Entfernung – Österreich-Auschwitz. Staatsspitze eröffnet Gedenkausstellung

Video-Quelle: FB/Präsidentschaftskanzlei

„Wir können dem Andenken der Opfer des Holocaust nur gerecht werden,
wenn wir dafür sorgen, dass Menschenverachtung, Sündenbockdenken
und Gewalt nie wieder als politisches Instrument eingesetzt werden.“

Alexander Van der Bellen

Im Beisein von Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist die neue österreichische Länderausstellung „Entfernung – Österreich und Auschwitz“ im Museum Auschwitz-Birkenau eröffnet worden. Mit der neu gestalteten Ausstellung soll erstmals auch die Mittäterschaft und Verantwortung Österreichs an den Verbrechen des Nationalsozialismus dargestellt werden.

„Es ist unsere Verpflichtung, daran zu erinnern, dass nicht nur die Opfer, sondern auch Täter und Täterinnen Teil unserer Gesellschaft waren und von ihr geprägt waren“, betonte Van der Bellen in seiner Eröffnungsansprache.

Auch wenn Österreich als Staat nicht mehr existiert habe, sondern als „Ostmark“ Teil des „Dritten Reiches“ gewesen sei, so seien doch „viele Menschen unseres Landes“ teilweise an führender Stelle unter den Tätern im NS-Vernichtungsprogramm gewesen. Lange Zeit sei es Staatsdoktrin gewesen, dass Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus sei. Das habe sich auch in der 1978 eröffneten ersten österreichischen Ausstellung in Auschwitz widergespiegelt, an deren Stelle nun die neue Ausstellung „Entfernung – Österreich und Auschwitz“ trete, die auch die Mittäterschaft von Österreicherinnen und Österreichern darstelle.

Fotos: © Parlamentsdirektion

„Jeder und jede aufgerufen, dagegen aktiv aufzutreten.“

Europaministerin Edtstadler betonte, Auschwitz dürfe nie in Vergessenheit geraten oder gar banalisiert werden. „Die Wurzeln des Hasses sind bis heute in der Mitte, ja in der Tiefe der Gesellschaft vorhanden.“

Derartige „abscheuliche Entgleisungen“ dürften keinesfalls „stillschweigend toleriert“ werden.

Wenn sich bei CoV-Demonstrationen Menschen mit Holocaust-Opfern verglichen oder CoV-Impfstoffe in sozialen Netzwerken mit dem Nervengift Zyklon B gleichgesetzt würden, „dann ist jeder und jede aufgerufen, dagegen aktiv aufzutreten“.

„Sehr geehrte Damen und Herren, die Erinnerung dient der Zukunft, unseren Kindern und späteren Generationen.
Auch deshalb, ist die neue österreichische Länderausstellung in Auschwitz so bedeutsam.
Sie ermöglicht eine Auseinandersetzung mit dem Geschehenen.

Es geht nicht nur um Statistiken, es geht um Menschenleben.

Meine Großmutter Berta Beile Deutsch wurde 1943 aus Cluj, damals Klausenburg genannt,
nach Auschwitz deportiert. Am Vortag ihrer Deportation, am 24. Mai 1943,
begann sie einen Brief an ihre jüngste Tochter Aranka zu formulieren,
den sie wenige Stunden vor der Deportation vervollständigte…“

Aus der Eröffnungsrede von Oskar Deutsch, Präsident der IKG Wien. Die Rede können Sie hier nachsehen. 

Koordiniert wurde die Neugestaltung durch die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus Hannah M. Lessing sowie der Leiterin der Koordinierungsstelle im Nationalfonds Claire Fritsch und ihr Team. Der Nationalfonds kooperierte dabei eng mit dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau. Für die neue Ausstellung wurde auch das ehemalige Häftlingsgebäude Block 17, in dem sie eingerichtet ist, saniert.