Ausstellungen

Letzte Orte vor der Deportation

Ausstellungsdauer:
09. November 2018 bis 29. Mai 2020

Ausstellungsort:

Amtshaus des Bezirks Leopoldstadt

Kleine Sperlgasse 2a, Castellezgasse 35, Malzgasse 7 und 16 – diese Adressen im 2. Bezirk, Leopoldstadt, sind im kollektiven Gedächtnis Wiens bzw. Österreichs praktisch nicht präsent. In der  Topographie der Shoah von Wien und Österreich sind das jedoch zentrale Orte. Hier haben sich in den Jahren 1941/42 vier Sammellager befunden, in denen Jüdinnen und Juden vor der Deportation interniert wurden. Von hier wurden Gruppen von je 1.000 Menschen in Lastwägen zum Aspangbahnhof gebracht. Von Februar 1941 bis Oktober 1942 gingen insgesamt 45 Deportationszüge in Ghettos und Vernichtungslager. Der Großteil der österreichischen Shoah-Opfer wurde von den vier Sammellagern aus in die Vernichtung verschickt.

Der Weg in die Vernichtung begann mitten in der Stadt. Die Ausstellung „Letzte Orte vor der Deportation. Kleine Sperlgasse, Castellezgasse, Malzgasse“ rekonstruiert und vermittelt die Bedeutung dieser heute nahezu vergessenen letzten Orte vor der Deportation. Info: letzteorte@erinnern.at

Der junge Hitler

Ausstellungsdauer:

Ausstellungsort:
Museum Niederösterreich
Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten

Prägende Jahre eines Diktators 1889 – 1914

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg, entfesselt von Adolf Hitler und den Nationalsozialisten. Wir nehmen das zum Anlass, nach den Anfängen zu fragen: Woher kamen Militarismus, Rassenhass und Antisemitismus? Wie weit waren sie in der Gesellschaft bereits verankert, ehe der Erste Weltkrieg ausbrach? Eine Parallelerzählung präsentiert die Biografie Hitlers bis 1914 und die politischen Strömungen dieser Zeit.

Kuratoren: Christian Rapp, Andrea Thuile, Benedikt Vogl & Hannes Leidinger

Jüdische Schriftsteller in Währing

Ausstellungsdauer:

7. November 2019 bis 16. Februar 2020

Ausstellungsort:
Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte,
Campus der Universität Wien,
1090 Wien, Spitalgasse 2-4, Hof 1

Das Bezirksmuseum Währing (18., Währinger Straße 124) zeigt bis 16. Februar, eine neue Sonder-Ausstellung zur Thematik „Jüdische Schriftsteller in Währing“. Mit historischem Bildermaterial und begleitenden Texten werden die Lebenswege, das literarische Wirken und die vormaligen Domizile von Persönlichkeiten wie Arthur Schnitzler, Felix Salten und Egon Friedell dokumentiert. Gestalterin der Schau ist die auf ehrenamtlicher Basis tätige Museumsleiterin Doris Weis. Nähere Informationen: Telefon 4000/18 127.

Neben all den Fotoaufnahmen und Erläuterungen ist eine antiquierte Gedenktafel zu sehen, die an den Schreiber Egon Friedell erinnert. Die Besucherinnen und Besucher dieser Schau werden mit einer Menge interessanter Angaben über einstige Wohnsitze jüdischer Literaten im 18. Bezirk versorgt. Zum Beispiel weilte Schnitzler früher in der Sternwartestraße 71 und Salten wohnte in der Cottagegasse 37. Mehr Info hier sowie unter diesem Link.

… unmöglich, diesen Schrecken aufzuhalten. Die medizinische Versorgung durch Häftlinge im Frauen-KZ Ravensbrück

Ausstellungsdauer:

17. Oktober 2019 bis 20. März 2020,
jeweils zu den Öffnungszeiten der Fachbereichsbibliothek

Ausstellungsort:
Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte, Campus der Universität Wien,
1090 Wien, Spitalgasse 2-4, Hof 1

Im Zentrum der Wanderausstellung steht die Arbeit des medizinischen Häftlingspersonals im Krankenrevier des KZ Ravensbrück. Das Begleitprogramm bietet Fachvorträge sowie einen „Porträt-Abend“ mit Schwerpunkt auf die Österreicherinnen im Häftlingskrankenrevier.

Die Ephrussis. Eine Zeitreise

Ausstellungsdauer:

06. November 2019 bis 13. April 2020

Ausstellungsort:
Museum Dorotheergasse Wien
Dorotheergasse 12, 1010 Wien

Dinge und die Geschichten, die sie über die Menschen erzählen, die sie einst gesammelt, in Händen gehalten, weitergegeben und wiedergefunden haben, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung im Jüdischen Museum Wien. Sie behandelt das Schicksal der ursprünglich aus Russland stammenden Familie Ephrussi und ihren freiwilligen und unfreiwilligen Reisen zwischen Russland, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Spanien, den USA, Mexiko, Japan und anderen Ländern. Anhand von ausgewählten Objekten, Dokumenten und Bildern wird der wirtschaftliche und gesellschaftliche Werdegang einer europäisch-jüdischen Familie nachgezeichnet, deren Nachfahren heute durch Flucht und Vertreibung während der NS-Zeit in der ganzen Welt verstreut leben. Heute finden sich in internationalen Museen und Kunstsammlungen Werke, die ursprünglich der Familie gehörten. Sie erzählen von ihren einstigen Besitzern und ihren Beziehungen zu den damaligen Künstler- und Intellektuellenkreisen in Odessa, St. Petersburg, Wien, Berlin, Paris, London, Madrid und anderen Orten.

Kernstück der Ausstellung bildet das Familienarchiv der Ephrussis, das die Familie de Waal dem Jüdischen Museum schenkte, sowie 157 Netsukes, die dem Museum als Leihgabe von der Familie zur Verfügung gestellt wurden.

Lady Bluetooth. Hedy Lamarr

Ausstellungsdauer:

27. November 2019 bis 10. Mai 2020

Ausstellungsort:
Museum Judenplatz,
Judenplatz 1, 1010 Wien

Hedy Lamarr zählte zu den größten Hollywood-Stars der 1930er- und 1940er-Jahre. Lange Zeit unbekannt blieb jedoch, dass sie die Erfinderin des Frequenzsprungverfahrens war, einem frühen Vorläufer von Bluetooth und WLAN. Ihr Leben verlief wie ein Film. 1914 als Hedwig Kiesler in Wien geboren, wurde die Tochter eines jüdischen Bankiers aus dem Wiener Nobelbezirk Döbling von Max Reinhardt für das Theater entdeckt. 1933 avancierte sie durch eine Nacktszene im Film Ekstase zum internationalen Star. Nach einer kurzen Ehe mit dem einflussreichen Munitionsfabrikanten und Waffenhändler Fritz Mandl flüchtete sie 1937 vor dessen Eifersucht nach Hollywood. Auf Anraten von Filmmogul Louis B. Mayer wurde ihr Name in Hedy Lamarr geändert. Gleich ihr erster Spielfilm Algiers machte sie weltberühmt. Nach dem Kriegseintritt der USA engagierte sie sich im Kampf gegen die Nazis, zu dem auch ihre Idee für ein geheimes Kommunikationssystem für Torpedos beitragen sollte, das sie gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil bis zur Patentreife entwickelte. Später versuchte sie sich als Filmproduzentin und Hotelbesitzerin. Sie galt als schönste Frau der Welt und war sechs Mal verheiratet. In fortgeschrittenen Jahren fiel die Diva durch Schönheitsoperationen und Ladendiebstahl auf und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Ihre Wiederentdeckung als Erfinderin erlebte sie noch hochbetagt. Hedy Lamarr starb 2000 in den USA und ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Seit 2018 verleiht die Stadt Wien den Hedy-Lamarr-Preis an innovative Wissenschaftlerinnen.

Kuratorin: Andrea Winklbauer
Ausstellungsgestaltung: Schuberth und Schuberth
Foto © Metro-Goldwyn-Mayer, Foto: Laszlo Willinger (Anthony Loder Archive)

DIE GERECHTEN – COURAGE IST EINE FRAGE DER ENTSCHEIDUNG

Ausstellungsdauer:
19. Februar bis 24. Mai 2020

Ausstellungsort:
Schlossmuseum Linz, Schlossberg 1, 4020 Linz

Die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem ehrt Menschen, die während des Naziregimes jüdischen Mitbürger/innen ohne Gegenleistung geholfen haben zu überleben oder auszuwandern. Weltweit wird solchen Personen der Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ verliehen.

Der Verein „Die österreichischen Freunde von Yad Vashem“ initiierte in Zusammenarbeit mit der Johannes Kepler Universität Linz ein Projekt, das speziell die österreichischen Gerechten vorstellt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von a. Univ. Prof. Dr. Michael John und Univ. Prof. Dr. Albert Lichtblau entstand so eine Ausstellung, in der die Zeit des NS-Terrors in Österreich und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung bis hin zum Holocaust dargestellt und vermittelt wird.

Im Zentrum dieser Präsentation stehen mutige Menschen, die oft einsame und häufig lebensgefährliche Entscheidungen trafen. Wie konnte es ihnen gelingen, ihre jüdischen Mitbürger/innen vor der Vernichtung durch die NS-Schergen zu bewahren.

Ende der Zeitzeugenschaft?

Ausstellungsdauer:
10. November 2019 bis 13. April 2020

Ausstellungsort:
Salomon Sulzer Saal,
Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ)

Die Zeitzeugenschaft des Holocaust geht ihrem Ende entgegen. Nur noch wenige Überlebende der NS-Herrschaft können aus eigener Erfahrung sprechen – oder von jenen Menschen berichten, die im Holocaust ermordet wurden. Was bleibt, sind literarische Zeugnisse und unzählige Videointerviews der Überlebenden – sowie die Frage danach, wie wir in Zukunft mit dieser Erbschaft umgehen wollen. Grund genug, den Blick auf die Geschichte der Zeitzeugenschaft zu richten, die komplexe Beziehung zwischen Zeitzeugen und Interviewer, Medium und Gesellschaft zu erkunden.

Dabei steht die Erinnerung an die Shoah, wie sie in Interviews und Aufnahmen von öffentlichen Auftritten der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen überliefert ist, im Fokus. Sie wird zur Erzählung – einem Trauma abgerungen und zugleich das Produkt von Beziehungen und Interessen, abhängig von ihrem jeweiligen Kontext in Politik und Gesellschaft, vor Gericht oder Schulklassen, für die Forschung, das Fernsehen oder Kino.

Die Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ hinterfragt die „Gemachtheit“ der Zeitzeugeninterviews und ihre gesellschaftliche Rolle seit 1945; und gibt Einblicke in die Video-Sammlung des Jüdischen Museums Hohenems, in Interviews die bislang nie gezeigt wurden.

UNERWÜNSCHTES KINO: Vertriebene Filmschaffende in Wien und Budapest 1933–1938

Ausstellungsdauer:
18. Oktober 2019 bis 31. Jänner 2020

Ausstellungsort:
METRO Kinokulturhaus, Johannesgasse 4, 1010 Wien

Der Ausschluss jüdischer Filmschaffender aus der deutschen Filmproduktion ließ nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1933 nicht lange auf sich warten. Vertrieben aus Deutschland, flohen
viele von ihnen in die angrenzenden Länder. Doch auch hier wurde es für sie zunehmend unmöglich, Arbeit bei den etablierten Produktionsunternehmen zu finden. In dieser Situation bildete sich um Wien und Budapest eine unabhängige Produktionslandschaft heraus – das Unerwünschte Kino. Das Filmarchiv Austria beleuchtet diesen kaum bekannten Teil der österreichischen Filmgeschichte und präsentiert zahlreiche Objekte und Dokumente aus der eigenen Sammlung.
Ab 1934 waren Jüdinnen und Juden nicht nur in deutschen, sondern in allen Filmen unerwünscht, die auf deutschen Leinwänden gezeigt werden sollten. Auch die großen österreichischen Produktionsfirmen beugten sich dieser Vorgabe. Deutschland war einer der wichtigsten Exportmärkte für österreichische Filme. Als Reaktion auf diese Entwicklung begannen unabhängige Hersteller für den internationalen Markt zu produzieren. Die zentralen Produktionsorte des Unerwünschten Kinos waren insbesondere die Donaumetropolen Wien und Budapest. Zwischen 1934 und 1937 entstanden rund zwei Dutzend Filme, die eine Nische für die nunmehr unerwünschten SchauspielerInnen, RegisseurInnen, ProduzentInnen, CutterInnen, AutorInnen und Kameraleute boten. Die Bandbreite der Filme reichte von virtuos inszenierten Musikfilmen über Komödien nach dem Vorbild der amerikanischen Screwball-Comedy bis hin zu
klassischen Dramen

Nicht mehr verschüttet. Jüdisch-österreichische Geschichte in der Wiener Malzgasse

Ausstellungsdauer:

Ausstellungsort:
Haus der Geschichte Österreich
Österreichische Nationalbibliothek

In der Malzgasse 16 im 2. Wiener Gemeindebezirk befanden sich vor 1938 eine Talmud-Thora-Schule, eine Synagoge und das erste Jüdische Museum Wiens – gleichzeitig das erste jüdische Museum weltweit. Seit 1955 befindet sich auf diesem Standort die Talmud-Thora-Schule Machsike Hadass, eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht. Anfang 2018 hat der Schulverein hier bislang unbekannte Kellerräume entdeckt, die vollständig mit Abbruchmaterial gefüllt waren. Archivrecherchen ergaben: Im Zuge des Novemberpogroms wurden die Synagoge und die Schule zerstört. Im Jahr 1939 musste das Haus für ein Altersheim adaptiert werden, das Abbruchmaterial wurde in die Kellerräume verbracht, darunter waren auch Gegenstände aus der nicht mehr existenten Synagoge und Schule und des aufgelösten Jüdischen Museums. Der Aushub des Schuttmaterials brachte erstaunliche Fundstücke zu Tage – Fundstücke, die mit der vielschichtigen und wechselvollen Geschichte des Hauses unmittelbar verbunden sind. Sie sind materielle Zeugnisse eines regen jüdischen Lebens vor 1938, aber auch von dessen Zerstörung. Nicht zuletzt durch seine Nutzung als Sammellager für die Deportation der österreichischen Jüdinnen und Juden 1941/42 ist die Malzgasse 16 eine Adresse von österreichweiter Bedeutung. Das hdgö präsentiert diese einzigartigen Funde jüdisch-österreichischer Geschichte erstmals öffentlich. Mehr darüber auf Wina-Das jüdische Stadtmagazin

Die letzten Europäer. Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee | Die Familie Brunner. Ein Nachlass

Ausstellungsdauer:

Ausstellungsort:
Salomon-Sulzer-Saal, Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Europa von einem Rückfall in nationalistische und fremdenfeindliche Ideologien bedroht.

Der europäische Imperativ „Nie wieder!“ wird von Vielen in Frage gestellt, auch hier in Österreich. Zugleich entdecken Europas Nationalisten ihre eigene Fantasie vom „christlich-jüdischen Abendland“ – als Kampfbegriff gegen Zuwanderung und Integration. Die Werte der Aufklärung, die die Grundlage europäischer Verständigung nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts bildeten, werden in ihr Gegenteil verkehrt und zum Mittel der Abschottung und der Ausgrenzung.

Ausgangspunkt für die Ausstellung „Die letzten Europäer. Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee“ ist eine Schenkung an das Jüdische Museum Hohenems, bestehend aus Briefen und Dokumenten, Memorabilia und Alltagsgegenständen der Hohenemser Familie Brunner, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Triest aufmachte, um zu der rasanten Entwicklung der habsburgischen Mittelmeermetropole beizutragen. Ihr steiler sozialer und kultureller Aufstieg endete in der Entwicklung Europas zu einem Kontinent des gegenseitigen Hasses und zwei Weltkriegen.

Vor diesem Hintergrund blickt das Jüdische Museum Hohenems auf jüdische Individuen, die angesichts der Zerstörung Europas und der versuchten Vernichtung der europäischen Juden nationale und kulturelle Grenzen überschritten und die universelle Geltung von Menschenrechten erneut vehement einforderten. Anhand ihres Engagements für ein geeintes und friedliches Europa erkundet die Ausstellung gleichzeitig dessen neuerliche Bedrohung. Parallel dazu wird sie Ort einer offenen Debatte über die Zukunft Europas sein, die 2020 und 2021 im Jüdischen Museum Hohenems – in Zusammenarbeit mit der Central European University in Wien – geführt werden soll. Ein Jahr lang wird Hohenems so zu einer „Very Central European University“.

Wir bitten zum Tanz. Der Wiener Cafetier Otto Pollak

Ausstellungsdauer:

Ausstellungsort:
JMW, Dorotheergasse 12,
1010 Wien

Das Café Palmhof befand sich in der Mariahilferstraße 135 im 15. Gemeindebezirk und wurde ab 1919 von Otto Pollak (1894–1978) und seinem Bruder Karl (1889–1943) betrieben. Die beiden Brüder machten das Palmhof zu einem populären Wiener Treffpunkt. Tagsüber wurde es als Kaffeehaus geführt, abends fanden regelmäßig Konzerte, Tanzveranstaltungen und gesellschaftliche Ereignisse wie z. B. die Fräulein-Wien-Wahl 1933 statt. Viele der MusikerInnen, die im Palmhof auftraten, sind heute aus dem Bewusstsein verschwunden, damals waren sie Stars. Aus dem Palmhof gab es regelmäßig Live-Übertragungen durch die RAVAG (Radio Verkehrs AG). 1938 wurde das Kaffeehaus „arisiert“. Die Familie Pollak flüchtete vorerst nach Gaya in Mähren, Otto und Karls Geburtsstadt. Von dort aus wurde die gesamte Familie 1943 nach Theresienstadt deportiert. Otto Pollak wurde als Kriegsinvalide – er verlor im Ersten Weltkrieg ein Bein – vor der Weiterdeportation verschont. Sein Bruder Karl wurde drei Tage nach der Ankunft nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Otto und seine Tochter Helga überlebten Theresienstadt. Das Palmhof wurde Anfang der 1950er-Jahre restituiert, Otto Pollak lehnte es jedoch ab, das Kaffeehaus weiterzuführen. Heute befindet sich in den Räumlichkeiten ein Supermarkt.

Die Ausstellung erzählt nicht nur die Geschichte des Café Palmhof, sondern auch die Lebensgeschichte Otto Pollaks. Seine Vita steht beispielhaft für die jüdische Teilhabe am Wiener Kultur- und Gesellschaftsleben. Die ausgestellten Dokumente und Objekte aus dem Nachlass von Otto Pollak lassen seine Persönlichkeit und das gesellschaftliche Umfeld wiederaufleben und erinnern an das Wien, das Ludwig Hirschfeld in seinem legendären Reiseführer „Was nicht im Baedeker steht“ (1927) beschreibt.

Foto © Privatsammlung Kinsky