Bericht zur Sitzung des Kultusvorstands vom 14. April 2026

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In der Sitzung des Kultusvorstands vom 14. April 2026 wurden folgende Themen behandelt: 

Bericht der Kulturabteilung 

Aktueller Stand der Sanierung des Stadttempels 

ORF-Weltjournal 

Bericht des Präsidenten 

Bericht der Kulturabteilung 

Die Kulturabteilung der IKG Wien organisiert jedes Jahr in Wien rund acht Eigen- und zehn Kooperationsveranstaltungen, in Baden weitere zwölf Events. Karen König, sie leitet die Abteilung, und Rebecca Eder präsentierten dem Kultusvorstand  Dienstagabend  einen Überblick über das Programm, das unter dem Motto steht: „Wir machen jüdische Kultur sichtbar“. Die angebotenen Formate sind vielfältig und reichen von Konzerten und Comedyshows über Literaturcafés und Theater bis zu Filmscreenings und Talks. Highlights sind das Jüdische Straßenfest, das Kantorenkonzert – im Herbst wird hier Kantoren-Superstar Shulem Lemmer aus den USA erwartet, das Jüdische Neujahrskonzert sowie am Jahresende „Swingin‘ Chanukka“.  

Wie König und Eder ausführten, setzt man dabei auch stark auf Kooperationen. Zusammengearbeitet werde etwa mit dem Filmarchiv Austria, dem Votiv Kino, Botschaften (Deutschland, Israel), der Buch Wien oder dem Theater Nestroyhof Hamakom. Das Publikum sei jüdisch und nichtjüdisch, je nach Event gebe es Interesse von jung bis alt. Kommuniziert würden die Veranstaltungen über diverse Kanäle, einerseits auf den eigenen Social Media-Auftritten der IKG.Kultur, aber auch in IKG-Medien sowie in nichtjüdischen Medien mit Unterstützung der Kommunikationsabteilung. Bei jüngerem jüdischem Publikum besonders beliebt seien die Comedyshows. Hier kündigte König einen Auftritt von Yohay Sponder an – genaue Veranstaltungsdaten werden in Kürze bekannt gegeben, dann startet auch der Ticketverkauf. 

IKG-Präsident Oskar Deutsch freute sich, dass die Kulturveranstaltungen der IKG heute sehr gut besucht seien. Er ortet neben dem angestiegenen Antisemitismus auf der einen Seite auf der anderen Seite „ein enormes Interesse, das Judentum kennenzulernen“. Jüdisches Leben nach außen zu zeigen, ist für ihn auch „das Wichtigste im Kampf gegen Antisemitismus“. Menschen sollten, wenn sie an Juden und Jüdinnen denken, nicht vorrangig „den geschlagenen“ sondern eine selbstbewusste und vielfältige jüdische Gemeinde im Kopf haben.

Aktueller Stand der Sanierung des Stadttempels 

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KVin Natalie Neubauer (Atid), sie ist auch Teil von KENH Architekten, die für die derzeit laufende Sanierung des Stadttempels verantwortlich zeichnen, präsentierte dem Kultusvorstand den aktuellen Stand der Arbeiten. Man sei sowohl zeitlich als auch finanziell im Plan, betonte sie dabei. Bei den Rückbauten seien „tolle Sachen“ gefunden worden, „auf die wir gehofft haben“, Herausforderungen waren 200 Jahre alte Böden in der Vorhalle, zu erneuernde Abwasserstränge, morsche WC-Fenster oder diverse zu Tage getretene Gewölbe. Besondere Freude mache die Freilegung eines Originaltorbogens aus dem Jahr 1826 und der Originalsteinboden auf der Bima. Die Stemmarbeiten seien inzwischen abgeschlossen, sämtliche Schlitze für die neue Lüftungs- und Klimaanlage ausgeführt. Auch die Arbeiten, um im ganzen Haus Barrierefreiheit zu erreichen, seien abgeschlossen. „Jetzt beginnen wieder die Einbauten, das Verputzen, Malen, das Kabel Einziehen.“ Die ersten WC-Anlagen würden kommende Woche verfliest. 

Schwer getroffen habe das ganze Team – inklusive der involvierten Handwerksbetriebe – der plötzliche Tod von Michaela Tanner, langjähriger Mitarbeiterin der Immobilienabteilung, die stark in das Projekt eingebunden gewesen sei. Sie starb nach kurzer schwerer Krankheit und habe, so Neubauer, „ihr Herzblut“ für die IKG gegeben. Die Verantwortung für die Kosteneinhaltung, die Tanner bisher oblag, sei nun extern vergeben worden. Andere Aufgaben Tanners im Rahmen des Stadttempel-Projekts habe nun KENH Architekten übernommen. 

Dienstagvormittag gab es einen Pressetermin zum Fortschritt der Baustelle, berichteten Neubauer und Deutsch. Das Medieninteresse sei hoch gewesen, so der IKG-Präsident. Er gab zudem bekannt, dass ORF III eine Dokumentation über die Sanierung der 200 Jahre alten Synagoge in der Seitenstettengasse dreht und immer wieder für Dreharbeiten zu Gast sei. Eine der Veranstaltungen im Zuge der Wiedereröffnung im Herbst werde zudem von ORF III live übertragen werden.

ORF-Weltjournal 

Die IKG sowie mehr als 120 ORF-Haushaltsabgabe-Zahler aus der Gemeinde haben im Herbst 2024 bei der zuständigen Behörde KommAustria Beschwerde gegen eine „Weltjournal“-Sendung über den Gaza-Krieg (ausgestrahlt am 4. September 2024) eingebracht. Inzwischen stellte die Behörde in einem Bescheid fest: durch die Sendung sei es zu mehreren Gesetzesverstößen gekommen, wie KV Erich Nuler (Atid) berichtete. Dazu gab es inzwischen auch Berichte im „Standard“ und der „Presse“. Das Weltjournal habe falschen Übersetzungen aus dem Arabischen gesendet, eine Protagonistin mit Hamas-Nähe lediglich als Reporterin vorgestellt und die israelische Armee für Vorfälle verantwortlich gemacht, die von Terroristen verursacht wurden. Dadurch habe das ORF-Weltjournal das Publikum unter anderem in die Irre geführt, heißt es im Bescheid.

In einzelnen Punkten sei die Behörde allerdings der Kritik der IKG nicht gefolgt. Damit hätte man leben können, so Nuler. Da der ORF aber weiterhin die offenkundigen Fehler wegzuwischen versuche, habe man entsprechend dem Beschluss des Kultusvorstands im März (in einem nicht öffentlichen Teil der Sitzung) selbst eine Beschwerde eingebracht. Dabei geht es unter anderem um weitere falsche Übersetzungen und den zweiten Protagonisten, der sogar Pressekonferenzen mit Hamas-Ministern gegeben hat. Nun liege die Materie bei der zweiten Instanz, dem Bundesverwaltungsgericht. Eine baldige Entscheidung sei hier nicht zu erwarten.

KV Dezoni Dawaraschwili (VGJ) fragte nach dem Ziel, hier den Rechtsweg zu beschreiten. Nuler meinte dazu, ein Ziel sei schon erreicht, dass eben Gesetzesverstöße seitens des ORF festgestellt worden seien. Diese hätten enorme Auswirkungen auf die jüdische Gemeinde gehabt, man habe etwa die Sicherheit nochmals verstärken müssen. KV Michael Galibov (Jachad) betonte, der vorliegende Bescheid sei schon „sehr peinlich für den ORF“, auch international – sowohl deutsche als auch israelische Medien hätten darüber berichtet. Präsident Deutsch betonte, wenn es zu solchen Ungerechtigkeiten komme, müsse man dagegen ankämpfen.   

Bericht des Präsidenten 

IKG-Präsident Deutsch berichtete über Gespräche mit Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) in Hinblick auf den Eurovision Song Contest Mitte Mai in Wien. Mit Demonstrationen gegen die Teilnahme Israels werde zu rechnen sein, die Polizei sei darauf vorbereitet. Man hoffe, dass am Ende alles friedlich über die Bühne gehe.  

 Stichwort Demonstrationen: hier berichtete Gad Fischman, der Vorsitzende der Sicherheitskommission, über zwei problematische Kundgebungen am vergangenen Wochenende. Eine trat für Waffenembargos ein, eine andere wandte sich gegen die Entscheidung zur Ausweitung der Todesstrafe in der Knesset. In beiden Fällen seien inakzeptable Parolen gerufen worden. Bei der zweiten Veranstaltung sei eine Passantin mit Israel-Fahne, attackiert und verletzt worden. Die Polizei habe in beiden Fällen den Sachverhalt der Staatsanwaltschaft gemeldet, mit Verfahren sei zu rechnen. Fischman appellierte an Einzelpersonen, die in solchen Fällen dagegen protestieren, sich dessen bewusst zu sein, dass sie das Risiko eingehen, verletzt zu werden.  

Deutsch traf in den vergangenen Wochen zudem auch mit Bundesratspräsident Markus Stotter (ÖVP), Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) und Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) zusammen. In all diesen Gespräche gehe es vor allem darum, darzustellen, wie es den Gemeindemitgliedern angesichts der Rahmenbedingungen (aktuell: Krieg der USA und Israels gegen den Iran, Kampf Israels gegen die Hisbollah im Libanon) gehe. 

Der Präsident berichtete zudem von einer sehr gelungenen Purimfeier im Speisesaal der ZPC-Schule – man sei wegen der Bauarbeiten im Stadttempel dorthin ausgewichen. „Es war wirklich eine tolle Sache, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Fast jeder war verkleidet. Vielen Dank der ZPC-Schule fürs Einspringen.“ Deutsch merkte zudem an: Es sei auch und vor allem jetzt Zeit zu feiern, „wir dürfen uns unsere Laune nicht verderben lassen, wir müssen Optimismus und jüdisches Leben zeigen“.