfolgreich sei auch die Chanukka-Gala des Fundraisings gewesen, der Reinerlös kommt hier der Restaurierung des Stadttempels zugute.
Allfälliges – KV-Zusammensetzung bleibt, Zugehörigkeit geändert
KVin Jasmin Freyer ersuchte, ihr Ausscheiden aus Atid über die Kommunikationskanäle der IKG zu verlautbaren. Sie kritisierte, dass dies bisher nicht erfolgt sei. KV Noah Scheer (Atid) antwortete, dass sich die Zusammensetzung des Kultusvorstands nicht geändert hat. Zudem sei ihr Ansinnen bereits von zwei Parteien, nämlich Chaj und Atid kommuniziert worden. Präsident Deutsch stimmte Scheer zu. Die Kommunikation der IKG sei parteiübergreifend und unabhängig. Es schloss die Debatte aber mit einem Vorschlag: Im Bericht über die Sitzung solle erwähnt werden, dass sich Freyer nunmehr freie Mandatarin nenne.
Die nächste Sitzung des Kultusvorstands ist für den 11.02.2026 avisiert.