Neuwahl – Deutsch appelliert an Parteien, nicht mit FPÖ zu koalieren

IKG-Präsident will keine Koalition mit „antisemitischen Tendenzen“ – Schändung des Holocaust-Mahnmals sei „Angriff auf alle Österreicher“

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde hat am Mittwochnachmittag einen Appell sowohl an Wähler als auch an die Parteien gerichtet. Eine Partei mit „antisemitischen Tendenzen“ sollte weder gewählt werden, noch sollte man mit dieser koalieren. Dies erklärte er anlässlich des Besuchs der Ausstellung zur Erinnerung an NS-Opfer auf der Wiener Ringstraße, die am Dienstag geschändet worden war.

„Ich habe das bei der letzten Wahl gesagt. Wir wurden spätestens jetzt bestätigt, dass das so richtig ist“, begründete Deutsch die Ablehnung einer künftigen Regierungsbeteiligung der FPÖ. Den Wählern richtete er aus: „Die Parteiauswahl ist groß genug.“ Sie sollten daher eine Partei wählen, die pro-europäisch, für den Frieden, für ein Miteinander und für Menschenrechte eintrete. „Es gab in den eineinhalb Jahren (FPÖ-Regierungsbeteiligung) nicht weniger als 70 antisemitische Einzelfälle“, betonte Deutsch.

Als Reaktion auf die Beschmierungen und Beschädigungen von Teilen der Ausstellung zur Erinnerung an die Opfer der NS-Gräuel sagte Deutsch: „Ich sehe, da ist ein Angriff auf Zeitzeugen. Ich sehe, da ist ein Angriff auf das Gedenken. Ich sehe das als Angriff auf Juden und Jüdinnen. Ich sehe das als einen Angriff auf alle Österreicher.“ Die Ausstellung sei noch 14 Tage lang zu sehen. „Man soll kommen, man sollte sich das anschauen, man sollte daraus eben Schlüsse ziehen.“

Die Installation „Gegen das Vergessen“ mit Porträtfotos von Überlebenden der NS-Verfolgung ist seit Anfang Mai zu sehen. Initiiert wurde sie vom Psychosozialen Zentrum ESRA. Der Geschäftsführer von ESRA sieht für die Beschmierungen „politische Kreise“ verantwortlich, die mit dem Gedenken nicht umgehen könnten: „Wenn man sich diese Gesichter ansieht, die mahnen unsere Gesellschaft zur Verantwortung und zu diesem oft beschworenen Niemals-Wieder. Natürlich gibt es Menschen, bei denen dieses Mahnen auf einen heftigen Widerstand stößt.“

(APA)