Radio / Fernsehen

Wir Wunderkinder
ARTE, 01.02.2016, 21:40

Comedy, D 1958
Die Schulkameraden Hans und Bruno könnten unterschiedlicher nicht sein: Der strebsame Hans arbeitet stets hart für seine Karriere, während Bruno die Gelegenheiten nur so zufliegen. In den goldenen 20er Jahren kommt er durch Aktiengeschäfte zu schnellem Geld, während sich Hans sein Studium als Zeitungsverkäufer finanzieren muss. Im Nationalsozialismus macht Bruno Karriere und profitiert von der Enteignung der jüdischen Bevölkerung. Indes verliert Hans nicht nur jüdische Freunde, sondern auch seine Jugendliebe Vera, die mit ihrem Vater emigriert. Nach dem Krieg schließlich kann Hans kaum seine junge Familie ernähren, da hat Bruno schon den Schwarzmarkt als ein lukratives Geschäft für sich entdeckt. Im deutschen Wirtschaftswunder der 50er Jahre steigt Bruno dann zu einem vermögenden Geschäftsmann auf. Als Bruno eine gemeinnützige Stiftung gründet, schreibt Hans – inzwischen Journalist bei einer Tageszeitung – zum gegebenen Anlass einen aufschlussreichen Artikel über die zweifelhafte Karriere seines Schulfreunds. Bruno ist empört über den Angriff auf seine Ehre. Er sucht Hans in der Redaktion auf und droht damit, das Blatt finanziell zu ruinieren. Doch Hans lässt sich von Brunos Drohgebärden nicht einschüchtern und weigert sich, den Artikel zurückzuziehen. Nach einem rhetorischen Schlagabtausch mit Hans verlässt Bruno wütend die Redaktion – und stürzt unter Missachtung des Schilds “Außer Betrieb” in einen Fahrstuhlschacht. Seine Todesanzeige wird kurze Zeit später in der Zeitung abgedruckt.

Der jüdische Kardinal
ARTE, 05.02.2016, 23:30

Sonstiges, F 2012
Lustiger ist kein konventioneller Geistlicher. Mit 14 Jahren, im Jahr 1940, lässt er sich gegen den Willen seiner Eltern katholisch taufen. Er raucht viel und fährt Moped, seine Predigten sind energisch und modern. Als eine katholische Zeitung seine jüdische Herkunft betont, provoziert er einen Skandal, als er behauptet, er habe mit der Konvertierung zum Katholizismus dem Judentum keinesfalls abgeschworen. Gegenüber dem Journalisten sagt er, er sei eine lebende Provokation, die viele dazu zwinge, das Wesen Christi zu ergründen. Sein Vater Charles, der von Polen nach Frankreich geflohen ist und dessen Frau im Jahr 1943 in Auschwitz ermordet wurde, akzeptiert die Entscheidung seines Sohnes nicht, Bischof von Orléans zu werden, da das Angebot ausgerechnet von einem Papst kommt, der Pole ist. Als Lustiger den Papst trifft, ist er beeindruckt von seiner Persönlichkeit und seinen Visionen. Die beiden Gottesmänner begegnen sich mit einer ähnlichen Weltsicht und einem ähnlichen Verständnis von Kirche. Bereits nach einem Jahr als Bischof von Orléans wird Lustiger zum Erzbischof von Paris und später auch zum Kardinal und Berater des Papstes ernannt. Aufgrund seiner jüdischen Wurzeln setzt sich Lustiger als Erzbischof besonders mit der Beziehung von katholischer Kirche und Judentum auseinander. Nach dem Tod seines Vaters und einem Besuch in Auschwitz gerät Lustiger in eine Auseinandersetzung mit den Widersprüchen seiner doppelten Identität. Als 50 Jahre nach dem Holocaust ein Kloster im sogenannten Theater von Auschwitz – einem Gebäude des Lagers, das in kirchlichem Besitz war – eingerichtet wird, erregt dies gewaltigen Protest und Empörung. Lustiger muss Stellung beziehen, teilweise auch gegen den Papst …

Mythos Geschichte: Massel und Schlamassel
ORF III, 09.02.2016, 21:05

Dokumentation, A
Warum erzählen die Juden so viele und gute Witze? Und was hat das mit der Religion zu tun? Der jüdische Witz nimmt ja praktisch alles aufs Korn: Die religiösen Vorschriften, die Liebe, die Familie, Verbotenes und verrücktes (genannt “Narrischkeiten”), ihre Namen, die Sprache, Fromme und weniger Fromme – kurz, alles, was das menscheliche Leben ausmacht. Sigmund Freud hat darüber ein erhellendes Buch geschrieben, aus dem sich entnehmen lässt, wie gut er über die Materie Bescheid wusste. Der jüdische Witz ist Überlebensstrategie und Lebensklugheit, und mit ein bissel Schmäh lässt sich das Massel herbeirufen und der Schlamassel überstehen. Oder, wie Friedrich Torberg sagte: “Lächeln ist das Erbteil meines Stammes”.
Ein Film von Helene Maimann

Hanna K.
ARTE, 11.02.2016, 22:50

Drama, F/ISR 1983
“Hanna K.” erzählt die Geschichte der jüdisch-amerikanischen Hanna Kaufman – Tochter von Holocaust-Überlebenden und Strafverteidigerin in Israel. Sie soll den palästinensischen Selim verteidigen, der wegen Terrorismus angeklagt ist. Selim gibt an, er habe das Haus seiner Familie, das mittlerweile russischen Juden gehört, wieder in seinen Besitz bringen wollen. Es gelingt Hanna, ihn vor dem Gefängnis zu bewahren, doch man deportiert Selim nach Jordanien. Als er nach Israel zurückkehrt, wird er wegen illegaler Immigration inhaftiert. Hanna stellt weitere Nachforschungen an und versteht, dass die Enteignung der Palästinenser eine Folgeerscheinung des Holocausts ist. Die Staatsanwaltschaft schlägt Hanna einen Deal vor: Wenn sie das Verfahren fallenlässt, wird man Selim eine südafrikanische Staatsbürgerschaft verschaffen, wodurch er legal nach Israel zurückkehren und das Grundstück beanspruchen kann. Während ihre Kollegen bedingungslose Solidarität mit dem Staat Israel fordern, ist Hanna hin- und hergerissen. Sie verliert schließlich den Fall und bekommt ein Kind von einer Affäre, doch ihr Leben scheint unerfüllt. Als Selim sich im Gefängnis fast zu Tode hungert, wird er in Hannas Obhut entlassen. Joshua, der Vater von Hannas Kind, beobachtet misstrauisch, wie sich eine Liebesbeziehung zwischen Hanna und Selim entwickelt. Als sich ein Attentat auf die ehemals palästinensische Stadt Kfar Rimon ereignet, ist Joshua sicher, dass Selim damit zu tun hat.

Taking Sides – Der Fall Furtwängler
ORF III, 12.02.2016, 21:55

Spielfilm
Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Berlin liegt in Trümmern. Der amerikanische Mayor Steve Arnold erhält den Auftrag, Hitlers Lieblingsdirigenten Wilhelm Furtwängler der Kollaboration mit den Nazis zu überführen. Im Chaos des besiegten Deutschland, wo hinter jeder Lüge eine Wahrheit und hinter jeder Wahrheit eine Lüge steckt, muss Arnold zu extremen Methoden greifen, um Beweise gegen Furtwängler in die Hand zu bekommen. Aber kann der amerikanische Offizier mit seinem auf gut oder böse ausgerichteten Weltbild einen Mann begreifen, der sich seiner Kunst Willen mit dem Nazi-Regime arrangiert hatte – aber gleichzeitig Hunderten Juden das Leben rettete?

Augenschmaus “Die Konservenmacherinnen” von Max Liebermann
ARTE, 14.02.2016, 11:25

Dokumentation, F 2014
Max Liebermann wird 1847 in Berlin geboren. Seine Eltern sind wohlhabende jüdische Kaufleute aus der Textilindustrie. Doch der junge Max will nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten, sondern begeistert sich schon früh für die Malerei. Die Familie gibt schließlich nach, und Max Liebermann beginnt sein Studium an der Kunstschule in Weimar. Er lernt den ungarischen Maler Mihaly Munkacsy kennen. Seine Bilder von arbeitenden Frauen bringen ihm die realistische Malerei nahe. Schon Liebermanns erstes Gemälde, “Die Gänserupferinnen” aus dem Jahr 1872, löst einen Skandal aus. Mit seinem zweiten Gemälde, den “Konservenmacherinnen”, in etwas kleinerem Format, bleibt Max Liebermann seinem Stil treu. Moderner Stil, moderne Essgewohnheiten. Max Liebermann stellt auf seinem Bild eine ganz neuartige Erfindung dar: die Konserve. Die Geschichte der Konserve begann auf dem Schlachtfeld. Weil seine Soldaten vor Hunger sterben, versprach Napoleon 1795 demjenigen eine Belohnung, der ein Verfahren zur Lebensmittelkonservierung erfinden würde. 15 Jahre später, im Jahr 1810, stellt der Pariser Konditormeister Nicolas Appert eine bahnbrechende Methode vor: die Haltbarmachung von Lebensmitteln in luftdicht abgeschlossenen Behältern. Gegenüber dem bretonischen Fischerhafen Douarnenez liegt die älteste Konservenfabrik der Welt, in der im Jahr 1853 die erste Konserve produziert wurde. Das Kamerateam stattet der Fabrik einen Besuch ab, wo noch heute rund 120 Arbeiterinnen Sardinen handverlesen konservieren, und unternimmt eine kleine Zeitreise, um herauszufinden, wie die Konservendose damals den Alltag der Menschen veränderte. Hinter dem Herd steht in dieser Folge der Sternekoch Thomas Martin. Obwohl er im Jacobs Restaurant am Hamburger Elbufer sonst eher selten Dosenessen verarbeitet, stellte er sich freudig der Herausforderung. Gegessen wird auf der Terrasse des Hotels Louis C. Jacob an der Hamburger Elbchaussee, die Max Liebermann bei einem seiner Besuche um 1902 selbst in einem großartigen Gemälde festhielt.

Monsieur Klein
ARTE, 21.02.2016, 21:45

Drama, F/I 1976
Eines Tages erhält der Kunsthändler Robert Klein eine an ihn adressierte Ausgabe einer jüdischen Zeitung, die nur über Abonnement zu erhalten ist. Überzeugt davon, dass es sich um einen Irrtum handelt, bittet er den Zeitungsverlag, die Lieferung der Zeitung einzustellen. Denn Klein ist – anders als es sein Name vermuten lässt – kein Jude, sondern elsässischer Katholik. Allerdings muss er feststellen, dass nun das Generalkommissariat für Judenfragen der Pariser Präfektur auf ihn aufmerksam geworden ist – dieses greift bei der Registrierung der Juden auf die Adressliste der Zeitung zurück. Alle seine Bemühungen, das Missverständnis aufzuklären, erhärten nur den Verdacht der französischen Polizeibehörden. Bei eigenen Nachforschungen findet Robert Klein heraus, dass es sich um keine einfache Verwechslung handelt, sondern dass sich ein jüdischer Widerstandskämpfer, der in den Untergrund abgetaucht ist, seines Namens bedient. Die französische Polizei nimmt ihn immer mehr in die Zange und Klein sieht sich genötigt, zu seinem Vater nach Straßburg zu reisen, um mittels Geburtsurkunden seine Herkunft zu beweisen. Zurück in Paris versucht er wie besessen, den anderen Robert Klein ausfindig zu machen. Bei einer von der französischen Polizei organisierten Razzia wird er gemeinsam mit Tausenden Juden festgenommen. Zwar gelingt es seinem Anwalt, einen “Ariernachweis” zur Sammelstelle zu bringen, doch hat er keine Möglichkeit mehr, diesen Robert Klein auszuhändigen, der von der Menschenmenge in die Zugwaggons gedrängt wird, die in Richtung Konzentrationslager abfahren.

Hanussen
3sat, 22.02.2016, 00:10

Sonstiges, H/D/A 1988
Die Geschichte des telepathisch begabten österreichischen Hellsehers Hanussen, der in den 1920er und 1930er Jahren zur Sensation wurde und sich von den Nazis korrumpieren ließ. István Szabós packendes, brillant gespieltes und fotografiertes zeitgeschichtliches Drama mit Klaus Maria Brandauer. Als Zugführer Klaus Schneider während des Ersten Weltkriegs mit Kopfverletzungen in ein Lazarett eingeliefert wird, entdeckt der ihn behandelnde Arzt, Major Dr. Bettelheim, an ihm übersinnliche Fähigkeiten. Als Bettelheim ihn später an seine Klinik holen möchte, lehnt Schneider ab, denn er hat anderes vor. Seine Karriere als Hellseher und Magier beginnt, als er Hauptmann Nowotny wiedertrifft, der während des Kriegs ein Fronttheater betrieben hatte. Schneider nimmt den Künstlernamen Erik Jan Hanussen an und wird über Nacht berühmt, als er in Wien den Untergang eines Ozeandampfers voraussagt. Bald ist er ein viel gefragter Star, bis er wegen Hochstapelei verhaftet wird. In einem spektakulären Prozess demonstriert er seine hypnotischen Fähigkeiten und wird freigesprochen. Mit seiner Geliebten Wally und Nowotny zieht er nach Berlin. Hanussen verkehrt jetzt in den “besten” Kreisen, und obwohl er immer wieder beteuert, sich nicht für Politik zu interessieren, kann er sich dem Sog der politischen Ereignisse nicht entziehen. Als er den Wahlsieg Hitlers voraussieht, trennt sich sein langjähriger Freund Nowotny von ihm, und Wally macht ihm schwere Vorwürfe. Für die Nazis wird der berühmte Hellseher tatsächlich zu einer wichtigen Figur. Hanussen avanciert zum Propheten Hitlers und lässt sich zunächst auch nicht dadurch irritieren, dass sein jüdischer Freund Bettelheim in Schwierigkeiten kommt, Buchverbrennungen stattfinden und seine Freunde und Kollegen emigrieren.