„An End to Antisemitism!“- Konferenz in Wien eröffnet

 Papst: Gleichgültigkeit „Virus der heutigen Zeit“ –
Van der Bellen: Antisemitismus nach wie vor aktuell und beängstigend

Wien (APA) – Am Sonntag ist im Wiener Rathaus die „An End to Antisemitism!“-Konferenz eröffnet worden. An der Feier nahmen zahlreiche internationale Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Religion teil. Papst Franziskus und Bundespräsident Alexander Van der Bellen ließen Botschaften verlesen. Die Konferenz findet bis Donnerstag an der Universität Wien statt.

Die Redner waren sich über den weltweiten Anstieg des Antisemitismus einig. Die jüngte Nazi-Liederbuchaffäre in Niederösterreich und das umstrittene polnische „Holocaust-Gesetz“ seien zwei Beispiele, die dies belegen würden.

Für Papst Franziskus stellt die Gleichgültigkeit in Bezug auf den Antisemitismus eine große Gefahr dar. Diese sei das „Virus der heutigen Zeit“, in der die Menschen zwar besser vernetzt, jedoch weniger achtsam gegenüber anderen seien. Er forderte darum, die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen an den Juden am Leben zu erhalten. „Es gibt keine gemeinsame Zukunft ohne Erinnerung“, hieß es in der Botschaft, die von Norbert Hofmann, dem Sekretär der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, verlesen wurde. Die Kirche wolle sich zusammen mit den Juden gegen den Antisemitismus stellen.

Laut Van der Bellen, der wegen Krankheit verhindert war, ist der Antisemitismus nach wie vor aktuell und „beängstigend“. Er rief in seiner verlesenen Botschaft zum Einsatz für die Einhaltung der Menschenrechte und der Menschenwürde auf. Diese stellten den „Schlüssel für ein gemeinsames Leben“ dar. Gleichzeitig hieß es, dass Kritik an der Politik Israels per se kein Antisemitismus sei, diesem jedoch oft als Plattform diene.

„Der Antisemitismus in Europa wächst, auch in den Regierungsparteien“, erklärte der Wiener Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), der ebenfalls krankheitsbedingt nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte, in einer Botschaft. „Das beunruhigt die meisten Österreicher“ hieß es weiter. Mailath-Pokorny forderte darum eine Verbesserung im Bildungssektor und eine sorgfältigere Überwachung sozialer Medien.

„Vielleicht können wir eines Tages den Antisemitismus vernichten, das ist das Ziel dieser Konferenz“, sagte der Wiener Judaist Armin Lange, der für die Konferenzorganisation sprach. Die israelische Botschafterin in Wien dankte den Organisatoren für die Konferenz, die „auf das Problem des Antisemitismus aufmerksam macht.“

„Gegen Antisemitismus muss jetzt vorgegangen werden, bevor es zu spät ist“, betonte der Unternehmer und Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, Moshe Kantor. In Bezug auf die von der FPÖ eingerichtete Historikerkommission, die kritisch die Geschichte der Freiheitlichen beleuchten soll, gab sich Kantor skeptisch: „Wir hoffen, dass sie unabhängig bleibt und die Ergebnisse veröffentlicht.“

Der französische Philosoph und Autor Bernhard-Henri Levy leitete in einem umfangreichen Vortrag die Besonderheiten des modernen Antisemitismus her. Dieser gründe sich auf prinzipieller Israelfeindlichkeit, Holocaustleugnung und dem „Wettbewerb der Opfer“ – einer These, die den Juden vorwirft, durch ihre Erinnerungskultur die Leiden anderer Völker und Ethnien auszublenden. Er entkräftete alle drei Punkte detailliert und rief das Publikum dazu auf, gegen diese zuvor genannten antisemitischen Argumente vorzugehen.

Die Eröffnung endete mit der Verleihung des Preises des EJC an die lettische Autorin Ruta Vanagaite für ihr 2016 erschienenes Buch „Die Unsrigen“. Das Buch behandelt die Mittäterschaft lettischer Bürger am Holocaust und löste im Nachbarland Litauen eine umfangreiche öffentliche Debatte aus. Der Titel bezieht sich laut Vanagaite sowohl auf die ermordeten lettischen Juden als auch auf ihre lettischen Mörder.

Die „An End to Antisemitism!“-Konferenz wurde von den Universitäten von Wien, Tel-Aviv und New York sowie dem Europäischen Jüdischen Kongress (EJC) organisiert. Während der Konferenz sollen 150 internationale Forscher in vier Tagen effektive Strategien gegen Antisemitismus entwickeln. Diese sollen in einem Handbuch zusammengefasst werden, um Staaten, Nichtregierungsorganisationen und anderen „Entscheidungsträgern“ im Kampf gegen Antisemitismus zu helfen.

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