Radio / Fernsehen

Carl Lutz – Der vergessene Held
3sat, 15.09.2014, 21:05

Dokumentation, CH 2014
Als Schweizer Diplomat in Budapest während des Zweiten Weltkriegs rettet Carl Robert Lutz Zehntausende von verfolgten Juden vor dem sicheren Tod. Später zieht er mit seiner zweiten Frau nach Bern. Doch die Heimat dankt ihm seine Heldentat nicht, gegen Lutz wird ein Verfahren wegen Kompetenzüberschreitung eröffnet. Carl Lutz wird bis ans Ende seiner Tage verbittert und vergeblich für seine “Rehabilitierung” kämpfen. Der Schweizer “Oskar Schindler” erhält im März 2014 posthum die Ehrenmedaille der renommierten George-Washington-Universität. Der Retter von über 60.000 ungarischen Juden – etwa die Hälfte der überlebenden jüdischen Bevölkerung in Ungarn nach dem Krieg – bekommt damit die Würdigung, auf die er zeitlebens wartete. Lutz ist mit dieser Ehrenmedaille in bester Gesellschaft: Staatsmänner wie Václav Havel, Shimon Peres und Michail Gorbatschow wurden bereits mit der “President’s Medal of Honor” ausgezeichnet. Ein Porträt des “vergessenen Helden” Carl Lutz.

Ohne Liebe kann man keine Musik machen: Josef Krips im Portrait
ORF III, 21.09.2014, 19:15

Dokumentation
Der Wiener Dirigent gilt als einer der bedeutendsten Akteure des Wideraufbaus der österreichischen Musiklandschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Alter von nur 24 Jahren wird er Generalmusikdirektor in Karlsruhe: ein Karriereschritt, dem durch die Machtübernahme der Nazis ein jähes Ende gesetzt wird. Zurück in Wien entzieht man ihm, auf Grund der jüdischen Herkunft seines Vaters, das Berufsrecht. Durch die Hilfe eines Freundes entgeht er jedoch dem Einzug in die Wehrmacht. Am 1. Mai 1945, wenige Tage vor der Kapitulation der deutschen Truppen, dirigiert er “Die Hochzeit des Figaro” – die erste Aufführung der Wiener Staatsoper im unversehrten Gebäude der Wiener Volksoper. Da er als unbelastet gilt, wird er bald zu einem der gefragtesten Dirigenten der Nachkriegszeit: bis zu 28 Aufführungen pro Monat folgen. Als Chefdirigent des London Symphony Orchesters, des Buffalo Philharmonic Orchesters und des San Francisco Symphony Orchesters macht der vielfach ausgezeichnete Dirigent auch international Karriere. Anlässlich seines Ablebens, das sich 2014 zum 40. Mal jährt, zeigt ORF III dieses intime Portrait eines leidenschaftlichen Künstlers, gestaltet von seiner dritten Frau Harrieta Krips und dem Schriftsteller Franz Kabelka.

Erinnerungen – Zeitzeugen erzählen: Bruno Kreisky
ORF III, 22.09.2014, 23:35

Dokumentation, A 1985
Der in Wien 1911 geborene Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie hat wie kein anderer Politiker die Zweite Republik geprägt. Drei Mal errang Bruno Kreisky in den 70iger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit der SPÖ bei Nationalratswahlen die absolute Mehrheit und setzte mit seinen Alleinregierungen tiefgreifende Reformen um. Gemeinsam mit dem deutschen Kanzler Willy Brandt und dem schwedischen Ministerpräsidenten Olaf Palme bemühte er sich mit der Sozialistischen Internationale um einen Frieden im Nahen Osten. Bruno Kreisky schildert als Zeitzeuge seine Jahre in der Emigration und seine damals heftig umstrittene Außenpolitik des Dialogs. (Aufgezeichnet 1985 Landesstudio Salzburg)

Hitlers Menschenhändler. Juden als Austauschware
ARTE, 23.09.2014, 22:40

Dokumentation, D 2011
Der Chef der Polizei und Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, ließ von 1943 an europaweit in Ghettos und Konzentrationslagern nach jüdischen Gefangenen fahnden, die eine ausländische Staatsangehörigkeit oder eine Einreisegenehmigung für Palästina besaßen, ausländische Verwandte hatten oder über sonstige Verbindungen ins Ausland verfügten. Für die Freilassung dieser Gefangenen würden die Alliierten bereit sein, große Gegenleistungen zu erbringen, so Himmlers Kalkül. Der SS-Chef wollte – mit ausdrücklicher Genehmigung Hitlers – Juden gegen sogenannte “Reichsdeutsche” im Ausland, gegen Waffenlieferungen oder gegen Bargeld eintauschen. Akribisch wurde im Auswärtigen Amt in Berlin registriert, wer als lebende Ware für dieses teuflische Geschäft infrage kam, welche Menschen, wie es in einem Vermerk aus dem Jahre 1943 hieß, “günstig zu verwerten” waren.
Der Dokumentarfilm von Thomas Ammann, Stefan Aust und Caroline Schmidt erzählt die Geschichte jener Menschen, die nur deshalb überlebten, weil sie für die Nazis lebend nützlicher waren als tot. Sie alle waren in das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide verschleppt worden, das im mörderischen KZ-System der Nazis eine besondere Funktion hatte. Es diente als Auffanglager für die Austauschkandidaten. Nach Bergen-Belsen kam auch eine Gruppe von rund 2.000 ungarischen Juden, die Adolf Eichmann persönlich vor den Gaskammern bewahrt hatte. Der Cheforganisator der Shoah schützte sie, weil sie insgesamt zwei Millionen US-Dollar Lösegeld gezahlt hatten. Doch gegen Kriegsende verlor die menschliche “Ware” zunehmend ihren Wert für die Nazis. Und so begann für alle jüdischen Austauschhäftlinge ein mörderischer Wettlauf um Leben und Tod.

Pop-Legenden: Amy Winehouse
ARTE, 27.09.2014, 01:10

Dokumentation, A
Das Leben von Amy Winehouse war nicht immer chaotisch. Geboren am 14. September 1983, wächst sie in einer mittelständischen jüdischen Familie im Norden Londons auf. Amy liebt nichts mehr als das Singen – ihr Vater, selbst ein Musiknarr, bringt ihr die Songs von Frank Sinatra, Tony Bennett und Ella Fitzgerald bei. Doch 1992 trennen sich ihre Eltern. Für die neunjährige Amy bricht eine Welt zusammen. Ihr erstes Album, “Frank”, erscheint 2003; Fans und Kritiker trauen ihren Ohren nicht. Wer ist dieses Mädchen, das da von ihren persönlichen Problemen singt? Das Album macht Amy über Nacht zum Star. Ende 2004 lernt sie auf einer Kneipentour die Liebe ihres Lebens kennen: Blake Fielder-Civil wird die wichtigste Person in Amys Leben. Gemeinsam geben sie sich Alkoholexzessen hin. Als Blake sie nach einem Jahr verlässt, ist sie am Boden zerstört. Amy flüchtet sich in die Arbeit, kehrt ins Studio zurück und produziert in wenigen Wochen ein Album, das Musikgeschichte schreibt: “Back To Black” (2006). Mit Liedern wie “Rehab”, der ersten Singleauskopplung aus “Back To Black”, und “Love Is A Losing Game” verarbeitet sie das Trauma ihrer gescheiterten Beziehung. Das Album ist künstlerisch brillant, aber auch Ausdruck abgrundtiefer Depression und seelischen und körperlichen Verfalls. Mit dem Welterfolg taucht auch Blake wieder auf. Es bleibt nicht beim Alkohol, beide verfallen der Heroin- und Kokainsucht. Als Blake Ende 2007 wegen schwerer Körperverletzung ins Gefängnis muss, verliert Amy den Boden unter den Füßen. Beruflich ist sie, nach dem Gewinn von fünf Grammys, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, aber persönlich ist sie ein gebrochener Mensch. Sie versucht vergeblich, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Am 23. Juli 2011 stirbt sie an einer Alkoholvergiftung. Der Dokumentation ist es erstmals gelungen, neben ihren Eltern Janis und Mitch Winehouse auch engste Vertraute und Wegbegleiter vor die Kamera zu bringen.