„Wir haben überlebt um zu leben! Am Israel Chaj!“

Über 10.000 Menschen, darunter die Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers, aus dem In- und Ausland haben heute
in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen an der Befreiungsfeier teilgenommen. Neben Bundespräsident Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundespräsident a. D. Heinz Fischer und Parlamentspräsident und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, sprach auch IKG-Präsident Oskar Deutsch.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde!

Wieder sind wir hier – um der Opfer zu gedenken.
Wieder sind wir hier – mit Überlebenden, ihren Kindern und Enkelkindern.
Wieder sind wir hier – weil wir es „Nie wieder“ so weit kommen lassen.

Simon Wiesenthal war in Mauthausen,
Leon Zelman war in Mauthausen,
Aba Levit war in Mauthausen,
Wolvi Klein war in Mauthausen.
Vor 73 Jahren wurden sie von der US-Armee befreit.

Sie waren Häftlinge – nicht, weil sie etwas verbrochen hatten.
Sie waren Häftlinge – weil sie Juden waren.
Sie haben überlebt.
Wiesenthal und Zelman mahnten ihr Leben lang, sie trugen dazu bei, dass Österreich heute ein modernes Land ist, eines der schönsten Länder der Welt.

Auch Aba Levit und Wolvi Klein bereichern bis heute das jüdische Gemeindeleben – und sind damit auch eine Bereicherung für ganz Österreich.

Die Überlebenden sind Helden – so wie auch die alliierten Befreier, die Widerstandskämpfer und die Menschen, die viel riskiert haben, um Verfolgte zu schützen. Ihnen gilt unser Respekt und Dank!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die Shoah, die industrielle Vernichtung von 6 Millionen Juden, ist das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Nichts ist dami zu vergleichen.
Allein hier in Mauthausen wurden 100.000 Menschen zu Tode gequält. Für alle, die das Glück gehabt haben, nach 1945 geboren zu sein, ist die Dimension der Shoah nicht vorstellbar.

Aber eines ist sicher: Die Shoah hat nicht in Mauthausen begonnen!
Der erste Schritt auf dem Weg zur Massenvernichtung war Antisemitismus.

In vielen Parteien gab es Antisemiten. Aber es waren die Deutschnationalen, die den Antisemitismus zu einer politischen Waffe machten und vor „Verjudung“ und „Überfremdung“ warnten. Sie bauten das Gerüst des Hasses, das in den Krematorien der Konzentrationslager mündete.

Der deutschnationale Georg Schönerer war ein Vorbild für Adolf Hitler. Schon im 19. Jahrhundert warb Schönerer im Reichsrat für  „Gesetze gegen die Juden“. Er verbreitete Rassentheorien. Jüdisches Blut würde zur Zersetzung germanischen Wesens führen, behauptete er.
Im Jahr 1942 würdigten die Nazis Schönerer mit einer Ausstellung im Wiener Messepalast als „Künder und Wegbereiter des großdeutschen Reichs“.

Die Burschenschaft Schönerers gibt es noch heute. Mehrere Mitglieder sind in und für eine Regierungspartei aktiv. Wenn wir nicht dagegen protestieren, hier und jetzt – was haben wir dann aus der Geschichte gelernt?

Der rassistische Ungeist lebt in vielen deutschnationalen Burschenschaften weiter.
Seien wir genau: Sie sind keine Nazis, sie sind die Nachfolger der Vorgänger der Nazis. Und ihr politischer Arm ist die FPÖ.

Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas benutzt die Waffe des politischen Antisemitismus und des Revisionismus. Die Juden seien an der Shoah selbst schuld – wegen ihres sozialen Verhaltens, sagte er. So etwas kennen wir aus völkischen Verbindungen in Österreich.

Wer aber garantiert das viel beschworene „Nie wieder!“?
Die Antwort ist : ISRAEL!

Heuer feiern wir das 70-jährige Bestehen des modernen Staates Israel. Und es ist diese bunte und wehrhafte Demokratie, die Jüdinnen und Juden in aller Welt garantiert, dass es wirklich „Nie wieder“ so weit kommen wird.

Wer Israel dämonisiert, delegitimiert oder Israel etwas vorwirft, das er anderen durchgehen lässt, der handelt antisemitisch.

Judenfeindlichkeit gibt es in vielen Ecken unserer Gesellschaft:
Rechts, links und unter Muslimen.

Die lautesten Israel-Kritiker unter den politisch Linken fehlt es an zwei Dingen: dem moralischen Kompass und Bildung. Boykottaufrufe erinnern an das „Kauft nicht bei Juden“. Und auch das Argument, man müsse Israel kritisieren können, ist ein Ablenkungsmanöver.
Es gibt kein Land, dass häufiger kritisiert und verurteilt wird, als Israel – in den allermeisten Fällen zu unrecht.

Der muslimische Antisemitismus ist eine besonders unmittelbare Bedrohung. Davor warnen die jüdischen Gemeinden in Europa seit vielen Jahren.

In Berlin kam es zu einem Übergriff auf einen Kippa-tragenden Mann. Dabei wurde er antisemitisch beschimpft. In Paris wurde die Shoah-Überlebende Mireille Knoll ermordet – weil sie Jüdin war. Beide Taten sind auf muslimischen Antisemitismus zurückzuführen. Und dafür sind nicht nur die IS-Terroristen verantwortlich. Vernichtungsantisemitismus wird etwa vom Iran propagiert. Und viele europäische Politiker negieren das.

Wer ist gefährlicher: Der Islamist oder der Neonazi?

Hier gibt es kein Ranking!
Im Kampf gegen Islamisten sind Neonazis keine Verbündeten.

Ja, richtig wäre, dass die gesamte Bundesregierung heute in Mauthausen gedenkt.
Aber nein, es ist falsch, Menschen, die die Befreiung Europas am 8. Mai als Niederlage betrauern, und die Überlebende dieses KZ als „kriminell“ und „Landplage“ bezeichnen, eine Bühne für eine Maskerade zu bieten, nur weil sie nun nach Anerkennung streben.

So wie Strache hat sich auch Abbas von Antisemitismus distanziert. Ein richtiger Schritt, aber: Das reicht nicht! Ihre Taten stehen im Widerspruch zu ihren Worten. Allein seit Regierungsbildung gab es mindestens 23 antisemitische oder neonazistische Vorfälle in den Reihen der FPÖ – meistens blieben sie ohne politische Konsequenzen.

Auch in anderen Parteien gab und gibt es Antisemiten. SPÖ und ÖVP haben Nazis Asyl gewährt und sie geschützt. Jahrzehnte des Verdrängens und Vergessenwollens folgten. Überlebenden wurde damit wieder Leid angetan.

Heute ist das anders. Die jüdischen Gemeinden in Österreich sind wieder Teil Österreichs. Alle Parteien gehen aufrichtig mit ihrer Geschichte, der Geschichte Österreichs und der Verantwortung um – nur eine Partei tut sich schwer.
Würden wir das im Gedenkjahr verschweigen, würden wir die Toten entehren.

Wir haben überlebt um zu leben!
Am Israel Chaj!