von Oberrabbiner Jaron Engelmayer
Die Laubhütten als praktische Weltanschauung
Wozu ist das notwendig? Sieben Tage lang in einer Laubhütte zu leben?
Die Tora findet hierfür eine einfache und bekannte Erklärung: (3. Buch Moses 23, 42-43) "...damit eure Generationen wissen werden, dass Ich die Kinder Israel in Laubhütten leben ließ, als Ich sie aus Ägypten herausgeführt habe, Ich bin der Ewige, Euer G"tt."
Demzufolge erklären Rambam (More Newuchim 3, 43), Ramban (3. Buch Moses 23, 42), Raschbam (dort) und weitere Kommentatoren, dass die Laubhütte uns daran erinnern soll, wie wir von G"tt behütet und beschützt waren, mit g"ttlichen Wolken und mit Laubhütten, als wir in der Wüste umhergewandert sind.
Eine ganze Reihe von Kommentatoren gehen jedoch einen verschiedenen Weg und sehen in der Laubhütte eine andere Begründung. So erklärt Rabbi Jizchak Arama (Baal Aketat Jizchak), dass sie uns anhält, die materiellen Güter und Anliegen zu verlassen, und sich in die kleine und vorübergehende Behausung zu begeben, wo gerade mal die täglichen Mahlzeiten, ein Bett, ein Tisch, Stuhl und Lampe vorzufinden sind. Damit soll vermittelt werden, dass der Mensch mit wenig auskommen kann, denn es handelt sich um eine vorübergehende Wohnung, und so ist auch das materielle Leben vergänglich und als vorübergehend zu betrachten. Dieser Betrachtung schließen sich auch Rabbenu Efraim, Verfasser des Kommentars Kli Jakar, Rabbi Jonathan Eibenschütz (Jaarot Dwasch) und Weitere an, dass wir uns in der Hütte wie Fremde auf Durchreise, und nicht in festen Behausungen, fühlen sollen.
Doch wo steht das in der Tora geschrieben? Dass die Laubhütten an die Wüstenwanderung erinnern sollen, und die damit verbundenen Wunder g"ttlichen Schutzes, ist da explizit beschrieben, doch dass daraus das Verständnis unserer Vergänglichkeit auf Erden erwachsen soll, ist doch nicht teil der Weisung: "dass Ich die Kinder Israel in Laubhütten leben ließ", woraus haben die Kommentatoren also diesen Schluss gezogen?
Wie es aussieht, findet sich der Hinweis in den Worten: "als Ich sie aus Ägypten herausgeführt habe". Eigentlich hätte es heißen sollen: "als Ich sie in der Wüste wandern ließ", warum ist an dieser Stelle der Auszug aus Ägypten nochmal erwähnt? Denn Ägypten steht für den puren Materialismus, die Fixierung auf monumentale Prachtbauten, welche das Leben und selbst den Tod überdauern sollen, wie etwa prächtige Paläste und die Pyramiden. Mit dem Auszug aus Ägypten verließen die Israeliten zugleich diese Weltanschauung, auch in der Wüste waren sie nicht in festen Behausungen und Bauten untergebracht, sondern in vorübergehenden Hütten.
Das Wohnen in den Laubhütten soll also nicht nur an das historische Kapitel und die damit verbundenen Wunder erinnern, sondern auch die damit zusammenhängende grundverschiedene Weltanschauung von der ägyptischen, in den materiellen Seiten nicht das Maß aller Dinge zu sehen, sondern die Heiligkeit der g"ttlichen Gegenwart ins Zentrum des Lebens zu stellen, welche hoffentlich auch in den Laubhütten weiter wahrzunehmen ist.