Mendele Lohengrin – Herausragende Interpretation von Klezmer und Wagner im MuTh

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© Christine Schmidl


Mendele Lohengrin – Herausragende Interpretation von Klezmer und Wagner im MuTh

Am 29. Jänner war das MuTh Schauplatz eines besonderen Gastspiels: Mit Mendele Lohengrin gastierte das Jewish Chamber Orchestra Munich unter der Leitung von Daniel Grossmann erstmals in dieser Konstellation in Wien. In Kooperation mit der Deutschen Botschaft verband der Abend Kammermusik, Schauspiel und Gesang zu einem vielschichtigen Konzertformat, das Klezmer, Richard Wagner und zeitgenössische Klangwelten miteinander in Beziehung setzte. Sängerin Ethel Merhaut war an diesem Abend in Höchstform.

Im Zentrum stand die Geschichte des jüdischen Musikanten Mendele, eindringlich dargestellt von Stefan Merki, der bei einem Opernbesuch erstmals Wagners Lohengrin hört und dessen Musik fortan sein eigenes künstlerisches Selbstverständnis prägt. Die Aufführung nahm dabei bewusst Bezug auf Richard Wagners Antisemitismus und stellte die Frage, wie heute mit Werken umzugehen ist, deren Schöpfer problematische politische oder gesellschaftliche Haltungen vertraten. Gemeinsam mit der Sängerin Ethel Merhaut, und dem Jewish Chamber Orchestra Munich wurde dieses Spannungsfeld musikalisch wie erzählerisch ausgelotet, ohne einfache Antworten vorzugeben. Dabei kamen nicht nur Instrumente zum Einsatz, sondern es wurde auch rhythmisch Papier gerissen. Besonders war, dass das Ensemble selbst an manchen Stellen Teil der Erzählung wurde, so wurde gelacht oder gemurmelt, um etwa die Atmosphäre an der Wiener Staatsoper wiederzugeben. 

Das Wiener Publikum nutzte die Gelegenheit und öffnete sich für dieses herausragende Arrangement, das zur kritischen Auseinandersetzung einlud. Mendele Lohengrin erwies sich damit als Konzertformat, das historische Erfahrung, künstlerische Qualität und aktuelle Fragestellungen miteinander verband.

GALERIE

Fotos: IKG/Schmidl