Gedanken zum Wochenabschnitt - Chukkat-Balak 5786

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IKG/Daniel Shaked

von Oberrabbiner Jaron Engelmayer

Raus zu den Unreinen!

Völlig unverständlich sollen die Gebote nicht sein, im Gegenteil. Viele der Gebote der Tora sind leicht nachvollziehbar, menschlich logisch und verständlich, und haben ihren Eingang auch bei vielen anderen Gesetzessystemen gefunden, wie bspw. das Verbot zu stehlen, zu morden, oder das Gebot, die Eltern zu ehren, etc.

Dann gibt es eine andere Kategorie von Geboten, welche von vielen Kommentatoren als „disziplinäre“ („schim´ijot“) bezeichnet werden. Als klassischer Prototyp hierfür gilt die Rote Kuh, welche zu Beginn unseres Wochenabschnitt direkt als „Chukkat haTora“ – „Gesetz der Tora“ – bezeichnet wird, dem Wochenabschnitt den Namen gebend. Chukka ist die Bezeichnung schlechthin für Gesetze, welche Kraft des Gesetzes oder des Gesetzgebers bestehen. Der Or Hachaim Hakadosch erklärt damit den Ausdruck „Gesetz der Tora“, denn mit dem Akzeptieren des Gesetzes wird auch die gesamte Tora von Grund auf angenommen, da es nicht auf menschlicher Logik, sondern auf die bloße Autorität der Tora und des Gebers der Tora beruht.

Und doch geht Rambam (Führer der Verirrten 3, 26) auch in dieser Gesetzesgruppe davon aus, dass sie nicht willkürlich von G“tt gewählt, sondern passend zum menschlichen Wesen und zu seinem Nutzen gedacht ist, auch wenn sich dies nicht offensichtlich erschließen lässt. Es ist also nicht so, dass die Tora ebenso gut anweisen könnte, statt der Asche einer Roten Kuh zur Reinigung der rituell Verunreinigten drei Mal täglich "Kikeriki!" auszurufen oder eine schwarze Katze in eine Grube zu werfen. Die Details des Gesetzes haben sehr wohl eine gezielte Funktion, welche auch bis zu einem gewissen Grad erfasst und ergründet werden kann, wenn auch nicht unbedingt vollumfänglich.

Diesem Leitfaden folgend sah der Lubavitcher Rebbe Rav Menachem Mendel folgende Tiefe in den Weisungen der Roten Kuh: Es fällt auf, dass die heiligen Handlungen ausgerechnet außerhalb des Heiligtums, ja sogar außerhalb des jüdischen Lagers stattfinden sollen (4. Buch Moses 19,3), anders als bei den meisten anderen Opferhandlungen, welche vorwiegend oder ausschließlich auf heiligem Boden im Stiftszelt/Tempel auszuführen sind. Außerdem sticht das Paradox, welches von vielen Quellen genannt wird, hervor: Der Verunreinigte wird durch die Handlung wieder rein, während der Kohen (Priester), der die Reinigung durchführt, durch diese vom reinen in einen unreinen Zustand versetzt wird (dort 19). Wieso das? 

Seine Antwort entspricht der Ideologie, welche er seinen Anhängern ans Herz gelegt hat: Es ist eine große Tat, sich für die jüdische Gemeinschaft einzusetzen, insbesondere für die Verunreinigten, diese zu reinigen und ihre Verbindung zur Heiligkeit des Tempels wieder herzustellen. Hierfür ist es oft nötig, die Zone der Bequemlichkeit zu verlassen, rauszugehen aus der gewohnten und geheiligten jüdischen Umgebung, aus der Stadt und aus dem Lager, ja sogar sich selbst zu einem bestimmten Grad zu verunreinigen, um die Reinheit der anderen herbeiführen zu können. Es geht nicht an und reicht nicht, weiter in seinem eigenen Elfenbeinturm der Heiligkeit zu verharren, denn so werden diejenigen, welche es am meisten brauchen - deren Seelen manchmal aus der Ferne rufen und Anbindung suchen - nicht erreicht werden können. "Das ist das Gesetz der Tora..." (dort 2).