Stellungnahme von Dipl.-Ing. Birol Kilic, Obmann Türkische Kulturgemeinde in Österreich

Wir finden die Entscheidung der Zurücklegung der Staatsanwaltschaft Wien, bezüglich einer schirchen Karikatür mit dem Wortlaut „Wenn nur jeder Moslem ein Glas Wasser nehmen würde, würde ganz Israel untergehen “ die gegen alle Juden in Israel nicht nur hetzt, sondern fast einen Mordauftrag für verrückte Menschen geben könnte, ziemlich bedenklich und falsch.

Nicht nur das: Es wirkt auch dem Zusammenleben der Austro-Moslems und Austro-Juden sowie dem Interesse der österreichischen Integrationspolitik diametral entgegen und schürt weiter Vorurteile und Hass unter Menschen. Und das war das Ziel dieser Karikatür. Nämlich alle Moslems in Österreich, die ca. 600 000 Menschen ausmachen, unter Generalverdacht zu stellen, jederzeit gegen Austrojuden in Österreich „vorgehen“ zu wollen. Dagegen müssen eigentlich vor allem Moslems in Österreich etwas machen, die auf Jahrhunderte von menschlicher und staatlicher Geschichte zurückblicken können. Falls wir keinen Rassisten und insbesondere keinen klerikal –Rassisten sind, wofür sich sicherlich kein Mensch hält…

Kein anständiger Moslem oder Austro-Türke würde dieses sprichwörtliche Glas nehmen und sich dabei wünschen, dass ganz Israel untergeht. Auch kein anständiger Jude wünscht sich, dass z. B die Türkei durch eine Bombe von der Landkarte gelöscht wird damit alle Moslems und Türken untergehen. Diese pauschalisierende Karikatur und derartige Aussagen, die seit Jahren alle Moslems durch erpresserische Propaganda zu einer einheitlichen, radikalen Masse verrühren wollen, sind unmenschlich, faschistisch, gegen den Koranischen-Islam. Die Verbreiter und Schreiber diese Karikatür und Texte möchten nur gegenseitige Vorurteile und Hass schüren. Zudem stärken sie damit genau die fundamentalistischen klerikal-faschistischen Gruppen in der muslimischen Welt.

Die Österreicher egal welche Abstammung wollen auch nicht das die Konflikte aus Naheosten in solchen hetzende Form in Österreich nicht haben. Die haben genug Schmerzliche Erfahrungen und sehr viel Verantwortung auf diesem Gebiet wo wir als Neo-Österreicher besonders gegenüber unserer neuen Heimat sensibel sein müssen.

In einer Stadt wie Wien, in der auch Menschen wie Theodor Herzl und Adolf Hitler gelebt haben und durch ihre Erfahrungen in Wien ihre Träume auch ausserhalb Wiens verwirklichen konnten, sollten bei derartigen Aussagen alle Alarmglocken läuten und solche Verhetzungen von der Staatsanwaltschaft nicht als Kavaliersdelikt ungestraft gelassen werden.

Wir wollen in Zukunft unsere österreichischen Kinder, deren Großeltern und Eltern aus der Türkei stammen, mit den österreichischen Kindern jüdischer Abstammung in gegenseitigem Respekt, Würde und Wertschätzung als Menschen zusammenleben sehen. Deswegen müssen wir etwas tun…

Dies beginnt mit beidseitiger Empathie, wie auch damit, dass sie die Geschichte Österreichs als ihre eigene betrachten und aus ihr lernen und jegliche rassistischen, antisemitischen und anti-türkischen Haltungen und Äusserungen sie sofort ins Grübeln bringen und sie diese sogleich – egal aus welcher Ecke das kommt – als Teufelswerk diagnostizieren zu können.

Wir müssen, sollen und dürfen Israel in der Außenpolitik wie auch in der Innenpolitik kritisieren – genauso wie auch die Türkei.
Aber unter einer Bedingung:
Wir dürfen unter dem Vorwand der „Kritik“ Menschen der betreffenden Gruppen oder Länder nicht pauschal delegitimieren und dämonisieren, indem wir Doppelstandards einsetzen.
Wenn man also mit einer derartigen Karikatur, die die Moslems weltweit als Bedrohung Israels darstellt, beispielsweise Christen oder Juden dazu aufruft, sich die Hände zu geben und gemeinsam für den Untergang des Islams oder z.B. der Türkei zu kämpfen, frage ich mich, ob das als Kritik an der Türkei zu verstehen bzw. an alle Moslems ist oder ob es nicht schon die Vorbereitung eines Genozid-Gedankens ist, der die Bedrohung aller Moslems als solche entlarven und vernichten soll.

In diesem Fall müssen wir, als anständige, überzeugte Muslime die an eine demokratische und säkulare Verfassung glauben, uns fragen, warum stört es uns nicht, wenn man gegen ein Land, in dem mehrheitlich Angehörige des jüdischen Glaubens leben, solche Aussagen tätigt, die alle Muslime dazu aufruft, mit je einem Glas Wasser Israel zu ertränken.

Dagegen erheben wir Einspruch! Was wir für uns nicht wollen, wünschen wir auch keinem anderen.

Ja zu scharfer Kritik! Nein zu Dämonisierung! Nein zu doppelten Standards! Nein zu Delegitimierung!

Durch diese klerikal-faschistischen Karikaturen werden alle Muslims unter Generalverdacht gestellt, Kinder der Theologie der Gewalt und des Verachtens zu sein und alle übrigen werden aus Angst Maßnahmen ergreifen, die eigentlich gegen die Interessen der Muslims und demnach auch gegen jene der Austro-TürkInnen sind.

Die Menschen aus der Türkei haben eines gelernt: „Frieden im Inland – Frieden im Ausland“

Wir wollen friedlich und brüderlich als BürgerInnen des Staates Österreich zusammenleben – ohne Hetze, ohne Satanisierung.

Dipl.-Ing. Birol Kilic
Obmann Türkische Kulturgemeinde in Österreich