Gedanken zum Wochenabschnitt - Korach 5786

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IKG/Daniel Shaked

von Oberrabbiner Jaron Engelmayer

Ihr habt das Volk G"ttes getötet!

"Ihr habt das Volk des Ewigen getötet!" rief die ganze Gemeinschaft Israels aus (4. Buch Moses 17,6). Es war der Folgetag nach dem erschütternden und zentralen Ereignis unseres Wochenabschnittes, als Korach mitsamt seiner Versammlung, den 250 Häuptern des Volkes, Datan und Awiram mit ihren Familien, starben. Die Gemeinschaft versammelte sich wider Mosche und Aharon und bezichtigte sie des Todes der Getöteten. War ihr Gedächtnis wirklich derart kurzzeitig? Haben sie etwa bereits vergessen, dass sich zwei außerordentliche Wunder vollzogen, welche den Tod der Versammlung Korachs herbeiführten: ein himmlisches Feuer, welches die Weihrauch-Bringenden verzehrte, und der Mund der Erde, welcher sich öffnete und die anderen verschlang? Ging es doch genau darum aufzuzeigen, dass die Strafe offen und allein von G"tt ausging (16, 28-30), wie konnten sie da ausgerechnet Mosche und Aharon der Tötung bezichtigen?

Verschiedene Antworten lassen sich hier anführen. Der Or Hachaim Hakadosch bspw. schreibt, dass der Vorschlag, Weihrauch zu bringen, von Mosche kam, und ebenso die Ankündigung, dass die Erde die Anhänger verschlingen würde, weshalb er sich indirekt für die g"ttliche Reaktion verantwortlich machte (und gleichzeitig erklärt er auch, warum Mosche dies vorschlug). 

Einen interessanten Ansatz bietet Rav Chaim Sabbato, Rosch Jeschiwa in Maale Adumim: Mosche war bekannt dafür, dass er sich immer für das jüdische Volk vor G"tt einsetzte, selbst bei den größten bisherigen Fehltritten. Selbst unter Einsatz seines eigenen Platzes in der Geschichte stand er nach dem Goldenen Kalb für das Volk ein, dass sie die g"ttliche Vernichtung nicht wie angekündigt treffe (2. Buch Moses 32, 11-14; 33,12 - 34,10). Sätze der Bitte um Verzeihung und Vergebung, auf welche wir u.a. zu den Hohen Feiertagen und den Slichot-Gebeten stets zurückgreifen. Oder nach der Sünde der Kundschafter vergangene Woche, wo sich Mosche ebenfalls und einmal mehr erfolgreich zwischen G"tt und die geplante Vernichtung des sündigen Volkes stellte (4. Buch Moses 14, 11-20). 

Nur hier, als Korach sich gegen ihn auflehnte, zeigte Mosche plötzlich und überraschend eine ganz andere Seite. Er bittet G"tt darum, Korach und seine Anhänger keinesfalls zu verschonen und selbst ihre Gebete nicht anzunehmen! "Da zürnte Mosche sehr und sprach zum Ewigen: Wende Dich nicht zu ihrer Opfergabe. Nicht einen ihrer Esel habe ich weggenommen, und Keinem von ihnen Leid getan." (dort 16, 15) Weshalb reagierte Mosche dieses Mal ganz anders, unerbittlich, bat nicht um Verzeihung und Vergebung, wie sonst üblich, sondern forderte im Gegenteil harte Konsequenzen ein?

Der Unterschied liegt wohl darin, welches Resultat Korachs aufrührerisches Anliegen nach sich ziehen würde. Korach bezichtigte Mosche der Selbstherrlichkeit. Er behauptete, Mosche habe nach eigenem Gutdünken und Interessen gehandelt, für sich die Führung des Volkes, für seinen Bruder die Hohepriesterwürde und für seinen Cousin das Fürstenamt zu beanspruchen. Damit rüttelte Korach am gesamten Fundament, welches das Judentum ausmacht! Mosche ist der Überbringer der Tora, der Worte G"ttes, vom ersten zum letzten Buchstaben. Das Vertrauen in seine Unbescholtenheit und seine absolut vollkommen treue Erfüllung des g"ttlichen Auftrages, ohne jegliche Eigeninteressen mit einzubeziehen, sind die Voraussetzung für die Religion, die Lehre und den Weg des jüdischen Volkes. Wenn dieses Vertrauen wegbricht, dann droht automatisch alles zu zerfallen. Deshalb konnte Mosche dieses Mal nicht um Vergebung bitten, denn bliebe Korach verschont, wäre alles in Gefahr, wofür Israel aus Ägypten ausgezogen ist und existiert. 

Nicht umsonst betont G"tt vor der Offenbarung am Berg Sinai, dass mit ihr auch das Vertrauen in Mosche auf ewig gefestigt werden soll (2. Buch Moses 19, 9), und nicht umsonst wurde dies zu einem eigenständigen Glaubensgrundsatz, dem siebten der 13 Grundsätze Maimonides, um dem vorzubeugen. Deshalb wurde es zur Strafe Korachs, von nun an in aller Ewigkeit vom Erdboden aus zu bezeugen: "Mosche ist Wahrheit und seine Lehre ist Wahrheit" - "משה אמת ותורתו אמת" (bab. Talmud Sanhedrin 110a).