Radio / Fernsehen

Im Kampf gegen das Vergessen. Das Vermächtnis der Holocaust-Überlebenden
ORF 2, 25.05.2015, 17:40

Dokumentation, Ö 2015
Im Mai 2015 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus bereits zum 70. Mal. Das bedeutet, dass es immer weniger Menschen gibt, die den Krieg und das NS-Regime noch bewusst miterlebt haben – und das gilt umso mehr für jene Zeitzeugen, die den Krieg überlebten, obwohl sie zu einer jener Gruppen gehörten, deren Angehörige von den Nazis verfolgt und ermordet wurden. Noch gibt es sie, diese letzten Zeugen einer grausamen Zeit, die vor allem auch jungen Menschen über ihre Erlebnisse erzählen können. Sie besuchen Schulen und halten Vorträge, aber es werden immer weniger. Institutionen wie der in Bregenz ansässige Verein „erinnern.at“ beschäftigen sich deshalb schon seit geraumer Zeit damit, wie diese Erinnerungen auch in Zukunft noch lebendig bleiben können. Eine Dokumentation aus dem Landesstudio Vorarlberg hat einige der Initiativen beobachtet – vom Zeitzeugenbesuch in Schulen über die neue Vermittlungsarbeit in der Gedenkstätte Mauthausen bis zu modernen Vermittlungsformen mit Hilfe von Zeitzeugen-Interviews auf Video. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie kämpfen gegen das Vergessen!

Wege übers Land
MDR, 27.05.2015, 00:20

Drama, DDR 1968
Gertrud sieht nur eine Möglichkeit, das jüdische Mädchen zu retten. Sie wendet sich wegen der Papiere an Lesstorff. Resigniert willigt Kalluweit ein, dass Gertrud die Kleine zusammen mit einem polnischen Jungen adoptiert. Dann meldet er sich freiwillig an die Front. Zur gleichen Zeit gelingt Willi Heyer, einem deutschen Kommunisten, mit einem polnischen Professor die Flucht aus dem Konzentrationslager. Nachdem der Krieg endlich vorbei ist, begegnen sich Gertrud und Heyer, die schon einmal flüchtige Bekanntschaft geschlossen haben, wieder. Zu Tode erschöpft vom einsamen Marsch durch die eisige, verwüstete Landschaft, hat Gertrud endlich ihr Heimatdorf erreicht und mit den beiden Kindern und einem Säugling, den sie unterwegs aufgelesen hat, in der einst so verachteten Tagelöhnerkate ihrer Mutter Unterschlupf gefunden. Jetzt drohen ihr die Kinder, wie viele andere, an Unterernährung und Entkräftung wegzusterben. Willi Heyer, den die Besatzungsmacht als Bürgermeister des Ortes eingesetzt hat, beschlagnahmt die Kühe der Großbauern, um dem Elend abzuhelfen.

Schluss mit lustig – Drei Kinder werden erwachsen
WDR Fernsehen, 30.05.2015, 09:30

Dokumentation, D 2014
Sophia und Anna-Lisa müssen fleißig üben, wie man in hohen Schuhen richtig läuft. Derweil übt Ilan mit seinem Rabbi das Singen der alten Tora-Verse. Alle drei schauen einem großen Tag entgegen; alle drei sind zwischen 13 und 14 Jahre alt: Die getaufte Protestantin Sophia wird in einigen Wochen konfirmiert, Anna-Lisa fiebert ihrer Jugendweihe entgehen und Ilan wartet auf seine Bar Mizwa, um zum “echten jüdischen Mann” zu werden. Drei Jugendliche, drei Initiationsriten – für alle drei ein großer Tag! Wie fühlt sich dieser erste Schritt zum Erwachsenwerden an? Und wie geht es weiter, wenn man richtig erwachsen ist? Ob Familie, Freunde, Schule oder der eigene Körper: Plötzlich tauchen überall neue Möglichkeiten auf – aber auch neue Probleme.

Erzählt, was Ihr erlebt habt!
3sat, 31.05.2015, 13:05

Dokumentation, A 2015
Österreich-Bild aus dem Landesstudio Steiermark
Vor 70 Jahren – am 8. Mai 1945 – ist der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Noch leben unter uns Menschen, die diese Zeit erlebt haben. Menschen, die authentisch berichten und darüber erzählen können, wie es damals war. Wie damals aus heutiger Sicht Unvorstellbares geschehen konnte. Wie es war als junger Soldat an der Front. Wie es war in der Stadt, wenn Fliegeralarm gegeben wurde. Wie man Angst hatte, denunziert zu werden. Wie man geahnt hat, was mit der jüdischen Nachbarfamilie geschehen ist. Wie die Lebensmittel knapp wurden und der Hunger immer größer. Der ORF Steiermark möchte Zeitzeugen dazu einladen, zu erzählen, was sie damals erlebt haben.

Vis-à-vis: Adriana Altaras befragt von Frank A. Meyer
3sat, 01.06.2015, 22:50

Talkshow, CH 2015
Frank A. Meyer spricht mit der Theaterregisseurin und Schriftstellerin Adriana Altaras über die aufkeimende Angst als Jüdin in Deutschland, mit Bezug zu ihrem neusten Buch “Doitscha”. Darin beschreibt sie ihren Alltag als jüdische Mutter und ihr Leben als Repräsentantin der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Auf die Attentate von Paris und Kopenhagen antwortet sie mit einem Aufruf zum Mut. Auf ihrer To-Do Liste steht: Keine Angst haben! Das ist für sie nach den Anschlägen in Paris und Kopenhagen keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine Kampfansage. “Ich verdränge die aufsteigenden Ängste zugunsten des Mutes”, schreibt sie. Adriana Alatras hat ihre jüdischen Wurzeln stets betont und ist in den Medien immer wieder als Repräsentantin der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland in Erscheinung getreten. In der Frankfurter Paulskirche hielt sie eine vielbeachtete Rede zur Pogromnacht vom November 1938. Wahres Gedenken, so Altaras, müsse im Konkreten liegen, im alltäglichen und konstruktiven Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Deutschland. In ihrem jüngsten, autobiografischen Buch “Doitscha” zeichnet sie ihre Erfahrungen als Mutter und Jüdin nach, die ihre Religion aktiv vertritt. Ihr erstes Buch, das die Geschichte ihrer Familie, das Verlassen der jugoslawischen Heimat und die Ankunft in Deutschland erzählt, wurde 2014 verfilmt.

Paul Celan – Dichter ist, wer menschlich spricht
ARTE, 10.06.2015, 21:50

Dokumentation, D 2014
Der jüdische Lyriker Paul Celan war zeitlebens auf der verzweifelten Suche nach Heimat und Halt. Sein Weg aus der Bukowina, dem ostjüdischen Buchenland, über Wien nach Paris ist der Weg eines anarchischen und sensiblen Charmeurs in die Dunkelheit eines unheilbaren Traumas: Unter den Erfahrungen des Holocaust leidend, wählt er 1970 mit noch nicht einmal 50 Jahren den Freitod in der Seine. Die Dokumentation erzählt die Geschichte eines unbedingt Liebenden, eines sehnsüchtig nach Verständnis und Verständigung Suchenden. Erstmalig spricht der Sohn des Dichters, Eric Celan, vor einer Kamera über seinen Vater über das schwierige, von Celans psychischen Krisen überschattete Leben der Familie. Mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, Tochter eines Kärntner Nazis, verbindet den jüdischen Dichter eine leidenschaftliche, unglücklich bleibende Liebe. Immer wieder sucht er Deutschland auf, das Land der Mörder, aber doch auch das Land jener Sprache, die er liebt und in der er schreibt. Zum einschneidenden Erlebnis wird ihm, der neugierig ist auf die junge Bundesrepublik, eine Lesung vor jungen Schriftstellern der “Gruppe 47″: Man verhöhnt seinen Vortragston, Vergleiche mit Goebbels und dem “Singsang wie in einer Synagoge” muss er ertragen. Celan wagt sich dennoch weiter vor in Deutschland, seine “Angstlandschaft”, wo er das Gespräch mit dem nationalsozialistisch belasteten Philosophen Martin Heidegger sucht. Die Dokumentation von Ullrich H. Kasten und Hans-Dieter Schütt erzählt Celans Biografie als ein packendes Stück deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. Reisebilder von Aufenthaltsorten des Dichters, Archivaufnahmen sowie Interviews mit dem Celan-Forscher Bertrand Badiou und Eric Celan verbinden sich zu einem bewegenden Porträt. Dies ist der bislang erste Film, der die Größe und die Tragik dieses Dichterlebens erfasst und in einem erzählerischen Sog vergegenwärtigt.