Radio / Fernsehen

Anatevka – Ein Dorf am See
ORF 2, 20.07.2014, 09:05

Magazin
Im Mekka der Operette setzt man 2014 auf Musical: “Anatevka” ist erstmals auf der Seebühne zu sehen. Es erzählt in einem Reigen bunter Melodien die Geschichte des jüdischen Milchmanns Tevje und seiner Familie im Russischen Reich um 1905. Als die drei ältesten Töchter ins heiratsfähige Alter kommen und sich, nach Tevjes Ansicht, in völlig unpassende Männer verlieben, wird seine traditionsbewusste Lebensweise komplett auf den Kopf gestellt. Nach anfänglichem Hadern mit den Wünschen seiner Töchter siegt am Ende aber doch die Liebe und die drei Mädchen heiraten ihre Auserwählten. Gestalterin Karina Fibich blickt hinter die Kulissen der Inszenierung rund um den “Fiddler on the Roof”.

Gott und die Welt: Drei Kinder werden erwachsen
Das Erste, 20.07.2014, 17:30

Dokumentation, D 2014
Sophia und Anna-Lisa müssen fleißig üben, wie man in hohen Schuhen richtig läuft. Derweil übt Etienne mit seinem Rabbi das Singen der alten Tora-Verse. Alle drei schauen einem großen Tag entgegen; alle drei sind zwischen 13 und 14 Jahre alt: Die getaufte Protestantin Sophia wird in einigen Wochen konfirmiert, Anna-Lisa fiebert ihrer Jugendweihe entgehen und Etienne wartet auf seine Bar Mizwa, um zum “echten jüdischen Mann” zu werden. An Gott glaubt Sophia nicht so richtig, trotzdem muss sie für ihre Konfirmation das Glaubensbekenntnis auswendig lernen. Das sorgt für hitzige Diskussionen mit ihrer Pfarrerin. Doch eigentlich hat Sophia ganz andere Probleme: Für die Schule büffelt sie jeden Tag bis spät abends, so dass sich ihre Mutter schon ernsthafte Sorgen macht. Das Kleid und das Make-Up für ihre Jugendweihe hat Anna-Lisa schon ausgesucht. Schließlich will sie an diesem Tag hübsch aussehen. Jugendweihe – ihre Eltern, die aus den neuen Bundesländern kommen, haben das auch schon so gemacht und außerdem kann sich Anna-Lisa nicht vorstellen, dass ein Gott im Himmel die Dinge auf unserer Erde lenken soll. Anna-Lisa denkt sowieso lieber über anderes nach: über Liebe zum Beispiel. Da sind ihre Eltern ihr großes Vorbild. Doch bisher haben sich die meisten Jungs, die sie kennengelernt hat, als “ziemlich doof” herausgestellt. Ausgenommen natürlich ihr bester Freund: Luki. Zuhause bei Etienne ist grad ziemlich Stress. Etienne ist genervt, aber freut sich. Seine Bar Mizwa musste kurzfristig verschoben werden, denn es gibt Familiennachwuchs. Nicht jeden Tag bekommt man schließlich einen kleinen Bruder. Nun, da seine Bar Mizwa endlich ansteht, darf Etienne nicht mehr so oft mit seinen Kumpels abhängen. Für die Bar Mizwa muss sich Etienne gut vorbereiten, muss immer und immer wieder mit seinem Rabbi üben. Nach langem Warten ist es dann soweit – endlich bekommt er seine Gebetsriemen umgelegt. Er erbt sie von seinen Großeltern. Drei Jugendliche, drei Initiationsriten – für alle drei ein großer Tag! Wie fühlt sich dieser erste Schritt zum Erwachsenwerden an? Und wie geht es weiter, wenn man richtig erwachsen ist? Ob Familie, Freunde, Schule oder der eigene Körper: Plötzlich tauchen überall neue Möglichkeiten auf – aber auch neue Probleme.

Die letzten Mieter
3sat, 30.07.2014, 04:20

Comedy, USA/D 2005
New York, 1972: Der jüdisch-amerikanische Autor Harry Lesser lebt als letzter regulärer Mieter in einem heruntergekommenen Apartmentgebäude, das verkauft werden soll. Doch bevor er auszieht, will er sein neuestes Buch beenden. Eines Tages stellt Harry fest, dass der Afroamerikaner Willie Spearmint, ebenfalls Autor, sich in einem leer stehenden Apartment einquartiert hat. Er bittet Harry um eine ehrlichen Einschätzung seines Manuskripts. Als dieser konstruktive Kritik, aber auch Lob äußert, reagiert Willie aggressiv. Er fühlt sich angegriffen und reagiert mit rassistischen Beleidigungen gegen seinen jüdischen, weißen Nachbarn. Harry versucht, gelassen zu bleiben – und ist umso erstaunter, als Willie kurz darauf erneut seinen schriftstellerischen Rat sucht. “Die letzten Mieter” ist ein gelungenes Drama um die eskalierende Rivalität zweier Schriftsteller, nicht zuletzt dank hervorragender Hauptdarsteller Dylan McDermott (“The Practice”) und Snoop Dogg (“Bad Boys II”).

Glaubwürdig: Tsipi Lev
MDR, 02.08.2014, 18:45, WH: 03.08., 09:21

Dokumentation, D 2013
Vor ein paar Jahren zog Tsipi Lev aus der quirligen Großstadt Petach Tikva in das beschauliche Laucha nach Sachsen-Anhalt, der Liebe wegen. Trotzdem aber, sagt sie, schlage ihr Herz nach wie vor auch in Israel, wo sie 1960 geboren wurde. Die Aura und die Mystik ihrer Heimat spürt man in den Schmuckstücken, die Tsipi Lev entwirft und auf Märkten verkauft. Ihr Schmuckstand macht Menschen neugierig und provoziert Gespräche über Gott und die jüdische Welt. Erst in Deutschland habe sie angefangen, ihren Glauben zu reflektieren, sagt Tsipi Lev; in Israel denke man nicht darüber nach, man lebe ihn. Sie selbst zählt sich nicht zu den orthodoxen Juden, aber sie versucht, Rituale wie den Sabbat mit ihrer Familie zu pflegen. Tsipi Levs Vater überlebte den Holocaust im Warschauer Ghetto nur knapp. Für sie war es ein ungeheurer Schock, als ihr Sohn auf offener Straße als “Judenschwein” beschimpft und angegriffen wurde. Aber statt zu flüchten, bleibt sie und engagiert sich im interkulturellen Austausch. Tsipi Lev möchte über Israel aufklären, gegen Vorurteile angehen: “Niemand wird als Nazi geboren, das ist alles eine Frage der Bildung.”.

Die Jahrhundertfrau Elisabeth Heller
ORF 2, 03.08.2014, 09:30

Dokumentation, A 2012
Als die “beste Gelassenheitslehrerin der Welt” bezeichnete sie ihr Sohn André Heller in einer Weihnachtskarte. Elisabeth Heller besticht durch eine pragmatische Weltsicht, die ihm so ganz und gar zu fehlen scheint. Ihr Leben offenbart ein Kaleidoskop aus hundert Jahren österreichischer Geschichte: aufgewachsen in “gutem Hause”, landverschickt als Kind im Ersten Weltkrieg, als betörende Schönheit geheiratet von einem doppelt so alten Mann in der Zwischenkriegszeit. Häusliches Berufsverbot (“eine Heller arbeitet nicht”) und das Leben an der Seite eines versponnen-verträumten Zuckerlfabrikanten. Mit der “Arisierung” der familiären Existenzgrundlage und Demütigungen gegen ihren jüdischen Mann erlebt die Katholikin was es heißt, in einer Nazi-Diktatur zu leben. Mit fast 50 probt sie den Aufstand und arbeitet doch: in einem noblen Mode-Atelier. Mit 80 verpfändet sie ihr Haus und ihren Schmuck, denn Sohn Franz, der sich jetzt André nennt, hat eine gute Idee, die er auf die Bühne bringen will. Reflexionen, tiefe Einsichten und vielversprechende Aussichten einer Jahrhundertfrau. Ein Film von Beate Thalberg und Isolde von Mersi.

Die Wohnung
Das Erste, 06.08.2014, 02:50

Dokumentation, D/ISR 2011
Eine Wohnung in Tel Aviv, ein Stück Berlin mitten in Israel. 70 Jahre lang hat Gerda Tuchler hier mit Ehemann Kurt gelebt, nachdem das Ehepaar in den 30er Jahren aus Deutschland fliehen musste. Weggeschmissen haben sie nichts. Als Gerda Tuchler mit 98 Jahren stirbt, trifft sich die Familie zur Wohnungsauflösung. Regisseur Arnon Goldfinger will die Wohnung seiner Großeltern, die darin konservierte Welt, filmisch festhalten – bevor sie für immer verschwindet. Doch inmitten unzähliger Briefe, Fotos und Dokumente entdeckt er Spuren einer unbekannten Vergangenheit: Die jüdischen Großeltern waren eng befreundet mit der Familie des SS-Offiziers Leopold von Mildenstein. Sogar über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus. Die über Generationen im Verborgenen gehaltene Geschichte verstört und schmerzt. Und dennoch nimmt Filmemacher und Enkel Arnon Goldfinger zusammen mit seiner Mutter den Kampf auf – mit Wut und Mut gegen die Kisten, den Staub, die Antiquitätenhändler, die Familie, die Vergangenheit und die Gegenwart, Verdrängung und Wahrheit. Wie bei einer Zwiebel wird sorgsam Schicht um Schicht dieser unglaublichen Geschichte freigelegt. Ergebnis dieses Prozesses ist eine unglaubliche Saga, die den Zuschauer nicht nur in die Geschichte einer Familie hineinzieht, sondern auch in die vielschichtigen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Ein faszinierendes Dokument, das einen neuen, nachdenklichen Blick darauf wagt, wie die zweite und dritte Generation von Holocaust-Überlebenden mit Erinnerung und Geschichte umgeht und darauf, wie komplex die Beziehungen zwischen den Israelis und den Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg sind. Außerdem rührt der Film an Fragen der Identität und Zugehörigkeit, der Verdrängung und des Gedenkens und schafft es dabei, daran zu erinnern, wie wichtig diese Fragen sind. Der Dokumentarfilm “Die Wohnung”, an dem Regisseur Arnon Goldfinger ganze fünf Jahre gearbeitet hat, beleuchtet eine deutsch-jüdische Geschichte, die noch nie erzählt wurde – und die für einige Gespräche zwischen den Generationen sorgen dürfte. “Die Wohnung” wurde als einer der verblüffendsten und wichtigsten Dokumentarfilme bezeichnet, die in den letzten zehn Jahren in Israel entstanden sind. Nicht nur wegen seiner unglaublichen Geschichte und der feinen Erzählweise, sondern vor allem auch wegen der Komplexität seiner Themen und den Emotionen, die er in den Zuschauern hervorruft.

Gräber für die Ewigkeit – Jüdische Bestattungsrituale
3sat, 08.08.2014, 12:45

Dokumentation, D 2013
Jüdische Trauer- und Beerdigungsrituale schreiben vor, dass ein Begräbnis so schnell wie möglich durchzuführen ist. Strenggläubige bitten darum, dass vom Moment ihres Todes bis zum Begräbnis nicht mehr als eine Stunde vergeht. Im Judentum sind Gräber unantastbar und angelegt für die Ewigkeit. Eine Folge sind riesige Friedhöfe, auf denen sich kaum einer mehr zurechtfindet. Online und per SMS kann man die gesuchten Gräber abrufen. In Israel ist eine Grabstelle grundsätzlich kostenlos. Wer allerdings an einem speziellen Ort begraben werden möchte, muss zahlen. Am teuersten ist es am Ölberg in Jerusalem. Es heißt, ein Platz dort koste um die 10.000 Euro. Die Dokumentation “Gräber für die Ewigkeit – Jüdische Bestattungsrituale” berichtet von jüdischen Trauer- und Beerdigungsritualen.