Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) hatte in den letzten beiden Jahren die einzigartige Chance, wichtige Bestandsgruppen im Rahmen des Projektes Kulturerbe digital zu digitalisieren und eine Online Archivdatenbank aufzubauen. Damit konnte ein jahrelang geplanter Schritt zur Modernisierung des Archivs verwirklicht werden. Durch seine Online Präsenz wird das IKG Archiv auf europäischer und internationaler Ebene professionell und kompetent vertreten sein.
Das Projekt wurde im Zeitraum von Herbst 2024 bis Frühjahr 2026 durchgeführt und vom Bundesministerium Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) aus Mitteln der Europäischen Union, dem Wiederaufbaufonds NextGenerationEU, finanziert.
Eine Präsentation der Online Archivdatenbank wird in den kommenden Wochen stattfinden. Der Countdown für die Freischaltung des Online Archivs läuft auf Hochtouren.
Insgesamt wurden 90.865 Digitalisate angefertigt, mit über 104.600 Datensätzen in der Archivdatenbank verknüpft und über ein Webinterface der IKG Wien veröffentlicht.

Die Online Archivdatenbank wird jenseits von nationalen und institutionellen Grenzen frei zugänglich sein. Gemeindemitglieder, nationale und internationale ForscherInnen, StudentInnen, Familienangehörige sowie interessierte Personen weltweit werden davon profitieren, indem sie selbständig in den ausgewählten Archivbeständen online recherchieren können.
Das Archivteam ist stolz, dass alle geplanten Projektziele erreicht wurden:
- die professionelle
Digitalisierung von ausgewählten Archivalien und damit einhergehend die
Langzeitsicherung des Schriftguts als jüdisches Kulturgut
- die digitale
Erfassung/Erschließung der Archivalien (= Metadaten)
- die Onlinestellung der
Daten und Findmittel über ein Webinterface der IKG Wien
- die Verwendung von
digitalisierten Archivalien als Wissensressource für Forschung und Lehre
Der Anfang einer großartigen Onlinepräsenz ist geschafft und wir setzen unsere Arbeit fort. In Zukunft wird das Webinterface weiter ausgebaut und Archivbestände sukzessive entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen online zur Verfügung gestellt. Das Projekt war erst der Anfang einer Reihe von weiteren möglichen Projekten mit unseren Kooperationspartnern.
Die Digitalisate und Kurzbeschreibungen werden als Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes Österreichs auch im Kulturpool, dem Suchportal für digitalisiertes Kulturerbe, sowie auf der Europeana Online-Plattform zugänglich sein. Basis sind immer jene Daten, die das Archiv der IKG Wien zur Verfügung stellt.
Folgende Bestandsgruppen werden online verfügbar sein:
- Verzeichnis der Wiener Tolerierten sowie Familienlisten, 1810 bis 1848
- Trauungsakten/Heiratskonsense, 1851 bis 1855, 1860 bis 1861, 1872 bis 1875, 1880 und 1882
- Sterbefälle und Totenprotokolle, Friedhof Währing, 1839 bis 1854
- Friedhofskartei bis 1975, teilweise anonymisiert
- Zeitung „Die Gemeinde“, 1948 bis 1982, nicht vollständig
- Hauslisten der IKG Wien, 1941 bis 1943, teilweise anonymisiert (= derzeit Leihgabe im Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien)
- Tätigkeitsberichte der IKG Wien, 1908 bis 1964
- Nachlass Leopold Moses, 1736 bis 1942
- Collagen und Pläne, 1910 bis 1949
- Hebraica der IKG Wien, 1512 bis 1813 (= Leihgabe in der Bibliothek des Jüdischen Museums der Stadt Wien)
Die Abteilung Archiv bedankt sich bei den IT-Experten der IKG Wien sowie dem langjährigen Kooperationspartner scope solutions AG für die tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung der technischen Anforderungen.
Unser besonderer Dank gilt dem Bundesministerium Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport für die Möglichkeit, dass die Abteilung Archiv das Projekt aus Mitteln der EU (NextGenerationEU) durchführen konnte.