Wiesenthal-Zentrum kritisiert Aufschrift nahe früherem KZ in Kroatien

Zagreb (APA/AFP) – Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat scharfe Kritik an der Aufschrift einer Gedenktafel im kroatischen Jasenovac geübt, in dem 1941 ein Konzentrations- und Vernichtungslager errichtet worden war.

Es sei nur schwer zu glauben, dass ein „hetzerischer Ausruf wie ‚Za Dom Spremni‘ (‚Für die Heimat bereit‘) öffentlich in einem EU-Mitgliedsland ausgestellt wird“, erklärte das Zentrum am Dienstag. Das Lager Jasenovac zählte zu rund 80 derartigen Lagern des mit Nazi-Deutschland verbündeten faschistischen Ustascha-Regimes, das von 1941 bis 1945 in Kroatien herrschte.

Wie nun erst durch örtliche Medienberichte bekannt wurde, weihten frühere Kämpfer der paramilitärischen Gruppe HOS im November in Jasenovac eine Gedenktafel ein, um elf während des Kroatienkrieges zwischen 1991 und 1995 getöteter Mitkämpfer zu gedenken. Da zu dem Emblem der Organisation der Ausruf gehört, findet sich dieser nun auch auf der Gedenktafel. Den Spruch benutzte während des Zweiten Weltkriegs aber auch der damalige faschistische Staat.

Das Wiesenthal-Zentrum sprach von einem „Versuch, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts umzuschreiben und die Verantwortlichen zu Helden zu machen“. Auch Vertreter der serbischen Minderheit sowie antifaschistische Organisationen und die kroatische Opposition forderten, die Tafel abzunehmen. Ministerpräsident Andrej Plenkovic erklärte, es sei „heikel“, dass solch eine Gedenktafel in Jasenovac stehe. Es handle sich aber um das Emblem einer offiziell registrierten Organisation.

Historiker sind uneins über die Zahl der Opfer in dem Lager. Während das Museum von Jasenovac diese mit etwa 82.000 angibt, gehen serbische Quellen von bis zu 700.000 Toten aus. Die meisten Opfer waren Serben und Juden, aber auch antifaschistische Kroaten wurden in Jasenovac getötet.