Ausstellungen

Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele

Ausstellungszeiten:
Von 14. Juli 2021 bis 21. November 2021

Ausstellungsort:
JMW, Dorotheergasse 12, 1010 Wien

 

 

Nach den Pogromen im Mittelalter und immer wieder aufflammendem Antisemitismus entstand durch den Zuzug von Jüdinnen und Juden Ende des 19. Jahrhunderts wieder eine jüdische Gemeinde in Salzburg. In einem Bundesland, das in der Zwischenkriegszeit zwischen Katholizismus und Deutschnationalismus zerrissen war, zeigte sich das Phänomen eines Antisemitismus ohne Jüdinnen und Juden ganz besonders. Unter diesen Rahmenbedingungen wurden die Salzburger Festspiele 1920 als katholisch-neobarockes Spektakel gegründet. Viele Wiener Jüdinnen und Juden förderten hier die Wiederbelebung des Österreich-Gedankens auf der Bühne. Neben der erwarteten Tradition fand sich aber auch überraschend viel Avantgarde auf dem Programmzettel, unter anderem in den Tanzproduktionen oder beim Bühnen-Architekten Oscar Strnad. Sogar ein Werk von Arnold Schönberg wurde 1928 aufgeführt. Während des Austrofaschismus erfolgte eine Politisierung, da sich Österreich als besserer deutscher Staat präsentieren wollte. Der aus Bayreuth gekommene Arturo Toscanini dirigierte Wagner-Opern, inszeniert vom jüdischen Regisseur Lothar Wallerstein. Die von der deutschen Reichsregierung installierte „1000-Mark-Sperre“ richtete sich als Wirtschaftssanktion vor allem gegen Salzburg. Die Festspiele zogen nun verstärkt ein internationales Publikum an. 1938 wurden die Festspiele im Sinne der „Rassentheorie“ der Nazis ideologisch uminterpretiert, Jüdinnen und Juden waren nicht mehr erwünscht und wurden vertrieben. In der Nachkriegszeit fanden sich nur wenige jüdische Protagonisten und Protagonistinnen unter den Regisseuren und Darstellern. Viele, die sich während der Nazizeit hervorgetan hatten, konnten allerdings ihre Karrieren fortsetzen. Diesen Themen widmet sich die Ausstellung „Jedermanns Juden. 100 Jahre Salzburger Festspiele“. Max Reinhardt, Bruno Walter und Berta Zuckerkandl sind nur die berühmtesten ProtagonistInnen jüdischer Herkunft.

Im Zentrum der Ausstellung stehen einige noch nie gezeigte Objekte aus dem Nachlass von Max Reinhardt sowie vielfältige Kunstwerke, die den Aufstieg der Festspiele bis heute, sowie die Lebenswege der verschiedenen handelnden Personen, ihre Karrieren und Fluchtwege nachzeichnet.

KuratorInnen: Marcus G. Patka und Sabine Fellner

Die Gerechten. Courage ist eine Frage der Entscheidung

Ausstellungszeiten:
Von 19. Mai bis 1. Oktober 2021

Ausstellungsort:
Heeresgeschichtliches Museum
Militärhistorisches Institut, Arsenal, Objekt 1
Ghegastraße, 1030 Wien

 

Sonderausstellung der österreichischen Freunde von Yad Vashem

Die Internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem ehrt Menschen, die während des Naziregimes jüdischen Mitbürger/innen ohne Gegenleistung geholfen haben zu überleben oder auszuwandern. Weltweit wird solchen Personen der Ehrentitel »Gerechte unter den Völkern« verliehen. Der Verein »Die österreichischen Freunde von Yad Vashem« initiierte in Zusammenarbeit mit der Johannes Kepler Universität Linz ein Projekt, das speziell die österreichischen Gerechten vorstellt. Unter der wissenschaftlichen Leitung von a. o. Univ.-Prof. Dr. Michael John und Univ.-Prof. Dr. Albert Lichtblau entstand so eine Ausstellung, in der die Zeit des NS-Terrors in Österreich und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung bis hin zum Holocaust dargestellt und vermittelt werden.

Im Zentrum dieser Präsentation stehen mutige Menschen, die oft einsame und häufig lebensgefährliche Entscheidungen trafen. Wie konnte es ihnen gelingen, ihre jüdischen Mitbürger/innen vor der Vernichtung durch die NS-Schergen zu bewahren?

Im Gedenken der Kinder

Ausstellungszeiten:
Von 04. bis 29. Oktober 2021

Ausstellungsort:
Unipark Salzburg, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg

 

Ausstellung zu Kinderärzt*innen und Verbrechen an Kindern in der Zeit des Nationalsozialismus

Nähere Infos folgen.

Die drei Schwestern Selma, Berthe und Gundl, geb. Steinmetz

Ausstellungszeiten:
10. Mai bis 3. September 2021

Ausstellungsort:
DÖW, Wipplingerstraße 6, 1010 Wien

Anmeldung: office@doew.at

 

Die drei Schwestern aus einer assimilierten Wiener Familie erlebten früh den Antisemitismus und verließen schon Mitte der 1930er-Jahre den autoritär regierten österreichischen „Ständestaat“. Sonja Frank schildert in der Sonderausstellung den Alltag des Exils und Flüchtlingslebens ebenso wie die Widerstandstätigkeit der jungen Frauen: Gundl Herrnstadt-Steinmetz kämpfte zuerst im Spanischen Bürgerkrieg gegen Franco und später, wie die älteren Schwestern Selma Steinmetz und Bertha Tardos, in der Résistance.

Selma Steinmetz (1907-1979) war die erste Bibliothekarin des DÖW, sie wurde gemeinsam mit ihrem Partner 1944 festgenommen, Oskar Grossmann überlebte die Gestapohaft in Lyon nicht.

Vererbtes Schweigen, Verdrängte Erinnerung. Velden unterm Hakenkreuz 1938–1945

Ausstellungszeiten:
Von 13. September bis 31. Oktober 2021

Ausstellungsort:
Gemonaplatz/Strandpark, Velden

Mehr Info: Website der Gemeinde Velden

 

Eine Ausstellung zum Leben in Villach unterm Hakenkreuz 1938-1945.

Der kalte Blick. Letzte Bilder jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów

Ausstellungszeiten:
Von 5. Mai bis 14. November 2021

Ausstellungsort:
Haus der Geschichte Österreich

Neue Burg, Heldenplatz, 1010 Wien

 

Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) rückt mit einer neuen Ausstellung im Vorfeld des Tages der Befreiung am 8. Mai österreichische TäterInnengeschichte, Opferschicksale und die Auseinandersetzung mit NS-Verantwortung in den Mittelpunkt.

In der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien entdeckt die Kuratorin Margit Berner im Jahr 1997 eine Schachtel mit der Aufschrift „Tarnow Juden 1942“. Enthalten sind darin Fotografien von jüdischen Familien. Die Fotos sind Teil eines Projekts zur Erforschung „typischer Ostjuden“, das die Wiener Wissenschaftlerinnen Dora Maria Kahlich und Elfriede Fliethmann im März 1942 in der deutsch besetzten südpolnischen Stadt Tarnów durchführen. Mit kaltem Blick untersuchen und fotografieren sie „rassenkundlich“ mehr als hundert jüdische Familien, insgesamt 565 Männer, Frauen und Kinder. Von diesen überleben nur 26 den Holocaust und können später davon berichten.

In jahrelanger Forschung gelang es, die Fotos durch verstreute Aufzeichnungen und umfangreiche Archivrecherchen namentlich zuzuordnen und die Todes- sowie Lebenswege der Portraitierten zu rekonstruieren. „Der kalte Blick“ erzählt vom Leben der Jüdinnen und Juden in Tarnów vor 1939 und von deren Ermordung – als einem Beispiel unter Hunderten für die Verfolgung und Vernichtung jüdischer Gemeinden in Polen. Zentral wird aber auch das ehrgeizige Vorgehen der beiden jungen österreichischen Anthropologinnen thematisiert, die durch die kriegsbedingte Abwesenheit ihrer männlichen Kollegen Karriere machen konnten.

Die von Publikum und Kritik hochgelobte Ausstellung war bis April in der „Topographie des Terrors“ in Berlin zu sehen. Das hdgö zeigt sie auf dem Alma Rosé-Plateau der Neuen Burg: Diese Fläche hat das Museum vorrangig dem Holocaust und seinen Nachwirkungen gewidmet. Erstmals zu sehen ist das Original jener Schachtel, in der die Anthropologin Dora Maria Kahlich die durchnummerierten Fotos aufbewahrte (siehe Foto). Die Feldpostkiste mit der Aufschrift „Tarnow Juden“ hatte zuvor offenbar eine andere Verwendung: Darauf verweist die Notiz „Für mein Haserl“ in der Handschrift der Wissenschaftlerin – vermutlich war damit ihr Mann Herbert Kahlich gemeint, der 1944 an der Front starb.

Weitere Details zur Ausstellung: https://www.hdgoe.at/der-kalte-blick

Die Ausstellung, entstanden als Kooperation zwischen dem Naturhistorischen Museum Wien, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Topographie des Terrors, wird erstmals in Österreich gezeigt.

Written in Memory

Ausstellungszeiten:
Bis 31. Oktober 2021
Täglich von 9 bis 17:15 Uhr.

Ausstellungsort:
Reviergebäude der KZ-Gedenkstätte Mauthausen
Erinnerungsstraße 1.

 

 

Unter dem Titel „Written in Memory“ zeigt die KZ-Gedenkstätte Mauthausen 22 Portraits von Holocaust-Überlebenden des US-amerikanischen Fotokünstlers Jeffrey A. Wolin.

Henry Werdinger wurde im August 1944 vom Lager Plaszow in Polen in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert. Später wurde er in das Nebenlager Linz III überstellt und musste bis zur Befreiung im Mai 1945 Zwangsarbeit in den damaligen Hermann-Göring-Werken leisten.

„Als ich Henry Werdinger das erste Mal fotografierte, wurden ihm die Porträts nicht gerecht“, sagt Jeffrey Wolin. Er habe daraufhin die Idee geboren, Henry Werdinger im Wasser stehend mit dem Blick hinaus auf das Meer gerichtet zu fotografieren. „Er krempelte seine Hosenärmel auf, watete hinaus und nahm die perfekte Pose ein.“

Das Portrait Henry Werdingers ist Teil eines Zyklus unter dem Titel „Written in Memory“, im Rahmen dessen Jeffrey Wolin Dutzende Überlebende des Holocaust fotografisch portraitierte. Zur Vorbereitung führte er mit jedem und jeder einzelnen ausführliche Interviews. Wortwörtliche Auszüge daraus übertrug er daraufhin handschriftlich in die fotografischen Portraits. In den Fotos verbinden sich individuelles Antlitz und individuelle Erinnerung.

Wolins Arbeit gibt Zeugnis von der Stärke des Individuums sowie vom Einfallsreichtum und der Widerstandsfähigkeit von Holocaust-Überlebenden, von denen wir alle eine wichtige Lektion in Sachen Menschlichkeit lernen können.

Jeffrey A. Wolin ist emeritierter Professor für Fotografie an der Indiana University. Seine Fotos wurden in mehr als 100 Ausstellungen gezeigt.

Diese Fotoausstellung berührt: Die Portraits zeigen Einzelschicksale, wie sie millionenfach hinter dem Holocaust stehen, gleichzeitig strahlt diese Schau auch viel positive Energie aus“, sagt Barbara Glück, Direktorin des Mauthausen Memorial.

Jewgenij Chaldej. Der Fotograf der Befreiung

Ausstellungszeiten:
Von 12. Mai bis 1. November 2021

Ausstellungsort:
Museum Judenplatz
Judenplatz 1, 1010 Wien

 

Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von Jewgenij Chaldej, der als offizieller Kriegsberichterstatter mit der Roten Armee im Zuge der Befreiung in Wien einmarschierte. Chaldej, erfahren genug, um zu wissen, welche Fotografien in Moskau als ideologisch einwandfrei gelten, gelang dann das aus sowjetischer Sicht offizielle Befreiungsfoto von Wien: eine Gruppe von Soldaten mit Maschinenpistolen, im Hintergrund flattert die rot-weiß-rote Fahne. Die Ausstellung zeigt einen entscheidenden und bis in die Gegenwart wirksamen Moment der Geschichte Österreichs.

Am 29. März 1945 erreichte die Rote Armee im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht österreichisches Gebiet. Die Schlacht um Wien endete nach schweren Kämpfen am 13. April 1945. Beide Seiten verzeichneten hohe Verluste. Noch in den letzten Stunden des Kriegs ermordete die SS Jüdinnen und Juden in Wien. Mit den sowjetischen Truppen kam auch der jüdische Fotograf Jewgenij Chaldej (1917–1997) nach Wien. Er schoss einzigartige Fotos von Straßenkämpfen, Bombenruinen und bald auch vom zivilen Leben. Hunger, Wohnungsnot, aber auch die Hoffnung auf einen Neubeginn kennzeichneten den Frühling 1945. Chaldejs Fotos zeigen Wiener Wahrzeichen wie den Stephansdom, das Parlament, den Heldenplatz, das Schloss Belvedere oder das Grabmal von Johann Strauss auf dem Zentralfriedhof, immer mit sowjetischen Soldaten im Bild. Chaldejs Kollegin Olga Lander (1909−1996), die einige Wochen später in Wien eintraf, hielt offizielle Ereignisse fotografisch fest.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Chaldej erfahren, dass seine gesamte Familie von den Nationalsozialisten ermordet worden war. Seine Mutter wurde bei einem Pogrom getötet, als Chaldej erst ein Jahr alt war. Jewgeni Chaldej wie auch die jüdische Fotografin Olga Lander, hinterließen mit ihren Bildern eindrucksvolle Zeitzeugnisse, die wesentliche Tage in der Geschichte Wiens dokumentieren.

Kuratoren: Marcus G. Patka und Erich Klein
Ausstellungsgestaltung: Fuhrer, Wien

Foto © Sammlung Erich Klein

Der junge Hitler. Prägende Jahre eines Diktators 1889 bis 1914

Ausstellungszeiten:
Von 15. April 2021 bis 15. August 2021

Ausstellungsort:
Stadtmuseum Nordico Linz,
Dametzstraße 23, 4020 Linz

Die Ausstellung fragt nach den Anfängen von Nationalismus, Militarismus, Rassenhass und Antisemitismus und beleuchtet ihren Einfluss auf den jungen Hitler und seine Zeitgenossen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Vor mehr als 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Entfesselt von Adolf Hitler und den Nationalsozialisten, ist er der opferreichste Krieg der modernen Geschichte. Über 60 Millionen Menschen fallen ihm zum Opfer, mehr als die Hälfte davon Zivilbevölkerung. Über sechs Millionen Jüdinnen und Juden werden von den Nationalsozialisten systematisch ermordet, weitere Hunderttausende werden Opfer der rassistischen und politischen Verfolgung.

Die Ausstellung fragt nach den Anfängen: Woher kommen Nationalismus und Militarismus, Rassenhass und Antisemitismus? Wie weit sind sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Gesellschaft verankert, ehe der Erste Weltkrieg ausbricht? Wie prägen sie die Jugend Adolf Hitlers und seiner Zeitgenossen? Adolf Hitler verbringt seine ersten 24 Lebensjahre in Österreich – im Innviertel, in Linz und in Wien. Er wächst mit Deutschnationalismus und Tschechenhass auf und erlebt den Aufstieg der großen Massenparteien. Er bewundert den radikalen Alldeutschen Georg Ritter von Schönerer und den antisemitischen Wiener Bürgermeister Karl Lueger.

Eine Parallelerzählung präsentiert die Biografie Hitlers bis 1914 und die politischen Strömungen dieser Zeit.

Die Ausstellung ist eine Koproduktion mit dem Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich. KuratorInnen Haus der Geschichte im Museum NÖ/Idee und Konzept: Hannes Leidinger, Christian Rapp, Andrea Thuile, Benedikt Vogt.

Zur Ausstellung erschien die Biografie Hitler. Prägende Jahre. Kindheit und Jugend 1889–1914 von Hannes Leidinger und Christian Rapp, Residenz Verlag,
256 Seiten, € 24.

Digitale Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstages von Lotte Brainin

Die Ausstellung ist auf www.brainin.at zu besuchen.

Am 12. November 2020 wurde Lotte Brainin, jüdische Widerstandskämpferin und Überlebende von Auschwitz und Ravensbrück, 100 Jahre alt.

Aus diesem Anlass gestaltete die Multimediakünstlerin Marika Schmiedt eine digitale Ausstellung, die sich anhand zahlreicher Text-, Bild- und Tondokumente mit dem Leben von Lotte Brainin auseinandersetzt.

Das Jubiläumsprojekt entstand auf Initiative und in Zusammenarbeit mit der Familie Brainin, der Stabstelle Bezirksmuseen im Wien Museum, dem Bezirksmuseum Alsergrund sowie ESRA.

Gestern bei M. E. Mayer eingetroffen – Fragmente einer vergessenen Erfolgsgeschichte

Ausstellungszeiten:
Von 8. Februar bis 3. Oktober 2021

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Wien,
Dorotheergasse 12, 1010 Wien

„Gestern bei M. E. Mayer eingetroffen, heute schon eine Mundzier“, schrieb Anton Kuh 1925 im Feuilleton über einen damals beliebten französischen Duft. Die beiden eleganten Parfümerien von M. E. Mayer waren seinen Leserinnen und Lesern ein Begriff. Sie befanden sich am Lobkowitzplatz 1 und am Graben 17 in der Wiener Innenstadt. Das Unternehmen produzierte viele der angebotenen Seifen, Cremes, Parfüms, Puder, Rasierwasser, -apparate und -klingen selbst. Die Fabrik dafür lag in der Pernerstorfergasse 57 im 10. Wiener Gemeindebezirk und nahm einen ganzen Häuserblock ein.

Ab September 1932 wurde in der Parfümerie am Lobkowitzplatz ein Gästebuch geführt, in dem sich die Prominenz dieser Zeit verewigte, darunter Carl Zuckmayer, Hugo Thimig, Ida Roland, Fritz Grünbaum, Louise Rainer, Alexander Lernet-Holenia, Franz Werfel, Nora Gregor und Hedy Mandl (später Lamarr). Sie alle besuchten diesen Tempel der Düfte und der Cremes. Franz Lehár ließ sich das Badesalz sogar nach Bad Ischl nachschicken. Wie die Parfümerien innen aussahen und wie in der Fabrik produziert wurde, überliefert ein Album mit 31 Fotos.

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde das wertvolle Duft- und Schönheitsimperium „arisiert“. Die vormaligen Inhaber Theodor und Paul Mayer, zwei Söhne der einstigen Firmengründer Emilie und Max Mayer, flüchteten mit ihren Familien vor der rassistischen Verfolgung. Theodor ging nach Argentinien, Paul in die USA, wo er die Parfüm- und Seifenproduktion unter dem Firmennamen MEM Company fortsetzte. 1950 kauften die Söhne der inzwischen verstorbenen Brüder die Wiener Firma zurück und führten die Geschäfte weiter. Als die MEM Seifen- und Parfümerie-Vertriebsgesellschaft m. b. H. 1978 aufgelöst wurde, waren die Zeiten des Glanzes aber lang vorüber. Das Jüdische Museum Wien würdigt nun das einstmals so beliebte, heute leider gänzlich vergessene Wiener Unternehmen mit einer Präsentation im Schaudepot.

Kuratorin: Andrea Winklbauer
Ausstellungsgestaltung: Stefan Fuhrer

Foto © Wienbibliothek im Rathaus, Plakatsammlung P-228889

Hans Kelsen und die Eleganz der österreichischen Bundesverfassung

Ausstellungszeiten:
Von 1. Oktober 2020 bis 10. Oktober 2021

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 12, 1010 Wien

2020 wird die österreichische Bundesverfassung 100 Jahre alt. Von Bundespräsident Alexander Van der Bellen für ihre „Eleganz und Schönheit“ gelobt, sind ihre Inhalte aber kaum bekannt und Verfassungspatriotismus, wie ihn etwa die USA kennen, ist in Österreich allenfalls ein Randphänomen.

Noch weniger geläufig ist, dass an der Entstehung dieser Verfassung maßgeblich der Jurist Hans Kelsen beteiligt war. 1881 in Prag geboren, wuchs Kelsen in Wien in einer deutschsprachigen jüdischen Familie auf; sein Vater, ein Lusterfabrikant, gestaltete u. a. die Beleuchtung in Wiener Synagogen. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde Kelsen von Staatskanzler Karl Renner mit der Arbeit an einer Bundesstaatsverfassung für die junge Republik beauftragt. Er entwickelte das – später so bezeichnete – österreichische Modell der Verfassungsgerichtsbarkeit, das weltweit Nachahmung fand.

Kelsen, der von 1918 bis 1930 Professor an der Universität Wien war, erlangte vor allem für seine Beiträge zur Rechtstheorie und zur Politischen Theorie internationale Bekanntheit. Für seine innovativen Ansätze wurde er – im zunehmend antisemitischen Klima der Zeit – angefeindet. Bereits 1930 verließ Kelsen Wien, über mehrere Stationen in Europa emigrierte er 1940 schließlich in die USA, wo er bis zu seinem Tod 1973 lebte. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Rechtsgelehrten des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung würdigt, aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der österreichischen Bundesverfassung, deren Architekten und stellt sein Leben und Werk in den Mittelpunkt. Darüber hinaus lädt sie dazu ein, einen genaueren Blick auf die Bundesverfassung zu werfen – mit überraschenden Erkenntnissen und Einsichten.

Kuratorin: Adina Seeger, Ausstellungsgestaltung: Capitale Wien

Letzte Orte vor der Deportation. Kleine Sperlgasse, Castellezgasse, Malzgasse

Ausstellungsort:
Amtshaus des Bezirks Leopoldstadt,
Karmelitergasse 9, 1. Stock, 1020 Wien

Öffnungszeiten:

Mo, Di, Mi, Fr: 7.30-15.30, Do: 7.30-17.30 Uhr
(ausgenommen Feiertage)

Der Eintritt ist frei. Anmeldung und Information: letzteorte@erinnern.at

Kleine Sperlgasse 2a, Castellezgasse 35, Malzgasse 7 und 16 – diese Adressen im 2. Bezirk Leopoldstadt sind im kollektiven Gedächtnis Wiens bzw. Österreichs praktisch nicht präsent. In der  Topographie der Shoah von Wien und Österreich sind das jedoch zentrale Orte. Hier haben sich in den Jahren 1941/42 vier Sammellager befunden, in denen Jüdinnen und Juden vor der Deportation interniert wurden. Von hier wurden Gruppen von je 1000 Menschen in Lastwägen zum Aspangbahnhof gebracht, von Februar 1941 bis Oktober 1942 gingen insgesamt 45 Deportationszüge in Ghettos und Vernichtungslager. Der Großteil der österreichischen Shoah-Opfer wurde von den vier Sammellagern aus in die Vernichtung verschickt.

Der Weg in die Vernichtung begann mitten in der Stadt. Die Ausstellung Letzte Orte vor der Deportation. Kleine Sperlgasse, Castellezgasse, Malzgasse rekonstruiert und vermittelt die Bedeutung dieser heute nahezu vergessenen letzten Orte vor der Deportation.

FÜHRUNGEN mit den KuratorInnen Dieter Hecht, Michaela Raggam-Blesch und Heidemarie Uhl
An jedem ersten Donnerstag im Monat, 16:00-17:00, Amtshaus des Bezirks Leopoldstadt
Nächster Termin: 5.11.2020

Die letzten Europäer. Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee | Die Familie Brunner. Ein Nachlass

Ausstellungsdauer:

Ausstellungsort:
Jüdisches Museum Hohenems,
Salomon-Sulzer-Saal, Schweizer Str. 21,
6845 Hohenems

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Europa von einem Rückfall in nationalistische und fremdenfeindliche Ideologien bedroht.

Der europäische Imperativ „Nie wieder!“ wird von Vielen in Frage gestellt, auch hier in Österreich. Zugleich entdecken Europas Nationalisten ihre eigene Fantasie vom „christlich-jüdischen Abendland“ – als Kampfbegriff gegen Zuwanderung und Integration. Die Werte der Aufklärung, die die Grundlage europäischer Verständigung nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts bildeten, werden in ihr Gegenteil verkehrt und zum Mittel der Abschottung und der Ausgrenzung.

Ausgangspunkt für die Ausstellung „Die letzten Europäer. Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee“ ist eine Schenkung an das Jüdische Museum Hohenems, bestehend aus Briefen und Dokumenten, Memorabilia und Alltagsgegenständen der Hohenemser Familie Brunner, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Triest aufmachte, um zu der rasanten Entwicklung der habsburgischen Mittelmeermetropole beizutragen. Ihr steiler sozialer und kultureller Aufstieg endete in der Entwicklung Europas zu einem Kontinent des gegenseitigen Hasses und zwei Weltkriegen.

Vor diesem Hintergrund blickt das Jüdische Museum Hohenems auf jüdische Individuen, die angesichts der Zerstörung Europas und der versuchten Vernichtung der europäischen Juden nationale und kulturelle Grenzen überschritten und die universelle Geltung von Menschenrechten erneut vehement einforderten. Anhand ihres Engagements für ein geeintes und friedliches Europa erkundet die Ausstellung gleichzeitig dessen neuerliche Bedrohung. Parallel dazu wird sie Ort einer offenen Debatte über die Zukunft Europas sein, die 2020 und 2021 im Jüdischen Museum Hohenems – in Zusammenarbeit mit der Central European University in Wien – geführt werden soll. Ein Jahr lang wird Hohenems so zu einer „Very Central European University“.