Am 2. Juni wurde im Wiener Auktionshaus im Kinsky erstmals Gottfried Helnweins neues Gemälde „The Child Dreams“ der Öffentlichkeit präsentiert. Vor Pressevertretern stellten IKG-Präsident Oskar Deutsch, im-Kinsky-Geschäftsführer Michael Kovacek und Gottfried Helnwein das Werk vor, das zugunsten der Restaurierung und Sanierung des Wiener Stadttempels versteigert wird.
Die Auktion findet am 16. Juni im Auktionshaus im Kinsky statt. Gebote können bereits online abgegeben werden. Der Startpreis liegt bei 50.000 Euro.
Das Gemälde entstand anlässlich der Restaurierung zum 200-jährigen Jubiläum des Wiener Stadttempels. Es verbindet Kunst, Geschichte und Zukunft auf besondere Weise: Helnwein porträtiert ein Kind der jüdischen Gemeinde Wiens, das über das individuelle Motiv hinausweist. Es steht symbolisch für die Gegenwart und die kommenden Generationen, für die der Stadttempel als religiöses, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum erhalten und erneuert wird.
Der Präsident der Kultusgemeinde drückte im Rahmen der Pressekonferenz seinen besonderen Dank gegenüber dem Künstler aus, der das Werk der Kultusgemeinde Wien schenkte, um es zugunsten der Restaurierung und Sanierung des Stadttempels versteigern zu lassen. Weiters dankte Oskar Deutsch auch dem Geschäftsführer des Auktionshauses im Kinsky, Michael Kovacek, der das Gemälde mit reduzierten Konditionen für den Käufer durch sein Haus versteigert.
Das Motiv des Kindes nimmt im Werk Gottfried Helnweins seit Jahrzehnten eine zentrale Rolle ein. Der 1948 geborene Künstler, einer der international bekanntesten zeitgenössischen Künstler Österreichs, setzt sich in seinen Arbeiten immer wieder mit Unschuld, Verletzlichkeit und der stillen Stärke von Kindern auseinander. In „The Child Dreams“ erhält dieses Motiv eine besondere Dimension: Das porträtierte Kind wird zum Sinnbild für Hoffnung, Erinnerung und Zukunft der jüdischen Gemeinde in Wien und Österreich.
Eine außergewöhnliche Verbindung zwischen Kunstwerk und Stadttempel entsteht auch durch das verwendete Material. Das Gemälde ist auf ehemaligen Paneelen des Wiener Stadttempels montiert, die nach Entwürfen von Otto Niedermoser gefertigt und im Zuge erster Bauarbeiten aus dem Tempel entfernt wurden. Über Jahrzehnte waren diese Holzvertäfelungen Teil des religiösen und gemeinschaftlichen Lebens im Stadttempel.
Indem Helnwein sein Werk mit diesen historischen Elementen verbindet, wird das Gemälde selbst zu einem Träger von Geschichte. Auch der Schattenfugenrahmen besteht aus Holzteilen des ehemaligen Stadttempels. So entsteht eine besondere Symbiose aus Vergangenheit und Zukunft, aus Erinnerung und Kontinuität. Zugleich verweist das Werk auf die Wiederbegründung jüdischen Lebens in Österreich nach der Schoa und auf die lebendige Gegenwart der jüdischen Gemeinde in Wien.
Die Entstehungsgeschichte des Werkes begann bereits im Sommer 2025. Helnwein fotografierte damals in der jüdischen Zwi-Peres-Chajes-Schule Kinder, die sich für das Projekt beworben hatten. Die Auswahl fiel dem Künstler nicht leicht; schließlich entschied er sich für eines der Porträts als Vorlage für das Gemälde. Die Fotografien aller teilnehmenden Kinder wurden im September 2025 zum Baustart der Restaurierung im Wiener Stadttempel ausgestellt und der Presse präsentiert. Welches Kind für das Gemälde ausgewählt wurde, blieb damals noch geheim.
„The Child Dreams“ wurde von Gottfried Helnwein der IKG.Kultur, dem Betrieb gewerblicher Art der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, geschenkt. Der gesamte Erlös der Versteigerung kommt der Restaurierung und Sanierung des Wiener Stadttempels zugute. Damit ist der Erwerb des Werkes nicht nur der Kauf eines Kunstwerks, sondern auch eine unmittelbare Unterstützung der Restaurierung des Wiener Stadttempels.
Werkangaben: Gottfried Helnwein, The Child Dreams, 2025–2026 Öl und Acryl auf Leinwand, gerahmt 174,5 × 126 cm Keilrahmen auf ehemaligen Paneelen des Wiener Stadttempels montiert Schattenfugenrahmen aus Holzteilen des ehemaligen Wiener Stadttempels Rückseitig auf Leinwand/Überschlag signiert und datiert: Gottfried Helnwein, 2025–2026 Provenienz: Schenkung des Künstlers an die IKG.Kultur zugunsten der Restaurierung des Wiener Stadttempels.
Das Auktionshaus im Kinsky berechnet für dieses Los ein reduziertes Käuferaufgeld von nur 15 Prozent des Meistbots.