Im Rahmen eines Online-Seminars des Österreichischen Integrationsfonds haben Benjamin Nägele und Johannan Edelman am 19. Mai 2026 einen umfassenden Einblick in die Arbeit der Antisemitismus-Meldestelle gegeben. Unter dem Titel „Antisemitismus erkennen und dagegen vorgehen“ standen das aktuelle Lagebild in Österreich, die Auswirkungen des 7. Oktober auf die jüdische Gemeinschaft sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit antisemitischen Vorfällen im Mittelpunkt.
Das eineinhalbstündige Seminar widmete sich zunächst der Frage, wie sich Antisemitismus in Österreich zeigt und welche Folgen antisemitische Vorfälle für Betroffene, die jüdische Gemeinde und die Gesellschaft insgesamt haben. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Zeit seit dem 7. Oktober. Die Referenten machten deutlich, dass antisemitische Vorfälle nicht nur einzelne Menschen treffen, sondern auch demokratische Werte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Sicherheitsgefühl jüdischer Menschen berühren.
Ein zentrales Thema war die Arbeit der Meldestelle für antisemitische Vorfälle. Nägele und Edelman erläuterten deren Arbeitsprinzipien und Methodik sowie die gesellschaftliche Bedeutung einer systematischen Dokumentation. Dabei wurde besonders die Opferperspektive hervorgehoben: Die Erfassung antisemitischer Vorfälle dient nicht allein der Statistik, sondern ist auch ein Instrument des Opferschutzes und der Sichtbarmachung von Erfahrungen, die sonst häufig unsichtbar bleiben.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten zudem praktische Orientierung, um antisemitische Erscheinungsformen im Alltag besser erkennen und einordnen zu können. Neben der Sensibilisierung für unterschiedliche Formen von Antisemitismus wurden auch rechtliche Rahmenbedingungen und zivilgesellschaftliche Interventionsmöglichkeiten behandelt. Ziel war es, Handlungskompetenz aufzubauen und aufzuzeigen, wie Einzelpersonen und Institutionen auf Vorfälle reagieren können.
Im Anschluss an die Vorträge entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde. Die Teilnehmenden brachten eigene Erfahrungen ein und nutzten die Gelegenheit, offene Fragen direkt mit den Referenten zu besprechen. Damit verband das Seminar fachliche Information mit praxisnaher Auseinandersetzung und machte deutlich, dass der Umgang mit Antisemitismus sowohl Wissen als auch klare gesellschaftliche Haltung erfordert.