Freiheit und Demokratie sind ein bleibender Auftrag – Erinnerung an KZ Gusen nimmt Form an

Am 5. Mai 1945 wurde das KZ Gusen befreit. Am Vorabend des Befreiungstages gab Innenminister Karl Nehammer im Rahmen einer Kranzniederlegung bekannt, dass die Republik Österreich zentrale Teile des ehemaligen Konzentrationslagers ankauft. Damit soll „ein sichtbares Zeichen der Erinnerung“ geschaffen werden.

 

Im KZ Gusen waren zwischen 1939 und 1945 mindestens 71.000 Menschen aus 30 Ländern inhaftiert, heißt es in einer Aussendung des Innenministeriums. Mit einem Höchststand von 25.000 hier Festgehaltenen war es zudem das größte KZ Österreichs, auch wenn seine Existenz im Unterschied zum KZ Mauthausen nach dem Kriegsende nach und nach in Vergessenheit geriet. Diesem Vergessen soll nun entgegengewirkt werden.

 

„Auch in Gusen wurden Menschen gequält und ermordet. Jahrzehntelang wurden die Gräuel negiert, jetzt endlich wird mit dem Ankauf des Areals und der Entwicklung einer Gedenkstätte ein wichtiger Akzent in der kurzen Aufarbeitungsgeschichte gesetzt“,

sagte IKG-Präsident Oskar Deutsch anlässlich der Kranzniederlegung. Spät, aber doch nehme die Republik ihre Verantwortung wahr und ehre mit dem Sichtbarmachen und dem Gedenken nicht nur die Toten, sondern diene allen nachkommenden Generationen.

 

Konkret wurden nun jene Liegenschaften in Oberösterreich angekauft, auf denen sich der Eingang zum Stollensystem Bergkristall in St. Georgen, die beiden SS-Verwaltungsbaracken, der Schotterbrecher und der Appellplatz in Langenstein befinden. Damit nehme die Republik ihre historische Verantwortung wahr, so der Innenminister. Die Konzepte für die Gestaltung der Flächen sollen nun unter der Leitung der Bundesanstalt Mauthausen Memorial erarbeitet und dabei internationale und nationale Organisationen und Interessensvertretungen in diesem Bereich miteinbezogen werden.

 

Der Kauf erfolgt durch die Burghauptmanschaft (BHÖ), danach werden die Areale dem Innenministerium zur Verfügung gestellt. Die für die BHÖ zuständige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck betonte dazu: „Niemals wieder darf sich dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte wiederholen. Wir alle tragen dafür Verantwortung. Der Nationalsozialismus und seine Gräueltaten dürfen daher nie in Vergessenheit geraten. Das KZ Gusen ist nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch der Auseinandersetzung mit unserer Verantwortung. ‚Niemals wieder‘ ist ein Auftrag für die Zukunft. Mit dem Ankauf des Areals des ehemaligen KZ Gusen setzen wir einen historischen Schritt, um aktive Erinnerungspolitik für weitere Generationen zu ermöglichen.“

 

Und Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer meinte anlässlich der Kranzniederlegung: „Es liegt in unserer Verantwortung, die Erinnerungen an das unvorstellbare Leid und die Gräueltaten und Menschenverachtung des NS-Regimes wachzuhalten. Unser Auftrag lautet, gerade angesichts aktueller Vorfälle, weiterhin mit aller Konsequenz gegen Hass, Hetze und jeglicher Form von Rassismus vorzugehen. Wir müssen uns bewusst sein, dass Freiheit und Befreiung nicht nur im Mai 1945 zu uns gekommen sind, sondern, dass Freiheit und Demokratie ein bleibender Auftrag sind.“

 

Bildungsarbeit möge an diesem Ort künftig gefördert und ein würdiges Gedenken für alle beteiligten Interessensgruppen in Zukunft sichergestellt werden, sagte Nehammer.

„In einer Zeit, in der die Stimmen der Zeitzeugen leiser werden, müssen die Gedenkstätten immer lauter sprechen. Möge die neue Gedenkstätte in Gusen den Opfern zur Erinnerung und den Lebenden zur Mahnung dienen.“

wea