Erster Purim-Umzug seit Jahrzehnten in Hohenems

“Am 11. März 1811, also vor fast auf den Tag genau 207 Jahren, hat die jüdische Gemeinde in Hohenems auch Purim gefeiert. Dabei kam es zu Vorkommnissen, welche es ins Polizeiprotokoll geschafft hatten” begann der Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, Dr. Hanno Loewy, die Ansprache im Foyer des Museums, in dem sich eine große Schar an Maskierten aus Nah und Fern versammelt hatten. “Damals wurde im Gasthaus Post gefeiert, als der aus Bregenz stammende Forstbeamte Koch und Apotheker Ferdinand Bandl aufgrund judenfeindlicher Bemerkungen und Trunkenheit verhaftet wurden” so Loewy aus dem Geschichtstext. Damals hätten die Emser Juden die Genehmigung erhalten einen öffentlichen Umzug bis zum Schwefelbad durchzuführen, an dem auch viele christliche Gäste aus Hohenems, Bregenz und sogar St. Gallen teilgenommen hatten. “Einige beobachteten den Masekenritt misstrausisch, vor allem Pfarrer Koch war sehr kritisch als der Hohenemser Jude Benjamin Bloch eine bayrische Uniform trug und Christen ins Gasthaus Alte Post eingedrungen waren, um den jüdischen Uniformträger zur Rede zu stellen.”

Zum Beginn dieser außergewöhnlichen Veranstaltung gab es traditionelle Hamantaschen serviert sowie für alle Erwachsenen einen Vodka, denn Purim wird in Israel und allen jüdischen Gemeinden weltweit als Frühlingsfest gefeiert und erinnert in seinen Grundzügen an den katholischen Karneval (Fastnacht). Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde aus Vorarlberg, Tirol, aber auch der Schweiz und dem benachbarten Liechtenstein kamen kostümiert, um am “Adlojada”, dem Purim-Umzug durch das Jüdische Viertel sowie der anschließenden Feier im Restaurant Moritz (der ehemaligen Jüdischen Schule neben der Mikwe) teilzunehmen. Ebendort wurde die Megalith Esther in verschiedenen Dialekten und Mundarten gelesen. Zudem gab es einen Kostümwettbewerb und eine ausgelassene Feier. Die Veranstaltung wurde von Tal Yehiely zusammen mit Hanno Loewy und Team organisiert.

Quelle: vorarlberg online