Posting eines Soldaten an vorderster Front

55 Tote und mehr als 1200 Verletzte.

Ich schreibe diesen Post für meine guten Freunde, meine moralischen und menschlichen Freunde, und für all jene, die über die Toten und Verletzten von heute an der Grenze zu Gaza besorgt oder verärgert sind.

Beim Auszug Israels aus Ägypten, als die ägyptische Armee im Roten Meer ertrank, gerade noch bevor sie die Israeliten einholen konnte, hat Gott unseren Weisen zufolge die Engel gescholten und sie daran gehindert, zu singen und sich zu freuen, indem er sagte: „Meine Geschöpfe ertrinken im Meer und ihr singt?!“

Ich schreibe diese Zeilen mit größter Vorsicht und mit einem Sendungsbewusstsein.
All die guten und moralischen Zionisten, die befürchten, dass die vielen
palästinensischen Opfer unsere Schuld sein könnten, das Resultat unserer Fehler, kann ich verstehen und mich mit ihnen identifizieren.

Ich schreibe dies, weil ich einer der wenigen bin, die wirklich dort waren – in Uniform,
als Reservist, aber ich war dort. Genau dort am Grenzzaun, wo die Demonstrationen
sind. Das war vergangenen Freitag, und ich konnte sie mit eigenen Augen sehen.
Ich war auf unserer Seite, aber ich konnte alles sehen, hören und verstehen. Ich möchte
durch meine Kenntnisse aus erster Hand, und nicht von einem theoretischen Standpunkt
aus, Zeugnis ablegen. Denn ich war dort.

Ich möchte bezeugen, dass das, was ich sah und hörte, eine enorme, höchste
Anstrengung unserer Seite war, palästinensische Tote und Verletzte auf jede mögliche
Weise zu verhindern.

Natürlich war die Hauptaufgabe, Hunderttausende Bewohner von Gaza daran zu hindern,
in unser Gebiet einzudringen. Eine solche Invasion wäre gefährlich, und für die Gemeinden
in dieser Umgebung sogar lebensgefährlich, und würde Terroristen in Zivil ermöglichen,
unsere Kibbuze und Dörfer zu infiltrieren, was uns keine andere Wahl ließe, als uns jeden
einzelnen Eindringling einzuvernehmen.

Daher wurden unsere Soldaten angewiesen, die Infiltrationen zu verhindern, und zwar auf verschiedenste Weise und nur im schlimmsten Fall unter Verwendung von scharfer Munition.
Die IDF hat verschiedene Mittel, um unmittelbare Konfrontationen mit den Bewohnern von
Gaza zu reduzieren, und nutzt zahlreiche Methoden, von denen viele nicht öffentlich gemacht werden, um sie daran zu hindern, an den Zaun zu gelangen.

Darüber hinaus gab es in den vergangenen Wochen erhebliche Anstrengungen, das Leben
der Kinder und Zivilisten zu beschützen, die von der Hamas an die vorderste Front gedrängt
wurden, während sie sich selbst dahinter versteckte, um Israel dann zu infiltrieren und anzugreifen.

Wenn es keine Alternative gibt, muss scharfe Munition verwendet werden, um die
Leute aufzuhalten, den Zaun zu stürmen. Die Soldaten greifen zu heroischen und
manchmal gefährlichen Anstrengungen, um die Menschen auf der anderen Seite
nicht zu töten, sondern nur zu verletzen.

Die IDF stationiert an jedem Konfrontationspunkt hochrangige Offiziere, um dafür
zu sorgen, dass jeder Schuss von einer verantwortlichen Person mit entsprechender
Befugnis genehmigt und begründet ist. An jedem Sammelpunkt gibt es eine
beträchtliche Truppenstärke, um sicherzustellen, dass die Soldaten keiner lebensgefährlichen Situation ausgesetzt sind, die ihnen keine andere Wahl ließe, als willkürlich abzudrücken.

Eine Situation, in der tausende Menschen auf einen zustürmen, ist beängstigend,
ja sogar extrem furchterregend. Es ist extrem schwer, Zurückhaltung zu zeigen,
und die Situation erfordert ruhige, vernünftige Professionalität.

55 Tote sind eine enorme Zahl. Aber ich kann aus meiner unmittelbaren Erfahrung
bezeugen, dass jede Kugel und jeder Schlag sorgfältig festgehalten, dokumentiert
und untersucht wird. Buchstäblich in Excel-Tabellen. Ich war dort und habe es mit
eigenen Augen gesehen.

Dies ist nicht der Ort und die Zeit für eine Diskussion über die Situation im Allgemeinen
und über die verzweifelte Lage der Bewohner von Gaza. Ich möchte hier keine politische
Diskussion starten, obwohl mir mein Standpunkt klar ist.

Worum es mir geht ist eine Darstellung des Ausmaßes der enormen Bemühungen der IDF,
um Israels Grenzen zu schützen und gleichzeitig die Zahl der Verletzten und Toten auf
der anderen Seite gering zu halten.

Und trotzdem verschlechtert sich die Situation an der Grenze zu Gaza. Ich hoffe,
dass wir nicht so bald wieder zum Reservedienst gerufen werden, um unser Land
zu beschützen. Aber falls doch, so gehen wir mit dem Wissen, dass wir einer gerechten
und moralisch richtigen Sache dienen. Wir freuen uns nicht, wenn wir in den Krieg
ziehen müssen, aber wir gehen auch nicht wie Lämmer zum Schlächter. Nicht mehr.

Bild: Wikipedia