Wiesenthal-Preis ist Weckruf und wichtiges Signal

„Der Preis ist eine Würdigung für Simon Wiesenthal und Motivation zum Engagement der Zivilgesellschaft“, begrüßt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, die positive Abstimmung über die Gesetzesvorlage zur Einrichtung des Simon-Wiesenthal-Preises in der gestrigen Nationalratssitzung.

Simon Wiesenthal kämpfte gegen die in Österreich nach 1945 weit verbreitete Ignoranz gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus und half maßgeblich, Täter auszuforschen und vor Gericht zu stellen. „Recht, nicht Rache“ ist die Quintessenz seines Lebenswerkes und das zentrale Leitmotiv einer der größten Persönlichkeiten der Zweiten Republik.

Bis heute wird Simon Wiesenthal medial häufig als Nazijäger bezeichnet. Was ihn jedoch vor allem auszeichnete, war, dass er sich gegen jede Form der Ungerechtigkeit, gegen jede Form der Diktatur, gegen jede Form des Antisemitismus eingesetzt hat. In der Gegenwart, wo Antisemitismus in Europa, und Österreich ist da nicht ausgenommen, wieder im Steigen ist, braucht es eine starke Zivilgesellschaft, die sich diesen Tendenzen entgegenstellt. Das erfordert Mut und Kraft, so wie dies auch Simon Wiesenthal mit seiner Arbeit bewiesen hat. Er ließ sich nicht von Kritik und persönlichen Angriffen beirren, sondern folgte stets seiner inneren Überzeugung.

Es ist entlarvend, dass alle Parlamentsfraktionen außer der FPÖ, im Verfassungsausschuss den Weg für den neuen Simon-Wiesenthal-Preis frei gemacht haben. Beteuerungen aus der FPÖ, dass für Antisemitismus kein Platz in der Partei sei, bleiben nach zahllosen antisemitischen Vorfällen, wie z.B. der Liederbuch-Affäre, reine Lippenbekenntnisse. Dass sich die FPÖ nun der Einrichtung eines Preises, mit dem Initiativen gegen Antisemitismus ausgezeichnet werden sollen, verweigert, beweist einmal mehr, dass in dieser Partei keine Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus und der Shoah besteht.

Nur wenigen ist bekannt, dass Simon Wiesenthal von 1963 an fast 20 Jahr lang Mitglied des Kultusrates der IKG Wien war, das bis heute das Parlament der jüdischen Gemeinde in Wien ist.

„Ihm war schon damals bewusst, dass jüdisches Leben das stärkste Argument im Kampf gegen Antisemitismus ist. Der Simon-Wiesenthal-Preis ist ein wichtiges Signal und Ansporn für Menschen und Organisationen, die seinem Vorbild folgen und sich für zivilgesellschaftliches Engagement, die Aufklärung über die Shoah und gegen Antisemitismus einsetzen – und damit dazu beitragen, Österreich und ganz Europa nach humanistischen Prinzipien weiterzuentwickeln und zu stärken“, betont der Präsident der IKG.

Wien (OTS)