Die IKG und die Burschenschaften

Aus gegebenen Anlass soll hier ein Überblick über die Tätigkeit der IKG hinsichtlich der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Gedankengut in den Burschenschaften gegeben werden.

Die  IKG befindet sich insbesondere in den letzten Jahren in Zusammenhang mit dem „Totengedenken“ (ein verdecktes Trauern ob der Niederlage der Deutschen Wehrmacht) am 8.Mai und  der Abhaltung des WKR-Balles (Ball des Wiener Korporationsring  schlagender Studentenverbindungen) in einer offensiven Auseinandersetzung mit dem rechtsextremen Gedankengut von Burschenschaften.
Link: „Ostmärkische Speerspitze der Ewiggestrigen“,Beitrag in der „Presse“ von R. Fastenbauer 27.11.2014

Die meisten  Studentenverbindungen gehören dem katholischen CV  an und kennen keine Mensur (Duelle mit Säbel oder Fechten).

Zu den schlagenden Verbindungen gehören neben den liberalen Corps (Kösener) und  Landsmannschaften (Coburger) die deutschnationalen bis rechtsextremen Burschenschaften, die in Österreich bekannteste Ausprägung schlagender Verbindungen. Sie haben  einen wesentlichen Anteil an der höheren Funktionärsschichte der FPÖ.

Von den österreichischen Behörden wurden lange Zeit keine Gegenkundgebungen am Heldenplatz gegen dortige Aufmärsche am 8.Mai geduldet. Durch Intitiative der IKG wurde 2012 die „Initiative Zeichen setzen“  gegründet und durch die Teilnahme der IKG die Abhaltung von Gegenkundgebungen ermöglicht. In der Folge wurde der 8. Mai zum „Fest der Freude“ zum Andenken an die Befreiung umgestaltet.

Durch Initiative der IKG wurde das Soldatendenkmal in der Krypta thematisiert unter dem sich zwei verborgene Rollen mit NS-Parolen befanden und vor dem in- und ausländische Politiken Kränze  für gefallene Soldaten  niedergelegt hatten.

Um den Differenzierungsprozess unter den schlagenden Verbindungen zu fördern und ungerechtfertigte Pauschalisierungen gegen einzelne Korporationen  entgegenzuwirken (die schlagende Verbindung „Ottonen“ z.B. ging 1938 geschlossen in den Widerstand) veranstaltete die IKG Diskussionsveranstaltungen mit katholischen Verbindungen (CV) über Antisemitismus in katholischen Verbindungen und in der Folge mit Corps
Link: Profil Burschenschaften, 8.5.2014: Akademische Corps als Gäste in der Israelitischen Kultusgemeinde

Die Vertreter der Corps, darunter auch der deutsche Vorsitzenden des Gesamtverbandes (D,CH,A) Tazreiter distanzierten sich ausdrücklich vor in der Vergangenheit vorhandenen Antisemitismus in ihren Reihen.

Vom rechten Flügel der Burschenschaften wurde das führende Corps „Symposion“ in der Zeitung „Zur Zeit“des FPÖ-Politikers Mölzer unter dem Titel „Symposion in der PC (political correctness) Falle“ kritisiert.
Link: Artikel Symposion in der PC, in: Zur Zeit 20/2014, S. 52-53

In der Folge versuchten Vertreter von Corps und Landsmannschaften auch einzelne Burschenschaften in eine Distanzierung von Antisemitismus einzubinden.

Von Andreas Grabensberger, einem Mitglied einer Grazer Landsmannschaft wurde daraufhin die Unterzeichnung einer Erklärung gegen Antisemitismus organisiert.
Link: Erklärung

„Die Unterzeichner verurteilen ausdrücklich und ohne jegliche Einschränkung jede Form von Antisemitismus und bedauern die antisemitischen Bekundungen einzelner Mitglieder, Korporationen oder Verbände, die in der Vergangenheit getätigt wurden.

Insbesondere wird das Unrecht, das jüdischen Mitgliedern in Studentenverbindungen zugefügt wurde, als unvereinbar mit unseren waffenstudentischen Prinzipien betrachtet. Die sogenannten „Waidhofener Beschlüsse“ sind seit langer Zeit obsolet und hatten für zahlreiche Verbindungen nie Geltung.

Gleichzeitig verpflichten sich die Unterzeichner auch in Zukunft für einen verständnisvollen und von gegenseitiger Achtung geprägten Umgang einzutreten.“

Dieses Bemühen wird von einer anonymen Burschenschaftergruppe unter dem Titel „Burschen heraus- man lügte, man suchte, nach Trug und Verrat-.“ verurteilt und die IKG der versuchten Spaltung beschuldigt.

Link: Presseaussendung April 2015, IKG zur Antisemitismus-Distanzierung von LAbg. Ing. Udo Guggenbichler 

Die  Erklärung wurde in der Folge auch von FPÖ-Funktionären übernommen und schließlich aus Rücksicht auf Nichtunterzeichner ohne Namensnennung veröffentlicht. Die IKG stellte in einer Presseerklärung vom 21.4.2015 fest daß die Unterzeichnung  ohne Namensnennung  bzw. des Gesamtverbandes nicht zufriedenstellend sei.

Die IKG wird die offensive Auseinandersetzung mit antisemitischen Gedankengut, komme es von der Rechten oder islamischen Seite fortsetzen, jedoch von Pauschalisierungen Abstand nehmen.

Raimund Fastenbauer
Generalsekretär