Antisemitismus-Halbjahresbericht 2021: Zahl der Vorfälle in Österreich verdoppelt

Der Halbjahresbericht der Antisemitismus-Meldestelle gibt Auskunft über die von 01.01.2021 bis 30.06.2021 erfassten antisemitischen Vorfälle in der Antisemitismus-Meldestelle der IKG-Wien. Insgesamt wurden im Beobachtungszeitraum 562 antisemitische Vorfälle gemeldet und registriert. Der vorliegende Bericht bietet sowohl eine Aufschlüsselung der Vorfälle, einen Überblick über den Verlauf der Meldungen und eine Einordnung der Vorfälle im Kontext von Protesten gegen die Corona-Maßnahmen sowie israelbezogenem Antisemitismus. Details finden Sie hier.

Noch nie war die jüdische Gemeinde mit einer derart hohen Anzahl an gemeldeten Vorfällen konfrontiert – im ersten Halbjahr 2021 waren es 562, und damit doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Laut Bericht ist davon auszugehen, dass auch die Dunkelziffer zugenommen hat. Auffallend dabei: Nahezu deckungsgleich sind die von der IKG-Meldestelle berichteten Zahlen und die Ergebnisse der Antisemitismus-Studie des Parlaments. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka zeigte sich in seiner Aussendung angesichts der Ergebnisse schockiert: „Der starke Anstieg der Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bestätigt mich leider darin, dass wir den Kampf gegen den Antisemitismus konsequent und kompromisslos weiterführen müssen.“

„Und immer dann, wenn Verschwörungserzählungen die Runde machen, wie jetzt in Zeiten von Corona, sind diese nahezu alle antisemitisch – es sind immer die Juden, die an allem schuld seien“, fasst die Historikerin und Kultursprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, die Situation zusammen. Sie ersucht in ihrer Stellungnahme um die rasche Umsetzung der Maßnahmen, die im Rahmen der Antisemitismusstrategie zwischen den Regierungsparteien gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wie im vergangenen Jahr erarbeitet wurden.

Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus

„In den letzten Monaten wurden zahlreiche Maßnahmen getroffen, um die Sicherheit der in Österreich lebenden Jüdinnen und Juden zu gewährleisten. Es bedarf aber eines ganzheitlichen Ansatzes, von den Bildungseinrichtungen bis hin zu den Trägern des zivilgesellschaftlichen Lebens, um Antisemitismus zu bekämpfen“, so Karl Nehammer, Bundesminister für Inneres, in einer OTS-Aussendung.

Aktive Polizistinnen und Polizisten werden in Bezug auf vorurteilsbedingte Straftaten (Hate Crime) durch spezielle e-Learning Module sensibilisiert. Zusätzlich startet im Herbst 2021 ein Ausbildungsmodul „Antisemitismus“ für Polizistinnen und Polizisten in Ausbildung als auch in der Weiterbildung. Das Modul wird in Kooperation mit Bildungsexperten Daniel Landau durchgeführt. Im Zuge des Projektes Gemeinsam. Sicher werden gezielte Informationsveranstaltungen zur Aufklärung über Verschwörungstheorien abgehalten. Seit Herbst 2020 wird Hate Crime systematisch erfasst. Auf Basis der Daten werden gemeinsam mit der IKG Maßnahmen erarbeitet und weiterentwickelt. Es findet auch ein ständiger und intensiver Austausch zwischen Innenministerium und IKG zum laufenden Schutz jüdischer Einrichtungen statt. Zur weiteren Steigerung der Sicherheit wird mit einer Förderung für die Sicherheit der jüdischen Gemeinde in ganz Österreich (IRG) in der Höhe von 700.000 Euro beigetragen.

Als eine weitere Maßnahme zählt die Stärkung einer lebendigen Erinnerungskultur durch Errichtung einer Gedenkstätte im ehemaligen KZ Gusen.