Radio / Fernsehen

Im Sommergespräch: Erni Mangold
Radio Ö1, 29.07.2015, 18:25

Heuer im Frühling hat Erni Mangold auf der Bühne des Volkstheaters als Puck im „Sommernachtstraum“ Furore gemacht. Die Schauspielerin ist 88 Jahre alt, aber immer noch topfit. Mangold wurde 1927 in Niederösterreich als Erna Goldmann geboren und hat dort ihre frühen Kinderjahre verbracht. Später übersiedelte die Familie nach Wien. Hier erlebte Mangold den Zweiten Weltkrieg und lernte die Nationalsozialisten zu hassen. Sie erlebte die Verfolgung von befreundeten jüdischen Familien und den Alltagsterror der NS-Organisationen. Eine jüdische Freundin aus diesen Tagen hat sie nie wieder gesehen. Das Kriegsende, als die russischen Truppen Wien einnahmen, erlebte Erni Mangold als große Befreiung. Später, so erinnert sie sich, war sie ernüchtert, als sie feststellen musste, dass in allen Lebensbereichen, so auch am Theater, frühere Mitläufer oder sogar –täter wieder wichtige Positionen einnahmen.

Äthiopien – Aufbruch ins Gelobte Land
ARTE, 30.07.2015, 18:20

Dokumentation, NL 2011
Misgano ist ein äthiopischer Jude. Im Jahr 1984 autorisierte die israelische Regierung die kontrollierte Einwanderung äthiopischer Juden nach Israel. Nun wartet Misgano schon seit sieben Jahren darauf, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen ins Gelobte Land reisen zu dürfen. Der Legende zufolge geht die Geschichte der äthiopischen Juden auf die Königin von Saba zurück. Diese hatte eines Tages König Salomo, dessen Ruf sie neugierig gemacht hatte, in Jerusalem besucht. Eine leidenschaftliche Affäre begann, und der König von Israel heiratete die Königin von Saba, die zum Judentum übertrat. Zurück in ihrem Heimatland gebar sie einen Sohn – den ersten jüdischen Nachfahren in Äthiopien. Seit den 1980er Jahren sind zwischen 50.000 und 60.000 äthiopische Juden nach Israel eingewandert. Etwa 6.000 weitere warten noch darauf, ins Gelobte Land reisen zu dürfen.

Aimee & Jaguar
WDR Fernsehen, 02.08.2015, 00:55

Spielfilm, D 1999
Opulentes Ausstattungskino nach einer wahren Begebenheit: die Liebesgeschichte einer Hausfrau und einer jungen Jüdin im Berlin von 1943. Mit Maria Schrader, Juliane Köhler, Heike Makatsch und Detlev Buck. Berlin, Ende der 1990er Jahre. Eine alte Frau – Lilly Wust – sitzt auf ihren Habseligkeiten im dunklen Treppenhaus und wartet auf den Transport ins Altersheim. Dort wird sie auf eine alte Bekannte aus den letzten Kriegsjahren treffen, ihre alte Freundin Ilse – und lange verdrängte Bilder schwappen wieder an die Oberfläche: Es ist das Jahr 1943, die verführerische Felice besucht mit Ilse ein Konzert in Berlin. Dort lernt sie die junge Hausfrau und Mutterkreuzträgerin Lilly kennen, bei der ihre Freundin Ilse ein Haushaltsjahr leistete. Lilly betrügt ihren Mann Günther, einen Offizier und strammen Nazi-Anhänger, eigentlich regelmäßig, doch mit Felice ist es etwas ganz Besonderes: eine Frau, eine Jüdin – und die ganz große Liebe! Felice hat sich als Mitarbeiterin der “Nationalzeitung” unter dem Chefredakteur Keller eine hervorragende Tarnung geschaffen, in deren Schutz sie eine Untergrundorganisation unterstützt. Unter den Decknamen “Aimée” für Lilly und “Jaguar” für Felice schreiben sich die beiden leidenschaftliche Briefe und Gedichte. Durch die völlig neuen Erfahrungen erwacht Lilly aus ihrem Nazi-Mitläuferdasein und bringt sogar den Mut auf, sich von ihrem Mann zu trennen und Felice Unterschlupf zu gewähren, als diese vor der Gestapo flüchten muss. “Aimée” und “Jaguar” gelingt es eine Weile, sich vor der schrecklichen Realität der ständigen Bombenangriffe der Alliierten und des Nazi-Terrors in eine heile Scheinwelt zu flüchten, bis eines Tages die Gestapo vor der Tür steht. “Aimée & Jaguar” basiert auf dem 1994 erschienen Lebensbericht von Lilly Wust und erzählt eine außergewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Dritten Reichs. Regisseur Max Färberböck achtete bei der Inszenierung auf eine akribisch genaue Rekonstruktion des halbzerstörten Berlins der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Neben der bewegenden Thematik besticht der Film durch die hervorragenden darstellerischen Leistungen von Stars wie Maria Schrader, Heike Makatsch, Peter Weck, Juliane Köhler und Detlev Buck. “Aimée & Jaguar” wurde mit dem Bayerischen Filmpreis, dem Deutschen Filmpreis in Gold und auf der Berlinale 1999 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Im Gespräch: “In Wien war die Nazi-Dichte mindestens so hoch wie im Salzkammergut”. Renata Schmidtkunz spricht mit Klaus Steiner, Stadtplaner, Architekt und Sammler
Radio Ö1, 07.08.2015, 16:00

Dokumentation
Klaus Steiner, geboren 1943 in einem Heim des SS-Vereins “Lebensborn”, wuchs in Hallstatt auf und kam 1961 zum Studium nach Wien. Hier fing er an, sich mit der Architekturgeschichte Wiens zwischen 1938 und 1945 zu beschäftigen. In alten Telefonbüchern fand er die Namen jener Männer, die für den “Führer”, der Wien seine “Perle” nannte, neue Visionen für die Stadt an der Donau planten und bat sie um ihre Unterlagen, Entwürfe, Zeichnungen. Antiquariate wurden zu seinem zweiten Zuhause. Das Ergebnis seiner 50-jährigen Sammeltätigkeit, die Ausstellung “Wien. Die Perle des Reiches. Planen für Hitler”, ist noch bis 17. August im Architekturzentrum im Wiener MuseumsQuartier zu sehen. Im Gespräch mit Renata Schmidtkunz erzählt Klaus Steiner vom Prozess des Sammelns der rund 4.000 Einzeldokumente. Und welche therapeutische Wirkung das auf ihn hatte.

Logos – Theologie und Leben: “Ich kämpfe für das Werk des Herrn!” – Adolf Hitlers Theologie
Radio Ö1, 10.08.2015, 19:05

Dokumentation
“So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich der Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn”, diese Worte aus dem Munde Adolf Hitlers, des größten Demagogen und Volksverführers des 20.Jahrhunderts machen deutlich, dass er selbst für das Vernichtungsprojekt, den Holocaust, eine theologische Begründung fand. Natürlich war Hitler kein Theologe und seine Absichten waren keine religiösen. Trotzdem verkündigt er sein politisches Projekt vom Beginn seines öffentlichen Redens bis zu seinen letzten dokumentierten Äußerungen im Namen eines Gottes. Hitler konzipierte und legitimierte seine politischen Handlungen über theologische Begriffe. Dies war nicht nur Rhetorik, sondern spielte von Anfang an eine bewusste und zentrale Rolle.
Der Grazer Pastoralpsychologe Rainer Bucher hat mit “Hitlers Theologie” ein aufsehenerregendes Buch vorgelegt. “Hitlers Theologie ist krude, ihr Rassismus ist erbärmlich und ihr Gott ein numinoses Monster. Es gibt keine Gnade und keine Barmherzigkeit und daher auch keinen Frieden”; sagt Rainer Bucher. “Aber sie wurde, worauf alle Theologie zielt: praktisch”. Das ist der Grund, weshalb man sich mit Hitlers Theologie heute beschäftigen muss. Logos wiederholt anlässlich des Gedenkjahres “70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs” diese Sendung, die erstmals 2008 ausgestrahlt worden ist.

Die Unvergessenen
ZDF, 11.08.2015, 00:25

Drama, ISR/D/F/IRL 2013
Dora, eine Fotografin aus Frankreich, und Yossi, Ex-Soldat der israelischen Armee, verlieben sich, obwohl sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Haben sie sich schon früher getroffen? Dora fotografiert Soldaten, die an Beisetzungen gefallener Kameraden teilnehmen. Sie scheint jemanden zu suchen, bisher erfolglos. Yossi hat keinerlei Erinnerung an seine Zeit beim Militär, irgendetwas ist dort geschehen, das sein Gedächtnis ausgelöscht hat. Dora ist von Yossis Persönlichkeit fasziniert. Und Yossi ist überwältigt von Dora, die frischen Wind mit sich bringt, ein anderes Land, eine andere Kultur, einen anderen Duft. Sie haben ein unausgesprochenes Übereinkommen, nicht über ihre Vergangenheit zu reden. Stattdessen erfinden sie sich eine Vergangenheit, eine gemeinsame Geschichte, die nur in ihrer Vorstellung existiert, und lieben sich im Hier und Jetzt. Irgendwann erwacht Yossi mitten in der Nacht. Dora steht vor ihm und zielt mit einer Waffe auf ihn. Sie will schießen, aber sie kann es nicht. Dann läuft sie weg. Yossi begreift nicht, warum sie ihn töten wollte, warum sie ihn verlassen hat. Es beginnt eine Reise, die ihn zurück zu den Menschen und Orten seiner Armeezeit führt, und die ihn zwingt, sich mit seiner dunklen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Israel und die Bombe – Ein radioaktives Tabu
ORF III, 15.08.2015, 22:25

Dokumentation, D 2012
Der Film rekonstruiert die weitgehend unbekannte Geschichte der israelischen Atombombe und des israelischen Atomwaffen-Programms. Bis heute fährt Israel eine “Strategie der Unklarheit”. Die Atom-Kontrolleure der IAEA werden außer Landes gehalten, indem die Existenz der Bombe bestritten wird. Eingeweihte werden mundtot gemacht. Die Schoah war der Wendepunkt für das jüdische Selbstverständnis. “Nie wieder” sollten Juden widerstandslos zu Opfern werden. Israel wollte Atommacht werden. Um die Bombe zu bekommen, waren viele Mittel recht.

Hörbilder: Mein Sohn der Nazi. Szenen einer Familie in Niederbayern
Radio Ö1, 22.08.2015, 09:05

Feature von Reinhard Schneider.
Erste Szene: Simon, ein 16jähriger Rechtsradikaler auf einer Demonstration in Passau. Simon steht in einer Gruppe von Gleichgesinnten und schwenkt eine Reichskriegsflagge. Seine Mutter steht auf der anderen Seite mit einem Schild in der Hand “Nazis raus!” Andere Szenen: Gespräche in der Küche zwischen Mutter und Sohn, gemeinsames Mittagessen. Die Gespräche verlaufen immer nach dem selben Muster, zugespitzt wie eine Versuchsanordnung: Simon argumentiert, schreit, brüllt Parolen – die Mutter hält dagegen. Nur im Autor scheint jeder einen Gesprächspartner zu haben, der ihm seine Darstellung der Situation erlaubt. Entstanden ist so ein außergewöhnliches Dokument. Ein der Wirklichkeit entrissenes Theaterstück für zwei Personen, das nebst den Ingredienzen Liebe und Hass von einer der gegenwärtig brennendsten Fragen handelt: Wie kommt es, dass aus einem jungen Mann ein junger Nazi wird.