IKG Wien trauert um eine außergewöhnliche und mutige Rebellin

Wien (OTS) – Einen Monat nach ihrem 94. Geburtstag ist Renée Wiener, Ehrenmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und Madame le Commandeur der französischen Ehrenlegion, am 5. Juni 2018 in New York verstorben.

Renée Wiener wurde als Renate Kurz 1924 in Wien geboren. Bis zum „Anschluss“ im März 1938 verlebte sie mit ihrer jüngeren Schwester Hannah und ihren Eltern eine wohlbehütete, sichere Kindheit – ein Gefühl, „das ich danach nie wieder fand“, wie sie in ihrer 2012 erschienenen Biographie „Von Anfang an Rebellin“ beschreibt. Für die Familie änderte sich das Leben radikal. Von einem Urlaub in Italien kehrte sie nicht mehr nach Österreich zurück. Doch auch im faschistischen Italien blieb die Familie Kurz nicht vor der feindseligen, antisemitischen Stimmung verschont, weshalb sie nach Belgien floh. Nach dem dortigen Einmarsch der Nazis im Mai 1940 musste die Familie abermals flüchten. Über Umwege und nach dem Scheitern der Flucht nach Südamerika gelangte sie nach Südfrankreich. 1943 wurde Renée Wieners Vater Leopold von den Nazis verhaftet, nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sein Schicksal und die Ungewissheit über die Umstände seines Todes ließen Renée Wiener Zeit ihres Lebens nicht los.

Renée übernahm fortan die Rolle des Familienoberhaupts, versteckte ihre Mutter und Schwester vor den Nazis und schloss sich der französischen Resistance an. Mit Hilfe französischer EinwohnerInnen versteckte sie Kinder in Familien oder Klöstern und fälschte Essensmarken zu deren Versorgung, weiters half sie unter Einsatz ihres Lebens bei der Organisation und Durchführung von illegalen Kindertransporten über die Berge in die Schweiz.

1947 ging Renée Wiener in die USA, holte später ihre Mutter und ihre Schwester nach und arbeitete als ausgebildete Sozialarbeiterin bis zu ihrer Pensionierung mit benachteiligten farbigen Kindern und Drogenabhängigen. Sie hinterlässt einen Sohn und drei kleine Enkelkinder, die sie über alles liebte. Für ihre Tätigkeit im Widerstand gegen das NS-Regime und den Einsatz ihres Lebens für die Rettung von Kindern  wurde sie im Jahr 2010 mit einer der höchsten Ehrungen des französischen Staates, nämlich als „Madame le Commandeur“, ausgezeichnet. In Österreich blieb Renée Wiener eine offizielle Anerkennung und Wertschätzung verwehrt, ihr Verhältnis zu ihrem Heimatland war ambivalent.

Renée Wiener und ihr außergewöhnlicher Mut werden der Welt fehlen.

 

Rückfragehinweis:
Israelitische Kultusgemeinde Wien,
Tel: 01 53104-105