Im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien in der Seitenstettengasse wurden am 26. Mai Prof. Dr. Arnold „Dicky“ Pollak und Dr. Hava Bugajer-Gleitman mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs ausgezeichnet. Zur Verleihung hatte der Präsident der IKG Wien, Oskar Deutsch, geladen, der den Festakt auch eröffnete. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Oberkantor Shmuel Barzilai und Nikos Pogonatos am Klavier.

Rita Dauber hielt die Laudatio auf Dr. Hava Bugajer-Gleitman. Sie würdigte eine Persönlichkeit, die medizinisches, gesellschaftliches und zionistisches Engagement verbindet. Bugajer-Gleitman wuchs in Israel auf, studierte Medizin in der Schweiz und arbeitete nach ihrer Heirat mit Dr. Richard Bugajer in den Ambulatorien Helia und Hebe mit, die sie nach seinem Tod weiterführte.
Dauber erinnerte an Bugajer-Gleitmans vielfältige soziale und gesellschaftliche Aktivitäten, insbesondere an zahlreiche Veranstaltungen und Empfänge in ihrem Haus, mit denen sie die Tradition der Wiener Salonièren fortführe. Im Mittelpunkt ihres Wirkens stehe der Einsatz für den Staat Israel. Als langjährige Präsidentin der WIZO vertrat sie die internationale zionistische Frauenorganisation auch als NGO bei den Vereinten Nationen. Zudem war sie Mitbegründerin der Gender Medizin Gesellschaft in Wien.
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Engagements gilt der Erinnerungskultur: Nach dem Tod ihres Mannes veranlasste sie die Veröffentlichung seiner Aufzeichnungen als einzigem Überlebenden seiner Familie. Jährlich nimmt sie am 5. Mai an Kranzniederlegungen in Mauthausen und Ebensee teil. Dauber würdigte Bugajer-Gleitman zudem als Kämpferin gegen Antisemitismus und Antizionismus.

Die Laudatio auf Prof. Dr. Arnold Pollak hielt Dr. Raimund Fastenbauer, ehemaliger Generalsekretär der IKG Wien. Er würdigte Pollak als herausragenden Mediziner und langjährig engagiertes Mitglied der Gemeinde. Pollak wurde 1945 in Cochabamba in Bolivien geboren, wohin seine Eltern vor den Nationalsozialisten geflüchtet waren. Nach der Rückkehr der Familie nach Wien studierte er Medizin und begann 1971 seine Tätigkeit an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Es folgten Forschungsaufenthalte an der Brown University, die Facharztausbildung, die Berufung zum ordentlichen Universitätsprofessor sowie die Leitung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde.
Fastenbauer hob besonders Pollaks Verdienste in der Neonatologie hervor, darunter den Aufbau moderner Intensivstationen für schwerkranke Neugeborene, Kinder und Jugendliche am AKH. Auch seine Rolle bei der Weiterentwicklung des Neugeborenen-Screenings, seine Mitwirkung am Mutter-Kind-Pass sowie seine wissenschaftliche Arbeit wurden genannt. In der IKG war Pollak unter anderem ärztlicher Fachmann des Krisenstabes während der Corona-Zeit und ist Vorsitzender des Tempelvorstandes. Die Renovierung des Wintertempels und die laufende Renovierung des Stadttempels wurden in der Laudatio ausdrücklich mit seinem Einsatz verbunden.
Mit der Verleihung ehrte der Bundesverband zwei Persönlichkeiten, die auf unterschiedlichen Wegen für die jüdische Gemeinschaft, für medizinische Verantwortung und für gesellschaftliches Engagement gewirkt haben.
