JMF (JPost): Freiwillige des Weltkirchenrats verwenden antisemitische Rhetorik und befürworten BDS

Von LAHAV HARKOV 14.01.2019

Der Weltkirchenrat ÖRK bezeichnet sich als die größte organisierte Kirchen-Gruppe und möchte nach eigenen Angaben 350 Mitgliedskirchen in 110 Ländern und 500 Millionen Christen auf der ganzen Welt vertreten.

Wie ein neuer Bericht des Forschungsinstituts NGO Monitor enthüllt, bildet der Weltkirchenrat bzw. Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) Freiwillige aus, die den Boykott Israels unterstützen sollen und sich dabei einer antisemitischen Rhetorik bedienen. Er wird von mehreren westlichen Regierungen und der EU finanziell gefördert und erhält Unterstützung von den Vereinten Nationen.

Im Rahmen des ÖRK-Vorzeigeprojektes „Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI) wurden in den vergangenen 15 Jahren 1.800 „ökumenische Begleitpersonen“ aus aller Welt als Beobachter in die Westbank und nach Jerusalem gesandt, und es sollen 25 bis 30 dieser inoffiziellen Beobachter ständig vor Ort sein. Es ist das einzige Programm des ÖRK dieser Art.

Das erklärte Ziel der EAPPI-Beobachter ist, „zu begleiten, Schutz zu bieten und Zeugnis abzulegen,… Menschenrechtsverletzungen zu überwachen und zu melden,… zu den örtlichen Friedens- und Menschenrechtsgruppen zu stehen… und Fürsprache zu bieten“.

Die Freiwilligen erhalten zu Beginn des Programms eine 10-tägige Schulung, und am Ende findet eine zweitägige Nachbesprechung statt, die auch „Tipps für öffentliche Reden und Fürsprachen“ umfasst.

Diese Fürsprachen enthalten eine Nacherzählung dessen, was sie gesehen haben, „um die Augen ihrer Gemeinden, Kirchen und Regierungen für die reale Situation unter der Besetzung zu öffnen“, heißt es seitens des EAPPI, und sie sollen „internationale Maßnahmen für eine Veränderung“ auslösen.

Der ÖRK bezeichnet sich selbst als die größte organisierte Kirchen-Gruppe und möchte nach eigenen Angaben 350 Mitgliedskirchen in 110 Ländern und 500 Millionen Christen auf der ganzen Welt vertreten. Der Website zufolge ist das Ziel der Gruppe die Einheit aller Christen.

Wie es jedoch scheint, besteht eine der Möglichkeiten, dies zu erreichen, aus Fürsprachen mit einer anti-israelischen Positionierung, die zuweilen klare antisemitische Obertöne aufweist, die unter die Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) fallen. Die EU, die über einige ihrer Mitgliedsstaaten Fördermittel für EAPPI bereitstellt, hat diese Definition anerkannt.

In den Fürsprache-Sitzungen der ÖRK-Führung und EAPPI-Freiwilligen wurden israelische Maßnahmen wiederholt mit jenen Nazi-Deutschlands verglichen. Zum Beispiel sagte ÖRK-Generalsekretär Dr. Olav Fyske Tveit: „Über die Besetzung meines Landes in den fünf Jahren des Zweiten Weltkrieges haben mir meine Eltern durch ihre Geschichte berichtet. Jetzt werden mir Geschichten über 50 Jahre Besetzung berichtet.“

Im Jahr 2017 wurde Beobachter Rev. Gordon Timbers von der Presbyterian Church of Canada bei seinem Vortrag aus dem Publikum gefragt, ob „Juden, die sich Modelle der Gaskammern ansehen“, darin Ähnlichkeiten zu dem, was in der Westbank passiert, sehen. Timbers antwortete, dass „es Ähnlichkeiten gibt“, auch in Bezug auf die Ausweispapiere.

Der südafrikanische EAPPI-Aktivist Itani Rasalanavho sagte während einer „Apartheid Week“-Veranstaltung in seinem Heimatland: „Es ist an der Zeit zu sagen, dass die Opfer des Holocaust nun zu den Tätern geworden sind.“

 

Die EAPPI-Aktivistin Rev. Joan Fisher zitierte bei einem ihrer Vorträge einen palästinensischen Geistlichen der sagte: „Wir haben Verständnis für das Leiden unserer jüdischen Brüder und Schwestern im Holocaust, aber Sie können einer Ungerechtigkeit nicht damit begegnen, dass Sie eine andere Ungerechtigkeit schaffen.“

Die IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus besagt, dass „ein Vergleich der aktuellen israelischen Politik mit jener der Nazis“ ein Beispiel für Antisemitismus ist.

Der ÖRK unterstützt den Boykott und Investitionsentzug gegen Siedlungen, aber die EAPPI-Aktivisten haben sogar zum Boykott von ganz Israel aufgerufen.

In der EAPPI-Veröffentlichung „Faith under Occupation“ (Glaube unter Besatzung) von 2012 werden „Sanktionen und die Einstellung der US-Hilfe für Israel“, „die Anfechtung Israels bei lokalen und internationalen Gerichten“ und „wirtschaftliche Boykotte“ gefordert.

Die nationale EAPPI-Koordinatorin in Südafrika, Dudu Mahlangu-Masango, unterzeichnete einen Brief an den damaligen Präsidenten Jacob Zuma, in dem sie „die Regierung und die Zivilgesellschaft aufforderte, einen breit angelegten Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel einzuleiten“. Sie wiederholte diesen Aufruf 2018 in einem Fernsehinterview, bei dem sie „totale Sanktionen“ gegen Israel forderte.

Die Organisation versucht auch, christlichen Zionismus zu bekämpfen. Bei einer ÖRK-Veranstaltung von 2015 wurde Zionismus als „Ketzerei“ im Sinne der christlichen Theologie bezeichnet. Die Israelis von heute hätten keine Verbindung zu den alten Israeliten, und die israelische Gesellschaft sei „voll von Rassismus und Privilegien für Menschen mit heller Haut“. Die ÖRK-Führung verglich Israel auch mit Südafrika unter der Apartheid.

Im Mai 2016 hielt die EAPPI-Aktivistin Hannah Griffiths in London einen Vortrag, bei dem sie der „jüdischen Lobby“ die Schuld dafür gab, dass die amerikanischen Evangelikalen Christen Israel unterstützen. Sie behauptete auch, dass Israel den Leichen von Palästinensern, die bei versuchten Messerangriffen auf Israelis erschossen wurden, Messer unterschiebe.

EAPPI-Aktivisten haben auch Falschmeldungen über Israel verbreitet, wie zum Beispiel eine im Vereinigten Königreich, bei der es hieß, dass Israel eine Strategie zur Reduzierung der arabischen Bevölkerung habe, indem sie arabischer Bürger in die Westbank oder nach Gaza entsende. Andere zeigten ihre Unwissenheit über den Konflikt, wie ein EAPPI-Freiwilliger in Kanada, der sagte, dass Israelis der Zugang zu Zone A nicht aus Risikogründen verwehrt sei, sondern „um zu verhindern, dass die Israelis sehen, was dort vor sich geht“.

Lokalen jüdischen Gemeinden zufolge stiften EAPPI-Freiwillige zu Antisemitismus an.

Vivian Wineman, Präsident des Abgeordnetenausschusses der britischen Juden im Jahr 2012 sagte, dass „Mitglieder jüdischer Gemeinden im ganzen Land bei den Treffen der EAPPI Schikanen und Beleidigungen ausgesetzt waren“. Wie die Organisation mitteilte, habe EAPPI „dazu beigetragen, in der Church of England ein feindseliges Klima gegen Israel zu schaffen“.

EAPPI erhält beträchtliche Mittel von Regierungen weltweit, von denen einige das Programm direkt und andere es über lokale Kirchen unterstützen.

Beispielsweise hat die Schweizer Kirchen-NGO HEKS das EAPPI-Programm im Jahr 2018 mit 200.000 CHF unterstützt. Rund 24 % der HEK-Mittel stammen aus staatlichen Quellen der Schweiz, wie ein Bericht aus dem Jahr 2015 ergab.

Die britische Kirchen-NGO CAFOD, die Finanzmittel von der EU, Großbritannien und Irland erhält, unterstützte EAPPI im Jahr 2018 mit 25.000 GBP.

DanChurchAid in Dänemark sicherte EAPPI für die Jahre 2017-2019 Beträge in Höhe von 328.995 USD zu. Die Organisation bezieht derzeit Finanzmittel aus Dänemark und der EU.

Auch Norwegen, Schweden, Deutschland und Finnland unterstützen kirchliche Organisationen, über die EAPPI Finanzmittel erhält. UNICEF beteiligt sich ebenfalls an der Finanzierung des Programms und vermittelte kanadische und japanische Gelder an EAPPI.

EAPPI ist in Israel nicht als NGO registriert, sondern ist vom Jerusalem Inter Church Center aus tätig und kooperiert mit israelischen und palästinensischen Partnerorganisationen, darunter B’Tselem, Machsom Watch, Rabbis for Human Rights und Breaking the Silence.

Der ÖRK antwortete auf die Anfragen der Jerusalem Post angesichts des Berichts, dass sie „als Reaktion auf einen speziellen Aufruf der Mitgliedskirchen des ÖRK in der Region“ über ihr EAPPI-Programm ein besonderes Augenmerk auf Israel richten. Ein ähnliches Programm würde in Kolumbien versucht, und der ÖRK verfüge in anderen Ländern der Welt über verschiedene Programme.

Darüber hinaus teilte der ÖRK mit, dass er „den Vergleich Israels mit Nazi-Deutschland nicht gutheiße, weder bei der Schulung der Teilnehmer am EAPPI-Programm noch in anderen Fällen“.

Peter Prove, Direktor der ÖRK-Kommission für internationale Angelegenheiten, sagte: „Seit seiner Gründungsversammlung im Jahr 1948 hat der ÖRK den Antisemitismus als Sünde gegen Gott und die Menschheit angeprangert, und wir halten diesen Standpunkt nachdrücklich aufrecht“.

Was die in verschiedenen westlichen Ländern geltenden Gesetze gegen Boykotte aufgrund der Nationalität betrifft, teilte der ÖRK mit, dass seine Aktivitäten im Einklang mit dem Gesetz stehen und dass „Boykotte auf der Grundlage der Nationalität weder in diesem noch in anderem Zusammenhang unterstützt werden. Der ÖRK unterstützt auch keine wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Israel. Er verfolgt jedoch eine langjährige Politik des Boykotts von Waren und Dienstleistungen aus den Siedlungen.“

Quelle: https://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism/World-Council-of-Churches-trainees-use-antisemitic-rhetoric-advocate-BDS-577256