Laut Staatsanwaltschaft Graz darf in Österreich NS-Logik fortgesetzt werden. Justizministerium muss diesen Fall prüfen.

Wien (OTS) – In den sieben Jahren seines Bestehens wurden im Konzentrationslager Mauthausen bis 1945 Tausende Menschen gefoltert, letztlich rund 100.000 Menschen ermordet. Doch in der FPÖ-nahen Zeitschrift “Aula” wurden nicht die Täter, sondern die wenigen überlebenden Opfer als “Massenmörder” bezeichnet. “Das ist eine abscheuliche Täter-Opfer-Umkehr”, kritisiert IKG-Präsident Oskar Deutsch.

In besonderer Weise zeigt dieser Fall aber auch ein zweites Problemfeld auf: Die Justiz hat die Ermittlungen gegen den Autor eingestellt. Eine Anzeige, die der Grünen-Nationalratsabgeordnete Harald Walser eingebracht hatte, bleibt also vorerst folgenlos. In ihrer Begründung folgt die Justiz der NS-Argumentation, wonach die KZ-Gefangenen “Kriminelle” gewesen seien. “Damit erteilt die Staatsanwaltschaft der Nazi-Logik einen Persilschein – und das ist brandgefährlich”, warnt Präsident Deutsch.

Bedenklich ist auch die Tatsache, dass die Autorin des Buches sich aufs Schärfste von der Aula-Rezension distanziert, dies aber für die Staatsanwaltschaft nicht von Interesse sein dürfte.

Die Befreiung dieses Konzentrationslagers, das bis heute ein Zeugnis der Gräuel ist, die die Nationalsozialisten an Juden, Roma, Sinti, Kriegsgefangenen und anderen Opfern begingen, ist ein Grund zum Jubeln. Das Justizministerium sei dazu aufgerufen, diesen Fall zu überprüfen.

Oskar Deutsch
Präsident Israelitische Kultusgemeinde Wien / Israelitische Religionsgesellschaft