Ausstellungen

Die Stadt ohne Juden Muslime Flüchtlinge Ausländer

Ausstellungsdauer:
2.3.2018 bis 30.12.2018

täglich 15:00–21:00

Ort: METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien

„Die Stadt ohne Juden“ nannte Hugo Bettauer 1922 seinen Roman, der die damals noch utopische Vorstellung einer Vertreibung der Juden aus Wien beschreibt. Die Verfilmung durch Regisseur Hans Karl Breslauer war 1924 bereits von Störaktionen der Nationalsozialisten begleitet, 1925 wurde Bettauer von einem Nationalsozialisten erschossen. Der Aufstieg der NSDAP in Österreich mit Mitteln des Terrors mündete im sogenannten »Anschluss« 1938. Was folgte, war die Vertreibung und Ermordung der mitteleuropäischen Jüdinnen und Juden im Holocaust.

Die Ausstellung DIE STADT OHNE begleitet die Veröffentlichung der neu restaurierten Version des Stummfilms, der heute weltweit als erstes filmkünstlerisches Statement gegen den Antisemitismus gilt. Dabei wird dieses einzigartige Zeitdokument nicht nur in der Geschichte der Ersten Republik verortet, sondern auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Gegenwart. Ausgehend von einzelnen  Filmszenen interveniert die Ausstellung zwischen dem Damals und Heute: sie zeigt, wie Ausschlussmechanismen in der Gesellschaft funktionieren und zeichnet dabei die einzelnen Stufen des Ausgrenzungsprozesses von der Polarisierung der Gesellschaft bis zum endgültigen Ausschluss der geschaffenen »Sündenböcke« nach.

In den 1920er- und 1930er-Jahren haben die Antisemiten nach dem Ausschluss »der Juden« gerufen, heute wird wieder agitiert: gegen »die Ausländer«, Musliminnen und Muslime oder Flüchtlinge. DIE STADT OHNE stellt die Frage, ob und inwiefern die gesellschaftliche Spaltung während der Jahre des Aufstiegs des Nationalsozialismus mit jener unserer Gegenwart verglichen werden kann, soll oder sogar muss.

Im Film kehrten die Jüdinnen und Juden wieder nach Wien zurück, die historische Realität sollte aber anders aussehen. Von der Utopie Bettauers und des Films wendet sich die Ausstellung den tatsächlichen historischen Folgen des Ausschlusses der jüdischen Bevölkerung, der Schoa, zu. Mit ihrer Anbindung an die Gegenwart versteht sich DIE STADT OHNE nicht nur als historische Ausstellung, sondern als eine Intervention zum Republikjubiläum, die Fragen der kulturellen Identität Österreichs mit all ihren Brüchen und Verwerfungen kritisch beleuchtet. Als Projektionsfolie dazu dienen die nun wiederentdeckten Filmbilder von DIE STADT OHNE JUDEN.

Leonard Bernstein. Ein New Yorker in Wien

Ausstellungsdauer:
17.10.2018 bis 28.04.2019
Ort: Museum Judenplatz
www.jmw.at

Ich genieße Wien unglaublich – so sehr man das als Jude überhaupt kann. Es ist hier voller trauriger Erinnerungen und man hat mit so vielen Ex-Nazis (und möglicherweise immer noch Nazis) zu tun; und nie kannst Du Dir sicher sein, ob nicht einer unter denen, die bravo schreien, Dich vor 25 Jahren einfach erschossen hätte. Aber es ist besser zu vergeben, und wenn möglich, überhaupt zu vergessen. […]
Euer Wiener Schnitzel
Lenny

Als, wie er sagte, „Therapie gegen deutschen Nationalismus“ trug er in Wien gerne eine Trachtenjacke, brachte den Wiener Philharmonikern – gegen anfängliche Widerstände – den verdrängten Gustav Mahler zurück und vermittelte sogar in der österreichischen Innenpolitik.

Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des Stardirigenten und Komponisten, die das Verhältnis des New Yorkers Bernstein zur Musikstadt Wien in den Mittelpunkt stellt, sich mit den jüdischen Wurzeln des großen Künstlers befasst und ihn auch als politischen Menschen würdigt.

KuratorInnen: Werner Hanak, Adina Seeger

#BernsteinAt100

Foto (c) First/Look/picturedesk.com

LETZTE ORTE VOR DER DEPORTATION Kleine Sperlgasse, Castellezgasse, Malzgasse

Ausstellungsdauer:
11.05.2018 bis 30.01.2019

Ausstellungsort:
Amtshaus des Bezirks Leopoldstadt,
Karmelitergasse 9, 1. Stock, 1020 Wien

Öffnungszeiten:
MO, DO, MI, FR 7:30–15:30, DO 7:30–17:30
(ausgenommen Feiertage)

Die umkämpfte Republik. Österreich 1918 – 1938

Ausstellungsdauer:

Ausstellungsort:

Niederösterreichische Museum
Kulturbezirk 5
3100 St. Pölten

Die Dauerausstellung des Hauses der Geschichte wird anlassbezogen immer wieder mit Wechsel-, und Sonderausstellungen ergänzt. Aus Anlass 100 Jahre Republik widmet sich die erste Schwerpunktausstellung der spannenden Geschichte Österreichs in der Zwischenkriegszeit, von der Republikgründung 1918 bis zum „Anschluss“ 1938.

Auf rund 550 m² Ausstellungsfläche erwartet die BesucherInnen eine spannend inszenierte Schau. Sie spannt den Bogen von der Innenpolitik über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse bis zur Außenpolitik.
Die massiven, ideologisch motivierten Gegensätze zwischen den politischen Lagern, die Unfähigkeit zu Kompromissen der politischen Eliten, die tiefe Spaltung der Bevölkerung, die hohe Arbeitslosigkeit und Verarmung breiter Schichten, führten zu einer Radikalisierung der Gesellschaft. Die Bereitschaft, politische Konflikte durch Gewalt zu lösen, war in allen drei politischen Lagern präsent. Heimwehren, Republikanischer Schutzbund und Staatsmacht standen sich in einem latenten Bürgerkrieg gegenüber. 1933 beseitigte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß die Demokratie, der Bürgerkrieg im Februar 1934 entzweite das Land vollends, im Juli 1934 wurde Dollfuß von Nationalsozialisten ermordet. Die Errichtung des autoritären Ständestaates war das österreichische Modell einer Faschisierung Zentraleuropas (ausgenommen die Tschechoslowakei und die Schweiz).

Breiten Raum wird die Darstellung der sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einnehmen. Anhand noch nie gezeigter Objekte aus den Landessammlungen und einer Sammelaktion werden Phänomene wie Massenarmut und Massenarbeitslosigkeit in ihren politischen und sozialen Auswirkungen begreifbar. Die ökonomischen Katastrophen dieser Zeit, vom Zerfall des zentraleuropäischen Wirtschaftsraums der k.u.k.-Monarchie bis zur Weltwirtschaftskrise, aber auch die Jahre der wirtschaftlichen Erholung, werden mit Exponaten aus dem Alltag der Menschen eindrucksvoll illustriert.

Das dritte wichtige Themenfeld bildet die Außenpolitik Österreichs bzw. das Einwirken äußerer Faktoren auf den schwachen Kleinstaat im Zentrum Europas. Hier werden vor allem die Rolle des faschistischen Italien und der Druck Hitler-Deutschlands im Zentrum des Interesses stehen.
Nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung getragen, erwies sich das autoritäre System gegenüber NS-Deutschland und den illegalen Nationalsozialisten im eigenen Land als zu schwach. „Der Anschluss“ 1938 an das Deutsche Reich erfolgte ohne militärischen Widerstand unter enormen Druck von außen und von innen.

In Besucherforen wird zum Nachdenken und zur Diskussion angeregt – über aktuelle Herausforderungen für die Demokratie genauso wie über die Werte einer demokratischen Gesellschaft.

Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung für das Dritte Reich mit Erweiterung um Zwangsarbeit auf österreichischem Gebiet

Ausstellungsdauer: 
10. Oktober 2018 bis 15. März 2019
Ort: Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte der Universität Wien,
Spitalgasse 2-4, Campus der Universität Wien, Hof 1, Stiege 12
Als das Nürnberger Tribunal den Generalbevollmächtigten für Arbeitseinsatz
Fritz Sauckel als „größten und grausamsten Sklavenhalter seit den Pharaonen“ bezeichnete, handelte es sich nicht um eine dramatische Übertreibung.
Während des Nationalsozialismus wurde die Zwangsarbeit zum Massenphänomen, welches das Leben von Millionen von Menschen im besetzten Europa bestimmte.
Für die deutsche Kriegswirtschaft wurden sowohl zivile Arbeitskräfte, als auch
Kriegsgefangene und Gefangene der Judenghettos, der Internierungslager für
Roma, der Konzentrationslager und anderer Gefängnisanstalten nutzbringend
ausgenutzt. Die Behandlung der zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter hing von zeitlichen und örtlichen Faktoren, aber auch von ihrer Stellung
in der unübersichtlichen Nazihierarchie von „Rassen“ und Völkern ab. Der härtesten Behandlung waren die Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Sowjetunion
(Ostarbeiter) und die polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
ausgesetzt; Arbeiterinnen und Arbeiter aus den westeuropäischen Staaten
hatten etwas erträglichere Arbeits- und Lebensbedingungen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch mehr als 400 000 Tschechinnen
und Tschechen im Ausland eingesetzt. Seit 1942 wurden ganze Jahrgänge jun-
ger Menschen aus dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren deportiert.
Der Zwangseinsatz wurde zur Erfahrung einer ganzen Generation, die bis heute
das kollektive Gedächtnis eines bedeutenden Teils der tschechischen Gesell-
schaft beeinflusst. Als Slawen teilten die tschechischen Zwangsarbeiterinnen
und Zwangsarbeiter das Schicksal der anderen „rassisch Minderwertigen“,
konnten sich jedoch als Angehörige des Protektorats „unter dem Schutz des
Reiches“ in mancherlei Hinsicht mit den westeuropäischen Arbeiterinnen und
Arbeitern vergleichen. Ihre Stellung und Behandlung war somit veränderlich.
Die Ausstellung widmet sich der Vielfalt der Schicksale der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, dem Andenken derer, die nie wieder nach Hause
zurückkehrten, und dem langen Weg der Überlebenden zu moralischer und
finanzieller Genugtuung. Nach mehreren Präsentationen in Deutschland wird
die Ausstellung zum ersten Mal auch in Österreich gezeigt. Im Rahmen der
Wiener Präsentation wurde sie um eine Reihe von Dokumenten und Fotografien erweitert, die spezifisch Zwangsarbeit im heutigen Österreich betreffen.
Die Mehrzahl stammt aus dem persönlichen Besitz der damaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und wurde bisher nicht veröffentlicht.

Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland

Ausstellungsdauer: 

27.04.2018 bis 04.11.2018

Die Ausstellung findet an zwei Standorten,
im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt
sowie im Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt, statt.

Als NS-Landeshauptmann Dr. Tobias Portschy am 2. April 1938 forderte, im Burgenland neben der ›Agrarreform‹ und der ›Zigeunerfrage‹ auch die ›Judenfrage‹ mit nationalsozialistischer Konsequenz zu lösen, bedeutete dies das endgültige Aus einer dreihundertjährigen kontinuierlichen jüdischen Geschichte dieses jüngsten Bundeslandes Österreichs.
Die burgenländischen Jüdinnen und Juden waren 1938 die ersten in Österreich, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Schon wenige Tage nach dem „Anschluss“ im März 1938 begann die systematische Ausweisung aus ihren Gemeinden. Am 1. November 1938 meldete die Presse, dass

sämtliche Kultusgemeinden des Burgenlandes … nicht mehr existieren.

Programm der Eröffnung sowie mehr Informationen zur Ausstellung:

http://ojm.at/1938

Eröffnungsprogramm am 26. April, 18:00 Uhr (Landesmuseum Burgenland)

16:00 – 18:00 Uhr: Pre-Opening: Freie Besichtigung beider Ausstellungsorte

ab 18:00 Uhr:

Begrüßung Dr. Wolfgang Kuzmits, Geschäftsführer | KBB – Kultur-Betriebe Burgenland GmbH

Zur Sonderausstellung Mag. Dieter Szorger, Kurator

Im Gespräch
Claudia Prutscher, Vizepräsidentin | Israelitische Kultusgemeinde Wien

Mag. Hans Peter Doskozil, Kulturlandesrat

Ansprache Dr. Heinz Fischer, Vorsitzender des Beirats 100 Jahre Republik

Ansprache & Eröffnung Hans Niessl, Landeshauptmann

Moderation Walter Reiss

Filmausschnitt „Es waren schwere Zeiten“
von Walter Reiss | Gespräche mit burgenländischen ZeitzeugInnen

Sag Schibbolet! Von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen

Ausstellungsdauer:

18.03.2018 bis 17.02.2019

Ort:
Salomon Sulzer Saal
Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems
Tel. +43 (0)5576 73989
office@jm-hohenems.at 

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems
In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum München

Während man von Globalisierung und internationaler Gemeinschaft spricht, werden überall in der Welt neue Grenzzäune und Mauern errichtet: um Staaten, besetzte Territorien und exklusive Wohnsiedlungen, zwischen öffentlichem und privatem Raum, Erlaubtem und Unerlaubtem. Manche dieser Grenzen sind durchlässig und andere tödlich, manche sichtbar gezogen und andere durch kulturelle Codes, Sprachtests oder biometrische Verfahren bewehrt. Grenzen entscheiden über Leben und Tod, „Identität“ und „Fremdheit“, Zugehörigkeit und Ausschluss.

„Gilead besetzte die nach Efraim führenden Übergänge des Jordan. Und wenn efraimitische Flüchtlinge (kamen und) sagten: Ich möchte hinüber!, fragten ihn die Männer aus Gilead: Bist du ein Efraimiter? Wenn er Nein sagte, forderten sie ihn auf: Sag doch einmal «Schibbolet». Sagte er dann «Sibbolet», weil er es nicht richtig aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und machten ihn dort an den Furten des Jordan nieder.“ (Buch Richter 12,5/6)

Ausgehend von der biblischen Erzählung von der Flucht der Efraimiten vor den siegreichen Angehörigen des Stammes Gilead und ihrem tödlichen Scheitern an den Ufern des Jordans, lädt das Jüdische Museum Hohenems internationale Künstler dazu ein, Grenzen in aller Welt kritisch zu betrachten – nur einen Steinwurf vom alten Rhein entfernt, an dem sich ab 1938 Flüchtlingsdramen abspielten, deren Gegenwart wir heute an den Rand unseres Bewusstseins drängen.

KünstlerInnen
Lawrence Abu Hamdan (London/Berlin), Zach Blas (London), Sophie Calle (Paris), Arno Gisinger (Paris), Vincent Grunwald (Berlin), Ryan S. Jeffery/Quinn Slobodian (Los Angeles), Leon Kahane (Berlin/Tel Aviv), Mikael Levin (New York), Fiamma Montezemolo (San Francisco), Pīnar Öğrenci (Wien), Anton Ovidiu (Wien), Fazal Sheikh (Zürich)

Kabbalah

Ausstellungungsdauer: 
31.10.2018 bis 03.03.2019
Ort:
Museum Dorotheergasse
www.jmw.at

Die gemeinsam geplante Ausstellung des Jüdischen Museums Wien und des Joods Historisch Museum Amsterdam versteht Kabbalah im weitesten Sinne des Wortes. Sie umfasst ihre historischen Entwicklungen, einschließlich der klassischen Kabbalah, der frühen jüdischen Mystik, der praktischen Kabbalah und Magie, ebenso, wie ihre modernen Ausprägungen in Kunst und Populärkultur. Die Ausstellung folgt den Spuren, die die Kabbalah in den unterschiedlichsten Formen moderner Kunst hinterließ: der Malerei, der Bildhauerei, dem Design, der Literatur, dem Film und der Musik (klassisch, wie populär). Durch diesen Zugang werden den Besucherinnen und Besuchern Einsichten in das, „was Kabbalah wirklich ist“ gegeben und erstaunliche Einblicke in eine oft als verborgen bezeichnete Welt eröffnet.

Kuratoren: Domagoj Akrap und Klaus Davidowicz in Kooperation mit dem Joods Historisch Museum Amsterdam.

Ausstellungsgestaltung: Conny Cossa, Maximilian-Paul Hertz

Bild (c) Steve Schapiro / Corbis Premium Historical / Getty Images

Hugo Portisch fragt nach. Das Jahr 1938 in Interviews

Ausstellungsdauer:
6.9.2018 bis 5.10.2018
Ausstellungsort:
Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte
Campus der Universität Wien
Spitalgasse 2-4, Hof 1.12
1090 Wien
T: +43-1-4277-16711
fb-zeitgeschichte.ub@univie.ac.at

Die Ausstellung widmet sich insbesondere den Erinnerungen zu dem Jahr 1938. Sie zeigt einen kleinen medialen Ausschnitt aus dem reichhaltigen Fundus der Interviews, die Hugo Portisch und sein Team in den 1980er Jahren in Zusammenarbeit mit dem ORF durchgeführt hat. Diese zahlreichen Erinnerungen unterschiedlicher Gesprächspartner_innen, welche die Ereignisse um 1938 hautnah miterlebt haben, liefern ein eindringliches Bild von den damaligen Umständen. Die Ausstellung schlägt einen thematisch vielfältigen Bogen von der jüdischen Krankenschwester, dem Theaterintendanten der Josefstadt, dem Wehrmachtssoldaten bis hin zu der politisch engagierten Kommunistin. Diese breitgefächerten Interviewausschnitte geben so Einblick in die zahlreichen beruflichen und politischen Positionen, die im schicksalhaften Jahr 1938 eine rapide Wendung erfuhren.

Kuratorin
Klaudija Sabo

Eine Kooperation von
Universität Wien (Institut für Zeitgeschichte, Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte)
Österreichischer Rundfunk
Zukunftsfonds der Republik Österreich

Porträts der Entwurzelung. D’Oras Fotografien in österreichischen Flüchtlingslagern 1946–1949

Ausstellungsdauer:
05.09.2018 – 07.11.2018

Ort:
Photoinstitut Bonartes, Seilerstätte 22, A-1010 Wien

In Wien und Paris galt d’Ora einst als angesehene Porträtistin der Reichen und Mächtigen, der Schönen und Berühmten. Unter dem nationalsozialistischen Regime verlor die Fotografin Familie, Status und Besitz. Diese bittere Erfahrung der Entwurzelung lenkte d’Oras Blick nach 1945 auf Menschen am Rand der Gesellschaft. In österreichischen Flüchtlingslagern entstanden düstere Aufnahmen, die von Trostlosigkeit und Isolation erzählen. Zu diesem Zeitpunkt war das Leben der von ihr Fotografierten zum Spielball der nationalen und internationalen Politik geworden.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation:
Magdalena Vuković, Porträts der Entwurzelung. D’Oras Fotografien in österreichischen Flüchtlingslagern 1946–1949 (= Beiträge zur Geschichte der Fotografie in Österreich, Band 17), mit Beiträgen von Marion Krammer/Margarethe Szeless, Susanne Rolinek, Peter Schreiner und Magdalena Vuković, Salzburg: Fotohof edition, 2018, 108 Seiten mit 69 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß

Im Rahmen der Ausstellung findet eine Veranstaltungsreihe mit Katja Geiger/Thomas Mayer, Christine Oertel/Peter Schreiner/Magdalena Vuković und Matti Bunzl sowie einem Symposium im Museum Leopold/Photoinstitut Bonartes statt.

Aufgrund der beschränkten Plätze bitten wir um Voranmeldung: T. +43-1/236 02 93-40 oder info@bonartes.org.
Die Besichtigung der Ausstellung ist jederzeit gegen Voranmeldung möglich, Führungen nach Vereinbarung.

MACHEN SIE MICH SCHÖN, MADAME D’ORA!

Ausstellungsdauer:

13.07.2018 – 29.10.2018

Ort:

Leopold Museum,
Museumsplatz 1, 1070 Wien

Im Atelier d’Oras traten die Größen der Kunst- und Modewelt, der Aristokratie und der Politik des 20. Jahrhunderts vor die Kamera. Der erste Künstler, den sie fotografierte, war 1908 Gustav Klimt, der letzte war 1956 Pablo Picasso. Kaiser Karl von Österreich fand sich ebenso ein wie die Familie Rothschild, Coco Chanel und Josephine Baker oder Marc Chagall und Maurice Chevalier. Im Jahr 1907 eröffnete Dora Kallmus’ als eine der ersten Frauen in Wien ein Fotostudio. Innerhalb weniger Monate galt das Atelier d’Ora als eleganteste und renommierteste Adresse für das künstlerische Porträt und ihre Aufnahmen fanden in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland weite Verbreitung. Im Jahr 1925 brachte ein Angebot des Modemagazins L’Officiel d’Ora nach Paris, das fortan ihr Lebens- und Arbeitsmittelpunkt sein sollte. Zahllosen Aufträge für Mode- und Lifestylezeitschriften folgten, die erst Mitte der 1930er-Jahre abebbten, als die politische Lage in Europa zunehmend prekärer wurde. Als entrechtete Jüdin verlor d’Ora 1940 ihr Atelier in Paris und musste sie sich jahrelang vor den deutschen Besatzungssoldaten in Frankreich versteckt halten. Gerade noch davongekommen, richtete die Gesellschaftsporträtistin nach 1945 ihren zugleich scharfen und einfühlsamen Blick auch auf die namenlosen Heimkehrer aus den Konzentrationslagern und auf das Schlachtvieh der Pariser abattoirs. D’Oras Werk spannt einen einzigartigen Bogen von der Repräsentation des letzten österreichischen Monarchen, über den Glamour der Pariser Modewelt der 1920er- und 1930er-Jahre bis hin zu einem gänzlich veränderten Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Photoinstitut Bonartes und dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Kuratiert von: Monika Faber und Magdalena Vukovic

Teddy Kollek. Der Wiener Bürgermeister von Jerusalem

Ausstellungsdauer:

11.04.2018 bis 25.11.2018

Ort: Jüdisches Museum Wien

Dorotheergasse 11, 1010 Wien

Öffnungszeiten Sonntag bis Freitag,
10:00 -18:00 Uhr, Samstag geschlossen

Teddy Kollek (1911–2007) war von 1965 bis 1993 Bürgermeister von Jerusalem. Er verwandelte die Stadt in eine Metropole und setzte sich  nachhaltig für ein friedliches Zusammenleben ihrer multireligiösen  Bewohner ein. Als kulturelles und kommunalpolitisches Vorbild galt ihm das Wien der Zwischenkriegszeit, in dem er aufgewachsen war. Früh bekannte er sich zum Zionismus und wanderte bereits 1935 nach Palästina aus, wo seine steile politische Karriere begann. Zu seinen  größten Leistungen zählt die Begründung des Israel Museums und der  Jerusalem Foundation. Auf Einladung des Wiener Bürgermeisters

Helmut Zilk eröffnete Teddy Kollek am 18. November 1993 das  Jüdische Museum Wien. Ihre Freundschaft ermöglichte nach den  schwierigen Waldheim-Jahren einen Neubeginn der diplomatischen  Beziehungen Österreichs zu Israel.

Kuratoren: Elke-Vera Kotowski und Marcus G. Patka

Geplündert, verbrannt, geräumt, demoliert. Verschwundene Zentren jüdischen Lebens in Wien

Ausstellungsdauer:

3.09.2018. bis 22.02.2019

Präsentation der Kleinausstellung: 20. September 2018 um 17 Uhr im Großen Vortragssaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs ( Wien 1110, Guglgasse 14
Zugang über Gasometer A, Foyer im 4. Stock)

Von 3. September 2018 bis 22. Februar 2019 werden anlässlich des Gedenkjahres in einer Ausstellung im Wiener Stadt- und Landesarchiv die Schicksale einiger verschwundener Zentren jüdischen Lebens in Wien präsentiert.

Links: Ansicht der ehemaligen Synagoge in der Hubergasse im 16. Bezirk (1944). Rechts: Ansicht des heutigen Gebäudes.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden in Wien, der drittgrößten jüdischen Gemeinde Europas, circa 600 jüdische Vereine und über 300 Stiftungen. Die Stadt zählte über 20 prachtvolle Synagogen und um die 70 kleinere Bethäuser.

Ziel der Ausstellung ist es, die Geschichte einiger dieser Institutionen von ihrer Entstehung über den „Anschluss“ 1938 bis zum Kriegsende 1945 und deren allmähliches Verschwinden aus dem Stadtbild Wiens zu zeigen.

Wer nutzte die Gebäude bis 1945 und wer lebt und arbeitet heute an den Standorten von ehemaligen Synagogen, jüdischen Waisenhäusern und sozialen Einrichtungen? Diese und weitere Fragen werden in der Ausstellung behandelt.

Küche der Erinnerung. Essen und Exil

Ausstellungsdauer:
1.10.2018 bis 10.01.2019

Ort: Literaturhaus Wien, 1070, Zieglergasse 26 A

Die Kuratorinnen Veronika Zwerger und Ursula Seeber sprechen zur Ausstellung und präsentieren das gleichnamige Begleitbuch.
Lesung & Gespräch: Ehrengast Lore Segal liest „Bread and Butter“

Die 1928 in Wien geborene und 1938 mit einem Kindertransport geflohene Schriftstellerin Lore Segal,
die 2018 mit dem Theodor Kramer Preis ausgezeichnet wird, liest einen Erinnerungstext über die Küche
ihrer Großmutter und spricht mit ihrer Tochter Beatrice über das Weiterleben österreichischer
Kochtraditionen in ihrer New Yorker Familie. Moderation: Thomas Ballhausen. (Lesung und Gespräch in
englischer Sprache)

Ausstellung: „Küche der Erinnerung. Essen und Exil“
In dieser Ausstellung geht es nicht um Gastrosophie und Kulinarik. Vielmehr steht die private,
gesellschaftliche und symbolische Essenz des Essens im historischen Kontext von 1938–1945 im
Zentrum. Die „Küche der Erinnerung“ ist eine politische, bereitet von Menschen, die gewaltsam aus der
Mitte ihres Lebens gerissen, existenziell bedroht und in die Emigration getrieben wurden.
In vielen Werken des Exils werden Kochen und Essen als identitätsstiftende und stabilisierende
Momente gestaltet. Sie symbolisieren die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe – politisch, religiös,
sozial, geografisch, familiär. Speisen und ihre Zubereitung können Emotionen und (kollektive)
Erinnerungen an eine Vergangenheit vor der Vertreibung wachrufen. Nahrungsaufnahme gleicht einem
„Einverleiben“ der verlorenen Heimat, Speisen werden zu „Gedächtnisspeichern“. Und im Gegenzug:
Das Annehmen von kulinarischen Traditionen des Zufluchtslandes kann ein Beitrag zur Akkulturation
sein.

Die meisten Objekte der Ausstellung kommen aus den Beständen der Österreichischen Exilbibliothek:
Lebensdokumente und Erinnerungsliteratur, Briefe, Manuskripte, Notenblätter, Rezeptsammlungen und
Kochbücher, Fotos und Grafiken.

Publikation: „Küche der Erinnerung. Essen und Exil“
Das gleichnamige Begleitbuch erscheint im Wiener Verlag new academic press. Erinnerungen, Briefe,
Interviews, Essays, Erzählungen, Gedichte, Kabarettszenen und Songs werden ergänzt und
kommentiert mit Notenblättern, Rezeptsammlungen und Kochbüchern, Speisekarten und
Reklamematerial, Dokumenten, Fotos, Karikaturen, Grafiken, Buchcovers und Film Stills. Die meisten
dieser Texte – von Jimmy Berg, Alice Herdan-Zuckmayer, Joseph Roth, Egon Schwarz, Lore Segal, Fred
Wander oder Hermynia Zur Mühlen – sind an entlegener Stelle erschienen oder werden hier erstmals
publiziert; mit wissenschaftlichen Beiträgen zu den unterschiedlichsten Aspekten – von der Länderstudie,
über Zeitschriftenanalyse bis zur Re-Lektüre von Exilwerken – von u. a.: Sylvia Asmus, Helga Embacher,
Hannes Etzelsdorfer, Patrick Farges, Heike Klapdor, Anne-Rose Meyer, Swen Steinberg.
„Küche der Erinnerung. Essen und Exil.“ Hg. v. Veronika Zwerger und Ursula Seeber. Wien: new academic press,
2018. ca. 340 S., mit ca. 200 Abbildungen, brosch, ISBN 978-3-7003-2081-4, 32,00 EUR | erscheint im Sept. 2018
Rückfragen, Rezensionsexemplare und honorarfreies Bildmaterial in druckfähiger Auflösung unter:
Veronika Zwerger: exilbibliothek@literaturhaus.at