Novemberpogrome – Gedenkmarsch „Light of Hope“ in Wiener Innenstadt

Von IKG und Jüdischer Jugend ausgerichtet – Gedenkmarsch zog wegen antisemitischer WhatsApp-Verhöhnungen durch AG-Funktionären am Juridicum vorbei – Entschuldigung von Uni-Dekan

Wien (APA) – Die Israelitische Kultusgemeinde und die jüdische Jugend Wiens hat am Donnerstagabend zu einem Gedenkmarsch anlässlich des 79. Jahrestages der Novemberpogrome von 1938 gegen die jüdische Bevölkerung eingeladen. Rund 900 Personen nahmen laut Polizeiangaben an der Kundgebung in der Wiener Innenstadt teil.

Der Gedenkmarsch mit dem Titel „Light of Hope“, der bereits zum vierten Mal stattfand, startete kurz nach 18.00 Uhr vor der Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse. Danach zogen die Teilnehmer, teil mit Fackeln und elektrischen Kerzen ausgerüstet, zum Juridicum, wo erst heuer antisemitische WhatsApp-Postings von Studentenvertretern der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft für Entsetzen und Kritik gesorgt hatten. Aus diesem Anlass nahmen erstmals auch Vertreter der Universität am Gedenkmarsch teil, darunter Universitätsrektor Heinz Engl und der Dekan des Juridicums, Paul Oberhammer.

Die Schlusskundgebung fand vor dem Schoah-Mahnmal am Judenplatz statt. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, sagte in seiner Rede, der 9. November werde für die Gemeinde immer ein „trauriger Erinnerungstag“ bleiben. Es gelte, die Erinnerung an die November-Pogrome wachzuhalten, mit denen Vertreibung, Enteignung und Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus begann. Deutsch verwies aber auch auf die „gegenwärtige Situation“ in Europa: Es würden derzeit Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus wieder verstärkt auftreten, warnte er.

Der Präsident nahm auch Bezug auf die antisemitischen Vorfälle am Juridicum vom Frühjahr: Hochschulen hätten eine „besondere Verantwortung“ für die Gesellschaft, umso bedenklicher sei es, wenn dort antisemitisches Gedankengut verbreitet wird. Seinen besonderen Dank sprach er Rektor Engl und Dekan Oberhammer aus, für deren „klare Worte zu dem Vorfall“. Es gelte, an Schulen, Universitäten oder etwa Sportstätten weiterhin Aufklärung zu betreiben; auch jeder Einzelne trage Verantwortung.

Engl äußerte in seiner Rede Bedauern, dass die „menschenverachtenden Postings von Menschen am Juridicum“ stattgefunden haben. Dies habe gezeigt, „dass es gerade heute wieder wichtig ist, sich antisemitischen, rassistischen und frauenfeindlichen Exzessen vehement entgegen zu stellen“. Die Universität habe „hoffentlich aus diesem Fall gelernt und wird gegen alle Formen von Antisemitismus und Rassismus auftreten und sich verstärkt in Lehre und Forschung mit diesem Thema auseinandersetzen“.

Dekan Oberhammer sagte bei der Abschlusskundgebung, es gebe „viele gute Gründe, heute mit ‚Light of Hope‘ ein Zeichen zu setzen. Gründe, die in der Verhangenheit liegen und auch solche, die ganz aktuell sind“, wie er mit Blick auf die „antisemitischen Exzesse am Juridicum im heurigen Frühling“ sagte. Gewählte Studienvertreter hätten sich als Antisemiten erwiesen. Die Verteidigung, es habe sich lediglich um schwarzen Humor gehandelt, könne man nicht gelten lassen: „Das ist falsch. Wer solches äußert, ist antisemitisch. Punkt.“

Man schäme sich als Universität „für diese 30 Täter“. „Daher möchte ich mich im Namen der Fakultät bei allen, die verletzt worden sind, entschuldigen.“ Das Juridicum stehe für Menschenwürde, Toleranz, Gerechtigkeit und Respekt. „Wer mit einer antisemitischen Gesinnung zu uns kommt, soll gleich verstehen, dass er bei uns falsch ist“, so der Dekan. Der jüdischen Jugend und der IKG sprach er seinen Dank dafür aus, „an dieser Stelle“ Farbe bekennen zu dürfen: „Es tut sehr gut, ein Teil von Light of Hope zu sein.“ Der 9. November bedeute „niemals vergessen“ – und dieser Satz müsse von jeder Generation neu mit Leben erfüllt werden, betonte Oberhammer.

Umrahmt wurde die Abschlusskundgebung von Videobotschaften von Politikern und Zeitzeugen sowie einer Rede von Oberrabbiner Arie Folger, der eine Grußbotschaft der christlichen Kirchen verlas.