JMF: Palästinenser berichten der Jerusalem Post von Folter durch die PA und suchen Gerechtigkeit bei israelischen Gerichten

Seit das Jerusalemer Amtsgericht Anfang Sommer entschied, dass Palästinenser die Palästinensische Autonomiebehörde bei israelischen Gerichten verklagen können, kommen klare Berichte über die PA-Foltermethoden zu Tage.

Wie eine Szene aus einem Horrorfilm: Die Palästinenser, die ihn verhörten, schlugen auf seine Beine ein. Sie hängten ihn an der Zimmerdecke auf. Sie gaben ihm sehr lange nichts zu essen, und wenn er Essen bekam, war es kaum verträglich.

Wenn „Sami“, ein Palästinenser aus „Nablus“ (Namen und Orte zum Schutz der Interviewten geändert), einschlief oder mehr als eine Minute auf der Toilette verbrachte, gossen sie Wasser über seinen Kopf. Das war das „gute“ Wasser. Wenn sie auf schärfere Maßnahmen aus waren, schütteten sie brühheißes Wasser auf seine Brust.

Die Narben, die von seinem Verhör zurück blieben, sind heute nicht mehr so deutlich sichtbar wie vor 15 Jahren, aber viele davon sind noch da.

Sami ist heute Ende 30 und berichtete seine Geschichte vor kurzem der Jerusalem Post, schwankend zwischen Depression und einer unheimlichen, vom Körper losgelösten Trennung von den Ereignissen, wie sie nur beim Überleben von extremen Traumata entsteht.

Aber als ihn während der Zweiten Intifada vor rund 15 Jahren fünf Mitglieder der palästinensischen Version des Shin Bet am helllichten Nachmittag aus seinem Haus holten, war er noch ein junger Mann.

Das war das Ende seines Lebens als normaler Mensch. „Sie haben mir mein ganzes Leben genommen. Ich kann nicht heiraten. Ich kann nicht arbeiten [Arbeitsstellen annehmen, die nicht auf Kurzzeitverträgen basieren], ich kann nur schwer mit Menschen reden, und ich habe immer wieder Depressionen“, sagt Sami.

Sami ist einer von 51 Palästinensern, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) gefoltert wurden, weil sie mit Israel kooperierten. Vom Jerusalemer Amtsgericht wurde ihnen in einer durchschlagenden Regelung am 19. Juli bestätigt, dass sie die PA an israelischen Gerichten für die erlittenen Schäden verklagen können.

Die Regelung bezieht sich auf palästinensische Bürger, die ihre Klage vor die Gerichte der israelischen „Besatzung“ bringen können, um Gerechtigkeit für die Misshandlungen zu fordern, die sie durch den Gesetzesvollzug ihrer eigenen Palästinensischen Autonomiebehörde in der Zeit von Ende der 1990er Jahre bis Anfang 2000 erlitten haben. Nach Jahren von Zeugenaussagen kam es nun zu dieser Entscheidung.

Selbst wenn die Palästinenser mit Israel kooperiert hätten, ist dem Gericht zufolge, wenn es darum ging, Terroranschläge auf Israelis zu vereiteln, die PA unter den Oslo-Abkommen verpflichtet, diese Bemühungen zu unterstützen. Wie das Gericht sagt, darf die PA demgemäß diese Palästinenser nicht wie Kriminelle behandeln, und sie schon gar nicht foltern.

Ein Großteil dieser Gruppe wird nun Anhörungen vor dem Gericht beiwohnen, bei denen es um den zu erwartenden Schadenersatz geht, denn die PA werde versuchen, die Beweise der einzelnen Personen für die erlittenen Schäden anzugreifen. Eines der Opfer klagt 74 Millionen NIS ein, während der Gesamtbetrag aller Opfer auf 500-700 Millionen NIS geschätzt wird, wobei die unterschiedlichen Beträge die Schwere und Dauer der Folter widerspiegeln.

Menachem Kornvich, wohnhaft in Elon Moreh, Rechtsanwalt und vormals Staatsanwalt, kümmerte sich um die Anfangsjahre des Falls und um komplexe gerichtliche und völkerrechtliche Probleme. Als es in dem Fall mehr und mehr um Details der individuellen Fälle ging, übernahmen die Anwaltspartner Barak Kedem, Aryeh Arbus, Netanel Rom und David Zur, die die Fälle weiter voranbringen werden.

Aber Samis persönliche Geschichte enthält noch viel mehr.

Da gab es auch seinen Besuch beim „Zahnarzt“, um seine Zahnschmerzen zu behandeln.

Sami berichtete: „Ich hatte Zahnschmerzen, und sie brachten mich zu einem Arzt. Der Arzt fragte, wer ich sei. Sie sagten ihm, dass ich Israel geholfen habe. Der Zahnarzt riss einige meiner Zähne aus – aber nicht die Zähne, die wehtaten. Das war nur, weil sie gesagt hatten, dass ich Israel geholfen habe.“

Nach diesem Vorfall, so Sami, „versuchte ich mir das Leben zu nehmen… Jeder war gegen mich. Ich schnitt meinen Körper mit Steinen auf“.

Und dann gibt es „Dani“.

Dani ist ein gutes Stück älter als Sami und trägt nun einen Bart.

Wie er der Post berichtete, wurde er vom PA-Sicherheitsdienst auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz (der sich in Israel befand) geschnappt – ebenfalls in der frühen Phase der Zweiten Intifada.

Im Unterschied zu Samis unheimlicher Passivität ist Dani wütend, er versucht, den physischen Raum und die Diskussion zu dominieren, und er hat eine viel stärkere Paranoia davor, entdeckt zu werden.

Seinen Angaben nach weiß er nicht, wo sich der erste Ort, an den sie ihn brachten, befindet, denn sie hatten seine Augen bedeckt und einen uringetränkten Sack über sein Gesicht gezogen.

Wie er berichtete, sah er sechs Tage lang kein Sonnenlicht. Er wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war, man ließ ihn hungern oder gab ihm ungenießbares Essen, und er musste in seine Zelle urinieren, wo er auf dem Boden schlief.

Sie setzten ihn extremer Kälte oder heißen Temperaturen aus, bis er das Bewusstsein verlor.

Seine Peiniger verursachten ihm ständig Verletzungen an seinem linken Arm. Auf die Frage, wie er dort verletzt worden war, antwortete er defensiv: „Woher soll ich wissen, ob sie mit einer Gabel oder mit einem Messer auf meinen Arm einstachen?! Mein Kopf war verhüllt.“

Schließlich brach Dani und fragte die Folterer: „Was wollt ihr von mir? Soll ich unterschreiben, dass ich mit dem Shin Bet zusammengearbeitet habe? Okay, das habe ich. Wollt ihr, dass ich zugebe, den Tempelberg verkauft zu haben, dass ich mit Israel kollaboriert habe? Was immer ihr wollt.“

Wie Dani berichtete: „Sie schlugen mir in die Zähne und traten mir in die Hoden“, weshalb er Probleme beim Urinieren hat.

Mit zunehmender Wut, die ihn in das Verhörzimmer zurückzuführen schien, sagte Dani: „Ich wollte nach einer Waffe greifen und sie und mich selbst erschießen!“

Derzeit leben Sami und Dani im Zentrum des Landes bzw. nördlich davon. Einige der Folteropfer, wie Dani, finden Arbeit nach einer Rehabilitierungsphase. Andere, wie Sami, schaffen nur befristete Tätigkeiten.

Die Frage, ob diese Opfer in der Tat dem Shin Bet geholfen hatten, ist verzwickt, und man kann nicht immer wissen, ob sie auch die Wahrheit sagen.

Schließlich gab Dani zu, dass er verdeckt als Shin Bet-Informant tätig war.

Auf die Frage, wie er sein Volk betrügen konnte, sagte er: „Ich bin ein Mensch. Ich mag kein Blut. Wenn jemand Blut vergießt, greife ich ihn an. Ich möchte Leben retten. Menschen sind nicht Gott, dass sie entscheiden dürften, wer bestraft werden soll.“

Er sagte, dass er Israel liebe, denn Israel sei „vertrauenswürdig, und wenn jemand Israel hilft, dann wird ihm selbst später einmal geholfen“.

Laut Dani war es die Arbeit für den Shin Bet wert, denn obwohl er von vielen Palästinensern geächtet wurde, hat er jetzt ein Einkommen, sodass er und seine Familie leben können, und außerdem: „Gott sieht es, wenn man etwas Gutes tut“

Quelle: http://www.jpost.com/Arab-Israeli-Conflict/Palestinians-tell-Post-about-PA-torture-seek-justice-in-Israeli-courts-504957