Radio / Fernsehen

Von Viehhändlern, koscherer Küche und Ehevermittlung
3sat, 04.05.2015, 22:25

Dokumentation, CH 2015
Kathrin Winzenried auf jüdischen Spuren im Aargau
Bis vor 150 Jahren durften Schweizer Juden nur in zwei Aargauer Dörfern leben. In Endingen und Lengnau führten sie ein ärmliches Leben als Händler und Hausierer. Beide Dorfbilder werden von einer Synagoge geprägt, ein verwunschener Friedhof liegt am Weg zwischen Endingen und Lengnau, und immer noch zeugen Wohnhäuser mit doppelter Eingangstür von der speziellen Cohabitation. Die Wurzeln der meisten Schweizer Juden reichen nach Endingen und Lengnau zurück.

Kulturmontag mit “Vergesst uns nicht, erzählt es weiter” – Die letzten Zeugen”
ORF 2, 04.05.2015, 22:30

Magazin, A 2015
“Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet.” Sechs Zeugen, Überlebende des Holocaust, stehen auf der Bühne des Burgtheaters und im richtigen Leben – ein Blick in die Vergangenheit und ein Versuch, das Heute zu verstehen.

Thementag: 70 Jahre Kriegsende, 70 Jahre Frieden in Österreich
ORF III , 08.05.2015

Dieses historische Jubiläum wird am Freitag, dem 8. Mai 2015, dem Tag der Befreiung vom NS-Terror, zum dritten Mal in Folge mit einem “Fest der Freude” am Wiener Heldenplatz begangen Erstmals überträgt der ORF heuer die vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) in Kooperation mit Partnern wie den Wiener Symphonikern veranstaltete Gedenkfeier, die zugleich den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet ist, live im Fernsehen. ORF III Kultur und Information zeigt den aus einem Festakt und einem Konzert der Symphoniker unter Philippe Jordan bestehenden Event ab 19.40 Uhr – eingebettet in einen bereits um 15.10 Uhr startenden umfassenden Thementag mit spannenden Dokumentationen, Zeitzeugengesprächen und einem “Kultur Heute Spezial” (18.30 Uhr) mit Interviews vom Ort des Geschehens. Im Rahmen einer Pressekonferenz heute am Montag, dem 27. April, präsentierten der MKÖ-Vorsitzende Willi Mernyi, der Geschäftsführer der Wiener Symphoniker, Johannes Neubert, und ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz alle Details zum diesjährigen “Fest der Freude” sowie zur TV-Live-Übertragung. Weiters wurde eine neue, vom MKÖ beauftragte Studie zum Thema Toleranz in Österreich vorgestellt – durchgeführt diesen Monat vom Institut meinungsraum.at. Ergebnis: Österreich wird toleranter.

Theresienstadt – Musik als Zuflucht
3sat, 10.05.2015, 11:30

Dokumentation, D 2013
Sängerin Anne Sofie von Otter, Sänger Christian Gerhaher und Geiger Daniel Hope reisen mit Zeitzeugen nach Terezin, Theresienstadt – einen der dunkelsten Orte der Menschheitsgeschichte. Um der Öffentlichkeit menschliche Zustände im Konzentrationslager vorzugaukeln, verordnete das Nazi-Regime den Gefangenen Tanz und Musik. Das Musizieren wurde zur Überlebenschance. Jetzt lassen die Musiker die Musikstücke im ehemaligen Ghetto wieder aufleben. Sie entdecken die Musik an einem Ort des Grauens, zeigen die kostbare Begegnung mit Zeitzeugen und die teilweise sehr persönlichen Beweggründe der nächsten Musikergeneration, dem Vergessen entgegenzuwirken. Dabei lässt sich die Kraft der Kunst und ihrer Schöpfer erahnen, sie gibt den Ansporn, aus der Vergangenheit die Lehre des “Nie wieder” zu ziehen.

Leben nach dem Überleben: Die Literatin Ruth Klüger
3sat, 10.05.2015, 12:30

Dokumentation, CH 2015
Das Porträt der Österreich-stämmigen amerikanischen Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger zeigt eine jüdische Frau, die als Kind im Wien der 1930er-Jahre ihre Heimat und Identität verlor. Mit 11 Jahren wurde sie deportiert – erst nach Theresienstadt, dann nach Auschwitz-Birkenau, zuletzt in das Lager Christianstadt. Im Februar 1945 floh sie mit ihrer Mutter. Ihr erstes Buch “Weiter leben. Eine Jugend” gehört inzwischen zum deutschen Bildungskanon. 1992 erschien ihr Erstlingswerk auf dem deutschsprachigen Buchmarkt und war sofort ein Bestseller. Ruth Klüger erzählt in unpathetischer Weise darin ihre Geschichte. Heute zählt sie zu den anerkannten Literaturwissenschaftlerinnen und Germanistinnen der USA, sie ist Professorin in Göttingen und aus dem Deutsch- und Geschichtsunterricht nicht mehr wegzudenken.

Schatten der Vergangenheit. Die Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus
3sat, 10.05.2015, 18:30

Dokumentation, A 2013
“My dear Nazi”, so sprach der jüdisch-stämmige Leonard Bernstein in den 1960er Jahren den Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker, Helmut Wobisch, an. Aufarbeitung à la Bernstein. Wobisch war ein früheres SS-Mitglied und wurde nach nur fünf Jahren Berufsverbot wieder beim Orchester aufgenommen. Geschichten wie diese zeigen, wie schwierig es auch für die Philharmoniker war, mit der eigenen Vergangenheit fertig zu werden. 15 Orchestermitglieder wurden aus “rassischen Gründen” bis September 1938 gezwungen, das Orchester zu verlassen, sieben in der Folge ermordet. Am 12. März 2013, dem 75. Jahrestag des “Anschlusses” Österreichs an das “Deutsche Reich”, publizieren die Wiener Philharmoniker auf ihrer Webseite die jüngsten Forschungsergebnisse einer dreiköpfigen Historiker-Gruppe, bestehend aus Oliver Rathkolb, Fritz Trümpi und Bernadette Mayrhofer, über die NS-Vergangenheit des Orchesters. Die Dokumentation nimmt sich dieses Kapitels österreichischer Geschichte an und lässt heutige und ehemalige Mitglieder des Klangkörpers sowie deren Angehörige zu Wort kommen.

Deportiert von Wien nach Maly Trostinec. Eine verspätete Erinnerung
ORF III, 10.05.2015, 18:50

Dokumentation, A 2012
An keinem anderen Ort sind so viele Österreicherinnen und Österreicher als Opfer des Holocaust von den Nationalsozialisten ermordet worden, wie in Maly Trostinec/Weißrussland. 10.000 Menschen wurden aus Wien deportiert, um in einem Waldstück nahe dem kleinen Ort rund zehn Kilometer von Minsk entfernt, erschossen oder vergast zu werden. Insgesamt wurden zwischen 40.000 und 60.000 Jüdinnen und Juden dort getötet, nur 17 Menschen haben überlebt. Kaum jemand weiß aber von Maly Trostinec. Die Geschichte des Ortes blieb viele Jahrzehnte einer breiten Öffentlichkeit unbekannt. Erst durch die Initiative der engagierten Wienerin Waltraud Barton ist eine verspätete Erinnerung an die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Österreich nach Maly Trostinec in Gang gekommen. Die Dokumentation erzählt von persönlichen Schicksalen der Angehörigen und bringt neue Einschätzungen zur historischen Bedeutung von Maly Trostinec im Kontext der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager.

Dann bin ich ja ein Mörder
ORF III, 10.05.2015, 21:55

Dokumentation, A 2012
Am 29. März 1945 werden im burgenländischen Deutsch Schützen von drei SS-Männern etwa 60 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Einer der mutmaßlichen Mörder ist SS-Unterscharführer Adolf Storms, der für diese Tat niemals zur Rechenschaft gezogen wurde. Über 6 Jahrzehnte nach der Tat gelingt es Walter Manoschek ihn zu interviewen. In den Gesprächen mit Storms, mit tatbeteiligten HJ-Führern und Juden, die das Massaker überlebten, wird das Verbrechen rekonstruiert und Fragen nach dem Vergessen, dem Verdrängen und der Verantwortung gestellt. “Ich finde diesen Film großartig, vor allem weil er so sachlich ist… Manoschek weiß, wie er zu fragen hat, und er befragt einen Täter, der sich, obwohl seine Tat, die Ermordung von mindestens einem völlig Hilflosen auf dem Todesmarsch nach Mauthausen, von Zeugen bestätigt wird, von mehreren Zeugen sogar, an nichts erinnern kann… Diese Dinge sind, da eben nicht von einem routinierten Filmemacher dargestellt, plötzlich ganz neu, von der Seite eines Wissenden betrachtet, in aller Klarheit, ohne Naivität, sogar ohne Dämonisierung der Täter. Das ist eine große Kunst. Das ist bisher zu selten passiert, eben, wie gesagt, eine Darstellung ohne Eifer und ohne Zorn, von einem, der leidenschaftliche Teilnahme für die Opfer hat, ohne die Täter ahistorisch zu verteufeln und zu dämonisieren. Da versucht einer, der es weiß, trotzdem zu verstehen. Das ist sehr viel.” (Elfriede Jelinek)

Mit der Tram durch Jerusalem. Eine Fahrt von Ost nach West
3sat, 12.05.2015, 21:45

Dokumentation, D 2013
Korrespondent Richard Schneider steigt in die erste und einzige Straßenbahn der heiligen Stadt und trifft Menschen, die dort leben mitten in einem Alltag, der alles andere ist als alltäglich. Die Bahn startet am Herzlberg, führt durch das Zentrum von Westjerusalem, weiter ins ultraorthodoxe Viertel Mea Sharim, von dort in den palästinensischen Stadtteil Beth. Endstation ist Pisgat Zeev, eine jüdische “Siedlung” im Osten Jerusalems. Die Straßenbahn rollt erst seit ein paar Jahren und verbindet West- und Ostjerusalem. Anfangs sorgte die Tram für Chaos, denn die Autofahrer wussten nicht, wie sie mit einer Stadt-Eisenbahn umgehen sollten. Zudem, kritisieren Gegner, schaffe die Bahn politische Fakten, indem sie die Stadt unteilbar mache. Im palästinensischen Stadtteil, Haltestelle Damaskustor, wohnt eine alte Dame der Familie Khalidi direkt bei der Klagemauer und dem Felsendom. Schon seit über 1000 Jahren lebt ihre Familie in Jerusalem. Und mitten in der Stadt befindet sich das Flüchtlingslager Shuafat.