Ausstellungen

… unmöglich, diesen Schrecken aufzuhalten. Die medizinische Versorgung durch Häftlinge im Frauen-KZ Ravensbrück

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 17. Oktober 2019, 18:30-20:30 Uhr

Ausstellungsdauer: 17. Oktober 2019 bis 20. März 2020, jeweils zu den Öffnungszeiten der Fachbereichsbibliothek

Ausstellungsort: Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte, Campus der Universität Wien, 1090 Wien, Spitalgasse 2-4, Hof 1

Im Zentrum der Wanderausstellung steht die Arbeit des medizinischen Häftlingspersonals im Krankenrevier des KZ Ravensbrück. Das Begleitprogramm bietet Fachvorträge sowie einen „Porträt-Abend“ mit Schwerpunkt auf die Österreicherinnen im Häftlingskrankenrevier.

Ende der Zeitzeugenschaft?

Ausstellungsdauer:
10. November 2019 bis 13. April 2020

Ausstellungsort:
Salomon Sulzer Saal,
Schweizer Str. 21, 6845 Hohenems

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ)

Die Zeitzeugenschaft des Holocaust geht ihrem Ende entgegen. Nur noch wenige Überlebende der NS-Herrschaft können aus eigener Erfahrung sprechen – oder von jenen Menschen berichten, die im Holocaust ermordet wurden. Was bleibt, sind literarische Zeugnisse und unzählige Videointerviews der Überlebenden – sowie die Frage danach, wie wir in Zukunft mit dieser Erbschaft umgehen wollen. Grund genug, den Blick auf die Geschichte der Zeitzeugenschaft zu richten, die komplexe Beziehung zwischen Zeitzeugen und Interviewer, Medium und Gesellschaft zu erkunden.

Dabei steht die Erinnerung an die Shoah, wie sie in Interviews und Aufnahmen von öffentlichen Auftritten der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen überliefert ist, im Fokus. Sie wird zur Erzählung – einem Trauma abgerungen und zugleich das Produkt von Beziehungen und Interessen, abhängig von ihrem jeweiligen Kontext in Politik und Gesellschaft, vor Gericht oder Schulklassen, für die Forschung, das Fernsehen oder Kino.

Die Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ hinterfragt die „Gemachtheit“ der Zeitzeugeninterviews und ihre gesellschaftliche Rolle seit 1945; und gibt Einblicke in die Video-Sammlung des Jüdischen Museums Hohenems, in Interviews die bislang nie gezeigt wurden.

Sigalit Landau Salt Years

Ausstellungsdauer:

6. Juli – 17. November 2019
Datum der Eröffnung: 5. Juli 2019, 17.00 Uhr

Ort: Museum der Moderne, Salzburg

In den letzten fünfzehn Jahren hat die israelische Bildhauerin und Video- und Installationskünstlerin Sigalit Landau  das Tote Meer immer wieder als eine Inspirationsquelle und Laboratorium genutzt. Ihre Arbeiten wurden u.a. bei der documenta und der Biennale di Venezia gezeigt. Die aktuelle Ausstellung umfasst mehrere Readymades, die im Toten Meer eingetaucht wurden, sowie eine Auswahl ihrer wichtigsten Videoarbeiten.

Vernichtungsort Malyj Trostenez – Geschichte und Erinnern

Ausstellungsdauer:

14. Juni bis 27. Oktober 2019

Ausstellungsort: Haus der Geschichte Österreich, Alma Rosé Plateau,

Neue Burg, Heldenplatz, 1010 Wien

 www.hdgoe.at

Malyj Trostenez (Maly Trostinec), nahe Minsk, war eine der größten Vernichtungsstätten des nationalsozialistischen Deutschen Reichs. Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) bringt die bislang in Deutschland und Belarus gezeigte Ausstellung erstmals nach Österreich, ergänzt um Informationen zu den Deportationen österreichischer Jüdinnen und Juden und ihrer Schicksale.

Das Haus der Geschichte Österreich dankt seinen PartnerInnen: DÖW – Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes | erinnern.at – Nationalsozialismus und Holocaust: Gedächtnis und Gegenwart | IM-MER. Maly Trostinec erinnern | ÖAW – Österreichische Akademie der Wissenschaften | Universität Wien – Institut für Zeitgeschichte | Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI)

Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland

Ausstellungsdauer:

bis 21. November 2019

Vermittlung und Besuch

Für BesucherInnengruppen gegen Voranmeldung gibt es Ausstellungsrundgänge.
Führungszuschlag: € 29,- pro geführter Gruppe

Ein Kombi-Ticket Landesmuseum und Jüdisches Museum lädt zum besucht der beiden Museen ein.

Ausstellungsort: Landesmuseum Burgenland
Museumgasse 1 – 5 | 7000 Eisenstadt
Tel.  +43 2682 719 4000
Österreichisches Jüdisches Museum
Unterbergstraße 6 | 7000 Eisenstadt
Tel.  +43 2682 65145
ojm.at
Am 11. März 1938 – und damit früher als in allen anderen Bundesländern – begann im Burgenland eines der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte: die Zeit der NS-Diktatur. 80 Jahre danach setzen sich das Landesmuseum Burgenland und das Österreichische Jüdische Museum in einer gemeinsamen Ausstellung mit den burgenländischen Aspekten dieses schicksalshaften Jahres auseinander. In vielerlei Hinsicht nahm das Burgenland 1938 eine Sonderstellung ein. Mit 99,71 % war die Zustimmung für den Anschluss außerordentlich hoch. Juden und Jüdinnen wurden hier schnell vertrieben und ihr Vermögen besonders rasch eingezogen. Damit stand das Burgenland Modell für die später einsetzenden Vertreibungen aus der restlichen „Ostmark“. Mit der Auflösung im Herbst 1938 verschwand es schließlich gänzlich von der politischen Landkarte. Der Illusion von einem besseren Leben als Bestandteil des Deutschen Reiches folgte bald die ernüchternde Realität: Juden, Roma und politisch Andersdenkende waren nicht länger Teil der „Volksgemeinschaft“. Sie wurden systematisch entrechtet, beraubt, vertrieben und schließlich ermordet. Nur eineinhalb Jahre nach dem Anschluss marschierten Burgenländer in Hitlers Armeen.

Im Landesmuseum Burgenland

In diesem Ausstellungsteil werden die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen aus der Endphase des österreichischen Ständestaates, der Terror der illegalen NSDAP sowie die zum Anschluss des Burgenlandes an das Dritte Reich führenden politischen Ereignisse erläutert.
Einzigartige Filmdokumente, originale Plakate und zahlreiche private Erinnerungsstücke erzählen Geschichten aus dieser Zeit.

Im Österreichischen Jüdischen Museum

Das Österreichische Jüdische Museum widmet sich im Rahmen der gemeinsamen Sonderausstellung der Geschichte der „Sieben Gemeinden“ – der „Schewa Kehilot“ –, die einst zu den bedeutendsten jüdischen Gemeinden Europas zählten. Originale Dokumente des Jüdischen Zentralarchivs, die noch nie öffentlich gezeigt wurden, sind Spiegel des regen kulturellen jüdischen Lebens, erzählen aber auch die Geschichte des Untergangs im Jahr 1938.

Highlights

Neben einem Oral-History-Projekt mit Berichten über das „Schicksalsjahr 1938“ aus Sicht der Verfolgten ermöglicht eine digitale Rekonstruktion den virtuellen Rundgang durch längst zerstörte burgenländische Synagogen.
K | Mag. Dieter Szorger, Dr. Pia Bayer, Mag. Gert Polster

LETZTE ORTE VOR DER DEPORTATION Kleine Sperlgasse, Castellezgasse, Malzgasse

Ausstellungsdauer:
bis 22. November 2019

Ausstellungsort:
Amtshaus des Bezirks Leopoldstadt,
Karmelitergasse 9, 1. Stock, 1020 Wien

Öffnungszeiten:
MO, DO, MI, FR 7:30–15:30, DO 7:30–17:30
(ausgenommen Feiertage)

UNERWÜNSCHTES KINO: Vertriebene Filmschaffende in Wien und Budapest 1933–1938

Ausstellungsdauer:
18. Oktober 2019 bis 31. Jänner 2020

Eröffnung: Donnerstag, 17. Oktober, 19:00

Ausstellungsort:
METRO Kinokulturhaus, Johannesgasse 4, 1010 Wien

Der Ausschluss jüdischer Filmschaffender aus der deutschen Filmproduktion ließ nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im März 1933 nicht lange auf sich warten. Vertrieben aus Deutschland, flohen
viele von ihnen in die angrenzenden Länder. Doch auch hier wurde es für sie zunehmend unmöglich, Arbeit bei den etablierten Produktionsunternehmen zu finden. In dieser Situation bildete sich um Wien und Budapest eine unabhängige Produktionslandschaft heraus – das Unerwünschte Kino. Das Filmarchiv Austria beleuchtet diesen kaum bekannten Teil der österreichischen Filmgeschichte und präsentiert zahlreiche Objekte und Dokumente aus der eigenen Sammlung.
Ab 1934 waren Jüdinnen und Juden nicht nur in deutschen, sondern in allen Filmen unerwünscht, die auf deutschen Leinwänden gezeigt werden sollten. Auch die großen österreichischen Produktionsfirmen beugten sich dieser Vorgabe. Deutschland war einer der wichtigsten Exportmärkte für österreichische Filme. Als Reaktion auf diese Entwicklung begannen unabhängige Hersteller für den internationalen Markt zu produzieren. Die zentralen Produktionsorte des Unerwünschten Kinos waren insbesondere die Donaumetropolen Wien und Budapest. Zwischen 1934 und 1937 entstanden rund zwei Dutzend Filme, die eine Nische für die nunmehr unerwünschten SchauspielerInnen, RegisseurInnen, ProduzentInnen, CutterInnen, AutorInnen und Kameraleute boten. Die Bandbreite der Filme reichte von virtuos inszenierten Musikfilmen über Komödien nach dem Vorbild der amerikanischen Screwball-Comedy bis hin zu
klassischen Dramen

Verschüttet. Malzgasse 16 – einzigartige Funde jüdisch-österreichischer Geschichte

Ausstellungsdauer:

Ausstellungsort:
Haus der Geschichte Österreich
Österreichische Nationalbibliothek

In der Malzgasse 16 im 2. Wiener Gemeindebezirk befanden sich vor 1938 eine Talmud-Thora-Schule, eine Synagoge und das erste Jüdische Museum Wiens – gleichzeitig das erste jüdische Museum weltweit. Seit 1955 befindet sich auf diesem Standort die Talmud-Thora-Schule Machsike Hadass, eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht. Anfang 2018 hat der Schulverein hier bislang unbekannte Kellerräume entdeckt, die vollständig mit Abbruchmaterial gefüllt waren. Archivrecherchen ergaben: Im Zuge des Novemberpogroms wurden die Synagoge und die Schule zerstört. Im Jahr 1939 musste das Haus für ein Altersheim adaptiert werden, das Abbruchmaterial wurde in die Kellerräume verbracht, darunter waren auch Gegenstände aus der nicht mehr existenten Synagoge und Schule und des aufgelösten Jüdischen Museums. Der Aushub des Schuttmaterials brachte erstaunliche Fundstücke zu Tage – Fundstücke, die mit der vielschichtigen und wechselvollen Geschichte des Hauses unmittelbar verbunden sind. Sie sind materielle Zeugnisse eines regen jüdischen Lebens vor 1938, aber auch von dessen Zerstörung. Nicht zuletzt durch seine Nutzung als Sammellager für die Deportation der österreichischen Jüdinnen und Juden 1941/42 ist die Malzgasse 16 eine Adresse von österreichweiter Bedeutung. Das hdgö präsentiert diese einzigartigen Funde jüdisch-österreichischer Geschichte erstmals öffentlich.

Marko Zink: M 48° 15′ 24.13′′ N, 14° 30′ 6.31′′E

Ausstellungsdauer: 

05. Mai bis 31. Oktober 2019

Ausstellungsort:
KZ-Gedenkstätte Mauthausen,
tgl. 9-17.15 Uhr,
Eröffnung: Gedenk- und Befreiungsfeier,
5. Mai, 11 Uhr,
https://www.mauthausen-memorial.org

Kunst als Sehhilfe: Fotoausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Ein Projekt des Künstlers Marko Zink versucht, für das nicht mehr Sichtbare zu sensibilisieren

Die Gedenk- und Befreiungsfeier, laut Mauthausen Komitee die weitaus größte weltweit, hat heuer einen zusätzlichen Aspekt: Im ehemaligen Reviergebäude versucht der in Wien lebende Vorarlberger Künstler Marko Zink (43), sich mit einem Fotoprojekt dem Unvorstellbaren anzunähern.

„M 48° 15′ 24.13′′ N, 14° 30′ 6.31′′ E“ nennt Zink seine Serie nach den geografischen Koordinaten des Konzentrationslagers. In Dutzenden Besuchen der Gedenkstätte habe er einen Weg gesucht, sich künstlerisch mit diesem Ort auseinanderzusetzen, erzählte er bei der Ausstellungseröffnung. Warum? Dafür gebe es zwei Antriebe: „Zum einen ist es das, was momentan in unserer Gesellschaft passiert, zum anderen, weil die Zeitzeugen immer mehr wegfallen. Wenn Erinnerungen verschwinden, verlieren sie Gewicht. Diese Gewichtung wollte ich zurückgeben.“

Das gelingt ihm mit einer Serie von analogen Aufnahmen auf dem Gelände des ehemaligen Lagers oder seiner Umgebung, bei denen er das Filmmaterial mit Chlor oder Tintentod bearbeitete, es kochte, stanzte oder zerkratzte. Seine Fotos der Lagerstraße, des ehemaligen Sportplatzes oder eines Baumes, unter dem tausende Leichen verscharrt wurden, versuchen die Auslöschung von Menschen und die Tilgung von Erinnerung gleichermaßen sichtbar zu machen. Die Titel der Arbeiten beziehen sich auf den 1966 erschienenen Aufsatz „Erziehung nach Auschwitz“ von Theodor W. Adorno. Marko Zink hat sich gründlich mit dem Thema beschäftigt, so sehr, dass er lange Zeit bei jedem Aufwachen sofort daran denken musste. „Das verändert einen.“

Marko Zink verwendet Fotografie als Grundlage von mannigfaltigen Techniken. So finden sich in der Ausstellung auch Lamellenbilder, die aus unterschiedlichen Perspektiven zwei verschiedene Bilder ergeben. Für die Arbeit „Der Blick ins Nichts“ wurden 500 Einzelaufnahmen einer 400 Quadratmeter großen Baracke aneinandergefügt, in der 500 Menschen untergebracht waren. Die Größe des Bildes entspricht der Größe eines Barackenfensters. Eine vierteilige Fotoserie erinnert in der Struktur an Piet Mondrians Gitterbilder. Sie zeigt Rohrleitungen der Gaskammer.

„Unser Anliegen ist es, den Menschen eine Sehhilfe zu geben“, sagte Barbara Glück, die Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, in deren Ausstellungsräumlichkeiten nun das erste Mal seit vielen Jahren keine rein historische Präsentation zu sehen ist. „Weil es immer weniger Zeitzeugen gibt, müssen wir unsere eigenen Zugänge finden. Da ist Kunst ein wichtiges Medium. Vielleicht kann sie für den einen oder anderen einen neuen Blick eröffnen.“ Dieser Blick solle auch „eigene Handlungsspielräume aufzeigen“.

Arik Brauer. Alle meine Künste

Ausstellungsdauer:
03. April bis 20. Oktober 2019

Ausstellungsort:
JMW Dorotheergasse 11,
1010 Wien

„Ich war immer schon ein Maler“, so beantwortet Arik Brauer die Frage wie er zur Kunst kam. Wobei in seinem Fall besser von Künsten die Rede sein sollte: Malerei, Architektur, Musik, Tanz, Bildhauerei und Poesie sind nur einige der Bereiche in denen er seine vielseitigen Talente erfolgreich eingesetzt hat. Von der sorglosen Kindheit, die durch den Nationalsozialismus abrupt beendet wurde zur Ermordung des Vaters im Holocaust, über die Studienjahre an der Akademie der Bildenden Künste, wo er zu einem Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus wurde, seine Reisen mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika, die Pariser Jahre mit seiner Frau Naomi – einer in Israel geborenen Jemenitin, deren Vater Theodor Herzls Kutscher in Palästina gewesen ist -, bis hin zur Rückkehr mit seiner Familie nach Wien, wo er zu einem der Pioniere des Austropop avancierte, sich für den Umweltschutz stark machte und hier ein Wohnhaus nach seinen Entwürfen gebaut wurde.

In seiner zweiten Heimat Israel hatte er seine Vorstellung vom Hausbau für sich und seine Familie im Künstlerdorf Ein-Hod umgesetzt. Arik Brauer hat die dortige Residenz im Außen- aber auch im Innenbereich bis ins kleinste Detail künstlerisch gestaltet. Die enge Verbindung zum Judentum und zu Israel kommt in vielen seiner Werke zum Ausdruck. In seiner Arbeit spiegelt sich seine Feinfühligkeit, sein Witz aber vielfach auch die kritische Analyse gesellschaftspolitischer Themen wider. Das Jüdische Museum feiert Arik Brauer als Mensch und Künstler zu seinem 90. Geburtstag und präsentiert die verschiedenen Facetten seiner Arbeit. Bis 120!

Kuratorinnen: Danielle Spera, Daniela Pscheiden

Foto (c) Brigitte Luettge-Dauth

Café As. Das Überleben des Simon Wiesenthal

Ausstellungungsdauer:
29 Mai 2019 bis 12 Jan 2020

Ausstellungsort:
JMW Dorotheergasse 11,
1010 Wien
www.jmw.at

Simon Wiesenthal ist heute als jener Mann bekannt, der sein Leben der Gerechtigkeit für die Opfer der Shoah widmete. Sein Beruf als Architekt, den er bis zu seiner Verfolgung durch das NS-Regime ausübte, ist jedoch in Vergessenheit geraten. Während seiner Inhaftierung im KZ Mauthausen 1945 lernte Wiesenthal den polnischen Gefangenen Edmund Staniszewski kennen, der ihm immer wieder Essen zusteckte und Wiesenthal dadurch das Leben rettete. Das Kriegsende war bereits vorauszusehen. Staniszewski hoffte, ein Kaffeehaus in Posen eröffnen zu können und bat Wiesenthal um Ideen. Noch im Lager fertigte Wiesenthal erste Skizzen an. In den Wochen nach der Befreiung vervollkommnete er sie zu Zeichnungen. Simon Wiesenthal entwarf Außen- und Innenansichten, Kleidung für das Personal bis hin zu Werbeplakaten – ähnlich einer heutigen „Corporate Identity“. Zur Errichtung des „Café As“ kam es jedoch nie. Die mehr als 80 detailreichen Entwürfe konnte das Jüdische Museum Wien mit Unterstützung der „US Friends of the Jewish Museum Vienna“ erwerben. Ein einzigartiges, signifikantes Zeugnis des Überlebens im mörderischen System des Nationalsozialismus.

Kuratorin: Michaela Vocelka

Bild (c) Jüdisches Museum Wien

Die drei mit dem Stift. Lily Renée, Bil Spira und Paul Peter Porges

Ausstellungsdauer:
08. Mai bis 17. November

Ausstellungsort:
Museum Judenplatz

„Die drei mit dem Stift“ eint ein gemeinsames Schicksal. Drei Künstler, die als jüdische Kinder in Wien aufwuchsen, ihre Heimat nach dem so genannten Anschluss verlassen mussten und anderswo erfolgreich wurden. Ihre Zeichenstifte setzten sie als Werkzeuge zum Überleben ein, als nicht nur friedliche Waffen.

Die drei: Das ist zum einen Lily Renée, geboren 1922; sie entkam nach England und konnte sich in New York als Zeichnerin und Illustratorin verwirklichen. Unter anderem machte sie aus der Comics-Heldin Señorita Rio eine Kämpferin gegen Nazis und andere böse Mächte und wurde damit zur Kultfigur für Generationen von Comics-Fans.

Das ist ferner Wilhelm „Bil“ Spira (1913-1999), Porträtist und Karikaturist, Maler und nicht zuletzt ein begnadeter Fälscher: Unzähligen in Vichy-Frankreich Gestrandeten fertigte er Visa und Pässe für eine Passage in die Freiheit an. Spira überlebte Verrat und Vernichtungslager, nach dem Krieg konnte er seine Karriere in Paris erfolgreich fortsetzen.

Das ist schließlich Paul Peter Porges (1927-2016); als Kind bereits an der Wiener Kunstgewerbeschule, als Halbwüchsiger in der „Kinderrepublik“ und in Internierungslagern in Frankreich, als junger Mann in der Genfer Kunstschule: Mit Mutterwitz und dem Stift in der Hand schaffte er es in die Vereinigten Staaten und dort auf die großen Bühnen für Cartoonisten, allen voran den New Yorker.

Das Jüdische Museum Wien zeigt eine repräsentative Auswahl der Arbeiten dieser außergewöhnlichen Künstler: Lily Renée, Bil Spira und Paul Peter Porges – für das österreichische Publikum neu entdeckt.

KuratorInnen: Michael Freund, Sabine Bergler