Gedanken zum Wochenabschnitt - Dewarim, Schabbat Chason, 5786

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IKG/Daniel Shaked

von Oberrabbiner Jaron Engelmayer

Ohne Israel keine Tora?

"Ejle Hadewarim" - Das sind die Reden, welche Mosche zu ganz Jisrael sprach... Mit diesen feierlichen Worten wird das fünfte Buch der Tora diesen Schabbat eröffnet. Anders als bei den anderen Büchern handelt es sich beim Buch Dewarim um keine weiteren nationalen Ereignisse und Geschichten, abgesehen vom Hinschied Mosches am Ende, sondern um eine Reihe von seinen Reden zum Abschied vom Volk und als Vorbereitung auf dessen Eintritt ins Land Israel und für die Zukunft. 36 Tage währten diese Reden, vom 1. Schewat bis zum 7. Adar, wie der Zahlenwert des Wortes "Ejle" zu Beginn (Or Hachaim Hakadosch). 

Ebenso feierlich wird nach einleitenden Sätzen des Ortes und des Zeitpunktes dargelegt: (5. Buch Moses 1,5) "Diesseits des Jarden im Lande Moaw begann Mosche die Erläuterung dieser Lehre also:" Es folgt nun also die große erläuterte Lehre, diese Tora. Nun würden wir Kernelemente der Tora erwarten, wie bspw. die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis Schma Jisrael, oder weitere eindringliche Botschaften, in den Wegen G"ttes zu gehen, seine Lehre zu studieren und seine Gebote zu befolgen. All das soll tatsächlich noch folgen, doch nicht gleich, erst in den kommenden Wochenabschnitten Waetchanan und Ekew.

Stattdessen fährt er fort: (dort 6-8) "Der Ewige, unser G"tt, hat zu uns am Chorew also geredet: Lang genug habt ihr euch an diesem Berge aufgehalten. Wendet euch und ziehet weiter, kommt zum Gebirge des Emori und zu allen seinen Nachbarn in der Ebene (Arawa), im Gebirge und in der Niederung, im Süden (Negev) und an der Meeresküste, in das Land der Kenaani und zum Libanon, bis zum großen Strome, dem Strome Perat. Siehe, Ich gebe vor euch das Land, kommet und beerbet das Land, welches der Ewige euren Vätern Awraham, Jizchak und Jaakow geschworen hat, es ihnen und ihren Nachkommen nach ihnen zu geben."

Sehr deutlich geht aus diesen Sätzen hervor, dass die Tora, die Lehre, die Mosche hier vermittelt, der Einzug ins Land Israel ist. Seit der ersten Offenbarung G"ttes an Awraham nimmt dieses Land einen besonderen Stellenwert ein, war es doch das erste, worum es G"tt ging: "Gehe in das Land, das Ich dir zeigen werde!" (1. Buch Moses 12,1) Aus den weiteren Sätzen dort könnte man verstehen, dass das Land ein Mittel zum Zweck ist, nämlich, um in diesem zu einem großen Volk zu werden (dort 2), so wie jedes Volk ein Land braucht. Doch hier wird nun klar, dass das Land Israel eine weitaus höhere Bedeutung und Bestimmung besitzt: es ist die Erläuterung der Tora, ihre Basis, ihre Übersetzung in die Realität des Lebens hier auf Erden! 

Besonders auf den Punkt bringt dies Nachmanides (3. Buch Moses 18,25; 5. Buch Moses 11,18), welcher erklärt, dass die vollständige Erfüllung der Gebote der Tora erst und nur in Israel möglich ist. Nicht nur diejenige betreffend, welche direkt an das Heilige Land gebunden sind und sich nur in Israel erfüllen lassen ("Mizwot hatelujot baArez"), sondern auch jene, welche augenscheinlich nichts mit dem Land zu tun haben, welche vom Menschen überall gleichermaßen erfüllt werden können. Auch für sie sieht Ramban die vollkommene Erfüllung erst in Erez Jisrael gegeben. Denn erst in Israel kann G"ttes Offenbarung vollständig zum Ausdruck kommen. Er vergleicht das Land mit einem Palast des Königs, in welchem die Präsenz des Königs in allen Ecken immanent zu spüren und wahrzunehmen ist (s. Nachmanides Drascha zu Rosch Haschana).

Das täglich dreifache Gebet im Bittgebet (Schmona Esre) um Rückkehr und Versammlung des jüdischen Volkes aus der Diaspora nach Israel dreht sich nicht bloß um eine nationale Frage, um einen Ort der Zuflucht vor der Willkür einer Fremdherrschaft, vielmehr geht es hierbei um den vollständigen Sinn der vollkommenen Erlösung: die Anerkennung des G"ttes Israel auf Erden, durch das Land Israel. Diese Tora hat Mosche zu Beginn seiner großen Reden erläutert.