In der Sitzung des Kultusvorstands vom 17. März 2026 wurden folgende Themen behandelt:
- Bericht der Kommunikationsabteilung
- Bericht der Rabbinerfindungskommission
- Pilotprojekt „Koscheres Fleisch vor Pessach“
- Novellierung der Friedhofsordnung
Bericht der Kommunikationsabteilung
Ben Dagan, Leiter der Kommunikationsabteilung der IKG Wien, berichtete dem Kultusvorstand Dienstagabend über die aktuellen Projekte seiner Abteilung, die als Schnittstelle für alle Kommunikationsangelegenheiten intern wie extern, die Corporate Identity der IKG Wien, Presseanfragen, aber auch Werbung etwa für Kulturveranstaltungen verantwortlich sei.

Die neue Corporate Identity-Linie wurde demnach inzwischen vollständig implementiert und sei gut angenommen worden. Sie sei so gestaltet worden, dass sie für die verschiedensten Formate sowohl im Bewegtbild als auch in Print gut funktioniere.
Neu gestartet hat das Kommunikationsteam zudem seinen Instagram-Kanal, man bemühe sich hier um eine enge Verknüpfung mit den Kanälen der IKG Jugend sowie der IKG Kultur. Produziert werden dafür inhouse auch kurze, maximal 90 Sekunden lange Videos, die einerseits Feiertage erklären, aber zum Beispiel auch Geschichtliches erläutern. Konkret nannte Dagan hier einen Clip zum Holocaustgedenktag als Beispiel. Es gehe darum, in prägnanten Videos unterschiedlichste Themen aus der jüdischen Perspektive einzubringen. Bisher habe der Kanal knapp unter 500 Follower und Followerinnen, die einzelnen Beiträge würden aber bis zu mehrere tausend Menschen erreichen. Die IKG Kommunikation bespiele damit nun verschiedenste Online-Kanäle. So würden Menschen jeweils auf jenen Kanälen erreicht, die sie nutzen.
KV René Wachtel (Chaj) fragte nach, ob es viele Hasskommentare gebe und wie man mit diesen umgehe. Dagan erklärte, bis jetzt seien problematische Antworten unter IKG-Beiträgen auf Instagram nicht so häufig wie befürchtet, im Anlassfall würden solche Antworten jedenfalls gescreenshotet und an die Antisemitismus-Meldestelle übermittelt und im Anschluss gelöscht. Hassäußerungen kämen allerdings grundsätzlich in Phasen und Wellen, man sei hier jedenfalls entsprechend vorbereitet.
Ein weiteres neues Angebot der IKG Wien ist eine Landing Page auch auf Hebräisch, die einen Überblick über die Angebote der Kultusgemeinde gibt. Damit wendet man sich vor allem an junge Israelis, die sich in Wien aufhalten. Neu gestaltet wurde zudem das Bitachon-Plakat mit Sicherheitshinweisen, das in allen Synagogen sowie jüdischen Einrichtungen affichiert ist.
Bericht der Rabbinerfindungskommission
IKG-Präsident Oskar Deutsch berichtete, dass die Rabbinerfindungskommission am Montag vergangener Woche zum ersten Mal tagte. Nachdem Oberrabbiner Jaron Engelmayer die IKG Wien nach den nächsten Hohen Feiertagen auf eigenen Wunsch in Richtung Israel verlässt, wurde diese Stelle nun neu ausgeschrieben und diese Ausschreibung auf der Seite der IKG Wien veröffentlicht. https://www.ikg-wien.at/nachrichten/stellenausschreibung-oberrabbiner-der-ikg-wien
Inserate sollen zudem in Medien in der Schweiz und in Deutschland („Tacheles“, „Jüdische Allgemeine“) geschalten werden. Gesucht werde auch über die Europäische Rabbinerkonferenz, die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland sowie über das Oberrabbinat Israels. Bewerbungsfrist ist der 30. April.
Aus Rücksicht auf die Kandidaten bemüht man sich zudem um Diskretion bezüglich der Bewerbungen. Alle Mitglieder der Rabbinerfindungskommission haben daher eine entsprechende Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet.
Pilotprojekt „Koscheres Fleisch vor Pessach“
IKG-Präsident Deutsch berichtete über das Pilotprojekt „Koscheres Fleisch vor Pessach“. Auf Initiative von Jachad wurde der Kauf einer großen Menge von Rindfleisch von privaten Geldgebern vorfinanziert, konkret wurden sieben Tonnen Rindfleisch unter der Haschgacha von Rabbiner Aminov geschächtet. Dieses Fleisch werde nun am Karmelitermarkt am Stand 49 zu günstigeren Preisen als sonst für koscheres Fleisch in Wien bisher üblich verkauft. Das Kilo Faschiertes kommt hier beispielsweise auf 19,50 Euro, das Kilo Schulterbraten auf 25,50 Euro, das Kilo Entrecôte auf 49,90 Euro. Erhältlich ist an dem Stand auch Huhn- und Lammfleisch.
Die hohen Preise für koscheres Fleisch in Wien seien oft dem Umstand geschuldet, dass Geschäfte und Lokale zum Haushaltspreis und nicht zum Großhandelspreis einkaufen, so IKG-Vizepräsident Michael Galibov (Jachad). Bisher habe es bei Rindfleisch eine Art Monopolstellung (sefardisch) gegeben. Diese Art von Monopolstellung wurde durch die Eröffnung eines weiteren Lokales gebrochen. Restaurants, die hier nun Fleisch günstiger einkaufen, würden auch die Preise für Gerichte senken. Konkret nannte Galibov hier das Lokal Mea Shearim.
In der anschließenden Debatte wurde von mehreren Kultusvorständen geäußert, dass solch ein Angebot auch für Milchprodukte wünschenswert wäre. Oskar Deutsch betonte, es sei insgesamt eine Aufgabe der IKG dafür zu sorgen, dass koschere Produkte erschwinglich seien.
Kindergarten Tempelgasse
KVin Natalie Neubauer (Atid), Vorsitzende der Bildungskommission, berichtete von der Schließung des Kindergartens in der Tempelgasse auf Grund der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Eltern von rund 60 Kindern seien vor etwas mehr als zwei Wochen damit von einem Tag auf den anderen mit der Situation konfrontiert gewesen, dass ihr Kind keinen Kindergartenplatz mehr habe – darunter auch Kinder im Vorschulalter. Für diese gilt das verpflichtende Kindergartenjahr, also die Pflicht, einen Kindergarten zu besuchen.
Irma Dhillon, die eigentlich die Förder- und Inklusionsstelle der IKG leitet, bemühte sich in der Folge in Gesprächen mit den anderen jüdischen Kindergärten um Lösungen. Evaluiert wurde etwa die Möglichkeit, an anderen Kindergärten neue Gruppen zu eröffnen – hier sagte schließlich nur der ZPC-Campus ein solches Angebot für eine Gruppe für 25 Kinder zu. Am Ende wurde dieses Angebot allerdings von den betroffenen Eltern nicht angenommen, bedauerte Neubauer. An die sechs Kinder hätten in bestehenden Gruppen des ZPC-Kindergartens einen Platz gefunden.
Novellierung der Friedhofsordnung
Die Statutenkommission hat die zuletzt 2004 aktualisierte Friedhofsordnung novelliert und dabei gänzlich überarbeitet, berichtete Kommissionsvorsitzender Maurizi Berger. Der stellvertretende Kommissionsvorsitzende und Jurist Wolfgang Wieshaider zeichnete dabei für die juristische Umsetzung verantwortlich. Es wurden nicht nur einzelne Punkte adaptiert, sondern die Friedhofsordnung wurde völlig neu aufgesetzt, dabei gestrafft und übersichtlich formuliert.
Bezüglich der Reservierungsregelung wird nun zwischen Grabstellenkosten und Bestattungskosten unterschieden. Die Aufstellung ist wie folgt:
| GRABKOSTEN ab 17.3.2026 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. Klasse | 2. Klasse | 3. Klasse | 4. Klasse | 5. Klasse | Gruppen 21 & 23 | NÖ. Bgld. | |
| Grab | € 17.200 | € 11.500 | € 7.200 | € 3.700 | € 1.000 | € 8.300 | € 2.300 |
| 20%-ige Ermäßigung beim Kauf zweier Gräber | € 13.760 | € 9.200 | € 5.760 | € 2.960 | € 6.640 | € 1.840 | |
| Spezialtarif gemäß § 20 FO | € 4.200 | ||||||
| BESTATTUNGSTARIF ab 17.3.2026 | |||||||
| Bestattungskosten (Sarg, Abholung, Tahara, Tachrichim, Aufbewahrung, Kondukt) | € 1.800 | € 1.800 | € 1.800 | € 1.800 | € 1.800 | € 1.800 | € 3.600 |
| Evtl. Zusatzkosten in allen Klassen | |||||||
| Exhumierung | € 1.900 | ||||||
| Besorgung von Dokumenten | € 140 | ||||||
| Abhebung der Deckplatte/der Beilegung | € 460 | ||||||
| Benutzung der Einsegnung für Verabschiedung | € 490 | ||||||
| Tahara, Tachrichim (bei Überführung) | € 540 | ||||||
| Aufbewahrung über Nacht (bei Überführung) | € 160 | ||||||
| Immatrikulationsgebühr bei Nichtmitgliedern | € 8.000 | ||||||
Diskutiert wurde vom Kultusvorstand vor allem der § 27, der die Gestaltung der Grabsteine regelt. Hier ist nun klar festgehalten, dass das Anbringen von Porträts, wie sie inzwischen auf einigen Gräbern am 4. Tor des Zentralfriedhofs zu finden sind, nicht erlaubt ist. Dies gilt für neue, aber nicht für bereits bestehende Gräber. Insgesamt ist – entsprechend der Halacha – das Anbringen von Bildern auf Grabsteinen, mit Ausnahme traditioneller Symbole wie den Händen der Kohanim oder den Krügen der Leviten verboten. Hier einigten sich die Mitglieder des Kultusvorstands, dass künftig das Rabbinat die entscheidende Instanz ist. Wer also einen Grabstein mit einem Bild versehen möchte, muss zuvor eine Bewilligung des Rabbinats einholen. Inschriften müssen zudem nun auch einen hebräischen Text enthalten.
Die neue Friedhofsordnung, die auf allen jüdischen Friedhöfen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, aber auch für jüdische Einzelgräber auf anderen Friedhöfen sowie Massengräber in diesen drei Bundesländern gilt, wurde vom Kultusvorstand einstimmig beschlossen. Einher geht damit auch eine Neuordnung der Tarife. Es gibt damit nun eine getrennte Bezahlung von Grab- und Bestattungskosten. Gräber können damit weiterhin vorab reserviert und bezahlt werden, im Todesfall gelten dann aber die jeweils aktuellen Bestattungskosten.