Das „Jüdische Zentralarchiv“ des Burgenlandes wurde in das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) überführt

Am Mittwoch, den 24. Februar 2021, wurde das „Jüdische Zentralarchiv“ des Burgenlandes vom Landesarchiv in Eisenstadt in das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) nach Wien gebracht. Insgesamt handelt es sich um 459 Archivkartons mit Schriftgut der ehemaligen sieben jüdischen Kultusgemeinden des Burgenlandes, der Schewa Kehilot, deren Rechtsnachfolgerin die IKG Wien ist.

Nachdem Präsident Oskar Deutsch und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil am 10. November 2020 in Eisenstadt den Übernahmevertrag unterzeichnet hatten, erfolgte am 24. Februar 2021 die physische Übernahme des „Jüdischen Zentralarchivs“ in vollem Umfang. Damit ist die IKG Wien ihrem Ziel des Wiederaufbaus des Archivs der IKG Wien einen großen Schritt nähergekommen.

Präsident Oskar Deutsch bedankt sich beim Land Burgenland dafür, dass der insgesamt 459 Archivschuber umfassende Gesamtbestand bis heute erhalten geblieben ist und sicher verwahrt wurde.

Die Abteilung Archiv wird die tausenden Dokumente des „Jüdischen Zentralarchivs“ fachgerecht unterbringen und nach archivwissenschaftlichen Standards erschließen. In nächster Zukunft werden die Fundmittel in der Archiv-Datenbank der Forschung und interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Die Digitalisierung der Bestände wird mit finanziellen Mitteln des Landes Burgenlandes, des Zukunftsfonds, des Nationalfonds, der Kulturabteilung der MA 7 sowie des United States Holocaust Museums gefördert und kann in den kommenden zwei bis drei Wochen beginnen.

Die Dokumente als solches stellen ein einzigartiges, kulturelles Erbe dar und spielen eine wesentliche Rolle für das individuelle und kollektive Gedächtnis des Burgenlandes. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass nach der Vertreibung der burgenländischen Jüdinnen und Juden nach dem Anschluss im März 1938 nur wenige Fragmente jüdischen Lebens im Burgenland übriggeblieben sind.

Die IKG Wien und das Land Burgenland werden in Zukunft auf wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet verstärkt zusammenarbeiten. Oberste Priorität haben die Förderung und Vermittlung neu gewonnener Erkenntnisse zur Geschichte der jüdischen Gemeinden des Burgenlandes auf allen Ebenen.

Im Wesentlichen umfasst der Bestand amtliche Korrespondenz, Unterlagen zu Grundherrschaften, Gemeindevorstandsakten, Vorstandsprotokolle, Verordnungen des (Ober)Stuhlrichters, Amtsbescheide, Verlassenschaftsakten, matrikenverwandte Dokumente, Unterlagen zu Kultusangelegenheiten, Schulangelegenheiten, Steuerangelegenheiten, Militaria sowie Schriftgut von jüdischen Vereinen und Privatpersonen. Der zeitliche Rahmen der Archivalien erstreckt sich von ca. 1718 bis 1938. Die Schriftstücke sind zum Teil in Kurrent-, zum Teil in Druck- und Schreibschrift in deutscher, ungarischer, hebräischer/jiddischer (fallweise auch lateinischer und kroatischer) Sprache verfasst.

Lese auch: https://www.ikg-wien.at/das-juedische-zentralarchiv-des-burgenlandes-wird-an-die-israelitische-kultusgemeinde-wien-ikg-uebergeben/