Radio / Fernsehen

Kulturzeit extra: Polens Kino der Erinnerung. Andrzej Wajdas Geschichten vom Widerstand
3sat, 26.08.2015, 22:25

Magazin, D 2015
Der polnische Oscar-Gewinner “Ida” von Pawel Pawlikowski behandelt nicht ohne Zufall ein historisches Thema. Der Film und sein internationaler Erfolg haben in Polen heftige Reaktionen ausgelöst. Aus aktuellem Anlass fragt “Kulturzeit extra” nach der filmischen Darstellung von Wendepunkten und Tabuthemen der polnischen Geschichte. “Ida” spielt im Jahr 1962 und erzählt vom Identitätskonflikt einer jungen Nonne, die ihre jüdischen Wurzeln entdeckt. Von Seiten des national katholischen Lagers wurde “Ida” als ein Stück ‘jüdischer Propaganda’ kritisiert, denn der Film thematisiert die polnische Beteiligung am Holocaust – allerdings sehr viel differenzierter als Claude Lanzman in seiner “Shoah”-Serie.

Juden & Muslime. So nah. Und doch so fern! Erinnern, streiten, bekriegen: 1945 bis heute
ARTE, 28.08.2015, 09:50

Dokumentation, F 2010
In den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Welt mit dem Grauen der Konzentrations- und Vernichtungslager konfrontiert, das den Großteil der europäischen Juden das Leben kostet und erst durch den Sieg der Alliierten über Deutschland ein Ende findet. Zahlreiche Juden waren vor den Nazis nach Palästina geflohen. Hier sollte unter britischem Mandat eine dauerhafte nationale Heimstätte für das jüdische Volk entstehen. 1948 sorgt die Gründung des Staates Israel bei den Juden von New York bis Tel Aviv für Jubel und Freude, bei Arabern und Muslimen hingegen für Wut und Verbitterung. Hunderttausende Palästinenser werden vertrieben und fliehen in der Hoffnung auf eine mögliche Rückkehr. Gleichzeitig muss die große Mehrheit der Juden in der muslimischen Welt ihre Heimat im Irak, in Ägypten, im Iran, in Syrien, in Marokko, in Tunesien und anderen Ländern binnen weniger Jahrzehnte freiwillig oder gezwungenermaßen aufgeben. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen dem Staat Israel und den benachbarten arabischen Ländern. Und Jerusalem wird zur geteilten Stadt.

Universum History. Rommel – Hitlers Wüstenfuchs
ORF 2, 28.08.2015, 22:40

Dokumentation, A 2015
Seine Legende währte weit länger als das System, dem er lange treu ergeben diente: Erwin Rommel. Vor 75 Jahren, im September 1940, begann der Afrika-Feldzug, der Rommels Ruf als “Wüstenfuchs” begründete. Auf dem Höhepunkt seiner Erfolge ersetzte sein Ruf, so schien es, ganze Divisionen. Zu verdanken hatte er seine kometengleiche Karriere seinen Fähigkeiten – und seinem Förderer Adolf Hitler. Dann kamen die Niederlagen. Und am Ende das Zerwürfnis. Wie viele führende Offiziere verschloss auch er zunächst die Augen vor dem wachsenden Terror der Nationalsozialisten. Unter Führung ihrer Generalität war die Wehrmacht vom ersten Tag an ein verlässliches Instrument des Vernichtungskrieges. Rommel hatte in dieser Hinsicht Glück: Er kämpfte vor allem in Afrika und nicht im Osten: Mit Kriegsverbrechen ist er nie ernsthaft in Verbindung gebracht worden, im Gegenteil. Wie kaum ein zweiter General hat er nachweislich verbrecherische Befehle unterbunden. Im Spannungsfeld zwischen Gehorsam und Gewissen, Verdrängung und Protest zog sich Rommel lange ganz auf seine militärische Funktion zurück. Bis in den Sommer 1944. Da brach er mit seinem Gönner Hitler. War er auch dafür, den Diktator zu beseitigen? Dafür liefert diese Doku neue Hinweise. Sicher ist: Erwin Rommel wusste genug von der Verschwörung, um dafür mit dem Leben zu bezahlen.

Nazi Beutekunst. Die wiedergefundenen Meisterwerke
ARTE, 06.09.2015, 17:35

Dokumentation, F 2015
Die Dokumentation behandelt ein bis heute nicht abschließend aufgearbeitetes Kapitel aus dem Zweiten Weltkrieg: die NS-Beutekunst. Die systematische Enteignung wurde von den Nazis mit akribischer Gründlichkeit organisiert, die Durchführung übernahm der sogenannte Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR). Hitlers Kunstberater koordinierte europaweit Tausende von Kunstraubzügen und sorgte für den Abtransport des Beuteguts in die Reichshauptstadt Berlin, wo die schönsten Stücke Eingang in die Büros und Privaträume der Parteigrößen fanden. Der Rest wurde an verschiedenen Orten gelagert wie etwa dem Pariser Museum Jeu de Paume. Nach Kriegsende bemühten sich verschiedene Institutionen intensiv um die Rückgabe der gestohlenen Werke, doch Zigtausende blieben verschollen. Sobald eines irgendwo wieder auftaucht, entbrennt häufig ein erbitterter Streit um den rechtmäßigen Besitz. Die Dokumentation rollt die Geschichte dreier von den Nazis aus jüdischen Sammlungen gestohlene Meisterwerke noch einmal auf, von der Enteignung durch die Nazis bis hin zu deren Rückgabe: “Dame in Blau vor einem Kamin” von Henri Matisse (Sammlung Paul Rosenberg), “Herbstsonne” von Egon Schiele (Sammlung Karl Grünwald) und “Der Gitarrenspieler” von Georges Braque (Sammlung Alphonse Kann). Nach dem Krieg wurde Kunstraub bei den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrechen gewertet. Die Dokumentation folgt den Wegen der Bilder und berichtet von der Beharrlichkeit, mit der die Erben nach den kostbaren Erinnerungsstücken aus ihrem Familienbesitz suchen. Dabei werden beide Seiten beleuchtet: die Abläufe der systematischen Enteignungen in der NS-Zeit und die aktuelle Problematik im Zusammenhang mit Provenienzforschung und Restitution.

Georg Kreisler gibt es gar nicht. Eine Verbeugung
ARTE, 06.09.2015, 23:20

Dokumentation, D 2012
In der Dokumentation “Georg Kreisler gibt es gar nicht – Eine Verbeugung” geht Grimme-Preisträger Dominik Wessely dem umfangreichen Liederwerk sowie dem verschlungenen Lebenslauf des am 22. November 2011 verstorbenen Georg Kreisler nach und stellt beide in einen zeitgeschichtlichen Kontext: Denn in Kreislers Liedern spiegelt sich ebenso viel Biografisches wie Historisches. “Ein Leben in Liedern” könnte das Motto dieses Films deshalb auch lauten; ein Dutzend Kreisler-Lieder aus fünf Jahrzehnten bilden den roten Faden der Erzählung. Neben Kreislers Witwe, der Schauspielerin und Sängerin Barbara Kreisler-Peters, berichten auch die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse, Daniel Kehlmann und Konstantin Wecker von ihren Erlebnissen mit Georg Kreisler und zeichnen so das faszinierende Bild eines vielschichtigen und vielbegabten Künstlers, der bei vielen Zeitgenossen als “schwierig” galt.

Woody Allen: Radio Days
ORF III, 10.09.2015, 22:25

Comedy, USA 1987
Ich-Erzähler Joe erinnert sich an seine Kindheit, an seine Familie und an sein jüdisches Viertel im Brooklyn der 40er-Jahre. Alle Annekdoten ranken sich um beliebte Sendungen im Radio _ dem damals beliebtesten Mittel, der bescheidenen Realität für einige Stunden zu entfliehen.

Yourope. 50 Jahre Deutsch-Israelische Beziehungen
ARTE, 12.09.2015, 14:00

Magazin, D 2015
Nie wieder sollten sich Juden auf der “blutgetränkten deutschen Erde ansiedeln”, das erklärte der Jüdische Weltkongress 1948. Jüdisches Leben in Deutschland – nach dem Holocaust schien das lange Zeit unvorstellbar. Erst 1965 nahmen Israel und die Bundesrepublik diplomatische Beziehungen auf. Nun jährt sich diese historische Annäherung zum 50. Mal. Grund genug für “Yourope” herauszufinden, wie es im Jahr 2015 um das deutsch-israelische Verhältnis bestellt ist. Und wo ließe sich das besser untersuchen als in Berlin. Die deutsche Hauptstadt ist zum Sehnsuchtsort vieler junger Israelis geworden. Ausgerechnet die Stadt, in der die Nationalsozialisten den Völkermord an den Juden geplant hatten. “Yourope” trifft israelische Neu-Berliner, die sich hier zwar wohlfühlen, sich der Geschichte aber doch nicht ganz entziehen können und wollen. Genau wie die jungen Deutschen, die in Israel Holocaust-Überlebenden helfen.

Horizonte. Erinnerung und Versöhnung – Gespräch zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana
hr-fernsehen, 13.09.2015, 09:00

Dokumentation, D 2015
Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch mit Rabbiner Tovia Ben-Chorin
Nach dem jüdischen Kalender beginnen 2015 die sogenannten Hohen Feiertage am 14. September mit dem Neujahrsfest Rosch ha-Schana. Damit beginnt nach der jüdischen Zeitrechnung das Jahr 5.776. Der Neujahrstag ist ein Tag des Gedenkens und der Erinnerung an den Bund, den Gott mit seinem Volk Israel geschlossen hat. Zu Beginn des neuen jüdischen Jahres sind die Menschen aufgefordert, Rechenschaft über ihr Leben abzulegen, sich ihrer Schuld, aber auch ihrer Verantwortung bewusst zu werden. So ist Rosch ha-Schana auch der Tag des Gerichts für den Menschen, dem wiederum zehn Tage später der wohl wichtigste Tag im jüdischen Kalender folgt, der sogenannte Versöhnungstag “Jom Kippur” .Ganz bewusst folgt in der jüdischen Tradition dem Tag des Gerichts der Tag der Versöhnung, an dem der Mensch den Weg zu Gott zurückfinden kann. Erinnern und Versöhnen – diese beiden Pole prägen die Hohen Feiertage im jüdischen Kalender. So steht die Versöhnung mit dem Allmächtigen, aber auch untereinander am Ende der sogenannten Hohen Feiertage, die mit Rosch ha-Schana am 14. September beginnen und am 23. September mit dem Tag der Versöhnung, mit Jom Kippur, ihren Höhepunkt finden. Aus Anlass der diesjährigen Hohen Feiertage hat Meinhard Schmidt-Degenhard an diesem Sonntagvormittag den Rabbiner Tovia Ben-Chorin eingeladen, um mit ihm über die Bedeutung der Feiertage, aber auch über das Leben in den jüdischen Gemeinden zu sprechen. Bis zum Frühjahr 2015 war der heute 78-jährige Ben-Chorin als Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Berlin tätig, im Sommer wechselte er in das schweizerische St. Gallen. Der liberale Rabbiner liebt den Dialog, das Gespräch miteinander – ob nun mit anderen Juden, mit Moslems, Christen oder Nichtgläubigen. Er ist der Mann des Dialogs – und das hat er von seinem Vater, dem bekannten Religionswissenschaftler Fritz Rosenthal, später Schalom Ben-Chorin, gelernt, der 1935 von München nach Palästina emigrierte. Den jüdisch-christlichen Dialog seines Vaters hat er inzwischen weitgeöffnet zu einem Gespräch zwischen Juden, Christen und Muslimen. In Berlin gehört er zu den Mitbegründern des “House of One” – ein Gebetshaus, in dem Juden, Christen und Muslime gemeinsam unter einem Dach zusammen kommen.