Zum Schwerpunkt „80 Jahre Novemberpogrom“ zeigt „kreuz und quer“ die Filme „Vergiss nicht deinen Namen“ und „Hitlers Kinder“

Wien (OTS) – Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts „80 Jahre Novemberpogrom“ zeigt „kreuz und quer“ am Dienstag, dem 6. November 2018, um 22.35 Uhr in ORF 2 Andrea Eckerts Film „Vergiss nicht deinen Namen“: Als fünfjähriger Bub wird der in Wien geborene Robert Perels mit seiner Mutter in einem Eisenbahntransport Richtung KZ Auschwitz gebracht. Bei einem kurzen Halt entschließt sich die Mutter spontan, den Fünfjährigen im letzten Augenblick aus dem Zug zu werfen. Ihrem Sohn Robert hat sie damit das Leben gerettet. Sie selbst wird wenige Tage später in der Gaskammer von Auschwitz ermordet. Im Film schildert Robert Perels seine dramatische Geschichte und spricht darüber, wie er den Verlust seiner Mutter bewältigt hat, was er unter Heimat versteht und wie er als Vollwaise an der Hoffnung auf Zukunft festhalten konnte.

Hermann Göring, Rudolf Höß, Heinrich Himmler und Amon Göth – ihre Namen stehen für die grauenhaften Verbrechen des Nationalsozialismus. Um 23.05 Uhr folgt mit Chanoch Ze’evis Film „Hitlers Kinder“ eine intensive, schmerzliche Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft und dem Thema Schuld und Aussöhnung.

„Vergiss nicht deinen Namen“ – Ein Film von Andrea Eckert

Man kann sich nicht vorstellen, was es heißt, mit einem zweijährigen Kind ohne Geld und ohne Papiere als Jüdin vor den Nationalsozialisten zu fliehen. Wenn Robert Perels davon erzählt, ist es, als wäre man dabei gewesen. 1939 flieht die Mutter mit ihrem Sohn aus Wien. In Frankreich werden sie aufgegriffen und in das berüchtigte Sammellager Drancy gebracht. Von dort gehen die Züge nach Auschwitz. Bei einem Halt auf freier Strecke gelingt es Roberts Mutter, den Stacheldraht von einer Oberlichte zu entfernen. Ihrer plötzlichen Eingebung folgend wirft die Mutter den fünfjährigen Robert aus dem Fenster. Sie weiß, dass sie ihren Sohn nie mehr wiedersehen wird, aber sie weiß auch, dass es seine einzige Überlebenschance ist. Sekunden später setzt der Zug die Fahrt in den Tod fort. Roberts Mutter wird sofort nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet.

Der fünfjährige Robert verbringt Jahre auf der Flucht, allein, ohne irgendeinen Menschen. Immer wieder sucht das Kind nach einem Grund, warum ihn seine Mutter aus dem Zug geworfen haben könnte. Es kommt zu der Überzeugung, sie habe ihn mit ihrer Tat bestrafen wollen, weil er „schlimm“ gewesen war. Diese Vorstellung lastet wie ein Alb auf ihm und lässt ihn verzweifeln. Erst eine Nonne in einem Schweizer Kinderheim erklärt Robert, der jede Nacht weinend im Schlafsaal liegt, dass seine Mutter ihn aus dem Zug geworfen hat, um ihn zu retten. Auf die Frage, wann sie denn kommen wird, ihn abzuholen, antwortet die Nonne hilflos: „Bald kommt sie zu Dir. Wenn der Krieg vorbei ist“.

„Hitlers Kinder“ – Ein Film von Chanoch Ze’evi

Die Nachkommen von Hermann Göring, Rudolf Höß, Heinrich Himmler und Amon Göth tragen schwer an ihrer Herkunft. „Wie viel Mörder steckt in mir?“ fragen sie sich. Katrin Himmler, Großnichte des „Reichsführers-SS“ beispielsweise ist mit einem Israeli verheiratet und setzt auf die bewusste Konfrontation, um die Scham zu überwinden. Rainer Höß, Enkel des Kommandanten, reist sogar nach Auschwitz, um mit Nachkommen jüdischer Opfer zusammenzutreffen. Wie ist es für diese Männer und Frauen, die mit einer Hinterlassenschaft bestraft wurden, die sie dauerhaft mit einem der größten Verbrechen der Geschichte verbindet? Wie ist es für sie, mit einem Namen aufgewachsen zu sein, mit denen man sofort Bilder von Mord und Völkermord assoziiert? Eine intensive, schmerzliche Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft und dem Thema Schuld und Aussöhnung.

Die Protagonisten:

Bettina Göring (53), Großnichte von Hermann Göring (Hitlers Oberbefehlshaber der Luftwaffe). Sie lebt in Santa Fe (US-Staat New Mexico), praktiziert alternative Medizin. Göring und ihr Bruder ließen sich freiwillig sterilisieren. „Ich habe das machen lassen, um mehr oder weniger keine weiteren Görings zu produzieren.

Katrin Himmler (43), Großnichte von Heinrich Himmler („Reichsführer-SS“ und Chef-Organisator des Völkermords). Sie heiratete einen israelischen Juden, Sohn von Holocaust-Überlebenden.

Monika Hertwig (65), Tochter von Amon Göth (Kommandant vom KZ Plaszow): „Inwieweit kann man den Mörder vom Vater trennen? Wie viel vom Mörder steckt in mir? Diese Dinge treiben mich um.“

Niklas Frank (70), Sohn von Hans Frank (Hitlers Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete). Er erinnert sich, wie sein Vater ihn mit ins KZ nahm. Von den Horror-Bildern wird er heute noch heimgesucht: „In meinen Träumen sehe ich die Berge von Leichen im Lager.“

Rainer Höß (44), Enkel von Rudolf Höß (Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz). Der Enkel reist – gemeinsam mit einem Israeli, der einen Teil seiner Familie im Konzentrationslager verloren hatte – nach Auschwitz, um sich der dunklen Geschichte seiner Vorfahren zu stellen.