Radio / Fernsehen

“Dich schickt der Himmel”
ORF2, 10.02.2015, 22:35

Ein Film von Ronnie Kay (Bearbeitung: Ursula Unterberger)
“kreuz und quer” ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf http://TVthek.ORF.at abrufbar

Den perfekten Partner zu finden ist so schwierig wie die Teilung des Roten Meers. Davon sind viele orthodoxe Jüdinnen und Juden überzeugt und nehmen nicht nur die Hilfe einer Heiratsvermittlerin in Anspruch, sondern halten sich bei der Partnersuche auch an strenge Regeln. Nicht mehr als eine Handvoll Treffen, manchmal nicht mehr als 15 Minuten, nach denen man “Ja” oder “Nein” sagen muss. 15 Minuten, die das restliche Leben entscheiden. Wobei sich die Heiratswilligen sicher sind, dass die Entscheidung schon im Himmel getroffen wurde. Wobei nicht nur “die Chemie stimmen” muss. Fast nach Checklisten muss abgeglichen werden, ob die Familien zusammenpassen, wie ernst die Thora im Leben genommen wird – und auch, ob etwa der Mann arbeiten oder sich ausschließlich dem Thora-Studium widmen will. In “Dich schickt der Himmel” durfte ein Kamerateam zum ersten Mal die Suche nach dem perfekten Partner von orthodoxen Jüdinnen und Juden in Israel begleiten.
So kommt der 23-jährige Hezki auch äußerlich erkennbar aus einer streng jüdisch-orthodoxen Familie. Er hat schon etliche Datings durchgemacht – doch bisher ohne Erfolg, zur Frustration seiner Eltern, Geschwister und Freunde. Ihm schwebt ein Frauen-Ideal vor, das er selbst kaum beschreiben kann. Wichtig ist es ihm, nach den Datings seinen Rabbi um Rat zu fragen – Emotionen könnten trügerisch sein, meint Hezki zunächst, Vernunftgründe seien wichtiger. Doch im Lauf des Films macht er eine Wandlung durch und erkennt auch die Bedeutung seiner Gefühlswelt. Er will eine kluge, gebildete und kritische Frau, mit der er über alles reden kann. Damit gerät er aber auch in einen persönlichen Konflikt mit den Vorstellungen seiner streng-religiösen Gemeinschaft.
Ganz anders sind die Voraussetzungen der hübschen Merav. Mit 25 Jahren gilt die modebewusste Frau auf dem jüdisch-orthodoxen “Heiratsmarkt” als nicht mehr ganz jung. Vor allem aber mindert ihre Chancen für eine neue Ehe, dass sie bereits geschieden ist. Ihr Mann hatte vor der Eheschließung versprochen zu arbeiten, doch danach überlegte er es sich und wollte sich nur dem Thora-Studium hingeben. Dass Merav einen ersten Abschluss als Juristin hat, wird von Männern im orthodoxen Milieu ohnehin mit Argwohn betrachtet. Unter diesem Druck müsse sie, so rät ihr die Heiratsvermittlung, auch zu Kompromissen bei der Partnerwahl bereit sein.
Der erst 19-jährige Ariel, der das Schächten erlernt und koscherer Fleischhauer werden soll, trifft sich mehrmals zu kurzen Dates mit Esti, der 18-jährigen Tochter des Leiters einer Thora-Schule. Sie verstehen sich gut, doch mit dem Heiraten haben sie es nicht eilig – sehr zum Entsetzen der Eltern. Ariels Eltern reagieren eher verhalten, als sie beim arrangierten Besuch ihrer zukünftigen Schwiegertochter erfahren, dass Esti das Kochen erst erlernen muss. Estis Mutter wiederum macht ihrer Tochter tränenreich und nachdrücklich klar, dass nach ein paar Dates die Entscheidung zur Hochzeit nun endlich fallen müsse.

Die Seele eines Mörders
3sat, 10.02.2015, 20:15

Krimi, Adaption des Romans “Denn die Seele ist in deiner Hand” der israelischen Autorin Batya Gur
Zohara Baschari, Anwaltsgehilfin jüdisch-jemenitischer Herkunft, ist ermordet worden. Die Obduktion durch den Pathologen Dr. Solomon ergibt, dass Zohara schwanger war. Zudem hatte sie soeben eine teure Wohnung gekauft und besaß kostbaren Schmuck. Als großzügiger Spender entpuppt sich Zoharas Arbeitgeber, der wohlhabende Anwalt Rosenstein. War Zohara seine Geliebte? Die Familie Baschari ist abgrundtief verfeindet mit ihren Nachbarn, den aus Polen eingewanderten ashkenasischen Beneschs. Chefinspektor Ochajon erfährt, dass die Bascharis die Beneschs auch deshalb hassen, weil ihnen einst, im Auffanglager für jemenitische Einwanderer, unter einem Vorwand ihr Baby zugunsten einer ashkenasischen Familie weggenommen wurde. Die bekannte Journalistin Orli Shoshan fand in Zoharas Auftrag heraus, dass die in den USA lebende Tochter des Anwalts Rosenstein in Wirklichkeit Zoharas ältere Schwester ist – das entwendete Baby der Bascharis. Der Schmuck und die teure Wohnung sind der Versuch eines Schweigegeldes. Wollte Zohara reden? Wurde Rosenstein von ihr erpresst? Dann verschwindet die zwölfjährige Nesja Chajun spurlos, ein dickliches Mädchen, das die schöne Zohara vergötterte. Eine Suchaktion der Polizei beginnt. Aber Nesja wird nicht gefunden, nur die Leiche ihres Hundes. Mittlerweile spricht vieles dafür, dass das Verschwinden von Nesja mit der Ermordung Zoharas in Zusammenhang steht. Eine scheinbar nebensächliche Beobachtung von Ochajon führt auf die richtige Spur. Der Fernsehkrimi “Die Seele eines Mörders” ist eine Adaption des Romans “Denn die Seele ist in deiner Hand” der israelischen Autorin Batya Gur. Der Film spielt in Jerusalem und Tel Aviv, und führt tief in die israelische Gesellschaft und Geschichte.

Bei mir biste scheen. Der Heiratsvermittler Jose Weber
3sat, 13.02.2015, 12:00

Dokumentation, D 2013
Der Frankfurter Jose Weber ist der einzige jüdische Heiratsvermittler Deutschlands – das behauptet er steif und fest. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus warten jüdische Singles auf Webers glückliche Vermittlerhand. Auf seinem Schreibtisch stehen fünf Monitore, damit er seinen vielen Aufträgen Herr werden kann. Das größte Problem von Webers Agentur Simantov (Deutsch für “gutes Zeichen”) ist, dass deren Kundinnen und Kunden in der Regel weit entfernt voneinander leben. In Frankfurt zum Beispiel hat die jüdische Gemeinde zwar 7.000 Mitglieder, aber – so Weber – “da kennen sich viele vom Spielen im Sandkasten her und verlieben sich nicht ineinander”. In ganz Europa gibt es dagegen immerhin 15.000 heiratswillige Jüdinnen und Juden, weswegen Weber auch schon einmal eine Liebesheirat zwischen einem Finanzexperten aus Paris und einer Professorin aus Sibirien stiftete. Die Dokumentation “Bei mir biste scheen” begleitet den jüdischen Heiratsvermittler Jose Weber bei seiner Arbeit.

Mit einem Lächeln und einer Träne. Leben nach dem Holocaust
3sat, 13.02.2015, 12:30

Dokumentation, D 2013
Eigentlich passt das nicht zusammen: Das Lächeln und die Tränen, mit denen Zosia Wysocki oft zu den wöchentlichen Treffen in Frankfurt kommt. Sie trifft sich hier regelmäßig mit Freunden und Bekannten bei Kaffee und Kuchen, um über den Holocaust zu reden. Kaffeeklatsch und das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, Lächeln und Tränen: Sind das nicht unüberbrückbare Gegensätze? Zosia Wysocki, selbst eine Überlebende des Holocaust, sieht das anders. Das Lächeln, sagt sie, ist für das Leben und das Glück überlebt zu haben, die Tränen für all das, was sie im Holocaust verloren hat. Der Frankfurter “Treffpunkt”, wie ihn die Sozialarbeiter und Psychotherapeuten der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland nennen, ist eine Begegnungsstätte, in der wöchentlich Holocaustüberlebende zusammenkommen. Die jüdischen Senioren erinnern sich, erzählen, tauschen sich aus und teilen ihr Schicksal. Die Dokumentation “Mit einem Lächeln und einer Träne” besucht den “Treffpunkt” in Frankfurt, eine Begegegnungsstätte für Holocaustüberlebende.