Im Rahmen einer Bildungsreise durch Europa besuchten 17 Schülerinnen und Schüler der Kaetsu Ariake Junior and Senior High School aus Tokio mehrere Stationen in Europa. Zu Beginn ihrer Reise setzte sich die Gruppe bei einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau intensiv mit der Geschichte der Schoa auseinander. Ziel war es, das Bewusstsein für die Verbrechen des Nationalsozialismus und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart zu vertiefen sowie die Bedeutung von Erinnerung und Verantwortung zu vermitteln.
Anschließend führte die Reise die japanischen Schülerinnen und Schüler nach Wien, wo eine Likrat-Begnung auf dem Programm stand. Diese bieten ihnen die Möglichkeit, nicht nur mehr über die jüdische Geschichte zu erfahren, sondern vor allem das heutige jüdische Leben kennenzulernen und in einen persönlichen Dialog einzutreten. Die Schülerinnen und Schüler konnten nicht nur mehr über die jüdische Geschichte erfahren, sondern vor allem das heutige jüdische Leben kennenlernen und in einen persönlichen Dialog eintreten.
Die Likrat-Begegnung wurde von den Likratinos Ester und Nimschi geleitet. In einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre beantworteten sie die zahlreichen Fragen der japanischen Schülerinnen und Schüler und gewährten persönliche Einblicke in ihren Alltag als junge Jüdin bzw. junger Jude in Österreich.Das Interesse der Jugendlichen war beeindruckend vielfältig: Sie wollten wissen, wie junge Menschen in Wien leben, welche Rolle Schule und Freizeit spielen, wie jüdische Traditionen und Feiertage gefeiert werden und welche Bedeutung der Glaube im Alltag hat. Besonders bewegend waren die Gespräche über jüdische Identität, persönliche Erfahrungen mit Antisemitismus sowie den Wunsch, Menschen ohne Vorurteile und Stereotype zu begegnen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Begegnung war die österreichische Erinnerungskultur und die Bedeutung der Schoa für junge Menschen heute. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, wie die Geschichte der Schoa an österreichischen Schulen vermittelt wird, welche Verantwortung daraus erwächst und weshalb Erinnerungsarbeit auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Holocaust unverzichtbar bleibt. Darüber hinaus entwickelte sich ein lebendiger Austausch über aktuelle gesellschaftliche Themen wie Frieden, Vielfalt, das Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften und die Situation im Nahen Osten. Die japanischen Schülerinnen und Schüler stellen Fragen, hören aufmerksam zu und zeigen großes Interesse daran, unterschiedliche Perspektiven zu erlernen und komplexe Themen im direkten Gespräch zu diskutieren. Zum Abschluss tauschten sich die Jugendlichen über ihre Heimatländer, Kulturen und persönlichen Interessen aus. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie wertvolle persönliche Begegnungen sind: Sie schaffen Vertrauen, bauen Vorurteile ab und fördern gegenseitiges Verständnis – über Länder-, Kultur- und Religionsgrenzen hinweg.