Jüdische Einrichtungen wieder geöffnet – großer Dank an Einsatzkräfte

Antwort auf islamistischen Terror: Vielfalt und jüdisches Leben

Wien (OTS) – Dank eines Kraftakts der Sicherheitsbehörden und einer großen Zahl an Beamtinnen und Beamten sowie der Sicherheitsabteilung der IKG Wien konnte bereits heute der Betrieb aller Synagogen, jüdischen Schulen, koscheren Supermärkte und anderen jüdischen Einrichtungen wieder aufgenommen werden. Zwar besteht nach wie vor eine erhöhte Alarmbereitschaft, aber wir haben uns bewusst für ein schnellstmögliches Aufsperren entschieden, um damit auch ein Zeichen zu setzen“, so Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde: „Das war ein Angriff auf Österreich, aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir, das sind alle Wienerinnen und Wiener, alle Menschen, die in dieser großartigen Stadt leben.“

Vor dem Stadttempel in der Seitenstettengasse, dem koscheren Restaurant an der Ecke zur Seitenstettengasse sowie vor Gasthäusern in den umliegenden Straßenzügen, sind nach wie vor die gelben Markierungen der Tatortermittler zu sehen. Ein Großaufgebot der Polizei und des Bundesheeres sichert auch diesen Bereich. Was martialisch klingt, sei aber ein Ausdruck einer wehrhaften Demokratie, so Deutsch. Hunderte Menschen bekunden seit den frühen Morgenstunden ihr Mitgefühl, entzünden Kerzen und hinterlassen verschriftlichte Trauerbekundungen. „Es ist ein Bild der Vielfalt, des Zusammenstehens. Es ist das vielfältige Österreich.“

Deutsch: „Den Angehörigen aller Verstorbenen gilt unser aufrichtiges Mitgefühl. Mögen die Verletzten bald wieder bei bester Gesundheit sein und sich die Verunsicherung legen.“

Besonders hervorzuheben sei die entschlossene und professionelle Reaktion der Einsatzkräfte. Der Stadttempel und das Bürogebäude der IKG in der Seitenstettengasse waren knapp mehr als eine Stunde vor Wahrnehmung der ersten Schüsse bereits von den Sicherheitsleuten der IKG verschlossen und verlassen worden. Auch das koschere Restaurant im selben Gebäudekomplex war an diesem Abend nicht in Betrieb. Coronabedingt war es in den vergangenen Wochen nur ab einer bestimmten Zahl an Reservierungen, etwa für Abendessen im familiären Rahmen geöffnet. Zuletzt wurde darin am Sonntagabend eine Festgesellschaft bewirtet.

Unmittelbar nachdem am Montag gegen 20 Uhr in der Wiener Innenstadt geschossen wurde, trat die Polizei mit der Sicherheitsabteilung der IKG in Kontakt. IKG-Mitglieder und -Mitarbeiter wurden auf allen verfügbaren Kanälen über die Notlage in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, öffentlich begehbare Flächen sofort zu verlassen. Ein leitender Mitarbeiter der IKG-Sicherheitsabteilung betrat kurze Zeit später mit vier Polizeibeamten das Sicherheitszimmer in der Seitenstettengasse, um gemeinsam die Aufzeichnungen aus den Überwachungskameras zu sichten. Jene Sequenz, in der der Attentäter auf einen Passanten schoss, wurde von Beamten vom Bildschirm abgefilmt. Diese Aufnahme half der Polizei möglicherweise bei der zu diesem Zeitpunkt im Gang befindlichen Alarmfahndung. Die IKG hat den später in Sozialen Netzwerken verbreiteten Videoclip, auf dem besagte Sequenz auf einem Bildschirm zu sehen ist, weder erstellt noch wurde es Medien oder anderen Dritten zur Verfügung gestellt.

Auch die Rettungskräfte, Sanitäter, Zivildiener, Ärzte sowie jedem Menschen, der anderen Schutz geboten und geholfen hat ist ein Held oder Heldin. Auch die politisch Verantwortlichen in Stadt und Bund, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, haben sich professionell und vorbildlich verhalten. Deutsch: „In dieser schwierigen Situation haben alle zusammengehalten. Bewahren wir das!“

Gesichert sei derzeit, dass bisher vier Menschen und ein Attentäter bei dem Terroranschlag gestern Abend ums Leben kamen. Mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Unmittelbar vor dem Eingang des Stadttempels in der Seitenstettengasse wurde auf zwei Passanten geschossen. Mindestens eine weitere Person, die sich im Eingang eines Gasthauses in Sichtweite des Stadttempels befunden hat, wurde ebenfalls schwer verletzt.

„In Gedanken sind wir bei den Angehörigen der Todesopfer, bei den Verletzten und bei allen Einsatzkräften, die wir vollumfänglich unterstützen“, so Deutsch. Glücklicherweise war das Abendgebet bereits vor Beginn des Anschlags beendet, ebenso der Bürobetrieb. Auch das koschere Restaurant Alef Alef war, anders als am Vorabend, zum Zeitpunkt des Attentats glücklicherweise geschlossen. Deutsch: „Ein antisemitisches Motiv der islamistischen Attentäter ist naheliegend, aber es zeigt sich auch, dass Antisemitismus, der dem Islamismus innewohnt, nicht nur eine Bedrohung für Juden und Jüdinnen ist, sondern für alle Menschen, denen es um Freiheit, Demokratie und Humanismus geht“, so Deutsch.