Gedanken zum Wochenabschnitt - Chaje Sara 5787

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von Oberrabbiner Yaron Nisenholz

Die letzte Prüfung Awrahams

„Zehn Prüfungen musste unser Stammvater Awraham bestehen, und er bestand sie alle.“ So lehren unsere Weisen in Pirkej Awot (5,3). Welche Prüfungen gemeint sind, darüber gehen die Meinungen der Kommentatoren auseinander. Die meisten Kommentatoren sehen in der Bindung Jizchaks, der Akeda, die zehnte und schwerste Prüfung. Rabbenu Jona jedoch zählt sie als neunte. Die letzte Prüfung erkennt er erst am Anfang unserer Parascha: im Tod Saras und im Kauf der Höhle Machpela als Grabstätte.

Wie kann der Kauf eines Grabes eine größere Prüfung sein als die Bereitschaft, den eigenen Sohn zu opfern? Drei Gedanken können uns helfen, dies zu verstehen.

Erstens: die Einsamkeit. Nach Saras Tod steht Awraham weitgehend allein da. Hagar und Jischmael haben ihn bereits verlassen; auch Jizchak ist beim Tod und bei der Beerdigung seiner Mutter offenbar nicht an seiner Seite. Ein solcher Verlust könnte einen Menschen lähmen. Awraham aber bleibt handlungsfähig. Er sorgt für Saras würdige Beisetzung und anschließend dafür, dass Jizchak eine Frau findet und die Geschichte der Familie weitergeht.

Zweitens: die Rückkehr in den Alltag. Auf dem Berg Morija hat Awraham einen einzigartigen geistigen Höhepunkt erlebt. Nun muss er verhandeln, einen Kaufpreis vereinbaren und sich um die Einzelheiten einer Beerdigung kümmern. Wir kennen etwas Ähnliches: Nach den erhabenen Stunden von Jom Kippur müssen wir die Sukka aufbauen und uns wieder ganz praktischen Aufgaben widmen. Die Herausforderung besteht darin, die geistige Höhe nicht hinter uns zu lassen, sondern sie in den Alltag hineinzutragen.

Drittens, und vielleicht am tiefsten: das Vertrauen auf G“ttes Verheißung. G“tt hatte Awraham das Land versprochen. Doch als Sara stirbt, besitzt er nicht einmal einen eigenen Platz, um sie zu begraben. Der Talmud (Bawa Batra 16a) hebt hervor, dass Awraham dennoch keinen Vorwurf gegen G“tt erhebt. Gerade nach der Akeda hätte er erwarten können, dass sich die göttliche Zusage nun endlich erfüllt. Stattdessen muss er um ein Stück Land verhandeln und einen hohen Preis dafür bezahlen.

Awraham verliert seinen Glauben nicht. Er versteht, dass eine Verheißung nicht unbedingt sofort Wirklichkeit wird. Zwischen Zusage und Erfüllung kann ein langer Weg liegen, mit Enttäuschungen, Hindernissen und Rückschlägen.

Vielleicht liegt gerade darin die Größe seiner letzten Prüfung: Nicht nur in außergewöhnlichen Augenblicken G“tt treu zu bleiben, sondern auch dann, wenn der Alltag mühsam ist und die erhoffte Zukunft noch fern scheint. Awraham lehrt uns, weiterzugehen, Verantwortung zu übernehmen und mit Vertrauen und Liebe an G“ttes Verheißung festzuhalten.