Bericht: Sitzung des Kultusvorstandes vom 12. Oktober 2026

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In der Sitzung des Kultusvorstands vom 12. Oktober 2026 wurden folgende Themen behandelt:

Generalversammlung JBBZ

271 Personen besuchen aktuell ein Ausbildungsangebot des Jüdischen Beruflichen Bildungszentrums (JBBZ), 48 davon am Standort Gredlerstraße. In drei Wochen werden es mit dem Start einer neuen Maturagruppe 280 sein – ein Höchststand, wie der pädagogische Leiter des JBBZ, Klaus Bruckner, dem Kultusvorstand am Montag Abend berichtete. 

Er leitet auch den einjährigen Berufsorientierungslehrgang, das so genannte „9. Schuljahr“. Dabei war ihm in seinem Bericht wichtig zu vermitteln: Ja, manchmal laufe der Alltag „nicht immer friktionsfrei“. Hier werde mit Jugendlichen gearbeitet, die von anderen Schulen nicht weiterunterrichtet würden, weil sie zum Beispiel verhaltensauffällig oder aber kognitiv nicht stark genug seien. Doch am JBBZ gelinge es, sie mit viel Geduld im Kleingruppenunterricht und dank Unterstützung von ESRA zu einem Schulabschluss zu führen. In der Jüdischen Gemeinde gebe es dann auf Grund des einen oder anderen Vorfalls, der bekannt werde, abschätzige Worte. Bruckner sagte, jeder könne ihn jederzeit kontaktieren, um im Fall des Falles Informationen aus erster Hand zu erhalten. Er sei aber vor allem stolz, wenn er sich ansehe, welche Karrieren Menschen, die diesen Lehrgang einst abgeschlossen haben, inzwischen gemacht hätten, darunter solche, die heute im Maimonides Zentrum arbeiten und andere, die ein Universitätsstudium absolviert hätten.

Stolz ist man im JBBZ auch auf jene, die hier im Rahmen des Angebots „Berufsreifeprüfung“ die Matura schaffen. Die Erfolgsquote liege hier zuletzt bei 100 Prozent, berichtete Susanne Quehenberger, Bereichsleiterin für Sprachen und Spezialausbildungen. Wer über eine Berufsausbildung, etwa in Form einer Lehre oder auch einer Fachschule verfüge, könne in einem Jahr die Matura mit dem Schwerpunkt Medieninformatik ablegen. Das Team des JBBZ bemühe sich dabei um eine maßgeschneiderte Vorbereitung auf die Prüfungen, die dann an der HTL Spengergasse abgelegt werden.

Die ersten Maturaprüfungen haben auch zehn Schülerinnen des Standorts Gredlerstraße kürzlich erfolgreich abgelegt, berichtete der dortige Leiter, Rabbiner Yaacov Frenkel (Kehille). Sie haben zuvor die Schule Malzgasse besucht. Ihnen stünde, wenn sie am Ende alle Prüfungen bestanden haben, auch der Weg an eine Universität im In- und Ausland offen. Stolz zeigte sich Frenkel auch, dass schon einige Absolventen ihre eigene Firma gegründet hätten.

Das JBBZ Gredlerstraße feiert im kommenden Februar sein zehnjähriges Bestehen. Das JBBZ in der Adalbert Stifter-Straße kann inzwischen schon auf mehrere Jahrzehnte Ausbildungstätigkeit zurückschauen. Die Rahmenvereinbarung mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) sah neben einem unbefristeten Vertrag auch für die Dauer von 30 Jahren vor, dass dieser nur aus besonderen Gründen, etwa, wenn sich das JBBZ Verfehlungen zu Schulden kommen hätte lassen, gekündigt werden könne. Diese 30 Jahre gehen nun zu Ende, berichtete Geschäftsführer Markus Meyer. Der unbefristete Vertrag bleibe aber auch ab 2027 bestehen – und schon das sei etwas Besonderes. Viele Einrichtungen würden sich einen solchen Vertrag wünschen. Es gibt ab dem kommenden Jahr zudem noch eine Änderung: Die überbetriebliche Lehrausbildung wird nicht mehr, wie bisher, über die Magistratsabteilung 5 (MA 5) der Stadt Wien abgewickelt, sondern über den Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds (WAFF).

Der Jahresabschluss 2025 wurde von Petra Grätz von der Merkur Treuhand, welche jedes Jahr für eine Wirtschaftsprüfung (zusätzlich zur Prüfung durch Kassier Nechemja Gang) verantwortlich zeichnet, präsentiert. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 5,4 Millionen Euro (im Wesentlichen kamen diese vom AMS sowie der Stadt Wien), der größte Ausgabenposten sind die Personalkosten. Hier schlugen zudem die Rückstellungen für das neu im BABE-Kollektivvertrag (der KV für Beschäftigte im Bereich der privaten Bildungseinrichtungen) vorgesehene Jubiläumsgeld für langjährige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen außertourlich zu Buche. 

Vereins-Obmann Dezoni Dawaraschwili (VGJ) bedankte sich beim JBBZ-Team ebenso wie IKG-Präsident Oskar Deutsch für die Qualität des Ausbildungsangebots, das hervorragende Funktionieren des täglichen Betriebs und die gute Zusammenarbeit mit der IKG und dem Kultusvorstand. Deutsch stellte zudem den Antrag auf Entlastung des JBBZ-Vorstands, der vom Kultusvorstand einstimmig angenommen wurde.

Politische Lage in Österreich

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Rand der UNO-Generalversammlung in New York im September von „Verletzungen des Völkerrechts“ und „Kriegsverbrechen“ Israels gesprochen. Deutsch nahm darauf in einer Reaktion Stellung, die medial in Österreich breit, aber von manchen Medien auch in Israel thematisiert worden sei, wie er dem Kultusvorstand berichtete:

In seiner auf Sozialen Medien verbreiteten Stellungnahme kritisierte Deutsch eine „Parteinahme“ durch Van der Bellen. Gerade weil der Bundespräsident stets ein Freund Israels war, würden seine Worte umso schwerer wiegen. Dass Van der Bellen kein Wort zur existenziellen Bedrohung durch palästinensische Terrororganisationen sowie das iranische Regime und seine Stellvertreter fand, war ebenso Gegenstand der Kritik. „Von den Angriffen auf Israelis und vom erklärten Ziel, die Juden auszulöschen, sprach er nicht“, so Deutschs Statement. “ Wenn ein Staatsoberhaupt einseitige Anschuldigungen als Tatsachen präsentiere, dann legitimiere er jene, die ohnehin "wussten", wer schuld sei.

Deutsch berichtete auch von einem Auftritt der beiden FPÖ-Politiker Herbert Kickl (Bundesparteiobmann) und Harald Vilimsky (Leiter der EU-Delegation) in Straßburg, wo  Mitte September eine Konferenz der Patrioten-Fraktion im EU-Parlament stattfand. Dabei wurde über „Islamismus und Antisemitismus: Bedrohungen für Europas Freiheit“ gesprochen. Was Kickl habe dort Worte gesagt, die „zum Teil welche sind,die man gerne hört“, sagte Deutsch. Gleichzeitig habe aber Vilimsky die IKG angegriffen und zudem sei in Israel eine englische Übersetzung des Redetextes Kickls verbreitet worden, der eine Entschuldigung bei Juden und Jüdinnen für den Holocaust enthalte. Doch in seinem auf Deutsch gehaltenen Vortrag habe Kickl zwar bedauert, was den Juden „widerfahren“ sei, er habe sich aber nicht entschuldigt. Der israelische Diaspora-Minister habe diese fälschlich übermittelten Zitate jedoch wohlwollend aufgenommen und auf seinen sozialen Medien lobend verbreitet.. 

In der anschließenden Debatte erinnerten Vertreter vieler Fraktionen an israelfeindliche und antisemitische Statements aus den Reihen der FPÖ. 

Bericht des Präsidenten

Als Vorsitzender der Finanzkommission berichtete Deutsch, dass Generalsekretär Benjamin Nägele und sein Stellvertreter Harald Sasse seit Sommerbeginn mit allen Abteilungen und Kommissionsvorsitzenden in Sachen Budget im Gespräch seien. Man bemühe sich, für das anstehende Doppelbudget auf ein Nulldefizit zu kommen, noch sei man aber nicht dort. In zehn Tagen werde die Finanzkommission erneut zusammenkommen. Gearbeitet werde aktuell auch am aktuellen Schuldentilgungsplan, er soll dann gemeinsam mit dem Budget für die beiden kommenden Jahre präsentiert werden.

In seiner Funktion als IKG-Präsident berichtete Deutsch von den umfangreichen Feierlichkeiten anlässlich der Wiedereröffnung des Stadttempels, an dem sich führende Politiker wie Bundeskanzler Stocker, aber auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hinter die jüdische Gemeinde gestellt hätten. Das sei nicht selbstverständlich. 

In einem Gespräch mit EU-Kommissar Magnus Brunner habe er angeregt, dass die Kommission die jüdischen Gemeinden in Europa jeweils über die Regierungen im Bereich Sicherheit und im Kampf gegen Antisemitismus unterstützen sollte. Er habe zudem eine Medienkampagne zur Bekämpfung des Antisemitismus vorgeschlagen, so Deutsch. Bedauernd berichtete er zudem, dass die langjährige Koordinatorin der Europäischen Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Leben, Katharina von Schnurbein, aus dieser Funktion ausscheide, die Nachfolge sei noch offen. Schnurbein übernimmt nun in Deutschland die Position der Antisemitismusbeauftragten der dortigen Bundesregierung.

Bei einem Besuch von Gesundheitsministerin Korinna Schumann ging es im gemeinsamen Gespräch mit ESRA-Obfrau und KVin Dwora Stein (Bund) um die Zusammenarbeit des Ministeriums mit ESRA.

Ansonsten berichtete Deutsch von den Rosch HaSchana-Empfängen von Centropa und Staatssekretär Alexander Pröll sowie einem „Rat der Religionen“ bei Bürgermeister Ludwig, wo man – neben anderen Themen – auch Oberrabbiner Yaron Engelmayer, der inzwischen Wien bereits verlassen hat, sehr würdig verabschiedet habe.