Mauthausen-Überlebende in großer Sorge wegen besonders wegen fremdenfeindlicher Tendenzen im Regierungsprogramm und zahlreicher einschlägiger Vorfälle in der FPÖ

Internationale Warnung vor Nationalismus und Rechtsextremismus

Wien (OTS) – In großer Sorge melden sich jetzt die Überlebenden des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager zu Wort. Österreichs nunmehrige Regierung veranlasst sie zu einer eindringlichen Warnung vor Nationalismus und Rechtsextremismus, besonders wegen fremdenfeindlicher Tendenzen im Regierungsprogramm und zahlreicher einschlägiger Vorfälle in der FPÖ. Sie sind älter als 85 Jahre und senden ihren Appell aus verschiedenen Ländern weltweit.

Offener Brief an Bundespräsident und Bundeskanzler

Das Internationale Mauthausen Komitee (CIM) übermittelt in einem offenen Brief einen gemeinsamen Appell der KZ-Überlebenden an Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz. In diesem Appell heißt es unter anderem: „Wir erwarten von der neuen österreichischen Bundesregierung, dass sie sich – den Lehren aus dem dunkelsten Kapitel der europäischen Zeitgeschichte gehorchend – abwendet von nationalistischen Strömungen und sich hinwendet zu einem gemeinsamen und solidarischen Europa! Die rund 100.000 im Mauthausen-System Ermordeten und die Millionen übrigen Opfer des Faschismus dürfen nicht umsonst gestorben sein.

Eindringliche Worte von KZ-Überlebenden weltweit

Zahlreiche KZ-Überlebenden aus verschiedenen Ländern der Welt richten eindringliche Worte an die österreichische Bundesregierung. Hier einige Auszüge:

Max R. Garcia (USA, Häftlingsnummer 116739, 93 Jahre): „Herr Bundeskanzler, sorgen Sie dafür, dass es in der österreichischen Regierung keinen Platz für Antisemitismus, Rassismus oder irgendeine Form von Rechtsextremismus gibt!“

Ennio Trivellin (Italien, Häftlingsnummer 110425): „73 Jahre nach Kriegsende scheint mir, dass sich in Österreich eine nationalistische Politik anbahnt. … Der erste Schritt: Man macht das De-Gasperi-Gruber-Abkommen zur Makulatur, indem man ankündigt, einen Pass für die Südtiroler einführen zu wollen. … Ich erhebe meine Stimme zu einem Protestruf.“

Igor Malitski (Ukraine, Häftlingsnummer 188005, 93 Jahre): „Ich weiß aus eigener Lebenserfahrung, was entsteht, wenn in einem Land begonnen wird, Rechte von Menschen einzuschränken, und wenn Fremdenfeindlichkeit Teil der staatlichen Politik wird. … Man darf nicht zulassen, dass einer Regierung rechtsextreme Politiker angehören.“

Aba Lewit (Österreich, Häftlingsnummer 85309, 94 Jahre): „Für mich ist die Koalition mit der rechtsextremen FPÖ … eine Gefahr für Österreich.“

Marko Feingold (Österreich, Häftlingsnummern 11966, 4725, 25675, 8448, 104 Jahre): „Ich wünsche mir, dass … es nie mehr zu solchen Zuständen kommt, wie ich sie von 1938 bis 1945 erleben musste.“

Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), das im Jahr 2000 das Vermächtnis der Mauthausen-Überlebenden übernommen hat, sammelte alle Statements von KZ-Überlebenden und stellt sie zum Download auf der MKÖ-Website zur Verfügung.

Download Offener Brief des Comité International de Mauthausen.

Rückfragen: Mauthausen Komitee Österreich
Willi Mernyi, Vorsitzender
Tel. 0664/1036465, E-Mail: info@mkoe.at, Web: www.mkoe.at