Mit Israelhassern gegen Antisemitismus?

Zwei Tage ist es her, dass die Imame der „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich“ (IGGiÖ) medienwirksam eine Deklaration gegen „Extremismus, Gewalt und Terror“ veröffentlichten. Darin war auch ein Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus enthalten. Die Frage nach der Ernsthaftigkeit dieser Bemühungen stellt sich aber, wenn einen Blick auf die versammelten Imame wirft. In der Mitte des Fotos ist IGGiÖ-Chef Ibrahim Olgun zu sehen. Etwas daneben, am rechten Bildrand, steht Erich Waldmann, Imam der schiitischen Imam-Ali-Moschee in Wien – und Mitorganisator der hiesigen Al-Quds-Tage, also jener vom islamistischen Regime in Teheran ins Leben gerufenen Aufmärsche, auf denen alljährlich die Vernichtung Israels propagiert wird. Der Kampf gegen Antisemitismus, zu dem sich die Imame der IGGiÖ bekennen, steht offenbar nicht im Widerspruch zur Agitation für die Beseitigung des jüdischen Staates – obwohl das nach der unlängst von der Bundesregierung angenommenen Definition nichts anderes als Antisemitismus ist.

Von Florian Markl, Mena Exklusiv

Deklaration der Imame in Österreich gegen Extremismus, Gewalt und Terror

‚Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Wenn jemand einen Menschen tötet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit getötet! Und wer einem Menschen das Leben rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet!‘ (Koran 5:32)

Imame vor der Moschee am Hubertusdamm in Wien-Floridsdorf mit einem Transparent gegen Terror

Bild: ORF/Sandra Szabo

Imame vor der Moschee am Hubertusdamm in Wien-Floridsdorf mit einem Transparent gegen Terror

Hiermit wird festgehalten, dass wir, die Imame Österreichs, als Teil dieser Gesellschaft weiterhin mit aller Entschlossenheit alles tun werden, das friedliche Zusammenleben hier in Österreich aufrechtzuerhalten. Nichts wird uns davon abbringen, uns für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Chancengleichheit von Mann und Frau und gesellschaftliche Sicherheit auf der Basis der Vernunft und einer solidarischen Grundhaltung einzusetzen und unseren aktiven Beitrag für den Erhalt der Gesellschaft zu leisten.

Wir, die Imame Österreichs

  • verurteilen die terroristischen und extremistischen Gewaltakte auf der ganzen Welt;
  • halten fest, dass die Gräueltaten und Attentate der IS-Terroristen dem Islam widersprechen und aufs Schärfste zu verurteilen sind. Diese IS-Terroristen missbrauchen unsere friedliche Religion Islam, um an ihre politischen Ziele zu gelangen;
  • stellen klar, dass es zur Aufgabe eines jeden Muslims und jeder Muslimin gehört, sich für die Sicherheit und den Frieden des Landes sowie seiner Bürger und Bürgerinnen aktiv einzusetzen;
  • halten fest, dass Freiheit ein unentbehrliches Gut für die Menschen darstellt und dass es zu den Aufgaben jeder Gesellschaft gehört, sich für Freiheit zu jeder Zeit und an jedem Ort einzusetzen;
  • unterstreichen, dass der Islam die Menschenwürde als einen unverzichtbaren menschlichen Wert betrachtet. Aus diesem Grund ist alles, was diesem Grundsatz widerspricht, abzulehnen;
  • betonen in diesem Zusammenhang, dass Terror nicht einer Religion, einer Ethnie oder einer Kultur zuzuordnen ist;
  • betrachten den Dienst an der Gesellschaft als eine der besten Handlungen, zu welcher der Islam immer wieder aufruft und fordern deshalb die Muslime zur aktiven Teilnahme in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen auf;
  • betonen das Festhalten an verfassungsrechtlichen Prinzipien in der Republik Österreich, darin eingeschlossen und besonders hervorzuheben die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, Pluralismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit;
  • unterstreichen die Bedeutung der Präventions-und Deradikalisierungsarbeit, vor allem im Zusammenhang mit Jugendarbeit.