Das „Jüdische Zentralarchiv“ des Burgenlandes wird an die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) übergeben

Am 10. November 2020 ist die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) ihrem Ziel des Wiederaufbaus des Archivs der IKG Wien einen großen Schritt nähergekommen. Präsident Oskar Deutsch und Landeshauptmann Hans Peter Doskozil unterzeichneten in Eisenstadt den Übernahmevertrag betreffend die Rückgabe bzw. Übergabe des „Jüdischen Zentralarchivs“ der ehemaligen jüdischen Kultusgemeinden des Burgenlandes in vollem Umfang.

Präsident Oskar Deutsch bedankte sich beim Land Burgenland, dass der insgesamt 424 Archivschuber umfassende Gesamtbestand bis heute erhalten geblieben ist und sicher verwahrt wurde. Das „Jüdische Zentralarchiv“ stellt ein einzigartiges kulturelles Erbe dar und spielt eine wesentliche Rolle für das individuelle und kollektive Gedächtnis des Burgenlandes. Das Archiv der IKG Wien bekennt sich zu seiner Verantwortung hinsichtlich der Erschließung und Aufarbeitung des Gesamtbestandes. Unmittelbar nach erfolgter Übernahme beginnt in den Räumlichkeiten des Archivs der IKG Wien die Digitalisierung der Dokumente, welche mit finanziellen Mitteln des Landes Burgenlandes, des Zukunftsfonds, des Nationalfonds, der Kulturabteilung der MA 7 sowie des United States Holocaust Museums gefördert wird. Die Erschließung erfolgt nach archivwissenschaftlichen Standards. In nächster Zukunft werden die Findmittel in der Archiv-Datenbank gemeinsam mit den Digitalisaten der Forschung und interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. LH Doskozil meinte dazu, dass das Projekt „ein Quantensprung für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte und Kultur“ sei.

Die IKG Wien und das Land Burgenland werden in Zukunft auf wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet verstärkt zusammenarbeiten. Oberste Priorität haben die Förderung und Vermittlung neu gewonnener Erkenntnisse zur Geschichte der jüdischen Gemeinden des Burgenlandes auf allen Ebenen.

Das „Jüdische Zentralarchiv“ umfasst das Schriftgut der ehemaligen sieben jüdischen Gemeinden des Burgenlandes, der Schewa Kehilot (Deutschkreutz, Eisenstadt, Frauenkirchen, Gattendorf, Güssing, Kittsee, Kobersdorf, Lackenbach, Mattersburg [Mattersdorf], Rechnitz und Stadtschlaining) sowie die Schularchive der Israelitischen Schulen. Das Archiv wurde ab dem Jahr 1930 auf Basis der leihweise übergebenen Bestände der ehemaligen Kultusgemeinden des Burgenlandes sowie der von Privatpersonen übermittelten Dokumenten errichtet. Zweck der Leihgabe waren die konservatorische Behandlung, Neuordnung sowie wissenschaftliche Erforschung des Schriftguts. Im Wesentlichen umfasst der Bestand amtliche Korrespondenz, Unterlagen zu Grundherrschaften, Gemeindevorstandsakten, Vorstandsprotokolle, Verordnungen des (Ober)Stuhlrichters, Amtsbescheide, Verlassenschaftsakten, matrikenverwandte Dokumente, Unterlagen zu Kultusangelegenheiten, Schulangelegenheiten, Steuerangelegenheiten, Militaria sowie Schriftgut von jüdischen Vereinen und Privatpersonen. Der zeitliche Rahmen der Archivalien erstreckt sich von ca. 1718 bis 1938. Die Schriftstücke sind zum Teil in Kurrent-, zum Teil in Druck- und Schreibschrift in deutscher, ungarischer, hebräischer/jiddischer (fallweise auch lateinischer und kroatischer) Sprache verfasst.

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