Light of Hope und weitere Veranstaltungen zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938

„Light of Hope“-Marsch der IKG-Jugend am 8. November – Kranzniederlegung mit Bundespräsident Van der Bellen beim Mahnmal am Judenplatz und Gedenkveranstaltung im Parlament am 9. November

Wien (APA) – Am Freitag jähren sich zum 80. Mal die Novemberpogrome von 1938, die v.a. von der Bevölkerung gegen Juden und Jüdinnen begangen wurde. Heute oft immer noch mit dem verharmlosenden Nazi-Ausdruck „Reichskristallnacht“ bezeichnet, bedeuteten diese Pogrome bereits den Beginn der Schoah. In Wien wird mit zahlreichen Veranstaltungen der damaligen Gräuel gedacht.

In Österreich wird rund um den 9. November mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen den Novemberpogromen gedacht. Für den Dienstag (6. November) ist im

06. November | Wiener Volkstheater: „Gelebt, erlebt, überlebt – Die Geschichte der Wiener Familie Pressburger“ – eine szenische Lesung.

 07. November | Präsident Oskar Deutsch empfängt in der IKG österreichische Holocaust-Überlebende aus Israel, die Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bildungsminister Heinz Faßmann bei deren Jerusalem-Besuch im Juni dieses Jahres zu einem Besuch nach Österreich eingeladen hatten.

08. November | Gedenkmarsch „Light of Hope“ zu dem die IKG und die jüdische Jugend Wiens aufrufen. Start ist um 19.00 Uhr am Heldenplatz vor dem Eingang des „Haus der Geschichte“ (Neue Burg). Die Abschlusszeremonie ist beim Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoah am Judenplatz geplant, mit Reden zweier Schoah-Überlebenden,  IKG-Präsident Oskar Deutsch, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Staatssekretärin Karoline Edtstadler. Oberrabbiner Arie Folger wird im Rahmen der Zeremonie ein Gebet sprechen.

09. November | Um  9.00 Uhr  Kranzniederlegung beim Schoah-Mahnmal am Judenplatz durch Bundespräsident Van der Bellen. Ab 9.30 Uhr im Parlament eine Gedenveranstaltung mit dem Bundespräsidenten, bei der ebenfalls an die österreichischen Opfer erinnert wird. Als weitere Teilnehmer bei der Veranstaltung im Hohen Haus sind unter anderem Bundeskanzler Sebastian Kurz, NR-Präsident Wolfgang Sobotka, Bildungsminister Werner Faßmann sowie die Zweite NR-Präsidentin Doris Bures angekündigt. Auch die, auf Einladung des Bundeskanzlers, in Wien weilenden österreichischen Holocaust-Überlebenden werden im Parlament erwartet, die dann am Nachmittag von BP Van der Bellen in der Präsidentschaftskanzlei empfangen werden. Für den Abend ist in der Wiener Ruprechtskirche ein Gedenk-Gottesdienst geplant.

Auch zahlreiche weitere Veranstaltungen erinnern an die Novemberpogrome (die sie u.a. auch hier entnehmen können: www.ikg-wien.at) wie z.B. eine Mahnwache beim Gedenkstein vor dem ehemaligen Aspangbahnhof im 3. Wiener Gemeindebezirk. Die „Initiative Aspangbahnhof“ ruft wie schon im Vorjahr dazu auf, dass in den Jahren 1939 bis 1942 vom ehemaligen Aspangbahnhof aus Zehntausende österreichische Juden in Vernichtungslager transportiert wurden.

In Österreich wurden im Rahmen der Pogrome im November 1938 mindestens 30 Juden getötet, 7.800 verhaftet und aus Wien rund 4.000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Im gesamten „Deutschen Reich“ wurden tausende Synagogen und Geschäfte niedergebrannt, nach offizieller damaliger Lesart 91 Personen getötet, tatsächlich starben aber während der Pogrome und in deren Folge weit mehr Menschen. Mehr als 20.000 Personen wurden verhaftet.
Der Begriff „Pogrom“ kommt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“ und „Unwetter“. Die NS-Propaganda versuchte, die Aktion im November 1938 als spontane Antwort der Bevölkerung auf den Tod des deutschen Diplomaten Ernst von Rath auszugeben. Dieser war am 7. November 1938 in Paris vom 17-jährigen Herschel Grynszpan niedergeschossen worden und starb später. Grynszpan hatte ursprünglich ein Attentat auf den deutschen Botschafter in Paris geplant, mit dem er gegen die Abschiebung tausender polnischstämmiger Juden protestieren wollte. Statt des Botschafters trafen seine Schüsse jedoch den jungen Botschaftssekretär Rath. Für die NS-Führung ein willkommener Anlass, die Vorgangsweise gegen die jüdische Bevölkerung unter dem Vorwand des „Zorns der kochenden Volksseele“ zu verschärfen.
Die gezielten Massenausschreitungen nach der Aktivierung der SS-Ortsgruppen beschränkten sich allerdings nicht auf eine Nacht, sondern dauerten in Österreich und Deutschland mehrere Tage an. Hunderte Juden und Jüdinnen begingen Selbstmord, wurden vom Mob getötet, tausende von ihnen wurden in Folge verhaftet und u.a. ins KZ Dachau deportiert. Allein im „Kreis Wien I“ wurden 1.950 Wohnungen zwangsgeräumt und 42 Synagogen in Brand gesteckt und verwüstet.
Auch in den Bundesländern kam es zu zahlreichen Übergriffen. Die Synagogen in Eisenstadt, Berndorf, Vöslau, Baden, Klagenfurt, Linz und Graz fielen dem Pogrom zum Opfer. In Baden wurden alle Juden verhaftet, in St. Pölten 137, in ganz Salzburg 70, in Klagenfurt 40. Ein Zehntel der rund 650 bis dahin in Oberösterreich lebenden Juden wurde bereits am 8. November festgenommen.
Die Nationalsozialisten erlegten den Juden nach dem Pogrom eine „Sühneabgabe“ von einer Milliarde Reichsmark auf. Sie wurde später noch um 25 Prozent erhöht und war binnen eines Jahres zu zahlen. Für die Schäden musste die jüdische Bevölkerung ebenfalls aufkommen.