Radio / Fernsehen

Radiokolleg – New Jerusalem. Streifzug durch New Yorks jüdische Musikszene
Radio Ö1, 12.-14.07.2016, täglich um 09:45

New York City gilt als das Zentrum für säkulare und religiöse jüdische Kultur außerhalb Israels, auch wenn die jüdische Gemeinde des Big Apple in den letzten Jahrzehnten durch Geburtenrückgang und Überalterung kleiner geworden ist. Was für den Jazz der Stadtteil Harlem im Norden, ist für Klezmer die Lower East Side.
Vom Süden der Insel Manhattan aus entfaltete sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts Klezmer Musik. Aschkenasim brachten damals die Klezmer-Grundformation – Klarinette, Geige, Kontrabass -, sowie den Rhythmus aus Mittel- und Osteuropa in die Neue Welt. Gleichzeitig neu und vertraut, trug Klezmer rituelle jüdische Traditionen ebenso wie Walzer oder Polka in sich. Seit den 1970er Jahren haben Avantgarde-Musiker wie John Zorn oder Don Byron den Musikstil in teils “anarchistische” Improvisationsformen gelenkt. Hip Hop und Eletronica führten die jiddische und die jüdische Musik endgültig aus dem Shtetl heraus. Eine musikalische Bestandsaufnahme aus New York City.

Von Viehhändlern, koscherer Küche und Ehevermittlung
3sat, 13.07.2016, 11:30

Dokumentation, CH 2014
Kathrin Winzenried auf jüdischen Spuren im Aargau
Bis vor 150 Jahren durften Schweizer Juden nur in zwei Aargauer Dörfern leben. In Endingen und Lengnau führten sie ein ärmliches Leben als Händler und Hausierer. Beide Dorfbilder werden von einer Synagoge geprägt, ein verwunschener Friedhof liegt am Weg zwischen Endingen und Lengnau, und immer noch zeugen Wohnhäuser mit doppelter Eingangstür von der speziellen Cohabitation. Die Wurzeln der meisten Schweizer Juden reichen nach Endingen und Lengnau zurück. Wie zum Beispiel die Familie Guggenheim, die in Amerika als Industrielle zu Reichtum und als Mäzene zu Anerkennung kam. Auf eine Spende dieser wohl berühmtesten Surbtaler Familie geht auch die Gründung des Schweizerischen Israelitischen Alters- und Pflegeheims “Margoa” in Lengnau zurück. Weitere bekannte jüdische Bürger dieser Gemeinden sind der Schriftsteller Charles Lewinsky und die alt Bundesrätin Ruth Dreifuss. In der Alten Eidgenossenschaft, endgültig ab 1776, durften sich Juden nur in den beiden Dörfern in der damaligen Grafschaft Baden niederlassen. Gemäß einer Bestimmung mussten Juden und Christen “abgesondert und nicht beieinander wohnen”, doch dem halfen sie ab, indem sie gemeinsame Wohnhäuser jeweils mit zwei identischen, nebeneinanderliegenden Eingängen versahen. Erst 1866 erlangten sie die Freizügigkeit, und die meisten von ihnen wanderten in den folgenden Jahrzehnten ab. Kathrin Winzenried macht sich auf Spurensuche und trifft dabei zum Beispiel den 99-jährigen Max Wyler, der 1915 im Surbtal zur Welt kam und bis heute als Viehhändler tätig ist. Sie unterhält sich auch mit Roy Oppenheim, einem Einwohner Lengnaus, der nicht nur einen jüdischen Kulturweg initiiert hat, sondern sich stark dafür engagiert, dass die Geschichte des Schweizer Judentums lebendig bleibt.

Der Traum von Olympia. Die Nazi-Spiele von 1936
ARTE, 16.07.2016, 20:15

Drama, D 2016
Als Adolf Hitler am 1. August 1936 die Olympischen Sommerspiele von Berlin eröffnet, ist das zugleich der Startschuss für eine perfekte Inszenierung. Zwei Wochen lang präsentiert sich das Deutsche Reich als modernes Land, in dem sich Teilnehmer, Zuschauer und Berichterstatter aus der ganzen Welt wohlfühlen sollen. Die knapp 4.000 Athleten aus 49 Nationen erleben ein Sportfest der Superlative: Der olympische Fackellauf feiert ebenso Premiere wie der Medaillenspiegel. Erstmals überträgt das Fernsehen die Wettkämpfe live. Das Olympische Dorf ist eine eigene, komfortable Stadt. In den Restaurants und Kneipen von Berlin wird ausgelassen Swing und Jazz getanzt. Der “Führer” hat die Fassade des NS-Reichs auf Hochglanz polieren lassen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Sports werden die Spiele von der Politik missbraucht. Die Nazi-Diktatur inszeniert sich unter dem Deckmantel des olympischen Gedankens. Seit den Spielen in Berlin weiß die Politik, welche Propaganda-Möglichkeiten ein sportliches Großereignis bietet. “Der Traum von Olympia” erzählt diese Geschichte konsequent aus der Sicht von zwei Menschen, die damals dabei waren – und deren Traum sich in einen Alptraum verwandelte: Wolfgang Fürstner (gespielt von Simon Schwarz), Kommandant des Olympischen Dorfes, ist eigentlich ein überzeugter Anhänger des Systems. Doch im Zuge seines Einsatzes für Hitlers Olympia-Projekt fällt sein Weltbild schleichend in sich zusammen. Das System, das er so verehrt, richtet sich gegen ihn, weil herauskommt, dass Fürstner jüdische Vorfahren hat.

Kampf ums Überleben. Polen unter deutscher Besatzung
ARTE, 21.07.2016, 23:15

Dokumentation, D 2013
Hitlers Krieg traf 1939 Polen zuerst – und am härtesten. Kein Land musste im Zweiten Weltkrieg, gemessen an der Einwohnerzahl, einen so hohen Blutzoll entrichten wie Deutschlands östlicher Nachbar. Doch von Beginn an formierte sich auch Widerstand gegen die Besatzer. Von 35 Millionen Bewohnern Polens zu Kriegsbeginn fielen sechs Millionen Menschen, meist jüdischer Herkunft, dem Wüten der Nazis zum Opfer. Trotz militärischer Aussichtslosigkeit formierte sich im Verborgenen von Beginn an auch Widerstand gegen die Fremdherrschaft. Guerillagruppen verübten Anschläge im schwer zugänglichen Hinterland, Untergrundkämpfer bildeten ein Netzwerk zur Weitergabe von Waffen und Informationen. Neben der national orientierten “Heimatarmee” (Armia Krajowa, AK), die mit Unterstützung der Exilregierung operierte, nahmen lokale, katholisch oder auch kommunistisch orientierte Gruppierungen den Kampf auf, den die Besatzungsmacht mit brutaler Repression und Massenerschießungen erwiderte. Die Dokumentation “Kampf ums Überleben – Polen unter deutscher Besatzung” beschreibt das Ausmaß dieses ungleichen Ringens und die erschreckenden Folgen besonders für die jüdische Bevölkerung Polens – auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse, mit Einschätzungen polnischer und israelischer Historiker sowie mit Schilderungen unmittelbar Beteiligter. Dabei spart der Film auch die in Polen heftig diskutierte Frage nicht aus, welchen Anteil antisemitisch gesinnte Polen an der Verfolgung ihrer jüdischen Landsleute hatten und belegt zugleich, dass es in fast keinem Volk so viele Menschen gab, die die Todgeweihten unter eigener Lebensgefahr retteten wie in Polen.

Kafka – Der letzte Prozess
ARTE, 22.07.2016, 03:10

Dokumentation, D/ISR 2011
Kafkas letzter Wunsch an den Freund und Schriftsteller Max Brod lautete, alle Werke – also Bücher, Zeichnungen, Briefe – ungelesen zu verbrennen. Max Brod widersetze sich, und eigentlich sollte die Welt ihm dafür ewig dankbar sein. Max Brod hat einige der bedeutendsten Werke der Literatur des 20. Jahrhunderts gerettet und Kafka die Anerkennung als einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren und als globale Kulturikone verschafft. Trotzdem: Franz Kafka würde sich wohl im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was derzeit mit seinem Nachlass passiert. Oder aber er würde daraus einen Roman schreiben – kafkaesk genug wäre die Geschichte. In einem Koffer aus Prag vor den Nazis nach Israel gerettet, verstaubt in einer heruntergekommenen Wohnung in Tel Aviv, bewacht von Dutzenden Katzen und einer exzentrischen Frau – das ist das Schicksal der handschriftlichen Manuskripte und Dokumente von Franz Kafka. Dazwischen wurde sein Werk mehrfach verschenkt, vererbt, teilweise versteigert und in verschiedensten Safes deponiert. Die hitzige Debatte um Kafkas Nachlass, bei der es um Millionen Euro geht und die zu politischem Gerangel zwischen Israel und Deutschland führte, ist verworren. Komponisten, Biografen, Rechtsanwälte, Experten, Erben, Autoren und Forscher wollen wissen, wo Kafkas Erbe versteckt ist, wem es gehört und wer es zuerst lesen darf. Im Oktober 2012 verfügte ein Gericht in Tel Aviv, dass der Nachlass an die Israelische Nationalbibliothek gehen soll. Damit entschied die Richterin auch gegen die Ansprüche des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Das ist das vorerst letzte Kapitel dieser Geschichte.

Universum History: Stauffenberg – Die wahre Geschichte
ORF 2, 22.07.2016, 22:40

Dokumentation, D 2009
Er war die Symbolfigur und der Hoffnungsträger der deutschen Widerstandsbewegung. Mit seinem Bombenattentat auf Hitler hätte er dem Krieg und dem Genozid ein Ende bereiten können. Doch wie die meisten deutschen Wehrmachtsoffiziere hatte Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Aufstieg und die frühen militärischen Erfolge Hitlers zunächst mit einer gewissen Faszination verfolgt. Diese Dokumentation ist ein Begleitwerk zum Kinofilm “Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat”. Sie beantwortet all diese Fragen auf der Grundlage der neuesten Untersuchungen zum deutschen Widerstand.
Ein Film von Oliver Halmburger

Stauffenberg
ORF 2, 22.07.2016, 23:35

Dokumentation
21. Juli 1944, 0:15 Uhr: Mit dem Ruf “Es lebe unser heiliges Deutschland” auf den Lippen stirbt Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Gewehrsalve eines Wachbataillons. Stauffenberg hat einen weiten Weg zurückgelegt vom jungen, von seinem Beruf begeisterten Offizier, der sich, mit Nina von Lerchenfeld frisch verlobt, am Anblick des neuen Reichskanzlers Hitler begeistern kann und der, überzeugt von den deutschen Kriegszielen, seiner Frau staatstragende Briefe aus dem Polenfeldzug schreibt. Oberst Henning von Tresckow gehört zu denen, die ihm die Augen über die Kriegsverbrechen der Deutschen hinter der Front des Russlandfeldzugs öffnen – und die Ohren für leidvolle Berichte wie den der jungen Polja von der Auslöschung ihres Dorfes. Aus dem sinnlosen Schlachten der Rückzugsgefechte in Tunesien wird Stauffenberg schwer verletzt ins Lazarett nach München gebracht. Nina muss ihm mitteilen, dass er nicht nur ein Auge, sondern auch die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand verloren hat. Nina hat Angst es zu hören, aber Stauffenberg ist inzwischen überzeugt, dass es seine Pflicht ist, an der Beseitigung Hitlers mitzuwirken. Und es gibt im Militär inzwischen auch andere, die dieser Meinung sind. Gemeinsam mit ihnen bereitet Stauffenberg das Attentat und den Staatsstreich zur Übernahme der Regierung nach Hitlers Tod vor. Von diesem “Aufstand des Gewissens” und der Tat des Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem Attentäter des 20. Juli 1944, erzählt der Film. Trotz seiner schweren Kriegsverletzungen spielte er eine der entscheidendsten Rollen in der Durchführung des geplanten Umsturzes. Durch seine Berufung zum Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres Generaloberst Friedrich Fromm, bot sich ihm die seltene Gelegenheit, bei einer Lagebesprechung in der “Wolfschanze” nahe an Hitler heranzukommen und eine Bombe zu zünden. Als Chef des Stabes verfügte er auch über die nötige Autorität und Handelsfreiheit, nach Hitlers Tod das Machtvakuum zu nutzen und mit dem Ersatzheer den eigentlichen Staatsstreich durchzuführen. Am 20. Juli 1944 kommen Stauffenberg und sein Adjutant Oberleutnant Werner von Haeften um 10:00 Uhr auf dem Flugplatz in Rastenburg an. In der Aktentasche führen sie unbemerkt zwei Bomben mit sich. Unter größter Gefahr entdeckt zu werden, ziehen sich Haeften und Stauffenberg in ein Zimmer zurück, um die Bomben zu präparieren, bevor es zu Hitler geht. Es klopft an der Tür und Stauffenberg wird zur Eile gedrängt. Nur in letzter Sekunde gelingt es ihm, wenigstens eine der beiden Bomben scharf zu machen und wieder in der Aktentasche zu verstauen. Im Besprechungsraum platziert er die Tasche so nah wie möglich bei Hitler und verlässt, eine Entschuldigung murmelnd, das Zimmer. Draußen wartet das Auto mit Haeften. Die Bombe detoniert mit voller Wucht, überall Trümmer, Rauchschwaden und Verletzte, in der Baracke kann unmöglich jemand überlebt haben. Stauffenberg erteilt dem Mitverschwörer General Erich Fellgiebel die Anweisung, umgehend das gelungene Attentat nach Berlin zu melden, danach alle Verbindungen zu kappen. Stauffenberg muss sofort nach Berlin, um den zweiten Teil der Operation durchzuführen. “Walküre” soll ausgerufen werden, ein Plan gegen innere Unruhen, bei dem das Ersatzheer die Regierungsgewalt übernehmen soll. Doch als Stauffenberg zwei Stunden später in Berlin landet, ist alles merkwürdig ruhig. “Es ist etwas Schreckliches geschehen, Hitler lebt!”

Meine Leopoldstadt
ORF 2, 24.07.2016, 22:00

Dokumentation, A 2015
Die Erzählungen führen in den Prater, in dem die meisten Wiener Kinder ihre Firmung feierten und zu den vielen Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen, aber auch zu den beiden Pferderennbahnen Freudenau oder Krieau sowie zum Ernst Happel Stadion und zum benachbarten Stadionbad. Vom Augarten mit seinen Flaktürmen, dem Porzellan und den Sängerknaben, über das Karmeliterviertel mit seiner ehemals großen jüdischen Gemeinde, dem Zirkus Renz wie dem gleichnamigen Cabaret zeigt der Film die kulturelle Vielfalt der Leopoldstadt. Der Universitäts-Campus und die neue Messe stehen der wunderbaren Natur, vorbei am Lusthaus bis zum Frachthafen Freudenau, gegenüber. An ihre Kindheit im zweiten Wiener Gemeindebezirk erinnern sich Jazzkünstler Louie Austen, Sängerin Jazz Gitti, der Schriftsteller Robert Menasse, Lydia Kolarik, deren Familie das “Schweizerhaus” betreibt, und Baumeister Richard Lugner.

Heimweh nach Themar. Jüdische Spuren an Rennsteig und Werra
MDR, 26.07.2016, 20:45

Dokumentation, D 2016
1983 schreibt Manfred Rosengarten aus San Francisco einem einstigen Klassenkameraden in Themar von seinem Heimweh. Nach der Vertreibung durch die Nazis hatte er, der Jude aus dem Süden Thüringens, in den USA ein neues Zuhause gefunden. Ganz schnell entspinnt sich ein reger Briefwechsel zwischen Einwohnern von Themar und den jüdischen Schulkameraden oder Nachbarn von damals. 2011 besuchen erstmals Nachfahren der Themarer Juden die kleine Stadt an der Werra. Die Erinnerungen werden eine “heilende” Wirkung haben. Denn bis 1933 lebten sie hier friedlich Tür an Tür, als Freunde, Nachbarn, Kameraden. Nach dem Ende der Nazi-Barbarei gab es keine Juden mehr in der Region. Erst in jüngeren Jahren suchen und erforschen engagierte Lokalhistoriker, interessierte Einwohner und Wissenschaftler die Geschichte der Juden in der Region, knüpfen sie Kontakte zu Nachfahren. Sie können weiße Flecken in Ortschroniken mit Worten und Bildern füllen, und oft schlägt die Spurensuche eine Brücke zwischen gestern und heute. Sie finden bewegende jüdische Lebenswege, allerorten. Wie ein Roadmovie erzählt die Dokumentation von Ulli Wendelmann von jahrhunderte währender Gemeinschaft. Denn Juden haben zwischen Rennsteig und Werra eine fast tausendjährige Geschichte. Sie waren Händler, Mechaniker, Lehrer, Kaufleute, Bankiers, Fabrikanten. In manchen Orten wie Berkach stellten sie ein Drittel der Einwohner. In Meiningen sorgte der jüdische Bankier Gustav Strupp für wirtschaftliche Impulse weit über seine Heimatregion hinaus. Ohne die jüdische Familiendynastie Simson gäbe es die “Waffen-und Fahrzeugstadt” Suhl nicht. In Oberhof organisierte Dr. Alexander Lion bis 1936 die Betreuung bei Ski-Wettkämpfen, die Sanitätskolonnen des jüdischen Arztes wurden Vorläufer der allgemeinen Bergwacht. Doch die tausendjährige Geschichte ist ebenso voll von Pogromen, Vertreibungen und der Auslöschung der jüdischen Bevölkerung mit dem Holocaust.

Der Junge im gestreiften Pyjama
ORF 2, 27.07.2016, 00:00

Drama, USA/GB 2008
Sensible, ergreifende Verfilmung des preisgekrönten Romans von John Boyne. Asa Butterfield (‘Hugo Cabret’) freundet sich als Sohn eines SS-Offiziers und KZ-Kommandanten mit einem gleichaltrigen, im Vernichtungslager internierten Buben an. Eine Freundschaft, die aus Kinderaugen einen ungewohnten Blick auf das Grauen des Holocaust werfen lässt.Anfang der 1940er Jahre. Der achtjährige Bruno verlässt mit seiner Familie die Stadt Berlin. Sein Vater, ein hochrangiger SS-Offizier, übernimmt eine Kommandantur im Osten des Landes. Bei den Streifzügen durch die neue Umgebung begegnet Bruno dem jüdischen Buben Shmuel, der in Häftlingskleidung hinter Stacheldrahtzaun gefangen ist. Weder ahnt Bruno, welch grauenvolles Verbrechen auf dem abgesperrten Terrain begangen wird, noch, dass sein Vater die Verantwortung für das KZ trägt. Aus der Begegnung der Buben entwickelt sich Freundschaft, aus dem vermeintlichen Abenteuer eine Tragödie.

Vom Traum zum Terror – München ’72
WDR Fernsehen, 27.07.2016, 23:25

Dokumentation, D 2011
Die Olympischen Sommerspiele 1972 sind ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte: Mit der Geiselnahme israelischer Sportler im Olympischen Dorf durch palästinensische Terroristen wird das Bild vom friedlichen, sicheren Deutschland, das die Schatten der Vergangenheit hinter sich gelassen hat, jäh zerstört. Die Autoren Marc Brasse und Florian Huber (“Schabowskis Zettel”) schildern die Ereignisse aus der Sicht und Gefühlslage von Sportlern, Funktionären, Polizisten und Politikern, die die dramatischen Stunden in München selbst miterlebt haben. In Spielszenen stellen u. a. Peter Lohmeyer, Stephanie Stumph, Stephan Luca, Matthias Koeberlin und Michael Brandner nach, was vor 44 Jahren den Kameras verborgen blieb. Die Szenen basieren auf ausführlichen Interviews mit den Zeitzeugen. So entsteht das beklemmend authentische Bild der schlimmsten 24 Stunden im Leben von Hans-Dietrich Genscher (der damalige Bundesinnenminister führte die Verhandlungen mit den palästinensischen Terroristen) und all derer, die München 1972 bis heute nicht vergessen und verarbeitet haben.

Papst Franziskus in Auschwitz
ORF 2, 29.07.2016, 09:05

Dokumentation, 2016
Im Zuge seiner Reise nach Polen zum Weltjugendtag Krakau 2016 besucht Papst Franziskus die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Er wird dort KZ-Überlebende treffen und sogenannte “Gerechte unter den Völkern”, Menschen, die für die Rettung von Juden während der Zeit des Nationalsozialismus von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem geehrt wurden. Papst Franziskus wird die ehemalige Todeszelle von Pater Maximilian Kolbe besuchen, das internationale Denkmal der Opfer des Nationalsozialismus, wird an der sogenannten Todesmauer eine Gedenkkerze entzünden und vor Jugendlichen und internationalen politischen Repräsentanten eine Ansprache halten.Gäste von Christoph Riedl-Daser im Papststudio und Co-Kommentatoren: Theologin Regina Polak und Historiker Albert Lichtblau, Mitarbeit an der Neugestaltung der österreichischen Gedenkstätte im Zeitgeschichte-Museum Auschwitz-Birkenau.

In Nachbars Küche … Koscher kochen
SWR Fernsehen, 30.07.2016, 13:15

Dokumentation, D 2010
Sie kommen aus dem Land Jesu und sprechen zu Hause hebräisch: der Rabbiner Schneur Trebnik, seine Frau Channa und ihre sechs Kinder. Vor zehn Jahren kamen die Trebniks von Israel nach Ulm und fanden hier nur ein paar vereinzelte Juden vor, die sich kaum oder gar nicht an die jüdischen Speisegesetze hielten. Inzwischen hat die jüdische Gemeinde in Ulm 500 Mitglieder und dank Rabbi Trebnik wissen die meisten, was und wie gegessen werden darf. Ob koschere Gummibärchen, blutiges Fleisch, weiße oder braune Eier, alles ist durch Kaschrut, die jüdischen Speisegesetze, geregelt. Zum Einkaufen fährt Familie Trebnik regelmäßig nach Straßburg. Dort leben 15.000 Juden und es gibt gleich mehrere koschere Supermärkte. Seit Jahren sind die Trebniks befreundet mit Ingo und Petra Bergmann. Ingo hat ein Buch über die Ulmer Opfer der Shoa geschrieben. Er und seine Frau interessieren sich für alles Jüdische: Geschichte, Sprache, Kultur und auch das Essen. Sie kochen zusammen ein jüdisches Essen, das viel über die Kultur und Heimat der Juden vermittelt.

Mein Land, Dein Land: Der Klang der Heimat – Leipzigs russische Seele
ZDF, 30.07.2016, 18:00

Dokumentation, D 2016
Konstantin Kozakevich ist Russe. Seit elf Jahren lebt er mit seiner Frau, einer Ukrainerin, in Leipzig, fernab seiner alten Heimat. Seine Heimat im Herzen ist die Musik, so sagt er. Wenn er seinen Chor dirigiert, ihn gestenreich anfeuert, ihn dann zu leiseren Tönen bremst, um zwischendurch selbst zum Solisten zu werden und mit seinem Tenor den Saal füllt, dann leuchten seine Augen, dann ist er daheim in seiner ganz eigenen Heimat, der Musik. Ansonsten tut sich der 36-jährige Musiker aus Moskau mit dem Begriff Heimat eher schwer. “Ich will dazu beitragen”, sagt er, “dass die Russen und Russland nicht nur als aggressiv wahrgenommen werden. Wir sind auch das Land von Tolstoi, von Pasternak und Tschaikowski.” Wenn er “wir” sagt, meint er alle, die Russen, die Ukrainer, Kasachen, Usbeken oder Kirgisen. Leipzig hat 543 000 Einwohner. Knapp zehn Prozent haben einen Migrationshintergrund. Die größte ausländische Gruppe bilden die Einwanderer aus der Russischen Föderation mit über 7000 Menschen. Zählt man die Zuwanderer aus den Satellitenstaaten der ehemaligen Sowjetunion dazu, sind es fast 13 000. Die russische Community in Leipzig ist sehr heterogen. Man unterscheidet zwischen Russen, Russlanddeutschen, orthodoxen Russen und russischen Juden. In Leipzig trifft man auf die Vertreter aller “russischen Seelen”: die Gläubigen, die Kulturschaffenden, die Sportler, die Arbeiter, die Akademiker. Die Dokumentation nimmt die unterschiedlichen Facetten des russischen Lebens in den Blick und beschreibt die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Integration. “Was uns alle eint, ist die gemeinsame Sprache und Kultur, unsere Wurzeln”, sagt Alina Gonscharenko. Sie ist Jüdin, kam 2001 aus der Ukraine und leitet den Tanzverein Joker, mit dem sie auch international erfolgreich ist. Wenn sie ihren deutschen Pass zeigt, verdrückt sie immer noch ein paar Tränen. Sie ist stolz, Deutsche zu sein, auch wenn ihre Seele, so sagt sie, “immer noch ukrainisch ist”.

Jesse Owens – Ein Läufer gegen Hitler
ORF III, 30.07.2016, 20:15

Dokumentation
Jesse Owens – der schnellste Mann der Welt war ein Ausnahmeathlet. Schon während seiner Studienzeit stellte er am laufenden Bande Weltrekorde in Sprint- und Weitsprungwettbewerben auf. Bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin 1936 gewann er 4 Goldmedaillen und stieg damit sogar in Nazi-Deutschland zu einem Star auf. Jedes Kind kannte damals seinen Namen und doch musste er im Alter von 23 seine Karriere beenden weil er trotz seiner Erfolge ständig um Anerkennung und schließlich ums Überleben kämpfen musste, allein wegen seiner dunklen Hautfarbe. Jesse Owens war als afroamerikanischer Athlet in einer Zeit in der in seiner Heimat noch immer strikte Rassentrennung herrschte mit der ständigen Benachteiligung gegenüber weißen Kollegen konfrontiert. Allein schon seine Teilnahme an den olympischen Spielen war ein Hürdenlauf an sich. Obwohl Owens schon damals mehrfacher Weltrekordhalter war, war es bis zum Schluss unklar ob er für die USA antreten würde. Und auch die politische Situation machte zu dieser Zeit eine Teilnahme für Sportler dunkler Hautfarbe oder jüdische Herkunft schwierig. Owens bezog in der US-amerikanischen Presse erst spät eine politische Position bezüglich der Olympischen Spiele im Dritten Reich. In einem Land, das dunkelhäutige und jüdische Athleten diskriminiere, wollte er nicht antreten. Von seinem Trainer, Larry Snyder, wurde er dafür scharf kritisiert, der ihm die Bedeutung der Olympischen Spiele für dessen Sportkarriere verdeutlichte. Nach den Spielen hatte Owens Schwierigkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, weswegen er mit 23 Jahren auf Anraten seines Trainers seine Sportkarriere beendete. Er machte daraufhin Werbung für den Sport, hauptsächlich aber für sich selbst.

Hitler – Ein Attentat und die Drahtzieher aus Magdeburg
MDR, 31.07.2016, 20:15

Dokumentation
Darf man Adolf Hitler töten? Muss man ihn sogar töten? Menschenleben retten, indem man mordet? Zwei Männer aus Sachsen-Anhalt haben diese Fragen für sich mit einem klaren Ja beantwortet. Am 13. März 1943 soll der Führer sterben. Es ist ein Samstag. In Hitlers Terminkalender steht ein Routinebesuch an der Ostfront. Alles andere als Routine ist dieser Tag für die beiden Offiziere Henning von Tresckow und Fabian von Schlabrenndorff. Sie sind die Köpfe hinter einem Attentat, das der Auftakt zu einem Staatsstreich sein soll. Streng geheim und in permanenter Lebensgefahr haben sie monatelang Antworten gesucht auf die am Ende alles entscheidende Frage: Wie tötet man Adolf Hitler? Wie tötet man den am besten geschützten Massenmörder der Weltgeschichte? Am Ende scheiterte auch dieses Attentat nur knapp. Wieso? Lag es an den Schutzmaßnahmen, die für Adolf Hitler ergriffen wurden? Wie sahen diese genau aus? Diese Fragen stehen im Zentrum des Films.

Roland Freisler – Hitlers williger Vollstrecker
MDR, 31.07.2016, 21:00

Dokumentation, D 2013
7. September 1944, 8 Uhr. Im Berliner Kammergericht kommt der Volksgerichtshof zusammen. In einer Einzelzelle im Erdgeschoss wartet der Jurist Carl Goerdeler, angeklagt als einer der Verschwörer des 20. Juli 1944. Der ehemalige Oberbürgermeister von Leipzig kauert auf einer Holzbank, er ist mager, auf dem Handrücken und am Unterarm sind Blutergüsse – die Gestapo hat ihn vernommen. Zwei Stockwerke über Goerdelers Zelle wartet Dr. Roland Freisler in seinem Büro auf den Prozessbeginn. Wie immer hat sich der Präsident des Volksgerichts akribisch vorbereitet. “Der Freisler wird das richten”, hat Adolf Hitler gesagt und dafür gesorgt, dass die Männer und Frauen des 20. Juli 1944 von seinem Lieblingsrichter verurteilt werden. Wer war Roland Freisler? Was trieb ihn an? Der Psychologe Andreas Steiner hat sich jahrelang mit der Psychologie des Dritten Reiches auseinandergesetzt. Für “Geschichte Mitteldeutschlands” erstellt er erstmals ein Profil des berüchtigtsten Juristen Hitler-Deutschlands. Dafür analysiert er unter anderem die wenigen bekannten Filmaufnahmen von Roland Freisler: “Verräter vor dem Volksgericht” heißt der Film, den Joseph Goebbels vom Prozess über die Attentäter des 20. Juli anfertigen ließ. Das Filmdokument zeigt das gnadenlose Tribunal gegen die Verschwörer und erlaubt einen einzigartigen Blick in die Seele des Richters Roland Freisler. Die Dokumentation zeigt einen Mann, der nach seinem mörderischen Arbeitstag zum Familienmenschen wurde und seine zwei Söhne ins Bett brachte. Der Film zeigt aber auch einen Angeklagten, der für seine Überzeugungen den Tod in Kauf nahm und seinem Richter mit Würde entgegentrat: Carl Goerdeler.

ZDF-History: Olympia 1936 – der verratene Traum
ZDF, 31.07.2016, 23:30

Dokumentation, D 2016
Olympische Bewegung und Nationalsozialismus, zwei unvereinbare Gegensätze? Keineswegs, wie die Olympischen Spiele von 1936 zeigten, die für Hitler und das IOC ein Riesenerfolg wurden. Minutiös enthüllt die Dokumentation, wie das “International Olympic Committee” (IOC) und die Nationalsozialisten gemeinsame Sache machten, um die Spiele zu dem zu machen, was sie heute sind: ein spektakuläres Weltereignis, das die Massen begeistert. Der Film widerlegt die Legende, dass das IOC von Hitler getäuscht wurde und nicht wusste, was die Nationalsozialisten vorhatten. Wie sie die Spiele kultisch inszenierten und zu einem Ersatzkrieg der Nationen um Medaillen machten – das war dem IOC ebenso bewusst wie die eklatanten Verstöße gegen die Amateurregeln und die Diskriminierung von jüdischen Sportlern in der NS-Diktatur. Das IOC nahm all dies in Kauf, weil es von den größten Spielen aller Zeiten träumte. Und genau die lieferte Hitler. Neben dem “teuflischen Deal”, auf den sich das IOC mit den Nationalsozialisten einließ, bildet die Geschichte der jüdischen Schwimmerin Judith Deutsch aus Österreich einen zweiten Erzählstrang der Dokumentation. Die junge Athletin lehnte die Teilnahme an den Olympischen Spielen von Berlin ab – aus Protest gegen Hitlers Rassenhass und die Ausgrenzung der Juden in Deutschland. Doch dafür musste Judith Deutsch einen hohen Preis zahlen. Sie wurde lebenslang gesperrt, und der Österreichische Schwimmverband annullierte alle ihre Rekorde. Brisante Dokumente, hochwertige Spielszenen und die Aussagen weltweit führender Experten machen “Olympia 1936 – der verratene Traum” zu einem Film, der nicht nur die dunkle Geschichte des IOC enthüllt, sondern auch zeigt, wie die Spiele von Berlin in ihrer Gigantomanie zu einer Blaupause für alle folgenden Olympischen Spiele wurden.