Gezielter Angriff gegen österreichische Juden: „Wir wehren uns!“

Wien (OTS) – Bei dem Angriff auf Kippa tragende Männer in Wien-Leopoldstadt am Donnerstag traf Oskar Deutsch Freitagvormittag mit Augenzeugen und einem der drei jüdischen Angegriffenen zusammen. „Nach den Schilderungen besteht kein Zweifel über das antisemitische Motiv des Angreifers“, sagt der IKG-Präsident. Der mutmaßlich 24-jährige Angreifer schlug zunächst im Bereich der Taborstraße auf zwei durch ihre Kleidung als Juden erkennbare Männer, einer IKG-Mitglied, der zweite ein Tourist aus Israel, ein. Währenddessen habe er sich abfällig über Juden geäußert. Die Angegriffenen haben Verletzungen davon getragen. „Sie haben sich gewehrt und den Angreifer in die Flucht geschlagen“, kann Deutsch auch Positives berichten.

Ein Mitarbeiter der IKG Wien wurde Augenzeuge und verständigte die Polizei. In Absprache mit der Beamtin am Telefon folgte der Mitarbeiter dem Angreifer unter Einhaltung eines Sicherheitsabstands. Auf dem Weg in Richtung Schwedenplatz ging der Verdächtige an mehreren Passanten vorbei, als er plötzlich loslief und einem jüdischen Studenten, der u.a. aber nicht ausschließlich aufgrund seiner Kippa als Jude erkennbar war, in den Rücken sprang und diesen dadurch zu Fall brachte. Die Passanten, die dem Verdächtigen zwischen den beiden Vorfällen begegnet waren, waren augenscheinlich nicht als Juden erkennbar.

Der IKG-Mitarbeiter folgte dem Angreifer weiter bis zum Schwedenplatz, wo ihn die Polizei im Bereich der U-Bahnstation festgenommen hat. IKG-Präsident Oskar Deutsch: „Diese Woche war geprägt von politischen Angriffen gegen das Judentum und einer antisemitischen Attacke gestern. In dieser Stimmung der Verunsicherung ist es wichtig zu betonen, dass sich die jüdische Gemeinde sowohl politisch, juristisch als auch physisch zur Wehr setzt.“ Deutsch betont, dass sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und nun auch Kanzleramtsminister Gernot Blümel gegen jede Form der Einschränkung jüdischen Lebens in Österreich ausgesprochen haben. „Nur die FPÖ Niederösterreich hat in der Frage des Schächtens ihre Maske fallen gelassen und dämonisiert das klar geregelte Schächten um nicht das Judentum selbst zu dämonisieren.“

Deutsch lehnt auch die Vereinnahmung der physischen Attacke durch Rechtsextreme ab. „Vor den Gefahren des politischen Islam haben wir schon gewarnt als Rechtsextreme noch ausschließlich gegen Juden hetzten. So wie Islamisten keine Verbündeten im Kampf gegen Rechtsextreme sind, sind auch Rechtsextreme keine Partner im Kampf gegen Islamisten“, so Deutsch, der für eine Debatte ohne Scheuklappen über Fehler in der Integrationspolitik plädiert.

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