Simchat Thora


 
 
Simchat Thora heißt wörtlich "Thora-Freude" , denn an diesem Fest freut man sich besonders über die Gesetzgebung, die fünf Bücher Mose.
Am 22. Tischri, ein Tag nach Sukkoth, beendet man die 54 Wochenabschnitte, Paraschat Ha-Schawua, den Thoravorlese-Zyklus in den Synagogen, und beginnt nahtlos wieder von vorne, d.h. mit 1.Mose 1,1.

Simchat Thora hatte kein festes Datum wie die anderen Feste. Da aber dem biblischen "achten (heiligen) Festversammlungstag" nach Sukkoth, Schemini Azeret (4.Mose 29,35), ein Inhalt fehlte, suchten die Weisen für dieses von Gott heilig gesprochene Fest einen für heute gültigen Inhalt. Noch bis zum 17. Jh. diskutierte man darüber und legte anschließend Simchat Thora im jüdischen Kalender fest. Darum feiert man heute in Israel Simchat Thora und Schemini Azeret am selben Tag. Die Festlegung dieses Festdatums war nur möglich, nachdem man den bis dahin dreijährigen Thoravorlese-Zyklus auf ein Jahr reduzierte.

Die Weisen bestimmten, daß zu Ehren "des Endes der Thoralesung eine Festmahlzeit veranstaltet wird". Dieses Ereignis soll mit Freude und festlicher Prozession, singenden und tanzenden Umzügen (Hakkafoth) mit allen Thorarollen in den Armen siebenmal um die Lesekanzel stattfinden. Man freut sich wie Braut und Bräutigam über die Thora, durch die Gott Israel Sein Gesetz gegeben hat. Die ganze Gemeinde Jakobs empfing die Thora, so sagt es uns 5.Mose 33,4: "Mose hat uns die Weisung (Thora) übergeben, ein Besitztum für die Gemeinde Jakobs".

Die Weisen betonten, daß die Thora nicht erblich sei, sondern wie eine Braut jeweils "anverlobt" wird. Deshalb werden die zum Vorlesen aus der Thora Aufgerufenen - diejenigen, die das 5. Buch Mose beenden, und diejenigen, die mit dem 1. Buch Mose neu beginnen - auch als "Bräutigame" bezeichnet. Der "Chatan Thora", der Bräutigam der Thora, wird aufgerufen, um die Lesung zu beenden und der "Chatan Beherrschte", der Bräutigam des "im Anfang" wird aufgerufen, um
mit dem 1. Buch Mose einen neuen Zyklus zu eröffnen.

 
 
 


An Simchat Thora werden drei Thorarollen aus dem Thoraschrein gehoben.
Aus der ersten Rolle wird der Segen des Moses (5.Mose 33) bis zum Ende der Thora vorgelesen, woraufhin die Gemeinde mit lauter Stimme erklärt: "stark, stark, und wir werden gestärkt". Dieser letzte Thoraabschnitt wird so oft wie möglich wiederholt, um möglichst viele an der Thoralesung beteiligen zu können.
Anschließend liest man aus der zweiten herausgehobenen Rolle das erste Kapitel, mit dem die Thora beginnt: "Im Anfang schuf Gott" bis 1.Mose 2,4a: "Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden".
In der Haftara, der Propheten-Lesung, liest man über den Tod Moses im 1, Kapitel des Buches Josua. Die "Thora" ist genau übersetzt nicht nur ein sturtrockenes Gesetzbuch, sondern die Wegweisung, Instruktion und Ordnung Gottes, zu der jeder Gläubige verpflichtet ist (vgl. Matt. 5,17-18)



"Ich sehne mich nach deiner Hilfe, o Herr, und dein Gesetz ist meine Freude." Psalm 119,174