Bericht: Sitzung des Kultusvorstands vom 7. September 2026

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In der Sitzung des Kultusvorstands vom 7. September 2026 wurden folgende Themen behandelt: 

Generalversammlung Maimonides Zentrum/Jahresabschluss 2025 

Micha Kaufman, Direktor des Maimonides Zentrum, präsentierte dem Kultusvorstand den Jahresabschluss für 2025. Dieser fällt mit einem Fehlbetrag von 729.000 Euro erneut negativ aus – allerdings besser als das Ergebnis vom Jahr zuvor (Minus von 1,1 Millionen Euro).  

Es sei gelungen, die Umsatzerlöse durch eine noch bessere Auslastung sowie das Generieren weiterer Einnahmequellen wie etwa Catering gegenüber dem Vorjahr um rund fünf Prozent zu steigern (von 21,83 Mio. Euro auf 22,94 Mio. Euro), strich Kaufman heraus. Die Personalkosten seien aber vor allem angesichts der Tatsache, dass der Kollektivvertrag eine Erhöhung um drei Prozent vorsah, der Fonds Soziales Wien (FSW) aber nur eine Valorisierung von 0,7 Prozent, eine Herausforderung – und würden es in absehbarer Zeit auch bleiben. Daher wurde nun eine im Bereich Pflege versierte Beratungsfirma beauftragt. „Sie soll alle Bereiche durchleuchten und ich hoffe, sie kann dann zeigen, wie wir noch besser wirtschaften können“, so Kaufman.  

Er betonte, dass bei der medizinischen und pflegerischen Qualität jedenfalls keine Abstriche gemacht werden sollen. Stolz zeigte sich Kaufman, dass das MZ bei einem Audit des FSW im Dezember 2025 100 von möglichen 100 Punkten erzielte. Von mehreren Kultusvorständen wurde die gute Betreuung, aber auch Stimmung im MZ gelobt und hervorgestrichen, dass es im Haus wieder eine stärkere jüdische Neschume gebe. Der Kultusvorstand entlastete Beirat und Geschäftsführung einstimmig. 

Fertigstellung der Restaurierung des Stadttempels 

KVin Natalie Neubauer (Atid), sie ist auch Teil von KENH Architekten, die für die Restaurierung des Stadttempels verantwortlich zeichnen, berichtete dem Kultusvorstand weniger als 48 Stunden vor der Wiedereröffnung der Synagoge am 9. September über den Stand der Arbeiten. „Wir werden rechtzeitig fertig“, betonte sie, dazu trügen auch alle beteiligten Firmen bei. „Wir werden zu Rosch HaSchana beten können“, freute sich Neubauer. Es sei aber, wie immer bei solchen Großprojekten, davon auszugehen, dass in den kommenden Wochen noch der eine oder andere Mangel behoben werden müsse.  

IKG-Präsident Oskar Deutsch dankte Neubauer für die mit ihrem Team geleistete Arbeit. Dank ging aber auch an die Leiterin des Fundraising, Isabella Martens. Die Phase 1 der Restaurierung des Stadttempels (die Synagoge selbst) sei mit 7,3 Millionen Euro budgetiert worden, insgesamt würden 10,5 Millionen Euro gebraucht, um auch das Gemeindezentrum, das Restaurant sowie die Fassade zu renovieren. Die Stadt Wien sowie der Bund übernahmen hier jeweils ein Drittel der Kosten. Der Rest wurde bzw. wird über Spenden und Fundraising aufgebracht. Dank der Bemühungen des Fundraising und der finanziellen Unterstützung zahlreicher Gemeindemitglieder und Freunde der IKG im In- und Ausland würden hier nur mehr 550.000 Euro fehlen, so Deutsch. Man könne also voraussichtlich im Lauf des nächsten Jahres Phase zwei und drei der Modernisierungsarbeiten (Gemeindezentrum & Restaurant, Fassade) beginnen. 

WVG-Abschluss 2025 

Thomas Zäuner, Leiter der Immobilienabteilung der IKG Wien sowie Geschäftsführer der der WohnheimverwaltungsgmbH (WVG), präsentierte dem Kultusvorstand den Jahresabschluss  für 2025. Das Vorjahr sei wieder positiv verlaufen. Der Bilanzgewinn betrug rund 300.000 Euro. Vermietungen seien ohne lange Leerstandszeiten umsetzbar gewesen. Zäuner berichtete zudem, dass durch die Vollbesetzung mit Technikern/Handwerkern heuer die Leerstandszeiten noch einmal gesunken seien.  

Der Kultusvorstand entlastete die Geschäftsführung der WVG einstimmig.  

IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele dankte Zäuner, der nach der Pensionierung von Ronald Geissler auch dessen Aufgaben in der WVG übernommen habe. Zudem habe Zäuner nach dem plötzlichen Tod von Michaela Tanner, einer langjährigen Mitarbeiterin der Immobilienabteilung, die seitens der IKG das Projekt Restaurierung des Stadttempels koordiniert habe, auch diese Herausforderung  

übernommen und dazu beigetragen, die Restaurierung fristgerecht abzuschließen. 

Antisemitischer Übergriff auf Jugendliche in Bulgarien 

IKG-Präsident Deutsch berichtete über einen antisemitischen Vorfall in Bulgarien. Jugendliche aus Bnei Akiva-Gruppen aus mehreren europäischen Ländern und Israel seien zu einem Machane in Bansko gereist, darunter auch zwölf Teenager aus Wien. Mehrere junge Männer versammelten sich am Abend des 2. August vor dem Hotel, sie trugen dabei Kleidung mit NS-Symbolik, zeigten den „Hitler-Gruß“ und riefen „Sieg Heil“ sowie antisemitische Parolen. Die IKG wandte sich daraufhin an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) und erhielt vom Ministerium Mitte August die Antwort, dass die österreichische Botschaft in Sofia ersucht worden sei, die Vorfälle zu prüfen. In dem Schreiben heißt es weiters, dass das bulgarische Innenministerium erklärt habe, alle Beteiligten seien identifiziert und die Beweismaterialien der Staatsanwaltschaft übergeben worden.  

Für eine Anzeige müssten sich die Betroffenen an die bulgarische Polizei wenden, diese könne aber auch über einen Anwalt erfolgen. Das Ministerium empfahl hier einen Vertrauensanwalt der österreichischen Botschaft in Sofia. Deutsch kritisierte zudem, dass seitens Bulgariens hier kein schönes Spiel gespielt worden sei. Man habe plötzlich behauptet, die Jugendlichen hätten Gegenstände vom Balkon geworfen. Videos hätten die Neonazis aber ohnehin überführt. „Wir können in solchen Fällen immer nur die Politik bitten, dass sie diese Sachen thematisiert.“ Einmal mehr betonte der IKG-Präsident: Wenn man jüdisches Leben in Europa wolle, müssten Juden und Jüdinnen auch geschützt werden. 

Auflösung der JFS GmbH 

Die Jüdische Friedhofssanierungs- und Verwaltungs-GmbH wurde gegründet, um die Mittel aus dem Nationalfonds für die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe in Österreich (Friedhofsfonds) abzuwickeln. Zweck war, die Gelder aus dem Friedhofsfonds mit Vorsteuerabzug verbauen zu können, was die IKG selbst auf Grund der Hoheitszuordnung nicht konnte. Die Gelder sollten über die IKG an die GmbH als Zuschuss weitergeleitet werden und so in der GmbH verbaut werden. Das Finanzamt entschied allerdings letztendlich, dass die Finanz die Weitergabe der Mittel als „Entgelt“ bezeichnet und dadurch eine Versteuerung dieser nötig wurde.  

Der IKG sei dadurch kein Schaden entstanden, da die Differenzen aus der Versteuerung vom Friedhofsfonds übernommen worden sei, sagte Harald Sasse, stellvertretender Generalsekretär der IKG Wien sowie Leiter des Finanzbereichs. Die GmbH an sich sei dadurch aber sinnlos geworden. Sasse ersuchte den Kultusvorstand daher, der Auflösung der JFS zuzustimmen. Dem kamen die anwesenden Mandatare und Mandatarinnen einstimmig nach. 

Rosch HaSchana 

Deutsch schloss die Sitzung schließlich mit Schana tova-Wünschen – und rief auf, der Wiedereröffnung des Stadttempels diesen Mittwoch (9. September) beizuwohnen. Einen großen Festakt mit Vertretern der Republik und der Stadt wird es zudem am 16. September geben. Diese werde live in ORF III übertragen.