IKG trauert um Shoah-Überlebenden Aba Lewit

(Wien/OTS) – Die Jugend von Aba Lewit war geprägt von Verfolgung und Gewalt durch die Nationalsozialisten. Aufgewachsen in Polen, wurde er als 17-Jähriger zuerst in das Zwangsarbeiterlager Krakau-Kostrze und später in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert, wo er unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten musste. In Gusen, wo Aba Lewit Schwerstarbeit in den Stollen verrichtete, erlebte er schließlich am 5. Mai 1945 die Befreiung durch die US-Armee.

Solch ein Lebenslauf und solches Leid lassen sich nicht in wenige Sätze fassen. Aba Lewit hat lange nicht über seine Erlebnisse gesprochen. Mit seinem Entschluss schließlich, öffentlich als Zeitzeuge zu wirken, in Schulen zu sprechen und Interviews zu geben, hat er einen enormen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte geleistet. Die Jugend lag Aba Lewit sehr am Herzen. Neben zahlreichen Vorträgen engagierte er sich auch in verschiedenen Schulprojekten. Mit Humor und Herzlichkeit fand er den Weg zu den jungen Menschen und motivierte sie, sich kritisch in ihrem Umfeld und in der Gesellschaft auseinanderzusetzen.
Vor einigen Jahren hatte das rechtsextreme Medium „Aula“ Überlebende des KZ Mauthausen als „kriminell“ und „Landplage“ diffamiert. Nachdem eine zivilrechtliche Klage von Aba Lewit und anderen Überlebenden gegen das Medium und den Autor abgewiesen worden war, wandten sie sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Aba Lewit selbst sah es, trotz seines hohen Alters, als seine Pflicht, „solch ein Verfahren im Namen der Zigtausenden Menschen, die nicht mehr am Leben sind“ anzustrengen.

IKG-Präsident Oskar Deutsch, der bereits damals die Entscheidung der Grazer Justizbehörden als unwürdig bezeichnete, sieht es als großen Verdienst von Aba Lewit und seinen Mitstreitern, dass sich die Republik Österreich letztlich ihrer Verpflichtung zum strafrechtlichen Schutz von Schoah-Überlebenden annehmen muss. „Wir sind Aba Lewit für seinen großartigen Einsatz als Zeitzeuge und für Gerechtigkeit dankbar. Die Jüdische Gemeinde wird den Menschen Aba Lewit vermissen“, so IKG-Präsident Deutsch.